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Central-Verein-Zeitung · 1933-12-14 · 48 (14.12.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
48 (14.12.1933)
Date
1933-12-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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BL STIEB EUR- IEUT Berlin,!4. Öezemfoer1333 . ' XII. Jahrgang /Nr. 48««^ flfl Pl &] Preis 20 Pfefliig[ f \ \ ' f i 4'-4r % ' '/ *n v * J JÜDEHT CSUlJJiJ^ L 4 Ä ü> Ä H A s ii: Ä:fe;r u)' 4L laOT , >. , fN J B I I { * j >" >,; 4,. * -> 'X.-' V; M-N Si ' . /%< > 9 "< J* V * - , t;. ,' v ' \ /; /;«* f < - - Vm vv •,$> / :s/ay V " .' v V/- . ' '/ 1;; -;?'QJ' ^x-V : (>/■§ fflUftrS) bv'o^vo* A. H. In den Lichtspielhäusern der deutschen Smdte sieht Man den Film vom Reichs- M-ieiuig der NSDAP in Nürnberg. Er trägt Titel „Der Sieg des Glaubens". Mit jcner Prägnanz, der die nationalsozialistische vl 'itation ihre Wirkung verdankt, ist auch in dieser Uebersehrist zusanunengesaßt, was als vourärtstreibendes, als tragendes und als lcharrendcs Moment den Sieg des Nationalichiali-nuns herbeigeführt hat. Er wurzelt ni'/jt jo sehr im logischen Erkennen der Zusammenhänge durch seine Anhänger, und nicht sv sehr in der Erfassung persönlicher chrcckinähigkeiten, wie in der Sphäre des Kesiihts, in jenem mächtigen, weil heimlichen Reiche des Glaubens. Klaube an die Idee und an ihren endlichen Sieg, Glaube an die Führung klangen uu 1 (,,■ 0 (J C <* **- w H i ■ hü Csff ff /) QA\ il schließlich zur Sinfonie des Sieges zusammen, hiumer wieder wird in rückblickcnden Darsietlungcn vom Werdegang des Natioualjo-ialismus aus jene kleine Schar von sieben Männern hingcwiesen, die vor 14 Jahren die nationalsozialistische Idee in Deutschland zu verkünden begannen und sich nicht durch Mißcrsolge und Rückschläge beirren ließen, weil sie die innerste Ueberzeuguug von dör Macht (% ihrer Idee in sich trugen und dieser Glaube sic zur''Tat stark machte. Scckps Männer, ein Greis und fünf Söhne, waren cs vor jenen Jahrhunderten, die sich in Modin zusammentaten, unt die Gefährdung ihres Glaubens durch die Hingabe au ihren Glauben Zu beseitigen. Aus den wenigen wuchs die Kämpserschar, die das Heiligtum in altem Glanz, in unverminderter Größe, wiederhcrstellte. Auch bei diesen Männern jüdischen Stammes wuchs aus dem Glauben die Tat, füllte der Glaube die Lücken logischer rcalpolitischcr Erwägungen aus. Ein Heldenepos von unvergänglicher Größe ist die Geschichte der Makkabäerfeldzüge, kaum jemals danach ist in gleicher glanzvoller Geschlossenheit jüdische Opfcrbcrcitschaft, jüdische Hiugabefähigleit, jüdische Gcsamtbürgschaft verwirklicht worden. Der „Römische Krieg", die Zerstörung des zweiten Tempels können im einzelnen mehr Opferbereitschast, mehr- Todesverachtung, mehr Schmerz und Wunden aufgcwiesen haben. Aber um die Makkabäerfeldzügc strahlt die Sonne des Stegs, während der Nömcrkricg nur von den Fanalen des in Brand gesteckten Heiligtums düster beleuchtet ist.. Makkabäer wurde in Vep Vorstellung der Külturwclt, soweit sie mit der ' Heiligen Schrift in Beziehung trat, als Begriff gleichbedeutend mit Held und Necke, und man ermißt die'ganze ungeheure Kluft der