Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 49 (21.12.1933)
- Date
- 1933-12-21
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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MHßN 3le Die Ergebnisse der ersten Konferenz des mit \o viel Hoffnungen begrüßten Flücht- ,,^chilftwer!s in Lausanne, das in diesen räicn in Lausanne seinen Abschluß gefunden sind allgemein als unbefriedigend einpl-M werden. Als in den ersten Oktoberieen der Völkerbund die Schaffung eines;'Jim Kommissariats zur Regelung der gliichtliugsfrage beschloß, glaubteman, daß! ...nnehr mit aller Energie und mit den -vilss- .^oln cnier großen internationalen Aktion hm unpolitische und konstruktive Lösung der glUäitlingsfrage iu Angriff genommen würde, -nachdem sehr ausgedehnt über Personalien s,„d Repräscntationsfragen von höchstens M'ilraugiger Bedeutung verhandelt worden hierüber haben wir in diesen Blätterniviederhett. insbesondere in Nummer 47, eilt* ^'hi'nd berichtet — hoffte inan, auf der am :! Tcgember beginnenden ersten Konferenz des viilfsivrrkS in Lausanne ein wirklich „konilmüivcs Programm" deS Hohen Kommissars anzutresfen. Statt dessen — „preisend mit tuet' schönen Reden ihrer Länder" Leistung trnd Innigrautenzahl, erklärten die Delegierten mschiedeuer Regierungen, die int Verwalmngsrat vertreten sind, daß ihre Länder be* icitti sür die zu ihnen gekomutcueit Flüchtlinge p viel getan haben, daß „ihnen zu tun säst nichts mehr übrig bleibt'. Diese Erklärungen -i-iuni feiuessal.^ von cntigranten- oder jndcnßmdlichem Geiste getragen, alle Delegierten lu'fimtcu eimnütig die menschliche Anteilnahme nnd Hilftbeceitschasi ihrer Länder, stimmten jcDnrfi darin überein, daß die tvirtschastliche chjuatimi im eigenen Vaterlande ein Hineiniiwmen ivei lerer Arbeitskräfte unmöglich muhe. Wenn der Leitartikler eines bisher Agenden dentschnationalen Blattes diese Erllarungcu iu eiuein Artikel mit der Ucberschrift ,Niemand will sie haben" bespricht und darin in dem Schluß kommt, daß die Welt diese lünigranten „ächte", so ist dies einfach un* richtig und eine völlige Vcrkemtnng der Motive und des Zwecks dieser Erklärungen, die leine Offensive gegen die bisher ausgenommenen Emigranten, sondern lediglich die Ableitung weiteren Zuzugs ztun Ziele hatten. Tiefer Autor verntischt die Frage der Auswandcrcr, d. h. der Menschen, die in ehrlicher, nnpolitischer Arbeit in einem neuen Lande sich eine neue Existenz schaffen wollen, mit denen der politischen Flüchtlinge, die von jenseits der Grenze her Politik gegen ihr alles Aateüaud treiben. Alle FlüchtlingShilfe gilt nur den „Auswanderern" und nicht den „Emigranten". Immerhin ließ Lord Cecil, der Englands, dnrchblicken, daß noch WC Möglichleilcn vorhanden seien und auch Ar besonders aktive Delegierte von Uruguay, Äbcrlo G u a n i, beutete Siedlnngsmöglichkiten in Südamerika an. Außer diesen mehr als bescheidenen Ansitzen vernahm man wenig von konstruktiven Äsimg-unöglichkeitcn — außerhalb Palästinas. '■Bon Palästina allerdings war wiederholt fo- N'llhl in den Neben des Kommissars Professor 'Ancdonald selbst, und deS englischen De- 'kgiertcu. als atnh in der großen einstündigen chiigrache Dr. W e i z nt a u n s die Rede. So Air die Mitarbeit deS KontntissariatS ans dein chbiete der Palästina-Siedlnng zu wünschen >>ud zu begrüßen ist. so muß ans den bei der Ahassmig des Kommissariats maßgebendett >!