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Central-Verein-Zeitung · 1933-11-30 · 46 (30.11.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
46 (30.11.1933)
Date
1933-11-30
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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r.ah'ivlidje JRcottion auf daS Zeitalter, das den Ghrijten dem Christentum und den Juden dein Judentum entfremdet hat. Der Antisemitismus von heute ist zuerst ein stampf gegen den Inden deü 20. Jahrhunderts, der befreit auS den Mauern dc8 Ghettos, feine Zähigkeiten iveit über das erwartete Ataß entfaltet hat. Darüber hinaus hat der Antisemitismus tiefere Gründe, Gründe, die cS nicht nur in den lichten ISO Jahren gegebem hat, sondern die es Jahrhunderte gibt, solange eine Judensrage Oberhaupt besteht. Liese Zragen hier zu erörtern, würde zu weit führen, deswegen fei auf daS hingewiesen, was Rabbi,rer Tr. Lwarsenski in diesen Blättern zu diesem Punkt gesagt hat. Ter besondere Antisemitismus der heutigen Zeit richtet sich nicht gegen die .llaufleute, Anwälte und Aerzte. weil sie durch die Emanzipation entludet worden sind, sondern weil durch die Gmaiizipation so viele Kausleute, Ahivälte und Aerzte geworden sind. Ich frage daher, ob dieser Anti« seinitismns nicht gekommen ,uäre, wenn diese .kausleute, Anwälte und Aerzte gute Juden ge> blieben Ivären und umgekehrt, ob diese Juden nur Kailfleute, Anioälte und Aerzte geworden sind, weil sie auf ihr Judeutmu berzichtet haben? Gewiß, es hat viele gegeben, die aus ihr Judentum verzichtet haben, u'm mehr zu werden; wir haben erkannt, daß das falsch war. Aber wie viele haben ihr Judentum verloren, weil sie den Glauben au das I u de nt um verloren habeil und diesen Glauben unL wiederzngcben und uuS den Sinn unserer Lehre zu erklären, ist die große Ausgabe, die zu lösen ist! Nicht nur Bor- Würfe soll man uns machen, sondern uns das geben, wonach ivir suchen. Wir nwdernen Menschen haben vielleicht den Fehler gemacht, unser Jndentrnn in Formeln zerlegen und wie eine mathematische Aufgabe lösen zu wollen. Und da ivir diese Aufgabe nicht lösen konnten, weil wir vielleicht keine Zeit mehr dazu hatten, weil die 150 Jahre nach der Befreiung auS dem Ghetto mit dem Zeitalter zusammengcsallen sind, in bcm jeder neben dem nactten Kamps um seine Grgstenr alles andere vergaß und weil diese Ausgabe vielleicht auch zu schwer für uns ivar. fordern wir heute, daß mau' uns eine neue Form unteres Judentums gibt, eine Form, die wir modernen Menschen, die wir nun mal im Zeitalter der Maschine gelebt haben und noch leben, verstehen und als Idee des Judentums in uns aufnehmen tönnen. Haben wir unser Judentum erst wieder richtig ersaßt, so ivird sich leicht der Weg finden laßen, in dem wir Juden in allen Lälidern der Erde als das leben können, was wir sind und bleiben wollen. Lj r-?? LJ Lj Lj vjp U l Chamit'dcaS'äfeier ln dieser Zelt Sehr geehrte Schriiitleilung! Als Lehrerin an einer jüdischen Schule empfinde ich doppelt die Notwendigkeit, unsere Feste mit den Kindern ■zu feiern. Nun steht das Char.ukkah-Fesl vor der Tür, und es sollte in diesem .lahr in reichslem Masse den Geilanicen des Gebens und Nehmens verwirklichen. Wie aber, wenn wir mit unseren Kindern in der Schule Chanukkah feiern, und daheim im Elternhaus wird diesem F?