Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 45 (23.11.1933)
- Date
- 1933-11-23
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Np. 4S ■ ' I. B@SSr^« ^in Kapitel Likwr und für jüdische Arbeilgeber von Or. Zimt Juchs <KöM) wniciitfmnc Schicksnl. die flcnicin» fninc [öi'Ii'jilic und niivtirljnfttitfic Not hat die 'iMinnty dev deutschen Juden zur Erkennt- .,j,. tlivrv Verbundenheit und die Besten un-!n: ij,,icu zu der duusieht gebracht, das; die (svfiaftnini bcs deutschen Jnbentllins nur dm», möglich ist, wenn c* sieh zu einer startum brüderlieliem Geiste beseelten Gen,,'i„schast znsamitteusitldet. „Solidarität!", jsl dns Slffiogioort, das jedcnl deutschen bei seinem gauzcn Tun und fassen \vx Augcn seli!vi?ben sollte. Solidarität der sieben >>nd der Armen. der Kanflente und derHaudioerlcr. der Akademiker unb der Pjchlnfademiler, der Arbeitgeber und der Ar- 'beilnehmer. das sind die Forderungen, die uniere Religion und unser Geschick an uns heilen! Das alles sollte eigentlich keiner besondere, Hervorhcblliig bedürfen. Leider lehrt die «gchhrung aber immer und immer wieder, manchen V,reisen der deutschen Juden j,,,» Ge suhl der Solidarität für ihre Glau- und Schielsalsgenosseu auch heute noch ,wM. So nuis; besonders niederschmetternde tüudrüäe gewinnen, wer sich einmal mit den Dechchunchui zioisichen jüdischen Arbeitgebern und iijiTiu jüdischem Personal näher befaßt. Hier stoßt man zmveileu auf ein Verhalten, das den Widerspruch jedes anständigen Menschen Hervorrufen milß. Gewiß war die Stellung zahlreicher jüdischer Geschäftsinhaber in den lebten acht Monaten alles andere, als beneidenswert; gewiß war der Gang der Greiguijfe innerhalb dieses Zeitraumes oft so schnell, und mußten Ratschlüsse oft so rasch gefaßt werden, daß ein Abwägen des Für und Wider manchmal sah unmöglich lvar. Aber trotz alledem muß der Vorwurf anfrechte.rhalteu werden, daß es jübisei',e Arbeitgeber gibt, die ihre moralischen Pßichlen gegenüber ihren jüdischen Angestellten gröblich verletzt haben. So sind Enllasfflngei> vvrgekouuuen, die bei einigem guten Ahlten hätten vermieden werden können. Man hat treue und verdiente Mitarbeiter zmüchzesetzt oder entlassen, und dabei zur Begründung ans eine angebliche Zwangslage vdcr einen von außen anSgeübten Druck Hin- Mi e je n. Sol(che Enlschuldignngen sind in zahlreichen Fältelt mehr als fadenscheinig. Von jedem jüdischen Arbeitgeber muß verlangt werden, daß er seine jüdischen Angestellten wenigstens solange ztl halten sucht, als es das Gebot der Selbstcrhaltnng ztiläßt. Alan muß auch verlangen, daß er Ilttannehmlichkeitcn nnd in gewissem Umfange auch geschäftliche Aachteile ans sich nimmt, wenn die Existenz Das Altersheim der Berliner Jüdischen Gemeinde in der Grossen Hamburger Strasse, das am 12. November sein SO jähriges Bestehen feierte J Aus den Altersheimen: L'ml(s: in der Exerziertirastg, rechts: m der Berkaw Streun* MMM Schillers „Braut von Blefsina" in Hamburg 1803 Tie Renaufsührnng von Schillers „Braut bvn Messina" ani Staatlichen SchanspielchanS ni Berlin loeckt die Erinnerung an die beiden Gchaiifführiiiigen des Werkes, die in der H'sten Hälfte des Jahres lsnn in Weiinar nitd in Hamburg stattfanden. Die Hamburger Anshchrung iß ans die Initiative deS damaligen Aüdireltors und Schauspielers am Städtischer in Hamburg, Ja lob Herzfeld, znrückchlühren. Herzfeld lvar, als Sohn jüdischer Eltern, in Dessau, der Stadt Moses MendelS-' lot;nc,, geboren. Anfangs für das Studium HF Medizin bcstimint, trieb ihn ein leidenlchaftlicher Drang zur Bühne, die er zuerst initer der Direktion Emannel Schikaneders su Alien ^betrat. Hier lernte