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Central-Verein-Zeitung · 1933-12-07 · 47 (7.12.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
47 (7.12.1933)
Date
1933-12-07
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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v&ofse Anzahl Löschästigt werden mühte. Das Wesentliche ist, das; die Werkstatt keine bloß theoretische oder schnlmäßige -lrbcit unternimmt. sondern d ie Jungen zur praktisch'verwendbaren Halidwerkstätigteit erzieht. So waren die ersten alten Zöglingen gestellten Ausgaben, zur eigenen Berrvendung je einen einwandfreien Humntcr und eine Metallsäge anzusertigen. Darin haben sie bereits im ganzen, recht verwahrlosten Hause, in dem die Werkstatt untergebracht ist, die Schlösser, Niegel, Fenster, Tiiren repariert, schadhafte Nohre gelotet, ein gesprungenes Grammsphonlanfwcrk in Ordnung gebracht oder was sonst ein Bekannter und Angehöriger der Lernenden an Schlosser,rrbeit getan zu haben wünscht. Der Besuch dieser Werkstatt, die Unterhaltung mit demLeiter und den eisrigArbcitenden gibt ein beruhigendes und erhebendes Gefühl. Hier herrscht ' ernste Sachlichkeit, Werlsreude, bei körperlicher Anstrengung und Befriedigung darüber, trotz mancher verbrannten Hand, und keine Spur jenes so oft als jüdisch geschmähten SpottgeisleS, der angeblich auf solide Arbeit der Faust und der Hand heruntersieht. Wer hier oder bei der Landarbeit deutsch-jüdische JungenS am Werke sieht, gewinnt zu der inneren Zukunft und Kraft des deutschen Judentums Vertrauen und Zuversicht. De. Erwia Seligmasa (Frankfurt a. 51.). "Z ni nyrn'r.i) irDiw Lj Lr-Ls? Li L> Vis* U l 0-P ‘ 'xN <J Pp i —: 0' D ^."0 t-r— Cp1 U bJ Vy iJ ij* Ich selbst bin Jude, meine Frau ist reine Arier in, unsere 20 jährige Tochter, in der jüdischen Religion erzogen, ist mit einem rein arischen Juristen verlobt. Kenn mein Schwiegersohn auf die Anstellung ela Beamter rechnen, wenn er meine Tochter, die doch aus einer Mischehe stammt, heiratet? Ihre Tochter gilt als Richtarerin, gleichgültig, ob sie als Jüdin oder als Ehristin erzogen worden ist. Ihr TÄviegersobn kann also wohl Anwalt, nicht aber Beamter werden, uu'im er Ihre Tochter beiratet. Meine Ellern waren vor dem Kriege Oe st er re ich er, wurden aber infolge des Friedensvertrages staatenlos. Sie leben seit 2885 in Berlin. Ich selbst bin in Berlin geboren und hin im Jahre 2920 mit meinen Eltern in Deutschland eingebürgert worden. Trifft auf mich das Gesetz über die Ausbürgerung zu oder kann ich mit Rücksicht darauf, dass ich in Deutschland im Jahre 2910 geboren worden bin, darauf rechnen, auch weiter deutsche Staatsbürgerin ' zu bleiben? Tic Ausbürgerung ist keine MutzMorschrist, modern nur eine Kami-Borschrist. Mit Rücksicht auf eie se.mitienmügige Verwurzelung in Dcutschlan5 ->nd nur ebnen Dingen ans die Tatsache Ihrer Geburt in Deutschland' könnten Sie eine Eingabe um Beibehalinng der deutschen Staatsangehörigkeit machen. - Warten Sie aber zunächst ruhig ab, bis Sie vor? Ihrem. Polizeirevier vernonnnen worden sind. Erg nach der Bernehmnng machen Sie — sofern sonst leine Grunde in Ihrer Person liegen, die den Antrag aussichtslos machen — eine Eingabe mit der Darlegung Ihrer Lebenöverhältuisse au'das zubändige Polizeipräsidium. ltm unnütze Eingaben und Besehinerdekl zu vermeiden, empfehlen wir Ihnen, zunächst in unserer Beratungsstelle vorzusprechen. Ich bin im Jahre 2929 ah städtische