Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 46 (30.11.1933)
- Date
- 1933-11-30
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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^C^mieL (i^u, ^^ü'h.nr^hV isoti Gese» Mischs VerÄKsmeiesel «ud §ar,LsesWo«e» MA waa <£m TLcsMoqsJI^ElMcbuis M E. SÖor .ipcmßcii Wochen hat Stabs- , -^ölJm einen Erlaß gegen die Sucht, -^uer iviedor neue Vereine und Gruppen zu Ivjln hcrailsgcgcbcn. Dieser Erlaß bezieht . .. Jrtr in erster Liuio aus die natioualsozia- MschLll und Glicht jüdischen Vtenschen, die .' ^r alten deutschen Vereinsmeierei nicht ^s-'en wollen. Die deutschen Juden hätten 2t durchaus Veranlassung, auch für ihre ^üjcn eine solche Verfügung zu erlassen. ^'!!N and, in ihren «SU-cifcu hört das Streben Ijn'i'lner Äteilschen, Gruppen und Grüppchcn, 'nLN'inc und Vünde zu bilden, nicht aus. Bald der eigensüchtige Drang, an irgendchur' Stelle Führer zu sein, bald ist es die ,Herzige Meinung, irgendwelchen Latsäch- |.i)rlI oder vermeintlichen sozialen oder be° .-'ständischen Viangeln abzuhclsen, bald ist 4 mir die Lust zur Opposition, die die Men- Um zur Organisation solcher Gruppen it. Oie alle sind sich nicht klar, wie sehr sie aearn't den Interessen des deutschen Judeniini'> znwidcrhandelu. Sic ervvnierte Lage der deutschen Juden macht die Auswahl der Führer nach höchster rnt-nschlicher und persönlicher Eignung ver° ^wörtlicher denn je. Früher konnte mau H den Llirus leisten, irgendwo in irgendichem Vereinchen einen Atann an der Spitze ■J ijiibcii. der mehr gutes Herz als Sach- MiMtin-C' besaß. Heute sind Sachkenntnis und pa'jmitn'lH' Integrität eiserne Voraussetzung >iir jeden Führerposten in jeder noch so lüinen Gruppe. Denn die Aufgaben, die es rtine zu oewmngen gibt, um die rechtliche und wirtschaftliche Lage der deutschen Juden chiier-ustellen. verlangen genaueste Kenntnis da Mglichkeitm und der Mittel, wenn man nicht den Ater scheu, die sich einem anvcr-- iiv.ucn, rmchr schaden als nutzen will. Wie sche wird diese Arbeit aber erschwert durch die Vielheit der Gruppen. Wie wichtig wäre r*( Aengrüuduuaeu zu vermeiden und Splittergruppen zugunsten großzügiger Arbeit zusammeuzulegen. Und wieviel Mißdunich wird mit der vermeintlichen staatlichen Anerkennung getrieben. Es ist noch lange nicht eine Gruppe staatlich anerlarmt, lucii die Polizei ihr eine Versammlung genehmigt. Der Laie kennt die Unterschiede nicht und läßt sich leicht irresühren. Als vor wenigen Monaten die Neichsvertrctung der deutschen Juden gegründet wurde, war das leitende Motiv die Vereinfachung Lu Vertretung der deutschen Juden gegenüber den Reichs- und Staatsbehörden. „Was sind denn die deutschen Juden? Sie zerfallen ja in lauter Einzelgruppen", so fragten früher Le Vertreter der Behörden. Jetzt ist die Aeielpevertretung da,- sie arbeitet mit großer hntensüät auf all den Gebieten, die die Eingliederung der deutschen Juden in das Wirtschaftsleben betreffen. Mit großer Aufmerksamkeit behandelt sie, wie aus dem Aussatz „jüdischer Arbeitnehmer und Arbeitsfront", der der „C. V. -- Zeitung" in der vorigen Voche aus Kreisen der Neichsvertretung zur Aersiigung gestellt worden war, ersichtlich ist, mich die Existenzfragen der jüdischen Arbeitnehmer. Mit Absicht hatte sie die Gründung > jüdischen Arbeitnchmerorgamsation zu- / rückgestellt, bis der ständische Ausbau/ Deutschland die Notwendigkeit eine/ solchen Gründung erweisen würde. Von psti-- Vater Seite hat sich aber bereits vor Monaäen eine jüdische Arbeitnehmerorganisation,^ geohne jegliche Legitimation von