Mertuugsmaßstäbe, wenn man diesen „Makkabäern" das Bild des „Juden" entgcgcnstcllt, wie ihn der abwertcude Wille dunkler Jahrhunderte in die Vorstellung der Massen eingeprägt hat, und wie er unter dem nackeu- ML beugenden Druck der Entehrung und des Gettos auch sichtbar wurde. Niemals seit der Zerstörung des eigenen Staatswesens haben Juden, um jüdische Rechte zu erstreiten, die Waffen ergriffen. Wenn sie. bei inneren Auseinandersetzungen hüben und drüben bei den streitenden Gruppen standen, galt es die Verteidigung oder die Eroberung allgemeiner bürgerlicher Berechtigungen, in deren Weite ihr jüdischer Anspruch aus Lebeusrccht, auf Men scheuch re und auf Glaubensfreiheit mitenthalten war. Seit Jahrtausenden ist Wcseusausdrnck des Judentums nicht der klirrende Schritt jüdischer Legionen, die sich, bis zum Letzten aus'- harrend, niedermetzcln lassen. Ausdruck des Judentums ist vielmehr jene Fähigkeit des in sich gesammelten, und doch zugleich der Umwelt geöffneten Ueberdauerns. Es ist jenes Geheimnis unseres Daseins in der Geschichte, das nur aus der von Gott verliehenen Eigenschaft erklärt werden kann, daß immer und überall erneuernde Kraft in uns hincinströmt, geringer und seltener aber die Kerukrast ■ unseres Judentums uns entweicht. Tie Tat der zahllosen jüdischen Geschlechter seit Jerusalems Untergang-ist selten aktives Tun, und nur ' wenig öfter passives Verhalten im Märtyrertod gewesen. Die Tat, die in den Jahrhunderten den Bestand des Judentums immer wieder sicherte und erneuerte, war der gcgenwartsstarke und zukunstsvolle Glaube an den Glauben des Judentums, seine Verheißung und seine Erfüllung. Dieser überzeitlichen Alraft bewußt zu sein, mutz die Kopse und Herzen der deutschen Juden, i v^U I J ü Li Li y -4L \/\f Jk ' vJ, Vl:--' ’-ouJ Li Visb 6. Dezember bis 13. Dezember |!H!l fiii)t non Den: kW (Re wer U'Qf!cbezettelt „BeziZodzct’ &trz&“ und Zahnapzi“ verboten Dw Sochversiändigenbcirat für Volksge- >ieit bei der Reichsleitung der NSDAP l'eimmi, daß die in verschiedenen Bezirken örtlichen Acrzte- und Zahnärztcvcrüäuden veudcten Klebezettel mit dem Ausdruck utlcher Arzt" und „Deutscher Zahnarzt" 'Vien nwrdcn sind. Wenn trotzdem örtlich ' Schilder benutzt würden, geschehe cs ohne ehmigung der Reichsleilung. Die Berantuing habe die örtliche Stelle selbst zu -zcn. fr;:;- dh PrcUtcti der Märkte Tos Anitsblart des Bezirksamts Hersbruck, u'w kürzlich, wie wir in der .,C. V.-Zeimng" ui der vorigen Woche mitteilten, einen Erlaß Pch'n die Zntrittsverbote zu Ortschaften vcrchsenilichte, hat jetzt wiederum unter dem ^ü^rnm „Eingriffe in das Wirtschaftsleben" s!!icu Erlaß für den Grundsatz der Markt- Eähcit herausgegebeu. Er lautet: „Amtsblatt des Bezirksamts Hersbruck" Ar. r»7;10;13, Nr. 5681. Au die Gemeinde- RHörden. . „Es besteht Veranlassung, erneut darauf mnpnvcisen. daß gemeindliche Beschlüsse, w.ch denen Juden allgemein zu Messen und Auükten nicht zugelassen werden, dem bistzicht ansgehobcnen Grundsatz der -zchcktsreiheit ili 64 RGO), nach dem der Jesuch von Riehen/ Jahr- und Wochen- Ularile. sowie dcr Kauf und Verkauf aus Rmselbcn einem Jeden mit gleichen Besug- U!hen freistcht, widersprechen, und deshalb Mötzlich