Handclssckullchrcrin fest an gestellt worden. Im September 2933 erhielt ick die Versetzung in den Ruhestand wegen nichtarischer Abstammung. Dia Versetzung in den Ruhestand tritt nach der Vierten Durchführungsverordnung zum Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 28. Juli 2933 (RGBl. I, S. 525 in Verbindung mit § 55 des Reichsbeamtengesetzes) ■ mit dem Ablauf des 31. Dezember 1933 in Kraft. Inzwischen hl nach § 22 des Berufsbeamtengesetzes mein Besoldungsdienstalter neu festgesetzt worden. Auf Grand dieser Neufestsetzung sind mir meine bisherigen Bezüge bereits für die Zeit vom 2. November 1933 ah gekürzt worden. Sind dagegen Bedenken zu erheben? Ja! Nach § 11 Abs. 2 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berussbeaiutcntmns vom 7. April 1933 ist die Neufestsetzung des Besvldungsdienst-- alters jedenfalls mit der Festsetzung des Ruhegehalts vorzunehmen. Daraus kann entnommen werden, das; lediglich bei* R u h e g e h a l t nach dem neuen Besoldungsdienstalker berechnet werden soll. Dafür spricht and) folgende Erwägung: Denjenigen Eeomren, die nach $ 4 des Gesetzes wegen Politischer Unzuverlässigkeit aus dem Dienst entlassen worden sind, werden auf die Tauer von drei Neonaten nach der Entlassung die bisherigen Bezüge belasten. Nach der Vierten R'cichsdurch-- sührungsverordnung vom 18. Juli 1933 (RGBl I. S. 515 zu §11) behalten sie mährend dieser drei Monate ihre Bezüge nach dem bis dahin geltenden ungekürzten Beioldungsdienstalter weiter, auch wenn das Besoldungs'dienstalter innerhalb dieser Zeit aus Grund der Vorschriften des § 11 des Gesetzes gekürzt und neu seftgestettt ist. Das Gesetz will aber die politisch ^unzuverlässigen Beamten schlechter stellen als diejenigen, die lediglich wegen nichtarischer Abstammung in den Ruhestand versetzt worden sind. Tie'letzteren erhalten grundsätzlich das bolle Ruhegeld, während die politisch Unzuverlässigen nur drei Viertel des Ruhegeldes empfangen. Unseres Erachtens kann eS nicht die Abficht des Gesetzgebers gewesen sein, das; die nach $ 3 in den Ruhestand versetzten Beamten während der Treimonatssrift schlechter gestellt werden als die nach § 4 entlassene!?. Diese Ab?sicht vertritt auch der Herr Oberpräsident der Provinz Brandenburg und von Berlin, Schulabieilung (Aktenzeichen II 6. 20/4644/33). Ich bin im Oktober 2932 von einer Firma, deren Inhaber Jude war, als Abteilungsleiter mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten angcslcllt worden. Der jetzige Geschäftsinhaber, der arischer Abstammung ist, hat das Geschäft im Frühjahr dieses Jahres übernommen und den Angestellten durch Rundschreiben mit geteilt, dass er das gesamte frühere Pcrconal behalte. Durch Schreiben vom 2. November 2933 hat er mir nun das Dienstverhältnis zum 32. Dezember 1933 gekündigt. Ist diese Kündigung roch tswirksam?, Nein! Ihnen kann nur unter Einhaltung der Kündigungsfrist von sechs Monaten gekündigt werden. Der Geschäftsinhaber hat das Geschäft zu einer Zeit erworben, in der ihm die Einstellung weiter Vollskreiso gegen die jüdischen Angestellten bekannt war. Er hat trotzdem das Dienstverhältnis mit Ihnen fortgesetzt und durch das Rundschreiben noch besonders zu?n Ausdruck gebracht, daß er auch die jüdischen Angestellten weiter beschäftigen wolle. Unter diesen Uinständen kann kein Zweifel sein, daß er an die vereinbarte Kündigungsfrist von sechs Monaten gebunden ist (vgl. auch Entscheidung des Arbeitsgerichts in