>id aus der Sache selbst sich ergebenden siflindsäßlichen Erwägungen die Arbeit deS Rnnisiariats vor allem neben der Palastina-Arbeit liegen, denn diese wird bereits lZn sachkundiger und berufener Seite mit aller ^u'wie in Angriff genommen. Gerade weil "'an sich darüber einig tvar, daß allein der >m kleinen Palästina zur Verfügung stehende ciedlimgsraum zur Lösung der detitsch-südi- 'chen Flüchtlingsfraae niemals attsreichen chluie.^ ivnrde das Kommissariat geschaffen und hier liegt auch daZ Schwergewicht seiner ztlPzabe. Von all diesen Aufgaben jedoch, ^chassung eines PaßamteS nach der Art deS Aanien-Anttes. Transferierung und Anlage uer Emigrantenvermögen ttnd vor allein Ent- >vurfgroßzügiger neuer BerufsnmschichtungS- ^giedlungtzprojekte. hörte man wenig oder Alle diese Fragen sollen erst auf einer sür Mitte Januar in Aussicht genommenen neuen lLtnnng des Verwaltungsrats in Angriff ge-?o"uuen tverden. In der Erledigung organifatorischer Fragen ist mehr geleistet worden. EinigrantenhilfStverk hat sich eilt sür seute kintstige Arbeit grundlegendes Statut ge-!n?JJcn' kflö lvir hier iu seilten wesentlichsten Bestimmungen Mitteilen wollen. . 1. Gemäß den Beschlüssen der Völkerbunds. Versammlung vorn ll. Oktober 19!R und des Böllerblmdsraiü voin 12. Oklvber U,.".3 ist ein Inter. Nationales Hohes Kommissariat für die au8 Deutsehland stammenden Flüchtlinge (Israeliten und andere) geschaffen worden, dessen Verfahren nach den folgenden Grundsätzen geregelt werden wird. 2. Das Hohe Koumcissariat lvird eingesetzt, mn dllrch eine iuternauonate Aktion die wirlschaftlicherl. frnanziellen nnd sozialen Probleme zu lösen, die anLgelöst wurden durch die Tatsache, daß eine große Anzahl antz Deutschland stammender jüdischer und anderer Personen sich in mehrere Rinder geflüchtet haben. 3. Das Hohe Kommissariat hat seinen Sitz in Lausanne. A. Die Organe de? Hoheit Kommissariats sind: der Hohe Kommissar (I,o Haut EoinmiLNuiro), der BerwaltungLrat (Le Conseil d'udministrnlion), tuiö ständige Komitee (Le Comitö permanent). 5. L.er durch den BölkerbnudSrat ernannte Hohe Kommissar leitet das Hohe Kommissariat nach den vom VcrlvaltungLrat beschlossenen Richtlinien. Er oritattet ihm periodisch Berichte über seine Maßnahme!^ und seine Finanzgcbarnng. Er hat das Recht, die Korrespondenz dev Hohen Kommissariats '?>n unterzeichnen und es rechtLwirlsam zu verpflichten. 0. Der^BcrwalhmgSrat lvird gebildet dnrch: L Tie Telegierten der Regierungen von Argentinien. Belgien. Brasilien. Grosi-Britannien. Dänemark. Spanien, Bereinigte Staaten von Amerila, Frankreich. Italien, Niederlande. Polen. Schweden, Schlveiz, Tschechosloivakei. Uruguay. 2. Die Vertreter anderer Regierungen können später durch den Vcrwaltnngsrat zur Teilnahme cingeladen tverden. 3. Den Hohen Kommissar. Der VerivaltungSrat wird gelvisse private Organisativncn eiuladen, Nepräsentanten ernennen für ein beratendes .iwmitee FN-mite consultatff), welches sich an seinen Arbeiten beteiligen wird, nnd er hat da3 Recht, die -Mitglieder dc8 beratenden Komitees oder eines seiner ttnterkomiteeö einznladen, an seinen Sitzungen mit beratender Stimme Leilznnehmcn. 7. Ter Verlvaltnngsrat bestimmt die großen Linien der Politik des Hohen Kommissariats und unterstützt den Kommissar bei seinen Ansgabeir. 