unzillässig sind. Sie stehen außerwm cin dirckien Gegensatz zu den strikten ^einmgeu des Führers, jede Beunruhigung m der Wirtschaft durch irgendwelche 'Einuusse zu vermeiden (siehe bezirksamtliche Bekanntmachung vom 17. September 1063, Amtsblatt Nr. 54). Soweit derartige Beschlüsse noch bestehen, sind sie sofort auszuheben. Ein allgemeiner Ausschluß jüdischer Geschäftsleuie aus Gründen der öfseutlichen Ruhe und Sicherheit läßt sich heute keinesfalls rechtfertigen. Derartige Gesichtspunkte dürfen unter keinen Umständen dazu mißbraucht werden, die ausdrücklichen Anordnungen der Reichs- und Staatsrcgicrung zu umgehen." Kztne JEmzelahüonen gege« jüdische Qesdiwtu Q ■v^nt „Oberbarnimschen Wochenblatt", Wriezen, Nr. 279 vom 29. November 1933, lesen wir: „Aus Anlaß eines Sondersalles aus Wriezeu hat der Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Brandenburg ein Schreiben an die hiesige Polizeivcrwaltung gerichtet, worin unter Himvcis auf die entsprechenden Beschlüsse des Reichskabinetts und die Verfügung des RcichSwirtschastSministcriums (H. G. 12 086/33) die örtliche Presse gebeten wird, eindringlich daraus hinzuweisen, daß Einzclaktionen gegen jüdische Geschäfte, Filialgeschäste und dergleichen, unerwünscht und unzulässig sind. Es wird daher im eigensten Interesse darum gebeten, alles zu unterlassen, was als unzulässige Einzelaktion in diesem Sinne angesehen werden kann. Der BetätiguugSdraug allzu eifriger neuer oderjugendlicher Parteimitglieder muß unbedingt gezügelt werden, soweit Anordnungen des Führers oder seiner engsten und vertrautesten Mitarbeiter ihm entgegenstehen. Andernfalls erscheint -es nicht ausgeschlosien, daß die Strafgerichte sich mit Fällen dieser. Art Len - 1 Chanukkahleuchter mit den Emblemen der 12 Stämme Israels von Arnold Zadikow Jüdisches Museum, Berlin Phot. Pi’si Lcbrccht /t:; schästigen müssen, was in jeder Beziehung unerwünscht wäre. Nicht „arisdsc oder nichtarischeu, sondern „ehrbare oder ,mdt(chr» bare“ KatsHetiHe Dcr Dctaillisten-Verband der Bekleidungsindustrie Groß-Berliu E. V. hat sich in einem 3tundschreiben an seine Mitglieder u. a. zur Frage der Wcihnachtsdekoration nichtarischer Firmen geäußert. Der Verband hat sich auf Grund verschiedener Anfragen seiner Mitglieder betreffs der Weihnachtsüekoration an die Industrie- und Handelskammer gewandt und die nachstehende Antwort erhalten: „Wir teilen Ihnen mit, daß irgendein Verbot für nichtarische Firmen hinsichtlich der Verwendung von Wcihnachtsdekorationen wie Tannen, Glaskugeln und Lametta nicht besteht. Dcr Reichswirtschastsminister kennt keinen Unterschied zwischen arischen und nichtarischen Firmen, sondern ist mit dem Herrn 9ieichsminister für Volksauskläruug und Propaganda der Auffassung, daß es im Wirtschaftsleben nur einen Unterschied zwischen ehrbaren und nichtehrbaren Kausleuien gibt. Immerhin ist die Kammer der Aussassung, daß nichtarische Geschäftsleute bei der Weihnachtsdekoration mit außerordentlichem Takt Vorgehen müssen, wenn sie Embleme des christlichen Glaubens für ihre Schaufenstcrdekorationen verwenden wollen. Irgendwelche Richtlinien nach der Hinsicht bestehen nicht." Wir schrieben bereits in der „C. V.