Stettin vom 2. Oktober 1033 - 3A6 602/33 -). ÄS Sei! ilg Zeekrm WWe Smckche? In einer Pressebosprechung unter Vorsitz von Moritz R o s c n t h a l berichtete der Presseresereüt der Berliner Jüdischen Gemeinde. Leo Kreindl e r, über eine Anzahl von Gebieten der Eemeindearbeit. Tie jüdische Bevölkerung Berlins, die nach der letzten Zählung 172 000 Seelen mnsatzte, ist heute, nach Berücksichtigung der Abwanderung und der sie teilweise kompensierenden Zuwanderung aus den Kleinstädten noch immer etwa IM 000 Seelen stark. Die Austrittsbewegung ist im März schlagartig zum Stillstand gelonnnen. Dagegen sind etwa 1000 bis 1200 Wiedereintritte zu verzeichnen. Tie Zahl der Steuerzahler beträgt 40 000 bis 50 000. Das Wohlfahrtsamt der Gemeinde, den? 1000 ehrenamtliche Mitarbeiter zur Verfügung stehen, hatte iich mir 16 000 bis lCM/iü Petenten zu befassen und hat. lediglich als Steuermikreln. 700 000 bis 750 000 RM für seine Aufgaben ausgewandt. In den Gemeindeschulen sind 2936 Schüler in 69 Klassen eingeschult. 134 Lehrkräfte sind an den Schi?len tätig, davon, wurden 62 neu eingestellt. Bei ihrer Auswahl wurden soziale Momente neben der Qualifikation. berücksichtigt. Die Auswahl erfolgte durch eine Personalkommission, in der Bertrewr aller Richtungen sitzen. Bis jetzt konnte der Hauptansturm der Schüler, dir wegen . Entziehung der Schulgeldermäßigung die.allgemeinen Schulen verlassen haben, bewältigt werden. Verhandlungen über eine'Erweiterung, des Schulwcrks sind im (Hang. Das Krankenhaus der Gemeinde ist durchschnistlich mit 180 Patienten belegt. Tie Notwendigkeit der Einfuhr Pwu Koschersleisch aus dem Ausland, in erster Reihe aus Dänemark — Geflügel kommt außerdem auch aus Holland. Ungarn und der Tschechoslowakei —, ist mit bedeutenden? Mehraufwand für die gemeinnützigen Institutionen verbunden. Die Tarlehn-skasse hat einen Gesamtbetrag von etwa 200 000 M an ungefähr 2000 Darlehensnehmer verliehen, die, w?e die Erfahrung lehrt, glatt zurückgezahlt werden. Damit die Kasse ihre Tätigkeit erweitern könnte, Ware notwendig. nicht' nur aus Gemeindemitteln. sondern auchW Einlagen von privater Seite zu erhalten. Eire er greuliche Entwicklung nimmt der SltbeilsnadfojM» der Gemeinde; die Abteilung für leibliche angestellte kann noch bedeutend ausgebaut «>rvW Die Nachfrage nach Hausangestellten stt noch vull stärker als das Angebot. Mit Hilfe der trauen und Arbeitnehmerinnen lömmt nochchch jüdische Mädchen in den Wirlichastsprozch wie^ eingegliedert werden. Statiscksc!)e Aufzeichnung zeigen.das; dieArbeitsverniiNlung am erfolgreich^ in der Kategorie der männlichen ungelernten ch,. beiter, am schwierigsten in den kausrnännischen rufen ist. Aus bei? Berussun?ühich!ungskursen ginnen bereits Frauen und Mädchen, deren?h,3, bildung weniger Zeit erfordert als die der Mann"? in die Arbeitsvermittlung einzusirömen. kf Lr" v .W ^. I' sj’ V. . ‘ tj/w U* u Berlin. 9. DczcurLcr, 20 Uhr: Nonzert zugmrsien des fcndü der S d) m cft c r n . 23 c r r t ,t i q u n 2 U2 :‘G . int Logcnhaus. Nleistftratze J0. DcktLlrecndL: Dr Ist Lingcr (Uckoltne). Vcneralnuu'ck0.r7k^r 3afcf ö;“3' f c n ft o cf (Klavier), Fritz Scd)uct (Bariton,. eti;;c„ 91 n t a I (Ulauicr;, ,?r.va z t c n fa u r a ••T Ilse 3?? iroiot (A-zitatw>t), «ftna jj U i n M Gleitung). ÄM l.~. ' 9. Dcc.emücr. 17 Uhr 30 Min.: Lehranstalt Gock,'chu'v für die Äistcnfrhast des IudeulumL. Ao. Scnrre.to„, samnUnng, Äriisterckesirahe I 9. Dezen-üer, 10 Uhr: Nii'.dcrvorstellnne, Tict ^r. '.4,r^r W 15, Uuriiirsiendaiiiiil 216. 