Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 46 (30.11.1933)
- Date
- 1933-11-30
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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'"irirn,''! Nr. 46 'wlLiliv ’ i '• CJ mUCBTTCB ß ■i © ♦ <S, mmu Tirfit bei Perl in liegt das große jüdische Ächch.'lnger. das eine Gruppe von hundert ch.m'ii, lebenstüclstigeu Menschen umfaßt. Auf «lluid, inmitten eines ziemlich öden Land.?ineheliegt das Heim dieser Gemeinschaft. j„er 'Gemeinschaft ..neuer" deutscher Juden! Ein unangemeldeter Besuch im Lager ge- . Ml einen Einblick in das von Arbeit erfüllte hier draußen. — Die Wohn- und Cchlafliai-iicfc 0011 riesigem Ausmaß (einst ein Aus- ^'Ilungsjtück der Laudwirkschafkswoche) wurde [,,,„ den jungen angebenden Liedlern selbst nbnuntfint transportiert, unter Anleitung ^i, Fachleuten nage Waidmaimsluft loieder ^chi'l'mit und für die uotivendigsten Lebensg'diiriniiie hergerichtet. — Natürlich ist alles |c[)i' puinitiv. einfache, schmucklose Holzivände, bic Beleuchtung besorgen sehr eigenwillige gii^lübliüitlampen. die eine ständige Neigung '„in Berlvscheu teigen: die elektrische Lichtiilciiiiiu] ans Bbridmannslust soll .1000 NM liiili'u — eine solche Ausgabe übersteigt uatürliz, bei weitem die wirtschaftlichen Verhältnisse M Lagergemeiuschaft, für deren Unterhalt. Ärpllegung usw. die Berliner jüdische Gebinde sorgt. fließendes Wasser soll es allerdügs wenigstens in der ersten Zeit, gegeben heben. - der N'egen floß nämlich in Strömen bniTti alle NiNen des Daches. Nun aber haben hie chmgen das Dach regenfest geteert, und mit her Bequeullichkeit des fließenden Wassers ist e* iHU'iH'i. Aue in Biilitärlasernen sind die — natürlch selbst gezimmerten — Bettstellen zu zweit libaeinander angeordnet; am schönsten Habens Oie gliicllielien Bescher von Federbetten, denn (rot? ständigen Heizens, Tag und Nacht, dringt es! nächtliche Kühle in den Schlasramn. -- Früli um n Uhr 3«> Min. beginnt für das Lager der rag. das Küchenkommandv muß schon um Hilf ans den Federn, um die Niesenportion ,gi>hstncksbrote zur rechten Zeit „servieren" zu leimen. Ter Küchenchef — ein HauswirtschaftSjienie, wie uns von allen Seiten versichert tvird — fährt wöchentlich zweimal zum Lebeusmitleleinkanf nach Berlin; der tägliche Berlwmch übersteigt jede Borstellung! Allein 25 iw) Ai Aierpsnndbrote werden täglich verzehrt, sirla 7 Pfund Tvmvr, 75 bis 150 Pfund Kartesieln. entsprechende Quanten Fleisch. Gemse usw.!!! 0>::> ist begreiflich, daß die Aliufjc u’iillid) alle Hände voll zu tun hat, um den Ainger der den ganzen Tag im Freien Archlmden zu stillen. Anfangs toar man vollauf mit dem Aufbau, und der Einrichtung der Baracke beschäftigt; nun aber ist die Arbeit in verschiedene kuppen anfgetcilt. — die einen arbeiten in einer benachbarten Gärtnerei und Bamns'bnle: sie haben auch dort schon zur vollsten chifnedeuheit des Gärtners ein Banmschnlenmiavticu swbständig gepflanzt. Gine andere Gruppe erlernt als Maurer und Zimmermann bln Bau von Siedlungshäusern, ivährend die miliclie Belegscchast mit Wegebau und Bodenßlltwirrnng beschäftigt ist. Fm übrigen ist in Auchlbt genommen, auch Leute in der Tißchleiej »ud in anderen handiverllichen Bernsen nnPnbildeii. Alle diese Arbeiten iverdcn unter ^lssicht von Fachleuten verrichtet: allgemein >!t eine Ausbildungszeit von sechs Monaten t'mgesck,en.^ Tiefe Zeit reicht natürlich nicht gilalifizierte Zl raste heran zubäden. aber ^u»i und Ziel dieses Arbeitslagers: Gewöh- .körperliche Arbeit, Freude an manuckter Fähigkeit — wird bestimmt erreicht. Wie hören und selien, ist der Arbeitshmiger ^>0er zumeist ans kaufmännischen Bernsen tennnenden jungen Atenschen kaum zu stilten, ww man Hann sich gar nicht Vorstelten, daß Mäßigen Burschen noch vor kurzer Zeit ll'!l Pürosessel gedrückt oder in der Konfektion ^arbeitet haben. Allwöchentlich findet eine große Lngerverhuumbmg statt, in der eventuelle Mißstünde wcr Gegensätzlichkeiten gemeinsam besprochen!, ^regelt