jüdischer oder von nichtjüdischer behördlicher Seite. Sie treibt ihre Propaganda uNter den Menschen, die zum größten Teil erwerbslos und aus ihrer wirtschaftlichen BaM heransgeschleudert sind. Und sie findet mit ihrer Propadanda das Ohr dieser Manschen, die sich an jeden Strohhalm klamüsern. Aber sie führt damit die Menschen irrest denn sie kann ihnen die versprochene Hilfe nicht bringen, und dies um so weniger als d/r Geist, in dem diese Propaganda getrieberpHvird, dem Gedanken der „Volksgemeistschast und der gegenseitigen Achtung und /Gleichberechtigung voil Arbeitern und Ilnter.üehmern", den der Allfrus des Führers der/ Deutschen Arbeitsfront", Dr. L e y, „An d/e Schassenden" vom 28. November d. I., d)br auch von Neichsarbcitsministcr ^SeldLe, Neichswirtschastsminister Dr. ^chm/itt und dem Beauftragten des NcichskFnzlers für Wirtschastsfragen, Keppler^ unterzeichnet ist, verlangt, nicht entspracht. Nach diesem .^Aufruf an die Schaffenden" ist / „die Deutsche Arbeitsfront nicht die Stätte, wos die materiellen Fragen des täglichen plrbeitslebens entschieden, die natürlichen: Unterschiede der Interessen der einzelmen Aabeitsmenschen auseinander abgpestimmt werden. Für die Regelung der Arbeitsbedingungeil werden in kurzer Z^eii Formen geschasfeil werden, die dems Führer und der Gefolgschaft eines Betriebes die Stellung zuweiseu, die die nationalsozialistische Weltanschauung vorschreijüt". ' Damit ist kl,ar zum Ausdrllck gebracht, das; die Deutsche Arbeitsfront nicht die wirtschaftliche Vertretung/der Arbeitnehincr sein will, sondern daß l diese wirtschaftliche Vertretung stärker als ^bisher in die ständischen Organisationen hsüleinverlegt werden soll. Das Judentum darf sich in der wichtigen Frage, n/ie der jüdische Arbeitnehmer in diesen ständischen Ausbau einzugliedern ist, nicht den Lu/xus der Sonderbünde leisten. Diese würdenj dem jüdischen Arbeitnehmer in seiner Existenz'; und denen, die ihre Vertretung bei den Behörden auszusührcn haben, in ihren Verhandlungen gefährden. Die Neichsvcrtretunaf muß mit der Autorität, die die großem, jüdischen Organisationen ihr bei ihrer «Gründung übertragen haben, diese Fragera selbst straff in die Hand nehmen und als Mein legitimierte Stelle in Gemeinschaft mit d^n Organisationen, die durch ihre Erfahrung dazu berechtigt sind, die Behandlung dieses/ für viele Zehntausende jüdischer Männer liinb Frauen wichtigen Existenzprvblems beschleunigt weiterführen. Wir Plagen nicht darüber. Aber eines fehlt: Wo suud die bisherigen Mitarbeiter, die Jahrm® SjM frtMf ♦ ♦ ♦ , : ‘ ..... . - . ' ■ ... . . „ , „ zehuto lang m ement Büro, an einem runden oenu m einem Unternehmen cm lang- Tisch saesessen haben, die dem Scheidenden noch Ahuge^ Mitglied des Betriebs die Altersein Mort des Dankes, noch ein Wort der An- Acuze erreicht hat, in der nachlassende Kräfte P«d der Wunsch nach einigen Jahren der Ausß'anmmg es veranlassen, sich von seiner Aitigkeit zurückzuziehen, pflegt eine Firma, vle aus Wahrung der Tradition und einer Lmuvuischen Ziisammenarbeit aller Arbeitsmneraden — wie die neue Terminologie es Ichr tresfeud ausdrückt — Wert legt, die Mit- Aeder der Belegschaft zu versammeln und eine üp'eude Kundgebung für den Ausscheidenden A veranstalten. Wenn ein Mitarbeiter eines ^Ichästshauscs oder einer Fabrik das vierzig- 00F süuszigjährige Jubiläum in Diensten j^lcr Firma feiert, ivird er mit einer Gabe 'eiü)eukh sein Name und seine Leistungen reideil iu die Zeitungen gebracht. Wenn ein -Puglied^ des Vorstands oder AufsichtsratS nner Aktiengesellschaft, das mit Fleiß und Der- W an der Entwicklung dieser Firma bealeud oder ausbauend mitwirkte, ausscheidet oer jtirbt, so wird in der nächsten General- /L.