0.75 NM. (hrloo B Gunsten jüdischer NÜnsNer. v. Aczcntber: Lynagaacnncre'.n Lottbuscr Tor. Stcblilnc.- 0c. F r e i in a n n : „Iernscilcm, wie ca war n;:t> ist 9. 0c;civL)ct, 20 Uhr 30 MW: .Z-auesondert iun; '/. rtitleiDcubor 5tünfilcr bei Dr. Äarl Aongtshocii s i i, .Uutfücficnöatr.m Ib2/1K3. Lola Bolajecr - (copran), ci?aula 2 i n b b c t g (Alt). Nu:I, ist, st sinder (5?lavier), Dr. Fritz Lall (B.alanölu, 1.30 9iM. 1t. De'emlcr, 20 Uhr: Verein selbständiger Handwnle? jiid. Glünbena und Reichavcrdnnd des j9d. Mg,,, fiandea. itandgevuna: „üandwcef und iülittc.itauö.' Luaenlaus, 5Uciftftraf>c 10. 13. 2)cv,c;r bcr. Verein irdischer Frauen Kroß . Nnbbin-er Dr. Max W i e n e r despriach sein Buch: ji dilehe Neligivn im pcitaltcc der Cmnnji^atiou“, bit Cohn, Walisiraste 3.4, Cinlritt frei. 16. De'ernber: In genügemcins0ai t Liumgoaenveccin Vüiir -rrgenlknstras;c, 17 Uhr: Lhattukrahieicr. 2oge:st^, Ioachirnathalcr Stras;e 13, 20 Uhr 30 Min.: EcütsO-aflaabend mit Tan/. 16. Dc,'cn der: Liporigenieinschaft ' 1033. Lbanuilests. Mitwirkung bckannrcr jiid. Äünstlcr. Loan-^ur:. v.lcisistraste 10. 1.— NM. 17. Dezember. 15 U0r 30 Min.: Verein Sv.uagoite LN.jrx, slrahe. Channkitaseicr. Lagenhaua. 51leiststrahe?(i. 17. 0c;crbcr. Synagogcnrcrcin FriedenLiemnel. ChatA. kahsejt. nachmittags jür singend, abenüs für Ln roaclisenc. Casa Lean, vnnckiirstei'dawm 1 DH, inirtung naurhrlter Siünftkt. AacUu ün Frirdc:^. 18. De-embrr. 10 Uhr 30 Min.: Reiohsverhand israrliN scher Dchmcrhöriger e. D. Dhanufrah. Gcsckligltü. Dobrin, .pmreschcr Marfd. Eintritt frei. Fxaursurt a. M.r (üLsellschaft für jüdische Bolksüttdurrg &. V. 10. ©r^emb«, 20 Uhr 30 2Heu SlIFiutnaBciti. Franllür'- 17. De/cmber: Kamrnerinusiik. 18. und IS. Dezember: Lasperla»TheateL Llesel EiNsr. W'.iPpcrlaL. 9. DcrcmLer, 20 Uhr 18 SBHn.: EtLssn-FrenfrUTck. 6£|'ell!ci;aft5«ißerein, Getscttkrrchcn. 10. Dezember, 20 ' Nhch 30 STütt.: LtefaN.Frertkrl.Trü. Synagoge. .' ' ■■ ' - Bochum. 11. Dezember, 20 Uhr 30 Min.: Ste?an-Frtn!el.Lck. Lqnogogc. Augoüurg. 9. Dezember: Hrbraikou-Luartcit. Konzert i» de: Synagoge. München. 10. Dezember: Hebräikon-QuarieiL. Konzert ln de Synagoge. _ Am Gonniag, dem 17. Dezember 1933, firbe: eine p.cmeinfame Ghanuclah-FeieL der devlich jüdischer? Bünde in Berlin statt. Beginn: 4 Uhu Logenhaus, R lei ft ft ratze. ZßWWDZL Gin neues Buch von Julius Bab im Philo- B erlag. hchrnbrandt und Spinoza sind die „Helden" in Inlius BabS neue??? Buchstund obwohl äe vor dreiljundert Jahren lebten, ist dieses Buch in? besten Sinne nUueÜ:. nicht für den ring geschrieben und doch auch für unseren Tag und besonders für ihn gültig. ES ist auch insofern altueli. als es sehr lesbar, sehr flüssig und genieinverställdlich geschrieben ist. Sowohl man gelvölhntich sagt, Spinoza wäre „schwer" zu lesen, so ist doch diese Spinoza- Beschreibung noch „leichter" als Berthold 'Auerbachs berühmter Iugendroman — und übrigens gediegener. Auch hier wird nur daS Leben dieses grasten Philosophen nacherzählt, das hoho und so überaus reine Leben dieses keineswegs nnweltlichen Atannes, .der, ein spanischer Jude in 2lnisterdam, sich von der Tradition der religiösen Gemcinschast still und stetig löste, der ansgestosten wnrde.