8. TaL ständige Komitee besteht nnü dem Präsidenten nnd Vizepräsidenten dcü Verlvaltnngörats, hem Hohen Kommissar und drei dclegicrteit Alitgliedern^deS VcrloaltnngLratö. ES kann mit beratender iLtimme zu jeder seiner Sitzungen Btit-- glicdor deS beratenden Komitees oder eines UnterlvmiteeS cinladen, welche in der vorgeschriebencn Weise vom Vcrwaltnngsrat antzgewählt tverden. 9. DaZ ständige Komitee wird im Aufträge bc8 DerwaltnngSrats zivischen dessen Sitzunhen tätig sein, besonders in Fragen, deren eilbedürftigcr Charakter eine unverzügliche Aktion erfordert. 10. Da3 Hohe Kommissariat hat nnerngeschränkte Vollmacht für alle Angelegenheiten, die sich auf seine Verwaltung und seinen AnfgabentreiS de« ziehen. 11 bis 13 betreffen Fragen der Verantwortlichkeit der am HilfSiverk beteiligten Personen, soiuie Finanzgebarnng tmd Budget. Wichtig ist. daß die Einnahmen des Kommissariats durch sreilvilltge Zahlungen ans privaten oder anderen Oucllen aufgebracht werden sollen. 1-1 ermächtigt den Komitiissar. sich mit allen Regierungen oder sonstigen Institutionen in Berbindilng zu setzeit tmd auch Privatpersonen hinznznziehen. die der Arbeit nützen können. 15 bis 17 enthalten Vestitmnnngen über Abätidertmg nnd Ergänzung dieses Statuts solvie Erlaß der notwendigen AnüsührtingLvorschriften. Präsident des VerwaltimgsratS wurde der Vertreter Englands, Lord Eecil, Vizepräsident Alberto Gnani (Urngnay), lvährend lveiter dein VerwalttingSanSschnß der Vertreter Frankreichs. Senator B 6 r a n g c r, der Vertreter Hollatidü. M. Dvude v a n Tr o o st w i j k. nnd der Schweizer Nvthtnund angchören. In das Coimto consultatif. werden 18 Organisationen Delegierten senden, nnd zwar folgende jüdischen Körperschaften: die Jewish Agency for Paleätine, die Jewish Colomsation Association (JCA), das Jewish Joint Distribution Committee for America, daZ Comitö des Dölögations Juives, ferner die britische, amerikaa nische, französische, polnische nnd holländische El« inWger mellNScr Erisü Der prcusiischc Aünister für Wissrnsch.-lst. und Boll?bild»»g gibt dem Cculral. ^rcin unter Bezugnahme ans seine Eingabe November 1933 den nachstehenden llbdruck seines Erlaßes vorn 9. Dezember 1933 m,!tt v I Nr. 1331 zur ficimtiii«: ..5Bic mir mitgctcilt lvird, sind Sin» vlereude nichtarifcher Abstammung, die nach Zisfer 8 des Runderlassed vom 11. Juni 183 — U I 1333 — den Sonderbestim- »uunQcn für Nichtarier nicht unterliegen die gemäß Ziffer 41 und II a. a. O. Studium bzw. Weiterstudium zuge- Isen worden sind, bei der Vergebung von Arbeitsplätzen. Praktikantenstellen usw. wegen ihrer nichtarischen Abstammung benachteiligt lvordcnA Ich weise darauf hin. Das; alle Dttt« Diererrven nichtarifcher Slbstammung, die nach Dtirchsührnng des StnndcrlaßeS vom IG Juni 1933 — U I 1331 — zum weiteren Studium zugelassen sind, im Lehr- und Lernbetricb der Hochsdntten Den SLuDicreuden arischer 2lbstammung gleichgestellt, sofern nicht dnrch besondere Bestimmungen eine anderweitige Regelung getroffen ist. Ich derweise in diesem Ztlsammenhang auf den Runderlaß vom 22. April 1933 — U I 2i 086 —, nach dem an jüdische Studenten Vergünstigungen nicht gegeben werden dürfen. . , In Vertretung 1 . .. M. ©& ■ Judenheit. Die amerikanische Jndenheit ist doppelt vertreten, einmal als solche tuiö außerdem durch das Joint Distribution Committee. Das Comile dos Delegationg juives repräsentiert gleichzeitig den Verband der jüdischen Gemeinden Italiens, die staatlich