^Puümg, un Geschäftsbericht oder in der /peutlichkeit von dem Wirken dieses Mannes - "mde gegeben und es werden seine Verdienste Ulgezeigt. Wir lesen viele Geschäftsberichte, ii m;cu ^ct,l:cn Monaten herausgekommen KnrVüir können oftmals feststellen, daß in um 1c^c^UuÖ der leitenden Posten Derändevorgenommen wurden, wir erhalten /nä^^knlare, die Kenntnis geben von dem Ruh » c5 ^^Marischer Persönlichkeiten. Es - keine schlechten Namen, die verfoMmi solche, die in der deutschen rMajaft einen guten Klang gehabt haben. ein Dtzort des Dankes, noch ein Wort der Aiu erkenmunb widmen? Wohlverstanden, wir wolle»! keinen Dank, der nach außen hin dokumentnert, daß der Mann seine Pflicht getan hat. <TaZ ist selbstverständlich. Aber es fehlt uns dctzZ rein Menschliche, daß die Ntitarbeiter noch eanmal sich zu einem Menschen bekennen, zu deitzi sie sich viele Jahre vorher bekannt habenl Ein Wort des Abschieds, ein Wort, das zeKgt, daß man nicht früher die Unwahrheit g-esprochen hat. ein Wort, das zeigt, daß die m'enschlichen Beziehungen bestehen, wenn auch ^)ie Verhältnisse stärker sind. Fast nirgends haben nur ein solches Wort gefunden, das dwch zu nichts verpflichtet. Ein Wort, das viele altere Menschen unserer jüdischen Gemeinscthast brauchen, weil es ihnen zeigen könnte^ daß ihr Leben nicht sinnlos war. . L. ( GrÄnduttg einer gerrreirrrrühigen jüdische» WuchgefelLschaft. Von zuständiger Stelle erfährt ) die Jüdische Telegraphen-Agentur zu der vo'n ihc verbreiteten Meldung über eine in Griindung begriffene gemeinnützige von den großen {jüdischen Organisationen getragene Buch, gesellsmaft, daß aussichtsreiche Verhandlungen über esine Eingliederimg der bereits bestehenden, zunächsst weiter arbeitenden „Jüdischen Buchvereiniguüg" in die geplante Gründung geführt wetden. 'Infolgedesien wird voraussichtlich daS von der ^Jüdischen Buchvereinigung" angekündigte erste chnch erst im Rahmen des Gesamtprogramms Anfang nächsten Jahres erscheinen. pes poMfche Msnsch In einem bedeutsamen Aufsatz. „Ter Politische > Atensch als Bildungsziel" („Die Erziehung", 9. Jahrg., Heft 2), stellt Professor Eduard Spranger fest, daß das Ziel der Hochschule, auch des gesamten übrigen Sehulweseus, die Bildung zum politisehen Menschen, d. h. Erziehung aus das Politisehe hin sei. Das Politische, ein Ur- Phänomen des Lebens, bvn Karl Schmitt als Frennd- Feind-Aerhältuis gedeutet, weist auf den Willen zur Macht (in Nietzsches Sinne) zurück. Tie Urform des Politischen Menschen ist der Atensch der Witleusdisziptin: der staatstragende, rhetorische oder staatsführende Atensch. Die entschieden politische Betonung des Bildungszieles ist nach Sprangcrs Uebcrzeugung nichts absolut Neues: Hegel, der gewaltige Staatsdenker des vorigen Jahrhunderts, hat sie bereits gefordert. Die Kernidee des Nationalsozialismus — fährt Spranger fort — besagt, daß dem Bolk ein Lebens- Primat vor dem Staat eigen sei, während die Lehre vom totalen Staat doch' in einer ebvas anderen Linie liege. Tenn der staatstraizeude Ntensch, bei dem das Staatliche in der ganzen Leele Wurzel schlägt, ist noch nicht im Besitz jener totalen Lebeusgeslaltuug, die den Politischen Atenschen bodenverbnnden. Volksverbunden, arbeitsgebuuden macht. Das Eutscljeidende jener Lebensgestaltung ist die Gegenwart des überindividuelleu Geistes in sedem einzelnen Gliede und also das verantwortliche Gliedschaftsbewntztsein jedes einzelnen. Nicht „Politisierung der Wissenschaft im Sinne der unveränderlichen Festlegung einer staatlicben Dogmatik", sondern unbestochenes Wahrheitssuchen bleibt — wie Spranger abschließend betont — die Forderung. Dsr §lmf rrrn Spengler Ebenso wie einst „Der Untergang des Abendlandes" hat Oswald Spenglers letztes Buch „Jahre der Entscheidung, I. Teil: Deutschland und die weltgeschichtliche Entwicklung", das in btr. 41 dcr „EA-Zeitung" ausführtich besproc!)en wurde, nicht nur außerordentliches Aufsehen erregt, sondern auch das Für und Wider heftig herausgefordert. In der Zeitschrift „Deutschlands Erneuerung" (17. Jahrgang. Heft 1!) vergleicht Eduard von S t a ck e 1 b e r g Spengler mit Nietzsche. Beide sind politische Philosopheir, die das Lied der großen Forderung anstimmen. Spengler wurde von der deutschen Erueuerungsbeweguug einigermaßen getrennt. weil er das Emotionale. Uurcslektierte, Justinktgemäße gegenüber dem Wissen und Können in dcr Politik herbe zurückwies. Wer jedoch wie Spengler glaubte, daß Deutschland berufen sei, das weiße Abendland vor der kommenden farbigen Flut zu retten, dcr sei, ob er wolle oder nicht, deutscher Nationalsozialist! Im Noveinberhest' der „Neuen Rundschau" erklärt Junius, daß — von den in ekstatischer Besessenheit einherstürmenden Propheten an — wenige Bücher der Weltliteratur bekannt seien, die den Leser geistig vom Autor s o distanzierten. Spenglers Darstellung der jüngsten europäischen Geschichte^ ein Produkt scharfen Blicks und kalter Btenschenverachtung, voll blendend formulierter Einzelheiten, aber durch eine willkürliche Verzerrung historischer Tatsachen geradezu be- Üngstigerrd, ist nach Ansicht des Kritikers nicht leicht zu verdauen. Tie Widersprüche nehmen in dem Buch kein Ende. Spenglers Umschreibung und Funktionsbestimmung des Cäsarismus, an den großen geschichtlichen Beispielen und für die Gegenwart an Atussolini verdeutlicht, enthält nichts wesentlich Neues. In einem Aufsatz „Spenglers Fehlentscheidung" (.Deutsches Volkstum", 1. Novemberheft) hebt A l b r e ch t Erich Günther hervor, daß das Buch, wie jede Schrift Spenglers, eine Fülle glänzender Formulierungen, großartiger Ausblicke und Verknüpfungen, manchmal in mächtigem erstem Pathos, manchmal in amüsanter Arroganz vorgetragen, enthält. Freilich finde man auch, wie schon im .,Untergang des AbcudlaudeS", eine Neigung zu apodiktischen Urteilen über Dinge, um die der bessere Kenner noch verzweifelt ringt. Spengler meint Tatsachen zu sehen, lvo er Werturteile fällt. Geschichte zu erkennen, wo er sie deutet, die Natur zu beobachten, wo er seine lebendigen Aphorismen zmn System aufreiht. Günther beklagt cs, daß Spengler nicht einen einzigen Blick aus den deutschen Sozialismus der Arbeitslager geworfen habe, auf diese Jugend, die die Arbeit, anders als im bürgerlichen Erwerb, als uliinittelbaren Dienst am Bolk und Reich erleben will. Hier hätte er einen „preußischen Sozialismus" vor Augen gehabt, der ihn darüber belehrt hätte, daß der sozialistische Draiig unserer Generation nichts mit dem Zerrbilde, das er entivirft, gemein habe. * * Einer der führenden Köpfe des deutschen Katholizismus, Josef B e r n h a r t, verössentlicht im 2. Hest des „H v ch l a n d", 31. Jahrgang 1933/34 unter der Uoberschrist „Spengler kontra Spengler" eine sehr scharf gehaltene kritische Betrachtung zu der neuesten Schrift von Spengler. Er will Nachweisen, daß derjenige, der im Menschen nur das „Raubtier" sieht, der jegliche moralische Wertung für ein Zeichen „schwacher Instinkte" hält, nicht zugleich sich zum kritischen