-st so gar keine Beachtung geschenkt? In manchen unserer Häuser war das Fest des Gebens und Nehmens das Weilmaclilsfest geworden, und zur Verscnönerung dieses Festes batte auch der Weihnachtsbaum mit dem Hinweis auf seine einzigartige deutsche Art seinen Einzug gehalten. Das Erleben unserer Zeit aber lässt uns mit dieser Einstellung ^o'lkcmn en brechen. Auch unsere liberalen jüdischen Ellern empfinden die Verpflichtung, ihren Kindern ein jüdisches Haus zu bereiten. Seit mehr als 2000 Jahren ist Geben und Nehmen das Symbol des Chanukka-Festes. Wenn wir am Dienstag, dem 12. Dezember, das erste Lic.nl- Jein anstecken, und acht Tage hindurch jeden Tag ein Liebt mehr entzünden, dann wird der Schein dieser Lichter in diesem Jahr zu uns sprechen: es gibt Menschen, die noch grösseres Leid tragen als du seihst, es gibt Menschen, die noch schmälere Kost haben als du seihst, darum trage Lichterglanz und -freude in die Herzen der Aermsten unter I n Schule und Haus muss Chanukkah als das Fest der Freude, des Mutes, der Zuversicht und Hoffnung in den Herzen unserer Kinder lebendig werden! Mit dem Moaus zur aber wird die Verpflichtung einer alten Tradition in uns wach werden. Margarete Fried. Brauchen wir jüdische Schulen? Sehr geehrte Scbriflleitung! Herr Isakowitz scheint die Lage nur von seinem kleinen Kreis aus zu betrachten und nicht zu übersehen, wieviele jüdische Schüler und Schülerinnen in grossen Gemeinden nicht mehr an höheren Schulen Aufnahme finden oder finden werden und nach einer jüdischen Schule verlangen. Aber auch unter denen, weiche an öffentlichen höheren Schulen bleiben konnten, hat es sehr viele gegeben, die sich in ihrer Umgebung nicht wohl fühlten. Obwohl gesagt werden muss, dass in den allermeisten Fällen Schulleiter und Lehrer ihren jüdischen Schülern volles Wohlwollen enlgogoügebraebl halben. Dennoch bebagten die Schüler .-ich unter den neuen Verhältnissen nicht und mochten nicht länger ihre Schulen besuchen. Nicht die Gemeindeverwaltungen haben die jüdische Schule gewünscht — diese machen in den meisten Fällen sogar Schwierigkeiten —, auch nicht die Eltern, sondern d i e Schüler, und ihr Wunsch verdient in diesem Falle schon Beachtung. Nun meint Herr I., die Schule müsste den Juden auf den späteren Kampf des Lebens vorbereiten, ihm früh beibringen, dass er Hass und Verfolgung ausgesetzt ist. Das mag richtig sein, muss aber wohl nicht schon bei den sechsjährigen Kindern beginnen und acht Jahre lang durchexeniert werden. Auch die jüdische Schule wird nicht so lebensfern sein, dass sie ihre Zöglinge in ein Gefühl der Sicherheit wiegt und mit der Gesinnung der Umgebung nicht vertraut macht; sie wird ja wohl mindestens erklären müssen, warum nur ganz r? * LT k Q ÜjQBQP wenige von ihren Zöglingen eine höher Bildung erhalten können usw., warum ihnen Sportplätze gesperrt sind u.