anerkannte Korporation der italienischen jndenheit. Der Verband hat sich in letzter Zeit dem ComUö des Döiögations Juives, daZ die jüdischen Minderheiten Europas bertritt, altgeschlossen. Don ntchtjndischen Körperschaften tverden vertreten sein: die katholische und protestati-. tifaje Kirche, die Quäker, versichiedene Gewerkschaften und philantropisiche Verbände. Nach noch nicht endgültig bestätigten Nachrichten ist in Aussicht gcnomuten, auch den Vertretern der Jowish Agency, des American Joint Distribution Committee und der ICA Sitze im Berwaltungsrat, jedoch nur mit beratender Stimme, znzubilligcn. Dem Beaintetrstab des KvirnnrssariatZ tverden sür das jüdische Departement Professor Norman B e n t w i ch und E. M n y , der Bruder deS belgischen Gesandten in Washington, angehören, ferner James Parkes, der ans seiner Tätigkeit int Internationalen Stndcntenwerk bekannt ist, sowie als Generalsekretär der Holländer W u r t b a j m, ein politisch bisher noch weniger hervorgetretener Mann Anfang der dreißiger Jahre.' Nach Abschluß der Tagung, die der Hohe Kommilsar am 8. Dezember mit einem Tank an alle Beteiligten sür ihre Alitarbeit schloß, begab sich Professor AiaeDonald zu Verhandlungen der eltglischen Negierung nach London, von dort wird sich der Hohe Konunißar nach Nelv-Dork begeben nnd erst im Januar zur zweiten Tagung nach Lausanne znrücklehren. Wir hoffen', daß die Zlvischenzeit zur Schassung von Plänen und Ideen führen wird, die spätestens bei der Jannarsitznng Ergebnisse bringen, die eine den Interessen aller Beteiligten entsprechende unpolitische tmb konstruktive Lösung bcS Emigrantenproblems ermöglichen. Auch in diesen Zeiten der Weltwirtschaftskrise uub allgemeinen Depression lassen sich solche Pläne verwirklichen, wenn sie mit Tatkraft, Umsicht und Phantasie in Angriff genommen werden. Dt. Werner Rosonbcrg. AZM ösuWm Mue Am 18. Dezember fand in Kattowitz die Generalversammlung des D e u t f ch c n Bolkübnndes statt, lieber eine Ansprache des Präsidenten Prinz von P l e ß heißt es: Zur Jndenfrage erklärte der Redner, daß sich das alte eingcwandcrte Judentum in Ost-Oberschlesien stets z u m D e n t s chtum bekannt tmd sich auch dafür eingesetzt habe. Man wcrde^ daher Aienschen, die sich m schwierigster Zeit für ihr Deutschtum eingesetzt haben, nicht zilrücksetzen dürfen. •k Zeitungsmeldungen entnehmen wir, daß die türkische Unterrichtsverwaltung eine Ausdehnung des Deutschunterrichts an den höheren Schillen von Konstantinopel angevrdnet hat. Ter Grund hierfür liegt in der Berufung einer Reihe deutscher Gelehrter durch die türkische Regierung an die Universität Konstantinopel. Damit die Studenten den Vorlesungen ohtie Dolmetscher folgen können, sollen sie einen möglichst hohen Grad an Kenntnis der deutschen Sprache erwerben. Unter den Gelehrten, die den Anlaß für diese Ataßnahtne bilden, befinden sich hauptsächlich solche, die nach ^Maßgabe der neuen deutschen Gesetzgebung ihre Hochschnllausbahn in Deutschland abschließen mußten, und natirrgemäß auch eine Arizahl jüdischer Gelehrter. Es ist ein nicht neuartiges, aber gerade iu dieser Zeit nachdenksameS Vurkonunnis, das wir hier beobachten: deutsche Kultur, deutsche Wissenschaft, deutsche wissenschaftliche Geltung wird durch jüdische Menschen des deutschen Knltnrlrcises in die Welt getragen, und junge Menschen eines fernen Volkes, die einmal die Führung