werden, nne iiberhanpt der GeuU-w>Ichafisgeist das starke Band bildet, das uoe äugend umschließt und sie das ungelwgnt harte Leben hier draußen so optimistisch ^ie wenige Freizeit ist mit : mluheu Spielen, mit Lesen und der Pflege ' 'fc SJolMicftcr nuoflefiUlt. Addtsiag.ec iiiiiüiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiHiiiiiiiiiüiiiiiiiir Waidtnaimslust Itllllllllllllliülllllllilllllllllllllllllllllllllllf Herbert Sonnenf<Id Aufnahmen und Montage Das Dach der Ba racke wird regen» £ fest geteert Brücke gebaut ' ** * «\ - 'j Essenausgabe für 100 hungrige \}<' Magen G WO bunte Teller!! Sogar die Gehilfin des Photographen; muss hierbei helfen i f-;; *' <V ' r .V Einweihungs-Feier > | h /1 r"'’4 ■f'" ' A .'"""1 "" M Als die Baracke endlich stand und man Gäste empfangen konnte, veranstaltete das Lager eine kleine Einweihungsfeier an einem Freitagabend, der zugleich den ersten ivirtlichen Nnhetlig einleitete. Festlich ivaren die Tische und Wände geschmückt, und der Führer des Lagers hielt eine kleine Ansprache, die ein Bekenntnis zur Gnnneinschastsarbeit enthielt. „Die Arbeit ist unser Leben" — das ist der Wahlsprnch dieses jüdischen Jngendlagcrs. Herbert r>»imeu!elll. Ncbcr ^000 Borairmclvrmgcrl für 2Llterohcinre in Berlin Am kl? November feierte nicht, wie nur irrtümlich gemeldet hotten, das Altersgeirir der Jüdischen Gemeinde in der Großen Hmnburger Straße, sondern das Altersheim in der Schönhauser Allee sein 50jähriges Bestehen. Dieses -veim ist seinerzeit von Nlorip Alannhelmer gestiftet ivordcn. — Der Gemeinde ist in den lebten 2Üoche» ivieder ein großes Legat an Grundstücken und Werten zuaesatlen. das zur (yvticljtunn einer neuen Altersversorgungsanstalt beuuht iverden soll. Denn vbschon alle bestehenden Heime voll besetzt sind, liegen über »000 Voranmeldungen schon wieder vor. TtthimchlZh§lsrMil Das Evangelisch-Lutherische Landestirchennmt Dresden hatte am ». Dllober ins» seiner Auffassung dahin Ausdruck gegeben, daß eine Dekoration weihitachtlicher Embleme, insbesondere der El^istvänme, für jüdische Geschäfte unerlvünscht sei. Nunmehr hat daS Kirchenamt durch Verordnung vom 3. November 1933 erklärt, daß die Bekanntmachung über den iveihnachtlichen Schmuck seitens der Geschäftsinhaber vom 3. Oktober 1933 aufgehoben worden ist. Das Kirchenamt gibt also der unseres Erachtens selbstverständlichen Auffassung AnSdrnck, daß die üblichen Weihnachtsdekorationen. insbesondere Tannenbäume, Tanuenzweige, Lichter- und Watteschmuck von allen Geschäften entsprechend jahrzehntelanxgem Brauch verwendet werden können. Daß ausgesprochen religiöse Symbole, wenn überhaupt, nur von den Angehörigen der gleichen. Religionsgemeinschaft zu dekorativen Ausstellungen verwandt werden, halten wir für ein ebenfo selbstverständliches Gebot des Taktes. Itl Von den Männern, die vor 40 Jahren den Grnndnngsanfrnf des CentrnlvereinS an die freut* sche Infrenheit sandten, weilen nur noch tvenigo unter uns. Einem von ihnen, dem Bankier Carb Loeser (Berlin), konnte der Eentralverein am: 27. November seine Glückwünsche zum 80. Geburtstag darbringen. Aufrecht und rüstig steht dieser Vorkämpfer unserer Sache heute wie voo 40 Jahren treu zu uns. Keine Tagung des Landesverbandes Groß-Berlin, dessen Ehrenmitgliefrl. er ist, versäumt er. Beispielhaft wirkt er durch seine vornehme Sachlichkeit und seine überlegene Erfahrung. Dieser Mann hat unsere Idee sein ganzes reiches Leben hindurch nicht nur empfunden, er hat sie gelebt. Schon im Aenßeren ein Bild aufrechten deutschen Bürgertums) hat er seine Kruste in den Dienst der Allgemeinheit, insbesondere der Stadt Berlin, gestellt. 14 Jahre war er ihr Stadtverordneter, 45 Jahre hat er in der Komruunalverivaltiing ehrenamtlicki gewirkt. Jn^ der Kriegszcit hat er eine Unterstütznngskasse und die Goldannahmestelle int Berliner Rathaus geleitet. Als erster Stadtverordneter von Berlin erhielt er das Verdienstkreuz im Weltkriege. seiner Goldenen Hoch* lMÄ ESM©?! El