°Zeitung" Nr. 46 vom 30. November: „Daß ausgesprochen religiöse Symbole, wenn überhaupt, nur von den Angehörigen der gleichen Religionsgemeinschaft zu dekorativen Ausstellungen verwandt werden, halten wir für ein ebenso selbstverständliches Gebot des Taktes."' Ich bin bei Dir zur Naebt. Mit meinen acht Kerzen Halt’ ich vor eine m Herzen Vor Deinem Herzen Wach'. Du aber fühlst es nicht, Wie ich mich Dir befehle. Es Ui esst mein reines LiclU Um Deine reine Seele. Wo eine Falte ist, Glatt’ ich mit lindem Lichte Sie Dir aus dem Gesichte, Dass Du voll Friede bist. Arthur Silberg.'eft EaEGaEEEnsssnaSiECEEascDsnactiCJca denen es gegen Stolz, Ehre, Würde geht, nur Objekt der Entwicklung zu sein, erfüllen. Gewiß ist es viel schwerer. Unsichtbares zu glauben, als ' Sichtbares, Lautlosem zu lauschen als grellem Ruf. Es ist viel leichter, im lebendigen Gestalten unmittelbare Wirkung oder Mißerfolg zu erfahren und ihnen auszuwcichcn, als sich im gläubigen Vewußlsem des Eigenwertes in Zeit und Raum beheimatet zu fühlen, auch wenn die Zeit gegen uns ist und der Raum die Heimatliebe mit sehr viel Bitternis vermischt. Aber dieses ist das Größere und besserer Bürge für die Dauer. Tat für den Glauben, das war vor jenen Jahrtausenden die Antwort einer bedrohten jüdischen Gemeinschaft an die Umwelt: Glaube als Tat ist die Antwort des deutschen Judentums auf die drangvolle Zeit. Tie Chanukkahkerzcn können ihn erwecken. Verloren im Betrachten ihres Scheins mag sich in diesen Tagen in manchem jüdischen Hause, in dem nur ein sehr blasses und sehr dünnes Judentum bisher sein mühsames Dasein fristete, in vielen Augen und Herzen der Glaube an die Kraft und Unvergänalichkeit des Judentums entzünden. W^ y ->./ V ‘w-Vv C V%v y W fei hmElstem KMiWßlUW vbn Dr. -SBctnec (Saftrnnann Im Novemberhcst der führenden katholischen Zeitschrift „Hochland" ist, wie in diesem Blatte kurz mitgeteilt worden ist, eine gerechte Würdigung der (veisteskämpfe im heutigen Judentum aus der Feder von Dr. Ernst Ringer veröffentlicht worden. Ernst Ringer stellt an den Beginn wie an das Ende seiner Ausführungen die These, die er mit Acußerungen so antipodischcr jüdischer Naturen, wie Heinrich Heine, Felix W e l t s ch und Leo B a c ck belegt, daß im- Judentum „ein wandelndes Geheimnis", „ein Phänomen des Lebens", „eine Welt sni generis" vorkiege. die mit den Kategorien der umgebenden Welt nicht ersaßt werden könne. Mit Baeck steht er auf dem Standpunkt, daß es ein vergebliches Unternehmen sein müßte, „das jüdische Dasein entweder in den Begriff der bloßen Nation oder in den der-reinen Elaubensge-- nosscnschast hincinfügcn zu wollen." Als das in jeder Hinsicht zentrale Problem im Leben der heutigen Judcnzeit bezeichnet er das der „Symbiose mit der außerjüdischcn Welt". Als entscheidendes Dewegungsmo'tiv der jüdischen Geschichte seit dem Altertum erscheint ihm der „Dualismus von Palästina und Diaspora"/ Man kann das Gesetz des Daseins, von dem die jüdische Geschichte getragen ist, nicht treffender kennzeichnen. Wir werden im innerjüdischen Bereich ebenso wie in der Be- , urterlung, die uns die Umwelt zuteil werden

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