Führer des Mendlandes anfwerfen kann, indem er „schöpferische, vorwegnehmende, warnende^ leitende Kritik", d. h. Wertsetzung von der geistigen Elite seiner Zeit verlangt. Mit Recht weist Bernhart darauf hin, daß die von Spengler so sehr verachteten geistigen Kräfte ebenso sehr zu den bewegenden Mächten der Weltgeschichte gehören wie der cäsariftische Imperialismus, von dem Spengler behauptet, daß er nur auf seiner eigenen Natur bestehe, während er in Wirklichkeit eine ideologische Gruiidlegung für ihn zu gebeii versucht. Nach Bernhart entbehrt diese Grundlage, weil sie sich des Maßstabs der ratio enthält und sich allein aus die Intuition gründen will, jeglicher allgemein verbindlichen Festigkeit. Schließlich weist Bernhart auf die besonderen Widersprüche hin, die in der Stellung SpenglerS zu, den christlichen Werten zum Ausdruck kommen. Er meint — um nur einen einzigen Hinweis herauszugreifen —, daß es ein Sophismus ist. Thomas von Aquino bloß deshalb al8 einen Urheber des „Christlichen Bolschewismus" zu bezeichnen, weil Adam Smith ebenso lvie Thomas von uaturrechilicheu Postulateu ausgeht muH Karl Rtarr auf dcr Octouvmie von Smith und Ricardo sein System aufgcbaut hat. Denn Smith gelcmgt bei gleichem Auegaugspuukt zu anderen Ergebnissen wie der mitielalterkiche Kirchenlehrer^ und Karl Rtarx wiederum benutzt die Thesen von Smith nur als svrmaleu Anlnüpfungspunlt, um iuhalilich das Gegenteil sestzustelten. Born jüdischen Standpnnlt ans wird man sich der Kritik von Beruhart in fast allen Teilen anschließen müssen. Ter Konflikt zwischen irdiseher Btacht und sittlicher Berpslichtung darf nicht geleugiret werden, aber er ist mit weit größerem, religiösen Ernst auszulragen, als es in dem Spenglerfchen Bersuch zum Ausdruck kommt. Was hierzii im besonderen zu sagen ist, finden unsere Leser in einer Besprechung in dem in diesen Tagen erscheinenden Tezember-Hest des „Morgen" aus der Feder von Tr. Werner C a h n m a n n(bNüuchen). Krise des KapikaKsmus In einem Aussatz „Faschismus oder Sozialismus/" („Europäische Revue". 9. Jahrg., 11. Hest) vertritt Atarcel D 6 a t die Meinung, daß in dieser Periode der europäischen Geschichte der Faschismus im Steigen bcgrissen sei, während Sozialisucus und Demokratie sich auf absteigender Linie bciocgcn. Tie Krise des Sozialismus sei nichts anderes als die Krise des Kapitalismus, c-eit je zeige sich der Sozialismus als Nachfolger und Erbe, nicht als Berächter des Kapitalismus. Ntit ihm sei er groß geworden/ mit ihm habe er fid) international erklärt. Heute stehen wir am Ende des Zerfallsprozesscs der Wcltivirtschast. und keine Konferenz könne daran etwas ändern. Ter Wind lvehe auch in Frankreich — fährt Tönt fort — schon seit geraumer Zeit iu dcr Richtung der Autarkie. Sie wird sich nur unter der Bedingung organisieren lassen, daß das überkommene Prinzip des Kapitalismus, d. h. jenes des individuellen Gewinnes, nach und nach durch die Sorge um die Bedürfnisse der Allgemeinheit ersetzt wird. Es ist wichtig, das; die Kaufkraft dCs Bauern aufreehterhalteu wird, weil sonst für den Arbeiter die Krise erheblich gesteigerte Formen an» RassenkuNde In der Zeitschrift „Neues Bolk". Blätter des Ausllärnngsamtes für Bevölteruugspolitit und Nassenpslege, 1. Jahrgang. Nr. o. läßt D r. K. Bartl) einen Aussatz „Sinn und Bedeutung der Rassenkünde" erscheinen. Es ist — so hebt er hervor — niclit nur die Hautfarbe, durch die die Böller der lveißeu, schivarzen und gelben Rasse als etwas Besonderes ausfalleu. Es sind auch noch innere Eigenschaften da, die uns an ihnen als