ä. Von anderen Dingen, welche jeder Jude täglich im Leben erfährt und die Schule nicht verschweigen kann, gar nicht zu reden. Endlich aber ist die jüdische Schule notwendig, damit jüdkdio Kinder eine j ii - d i s c h e Erziehung erhalten, damit sie feste jüdische Ueberzeugungen und gute jüdische Kenntnisse sich aneignen, damit sie als gerade, aufrechte Menschen heranwachsen. Wenn das geschieht, werden sie besser für das Leben und den Kumpf des Lebens ausgerüstet sein, als wenn sie sich schon als Kinder im Kleinkampf zermürben. Ismar Eibogen (Berlin). * Kindererziehung ist in erster Linie ein psychologisches Problem. Das einsame, durch nichts gestützte Kinderherz zeigt ein überaus reicheres und intensiveres Erleben als die Seelo des Erwachsenen. Das Kind, das von Hause aus naturgemüss nicht den Eindruck des Mäklig- oder Minderwertigseins erhielt, erliegt ihm in der Schule um so mehr, je weniger cs ihm möglich ist, sich mit .dem früher gewonnenen Erlebnis seines wahren Eigenwertes dagegen zu wehren. Dieses Erlebnis ist aber in der frühen Kindheit entweder noch nicht voll oder nur labil vorhanden. Die Wirkung der Beschimpfung seines Aeusseren und Inneren, das Gefühl seines eigenen Entwerletseins ruft in ihm eine vernichtende Wirkung hervor. Aber gerade die psychischen Wunden der Kindheit schlagen die tiefste Bresche in das zarte Gebäude des jugendlichen Charakters. Der „jüdische Komplex“, der jüdische Neurotiker und Psychopath und sonstige seelische Verkrüppelungen sind die überaus traurigen Folgen dieser „Gewöhnung an die Diskriminierung des Juden“. Damit bewaffnet soll der Jude nunmehr dem Leben in seiner Wirklichkeit oder dem schweren jüdischen Alltag eher gewachsen sein? Ein bedauerlicher Irrtum! Natürlichen, freien Menschen aber kann das Erlebnis jüdischer Situation und auch noch so schweren jüdischen Schicksals nicht zum psychischen Trauma werden. Was diese Menschen aber vor anderen auszeichnet, ist die Tatsache, dass sie nicht mehr „minderwertig“ sind, dass sie aber die ihnen angedichtete Minderwertigkeit so ertragen, als trügen sie einen Panzer aus Eisen, an dem jedes Geschoss abprallt. — Dieses Erlebnis ist dem Juden heute aber nur in der jüdischen Schule zu vermitteln. Dort erst macht ihn neues Erleben echtesten Judentums zu einem bewussten aufrechten Juden. Dr. med. A. Meyer (Ziimlorf b. Köln). Erwin Isakowitz fragt nicht: Wie ist es für die jüdischmenschliche Entwicklung des jungen Menschen an sich am besten?, sondern: Wie wirkt cs auf die Umwelt? Das klingt so ganz deutlich durch, wenn vom Antisemitismus in den Gymnasien die Rede ist. Wenn der jüdische Junge nur recht kuscht . . . Es ist falsch, wenn man immer als Grund für die Schaffung einer jüdischen Schule nur den Schutz vor dem Minderwertigkeitskomplex angibt. Sic soll nicht nur einen negativen Sinn haben: sie soll „wesensjüdisch“ werden. Nicht nur, weil wir müssen, nein, weil wir wollen. In diesem unseren ureigensten Bereich brauchten wir keine Objekte zu sein. Dass solch Schule nicht „undeutsch“ sein wird, ist klar für jeden deutschen Juden, der hier bleibt. So kann die jüdische Schule eigentlich nur Fruchtbares bringen. Martin Langgut. Jüdischer Adel Sehr geehrte Schriitleilung! Im Anschluss an die Ausführungen des Herrn Dr. A. Czellilzer über den „Jüdischen Adel“ der Kobanim, der Träger des Namens Kohn, sei auf einen geschichtlichen Vorgang hingewiesen, der sich zur Zeit der Bedrückung der Juden durch die Rüinerherrschaft abspielte und über den Dr. J. M. Jobst in seiner „Geschichte des Judonthmns und seiner Seelen", Leipzig 1857, Band I, S. 323, schreibt: „Die Juden oder vielmehr das Judenthum verletzte er (llerodes) jedenfalls — wahrscheinlich bei Gelegenheit des