^ der Amsterdam verliest und im Haag Brillen schliss und seine wenigen unsterblichen Werke schrieb, der beschciiden und stolz in einem Gleicchmast lebte, daS die antiken Vorbilder deS G!eirl)mnts nick>t einmal an Anmut und Würde der Heiterkeit übertreffen konnten; er starb an der Schwindsnrht, still, wie er gelebt hatte. Gegen dieses „zarte 2chnarell eines Lebens" ist die Geschichte von Spinozas Zeitgenossen Reuibrandt voll greller und düsterer leidenschastlichstcr Farbenkrast. Der MüllerSsohn, „ganze nahe dem breiten VollStum der Bauern, steigt im Glanz der großen Stadt «'Amsterdam) empor zu Ehre und Rkeichtum, er rafft Schäiie aller Art an sich, streut bcdenicm los Geld ans; er bricht zusammen mit seinem Vermögen, wird ein Bettler, wird als Künstler vergessen, endet im Dunkel." 2lber während alle äußere Pracht abbröckelt und zerfällt, entsteht diese malerische Welt der zauberhaft farbigsten Innerlichkeit. Was ist Rembrandt und Spinoza gemeinsam? Sie sind während ihrer wichtigsten Lebensfahre Zeitgenossen, und das Hans sttembrandtS in Amsterdam ist im Iudenviertel; Spinoza mutzte jeden Tag daran voniberkommen, und doch weist inan nicht, dast einer den anderen gekannt hätte. Nkanasseh den Israel, Spinozas berühmtester jüdischer Lehrer, w?ar mit lllcmbrandt befreundet, die einzigen Bnchillnstrationen, die Rernbrandt jemals gemacht hat, schuf er für diesen jüdischen Freund, und dast Rembrandt in seinen grandiosen alttestamentarischen Gemälden und in Radierungen, dast er bHm?derte jüdischer Kopie gezeichnet und gemast hat, dast er mit wohlbewustter Absicht und ans künstlerischen Grün-" den mitten unter den Juden von Llmstcrdam lebte, das ist wohl allbekannt. Und doch ist diesen beiden grössten Genien ihrer Zeit noch weitaus mehr gemeinsam. Die Parallelität ihrer Leüensliuien, obwohl die eine in ebener Geradheit und die andere in kühnem Llusstieg und tragischem 'Absturz verläuft, die innere Parallelität ist nicht zu leugnen, und vielleicht ist auch die Tatsache bemerkenswert, dast der tiefste Punkl beider äußeren Schicksale beinahe auf den Tag zusammenfüllt: am 26. Juli 1656 wird über Spinoza der Bannfluch ausgesprochen, am 27. Juli 1656 wird hundert Meter weiter im Haufe Nembrandts der Konkurs eröffnet. Julius Bab beschränkt sich, man mjrst ihrn das hoch anrechnen, fast aus die reine Wiedergabe dieser Tatsachen. Die strittigen Punkte der Biographien berührt er nicht, er wertet kaum und kommentiert weder den Philosophen noch erklärt er den Maler. Aber er zeigt sie in knappen, kräftigen Strichen als .die Genien der Eeineinschaften. denen sie entstammen, er zweifelt an Spinozas Judentum so wenig wie an Remürandts niederdeuLickiem Volkstum. Und insofern ist auch der Untertitel „Ein Doppelbildnis im deutschjüdischen Raum" LLklärlich. 2lber worin bestand Spinozas Judentum? Unter uuserel? Orthodoren gibt es nach wie vor solche, die ihn itnjüdisch und desiruftw finden, unter Richtjnden auch solche, die ihn im absprechendsten Sinne für jüdisch erklären. 2luch über Rembrandt eristicren entsprechende Urteile, und sie sollen uns nicht abhalten, das diesen Großen Eigentümliche und das Vollsmäßige ihrer Grundlagen zu suchen und zu lieben . . . und airch aus ihren Lebcnswerken die Betonung des Gemeinsamen zu lesen; das jüdische E'ement und das niederländisch-deutsche vereinigte sich in ihnen, und nicht nur aus dem „deutschjüdischeu Vl'aum", zu überirdischer Erhabenheit. Mittlerweile haben wir ja auch gelernt. Spinozas tiefe — Religiositüt zu empfinden. Zuerst redete man über ihn „als über einen taten Hund". Dies Wort ist von