etwas Besonderes auffallen. Die Aienschen der weißen Rasse haben nicht nur Autos, Flugzeuge und Radio erfunden, sondern wirklich alle Erfindungen und Enldeckungen gemacht. Tie schivarze Rasse lebt ebensolange auf der Welt wie die weiße und hat noch nichts erfunden oder entdeckt. Bei der weißen Rasse unterscheidet man zwei Gruppen: die nordische und die vorderasiatisihe. Die Deutschen gehören vorwiegend zu der nordischen Rasse. Zu den bekanntesten Vertretern der borderasiatischen Raste, die die engsten und nächsten Veziehungen zu Europa hat. gehören die Inden. Die Juden im Alten Testament, die vor Tausenden von Jahren lebten, unterscheiden sich nicht' von den heute lebenden. Rassenknnde — erläutert Tr. Barth — ist die Erforschung der erblichen äußeren und inneren Eiaenschaslen, die ein Volk und eine Gruppe von Völkern vor anderen als etlvas Besonderes hervorheben, und die Kunde von den Bedingungen und Ursachen, die eine Rasse sich rein erhalten oder zugrunde gehen lassen. Mschs LitersüirWüM In einem programmatischen Aufsatz „Wort und Wirklichkeit", der als Leilartilel des „Deutschen Philolugeublattes" (41. Jahrg., Nr. 3-1) erschienen ist. wendet sich Studienral Tr. Lbilhelm Schmidt gegen das trügerische Wvrtivesen der letzten vierzehn Jahre: gegen das .Abort geisireicher Lüstlinge und wirlliehkeitsfremder Philosophen-, Rechts- und Theologenschulen." Dr. Echmidt eeachtet cs als „merkwürdig, iveuu mau einmal bewußt vom arllichen Denken aus au unsere großen Dici>ker herangeht, wie sehr sie da standhalten, während gerade der ganze Naturalismus mit seinen geschmacklos zusammengeflickten N/euschliehleiten, seinem gehäuften Dreck kläglich versagt, auch der Olympier aller Blarxisteu, Gerhart Hauptmaun, auch Tl)omas Mann." Deshalb nimmt Tr. Schmidt daran Anstoß, „daß Kleist schon tvarlen mußte, bis ein Brahm ihn als Vater des Naturalismus (!) entdeckte und zugleich verfälschte." Gegen den Literarhistoriker N. N.Meyer erhebt Tr. Schmidt den Vorwurf, er habe Wilhelm Raabe verleumdet. Gundolf iit ihm „mit seinen geistvoll lebensfremd atisgesprochenen Beziehungslinien gerade der Typus einer leerlausendeu Geisteswisienschaft." Wenn jedoch Dr. Lchmidt in bezug aus Gundolf fortsährt: „Wieviele würden mir heute noch widersprechen, wenn er nicht Jude wäre; gehörte er doch sozusagen auch zum Stefan-George-Kreis" — so gibt er unfreiwillig zu, daß lediglich die jüdische Abkunst sein wegwerfendes Urteil veranlaßt hat. Anderseits hat gerade ein Judenfeind wie Wilhelm Stapel dem jüdischen Philologen R. M. Vleher bezeugt, daß er ihm vortreffliche Belehrung verdanke. Wenn, wie gesagt, der Jude Otto Brahm Kleist im Sinne des Naturalismus deutete, so ,st wiederum der Jude Gwidolf es gewesen, der in seinem Kleistbuch jener Auffassung heftig widersprach: mithin hat es eine übereinstimmende jüdische Kleist-Aiisfassimg ebenso wenig gegebeii ivic eine iiichtjüdische: wofür die völlige abiveichende Beurteitnng, die Kleist durch Wieland einerseits, durch Goethe anderseits erfuhr, zum Beweise dient. Berlag: CerUralverein deutscher Staatsdilraer. jüdischen Glaubens e. B>, Berlin W 15, Einser Straße 42, Tel.-Mr.: „Centralglauben Berlin." Fernsprecher: J 2 Oliva (i(i:>4—37. Postscheck: Berlin 304 72. Lciuplschrtstleiter: ,D c As. fred Htrschberg Beranlworjsich: D r. Margo. rete Edelhetm. Beide Berlin Vv J5. — llnoerinnflte Manuskripte werden nur -uriickaesandi. wenn Frcinnckcl'Iaa deUicat. — Verantwortlich für den Anzeigenteil: Fried. richNathan, Berlin. - Druck dcr Buch, und Tickdruck- GeseüschasL mbH, Berlin 8W 100.