dieses Volkes in der Hand haben werden, werden dnrch sie sür deutsches Geistesleben gewonnen. WWLÄM drrMW«Ke«MM«M? Regierungspräsident Dr. Nicolai, der als Schöpfer des Entwurfs „Grundlage der kommenden Verfassung" bekannte, vor kurzem ins jteichslnnenministerinm berufene nationalsozialistische DerfassungSrechtler, hielt am 15. Dezember vor den Studenten der Fachschast für deutsches Recht in der Berliner Universität ein Referat über die Grundgedanken der nationalsozialistischen Staats- und Rcchtslchre. Wie die „Avssische Zeitung" berichtet, erklärte Dr. Nicolai in seinem Vortrag, der nationalsozialistische Staat erneuere im Gedanken der slassenseele die Volksgeistlchre der historischen 3icchtsschule, aber er habe, anders als diese, auch ein Rechtsidcal sür die künftige Arbeit: die Hochzüchtung der Rasse. Er ist aristokratisch im Führcrprinzip und der Bildung einer kampferprobten Elite. Sein Fernziel sei der Aufbau des Volkes nach Sippen tmd Erbstämmen, deren Erbanlagen auch die BernfSzttgehorigkeit zu bestimmen hätten. Die bedeutsamen Ausführungen haben eine gewisse izejetzgeberische Bestätigung wohl in gewissem Smne durch das ReichSgesetz über die Einheit von Partei und Regierung vom 2. De- MtbeLt dtprch dig die NSDAP sozusagen zum politischen Neichsstand. zum Ausgang der Führevelite, crhobeit toorden ist. crsahrctu Wir geben jedoch der Hoffnung Ausdruck, daß die Rassebasis int deutschen Staat die rechtliche Lebensgrundlage der deutschen Juden nicht zerstören wird. WrrsiMri eeMt dr» rLAAiLL EMk Italiens öffentliches Leben erfährt gegeuwärkig eine Reihe bedetitsamcr und lehrreicher Impulse in der jUchtnug der stärkeren Entwicklung zum Korporationenstaate hitl. Auch die Ernennung der neuen Senatoren dtrrch Mnsjolini beze'.tgt das, da hierbei hauptsächlich Persönlichkeiten von eriviesencm praktischen Wert berufen wurden. Unter diesen besittdek sich als erster jüdischer Senator seit dem RegieruitgSantritr Blnssoliitis der bekannte jüdische Industrielle Jsajah Levi ails Turin. keine MretiMHMmA sür LiilMiW DaS „Prager Tageblatt" brachte am 5. Dezember die Meldung: ..ainreise-Besck,rön!una für Richtaricr? — Lnut btt Iüdmüen IcU'nvtn^i'Juincnlur (int Minister TvridC iiu (RsMKch mit einem Iemrnalislen crkiört, deis; in nnösiler Icit in Deutschland ein neues besetz über de-n r'insenibaii van r'im>iändeiil erlassen lvcrden wird. Jur Einreise nach Seutscllland tverden Var allein die An-'ilander deuiischer nnd nardischer Nasse Lewiliigeinü eebaUen. Versauen, die nicht rein arischer Nbstannnrniq sind, tverden nur iir antzerardenilichen psällen die Sinreiscbelviiliniiint nach Tenheiiland erliaUen, dach wird der Nuieniball van derariiaen Nneiändern aus deuilchcin vlebiet kur; befristet sein." Hierzil teilt MB mit: Die ganze Meldung ist erlogen. Wahr ist, daß Ausländer, einerlei, lvelcher Raßenzugeliörigkeit, jederzeit nach Deutschland einreisen können, sofern sie einen gültigen Heimatpaß besitzen. Im übrigen tverden im Verkehr zivischen Deukscli-- land nnd solchen Ländern, mit denen noch Sichtvermerlzivang besteht, Sichtvermerke zur Einreise nach Deutschland, dem Zwecke des Sichtverrnerkzivanges entsprechend, nur solchen Wciienbcit — nnd zwar ohne ^Rücksicht auß die Rasse Zugehörigkeit — versagt, deren Aufenthalt in Deutschland im Einzelsall unerwünscht ist. Heber achtzigiährig ist soeben der Phitvsvpb Han 8 Bai hin ge