Lessing, zu dessen „Nathan" Spinozas Gestalt Vlodell stand. Jedenfalls bekannte Lessing sich zu Spinoza, u.nd Goethe fand bei Spinoza „seine" Philosophie. Um Philosoph zu sein, müsse man erst Spinozist werden, sagte Hegel. Die deutsche Philosophie ist gerade, wo sie am deutschesten ist, bei Schelling, Fichte, Schleiermacher, in Hegels Siaatstheoricn, ohne Spinoza undenkbar, von dessen Stellung zur 3!eligion seine Zeit und vor allem die spätere soviel fürchten zu sollen glaubte, während ein bedeutender amerikanischer Philosoph von heute sagt: „Nietzsche sagt an einer Stelle, der letzte Ehrist sei am Kreuze gestorben. Er hatte Spinoza vergessen." _ Leo Hirsch. leies Lehm iit einer MerMW Professor Loewenthals Arbeiterr in elften ©teilten Bericht für die „C. V.«Zeitung" Paris, Ende November. Eine ganz eigenartige Ausstellung wird jetzt in der Kunstgaterie der „Gazette dcS Beaux 2lrtS" in der Rue Fauburg St. Hvnors geboten:' Profesior M. A-Loewentha! Zeigt seine Arbeiten in geunu. Eine^alte. grotze Kunst ist hier zu neuen? Lckcn erwacht; ein Knstallbwck wird zu einer Prunlwst mit den herrlichsten Figurenreltess umgestallet; ein Halbedelstein oder auch eine Kristallplorte zeigt geschnittene . Porträt eines berühmten Gelehrlcio eines Grostindustricllen oder eiites roelwelamtüit Museumsleiters. Locwenthal hat den grotzen Meistern und Lorbildern, . Ticwcorld. Benvenuto Eellini. Picgov'' Guars. ihre Technik abgelausthl: cr hat sich au tut schäncitchBasei? des Wiener Bluseums gebildet und hat so sein Können Schritt für Schritt zur MeiRtschasl entwickelt. Es ist ein prachtvoller Anblick, diese Vitrinen w?d ihren Inhalt zu sehet?, mit wen herrliche Pokalen, bei? schillernden Iwzetten, den chari.lt/ risti'chen Gen?u?en, den interessanten ÜrickiR Porträts. Hier vermischt sich edc.stes Ätaieckar »R höchster Kunstferticsteit zu einer einzigen öartnonie. Ein Pokal, in indischen Karneol geschnitten, tust Wetulrauben _iniö Weinlaub in Re lies, eine Äecki!. b:e vier mühselige Jahre gedauert hat. ist von der Stadt Berlin als Leihgabe hergegedon werden: ciu besonders prachtvoller Becher, Rn ziselieren? Eclv monttert. das Zest des Dionysos darstellend, den ^ircttor Frankfurter dem Üier litte: eajiojjmufeum gestiftet hat, zeigt ein- Leiounderswerte minutiöse Kleinarbeit; die „Prometheus, das Feuer bringend^ hatte Iv.n' Kreuger iroch k?irz vor seinem Frcitode für \t\M Hauptmdustrie bestellt. Die Kristallporträt^ der Gelehrten, die Professor Lvewenthal gesessen haben, zeigen in den? technischen Herausbringen der Pstsvil.ichkeit den ganzen Reiz dieser seinen Mn>R gestaltung. Wir finden hier Prosenor Mar stllnist Professor Bode, Profesior Robert Schmidt, den Ew",- tndwlriellei? Otto Wolfs??. a. Der Direktor der Bibliolhecuie nationale 'll Parts, Professor Babeion, der ebenso wie sein ^f. ber ebenfalls Direltor der Bibliothek war> ein groser Kenner der geschnittenen Steine ist hat diese Aussiellung ermöglicht. Man mochte' wünsche'». W auch Berlin diese eigenartige Kunst sehen und r meßen Cüiuite. F. 6w Ein besonderes lünsllcrisckes Ereignis wird d-i Ausstellung bildender Kunst cküerkkun sl. die vom 10 Teyeinber bi- 7. Zawstz un Haute Warburg, Hamburg Mittelweg K». Wst findet, sem. Einlrülsvrelse. Ciirickkarten 0.zz stW Datterkcirün 1 NM. Dorbcslellungen stlnilütch telephonych (555^20) in der Geschäftsstelle, bürg 27, Hagcdornsiratze 31, II r.

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