Tempel-Umbaues — durch eine Gcwaltthat von Bedeutung, welche die Juden, namentlich die Priestergeschlechter, nicht leicht verschmerzen konnten. Auf seine Veranlassung wurden nümiieh die zu grossen Sa m m hangen a nge wach se ne n Geschlechtsverzeicbnisse verbrannt, wie man meint, um die Berufung auf alle Herkunft, auf welche viele Familien — ihren Stammbaum bis auf die Rückkehr aus Babylonien zurückführend — ihren Stolz setzten, ein für allemal zu beseitigen, wie er denn auch selbst von babylonischer Abkunft zu sein sich rühmte . . . Eine solche Massregel, durch welche auch die noch in Familien bewahrten Stammbäume ihre Zuverlässigkeil verloren, warf den Abkunflsadel — bei allen Morgenländern ein Gegenstand lebhafter Eifersucht — in arge Verwirrung.“ Gustav Samuel, Holzminden. P!5nFßfllf$ {wr[j r?prve1;l1 M im Glu W. 15, JoachimsthalerStraße 13 FV kJ i A4 Wegen ausverkaufter Vorstellungen ab 2. Dezember täglich, abends 8.30 Uhr, außer Freitag Tanzkapelle : Jack PoUschuk Vorverkauf: täglich 11 - 1 Uhr Joachimstaler Straße 13 Außerdem Mittwoch 4.30Uhr: Bridge und Skat Donnerstag 4.30 Uhr: Nachmittag der Hausfrau Freitag 8.30Uhr: Unterhaltungsmusik Sonnabend u. Sonntag Nachmittag 5 Uhr: Tee mitTcmz C’/O * m 3. S. B. ESI ii cO) Besuchen Sie unsere Ausstellung oder verlangen Sie gratis unsere neue Angebotsmappe .Ebrenfeid, EvankMalrl ... nzmd Sa>mFäm$? TANZ uno KU MST LE &SPJEIE 4 Uhr: Eintritt frei 8“Uhr: Eintritt RM, 1.— IM PROGRAMM: Cafohauspreise Guido Glaldini, der woltberühmfo Kunstpfeifer Hcdi Haas, die beliebte Chansonsängorin Hans Horsfen, der Operettenstar Zum Tanz: Orchostor Fritz: Lachs . mu Caie Leon, Grosse? Scaesl J 7 Hochmoister 6U0 Büro des Cafe Leon Kurfün.tondam Vorverkai Fj) HA n r\n V R C\ (? P, Vj L-j a[p[| Ü L\J L:j d öD KürfÜrsrendamm 214, am U-Bahnhof Uhlandstrasse Grosso Tusso Wiener-Kaffee 3-7B*fg. — Stnuinicsson 70 I*fg. Sn «Ion obere» EEitmno» Tß M SS» [j Iv L<i ,\vj 11'» r •! Ly, Lfl m UKDACEN3 lLi;.:J V l' LEiU äCURFÖa jt EtfitAMM Jrt Direktion: Tlntow IUo\v E S, 4» W konferiert 1 mus fünfte S’rog'rninni: Solls / iJEbler / Slictclio / S’urtulleu Täglich Sä.'uasfrnucti - tVnchniittng Eins grosse l*rograun» Alnjs.70 t’f. Kleine Preise. Niiehni. Kintrilr.froi Zinisno Sfuffeo und Einehen Mk. I.— ^länzondo Ikvtsfenz für Saargcbiet, Elsass und Holland. 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Zeitung eine Insertionsgelegenheit zu haben, die keine nennenswerten Kneten verursacht. Die „Kleinen Anzeigen" werden pro Wort berechnet und zwar das gewöhnliche Textwort 10 Pfg. (bei Stellengesuchen 5 Pfq) und dnL ten gedruckte Ueberschriftswort 20 Pfg. (bei Stellengesuchen 10 Pfg.) Worte mit mehr als 15 Buchstaben werden doppelt gezählt. Für Anzeiaen mit kI wort ist eine Ziffergebühr von 20 Pfg. zu zahlen. Die portofreie Zusendung der Offerten innerhalb Berlins kostet 25 Pfg., die nach auswärts 40 Pfg Die C V. Zeituru] Ist Uür den Austausch von Angebot und Nachfrage deshalb das geeignetste Organ, weil sie von allen jüdischen Zeitungen Deutschlards die e-rt-cfp* Durch den müisiscn Inseriionsprcls für ..Kleine Anzeigen*' ist nunmehr jedem* Gelegenheit geboten, sich die bekannt erfolgreiche V/erbekraft der C V. Zeitung zunutze Auflage hat. zu machen-

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