r gestorben. Mit ihm geht ein Gelehrter nnd Denker dahin, der in der Geschichte der nachkantischen Philasophie nl8 eine der bedeutendsten Erscheiiumgen fvrtlcben wird. Vaihingcr wurde am 25. September 1852 in Nehren bei Tübingen geboren. In den Jahren 1S70 bis lvS7C wandte er sich an den Universitüten Tübingen. Leipzig nnd Berlin dem Studium der Philologie und Theologie zu. 1877 habilitierte er sich an der Uuiversitüt Straßbnrg. wo er iwa außerordentlicher Professor wurde. Im nächsten Jahr ging er nach Halle, dort wurde er 180-1 zmn ordentlichen Professor ernannt. Genau tüte Hermann Golfen, empfing auch Baihinger von FriedrichAlbert Lange, dem Verfasser der „Geschichte deS RtaierialiLmuZ", stärkste Eindrücke. Seine EntlvicklnugSjahre sielen in die Zeit deS Niederganges der spekulativen Systeme EchelliugS und Hegels und der Wiedererweckung der kritischen Philosophie Kants. Unter Langes Einfluß wandte sich Baihinger der philologischen Evtlärnng der kautischcu Philosophie zu. 1SM1, zur Jahrhundertfeier der „Kritik der reinen Vernunft". ließ er den ersten Band seines grnndlegendeit Kommentars zu Kants Hauptlverk erscheinen. der ihm sofort den Ruf eines der tiefgründigsteit Kant-Kenner verschaffte. Ein bewunderungswürdiges Zeugnis seines philologischen Scharfsinns bildete seine Entdeckung der sogenannten Blattversetznng in Kants „Prvlegomcna". Ein Jahrhundert lang hatten unzählige Augen auf Kalits Tert geruht, ohne zu bemerken, daß durch das Versehen eines Setzer-) ein paar Seiten pertanscht lvorden waren, bis dann Baihinger den Irrtum aufdeckce. Seit 1S9G gab er die „Kant- Studien" heraus; 100-1 folgte die Gründung der Kant-Gesellschaft, die sich zur größten philosophischen Gesellschaft der Welt entwickelte. Ebenso tvie Hermann Eohen erst nach Veendignng seiner Kaut-Fvrschnngctt sein eigenes philosophisches System nnLbildete, hat auch Baihinger erst nach Abschluß seiueL Kaut-KomnlentarS feine originale Lehre vollendet. 1911 erschien sein Hauptwerk: „Die Philosophie deS AlZ ob", da8 ans die Logik und ErlenntniStheoric rLvolntioniercnd wirkte. lUiit um fassen dem Wissen unter sucht Baihinger darin die Fiktionen, d. h. die dcnknotlvcndigen Annahmen, die, obwohl sie falsch sind, unter dem Gesichtspunkt verivendet worden, als ob sie richtig wären. In der Absicht, den trügerischen Schein der Begriffe zu entlarven, traf die Als-vb-Philosophic mit Fritz Mnuthners Kritik der Sprache zusammen. Dr. F. F. In dem Aussati über „(8 e i st c s! ä m p s e im b c u t i g e n I u d c n t u m" ist folgende sinnentstclteude Aii-lasscmg 3u berichtigen. Jur ersten Satz des zweiten AbschniiicS muß cs . . über die Stellung der jüdischen Organisationen eilterseiis und der verschiedenen Formen d c 8 A s s i in i l a u t e n t u m 8 andererseits . . Tie Worte „des Assimilantentums" waren in diesem Satz gering: Ceniraiveretn dcittscher StaalübUrger jüdischen (blaubens e. B.. Berlin 15. Einser Strasse 42, Tel.-Adr.: „GcmrQlQlQuben Berlin." Fernsprecher: J 2 Oliva 6554—57. Posischcct: Berlin 30172. Hauptschriftlciter: Dr Alfred Htrschberg Berontworllichr D r. Margarete Edelyeim. Beide Berlin VV 15. — Unverlangte ^iauuskripte werden nur zurückgcsandt. wenn ffreiunischlc-g beiliogt. — Leitung der Anzcigen-Abteilung und verantwortlich für die Inserate: Friedrich Natban, Berlin. — Druck der Buch- und Tiefdruck-Vesellschaft MbH,. Berlin SW 100,