ihn Friedrich -udwig Schröder, der berühmteste Schanlpwler und Theaternnternehmer des 18. Jahrhunderts. kennen nnd engagierte ihn an seine D>chne in Hamburg, wo Jakob Herzfeld im schre 1792 in einem Schauspiel von Kotzcbue ersocheeich debütierte. seitdem spielte er, in bunter Folge, Liebhch-errvtleli. Naturburschen, Helden. Eharakternchell — besonders iin Lustspiel soll er sich, wieziarl Lebrnn in seiner Geschichte des Hamurger Theaters rühmt, durch seine Haltung!"v einen ans der Diese hervvrsprndelnden ^umor ausgezeichnet haben. Im Jahre 1798, Schröder, durch mancherlei Alißhelligchen bedrängt, die Leitung der Bühne uwcrlegte, trat der Schauspieler Herzfeld, änmmo.n luit einigen Kollegen, an seine 3lLe' bis er im Jahre 1812 die nicht immer tv!l,moyrejc' durch vielfache Jiitrigen gc- J [ löste, um das Theater, znii.lü. drei Jahre, in eigene Ncgie m h,nmCU' v^m. Sö-Ijrc 1815 verband er sich Krill •nrü^i einmal mit dem Schauspieler?.lblüin Schmidt zu gemeinsamer £n,U111 toe er bis zu seinem Tode im Jahre ^6 innehatte. Als Jakob Herzfeld am 6. Mai 1803 die „Braut von Messina" au seiner Bühne heranSbrachte, stnelte er selbst den Ton Eesar. Nicht ohne ^tolz konnte er dem Dichter, in einem wenig bekannten Briese vom 18. Mai 3803, nach Weinrar von dem Erfolge Mitteilung machen. „Auch darf ich" — so heißt es am'Schluß dieses Brieses — „hinzusetzen, daß die Eleganz, Präzision lind das Arrangement bei der Vorstellung dem trefflichenKunstwerk nicht unangemessen lvar." Auch sonst pflegte: Herzfeld in seinem Repertoire mit besonderer Vorliebe Schiller — seine Bemühungen blieben denn auch insofern nicht nnbelohnt, als er. mitten in einem Spielplan, der hauptsächlich mit Jssland und Kotzeüue dem UnterhaltnngsbedürfniS deS Publikums dienen mußte, tvührend der Saison 1801/02 Schillers „Maria Stuart" vierzehnmal, die „Jnngsran von Orleans" elfmal zur Aufführung bringen konnte. Ebenso wurde die Schillersche ' Bearbeitung von Lcssings „Nathan" unter der Direktion Herzfeld ein durch- . schlagender Erfolg. Zweifellos waren bei solcher Bevorzugung Schillerscher Stücke für Herzfeld nicht ausschließlich nüchterne Erwägungen des geschäftstüchtigen Theaterleiters maßgebend. Herzfeld war Jude und blieb es auch, obgleich er sicht dem Zuge der Zeit folgend, im Jahre 1796 äußerlich vom Judentum lvslöste. Und als Jude ließ er sich tvillig in den mächtigen Strom der Verehrung hineintreiben, die gerade von seinen ^tammesgenvssen dem Dichter des „Don Carlos" und des „Wilhelnr Dell", aber auch dem balladcnhaften Verkünder unverbrüchlicher McnschheitSideale entaegcngebracht wurde nnd die in zahlreichen hebräischen Uebersetzungen Schillerscher Werke ihren literarischen Niederschlag.fand. So durfte sich berzfeld auch bei der Wahl der Braut von Messina" durchaus als Jude kühlen: wie in dieser dumpf und schwer dahinrollenden Tragödie eme höhere sittliche Wcltordnung in die Geschicke - des Menschen eingreift; wie er sich in Demut vor ihr zu beugen.hat und wie, mit Schillers.eigenen Worten zu reden, „iinter der Hülle aller Religioncii die Religion selbst, die Idee eines Göttlichen" irr den Vorgängen waltet — das reicht, in welcher Form cs aiich gestaltet sein mag, in seinem Ideengehalt an die Wurzeln des Judentums. I)r. Hugo Ladimanski. L§beNsWħ§ schaffellDsr LüKstlsr!. Max Liebermann Es lvar nicht leicht, bei Professor Liebermanli eine Unterredung in feinem Atelier zu erwirken. Trotz seiner 86 Jahre ist der Aleister jede Stunde des Tages voll beschäftigt, mit seiner Arbeit, mit Besprechungen, Besuchern nßv. Tie Vort>ercllnngen zu der photographischen Ausnahme mußten daher sehr schnell getroffen iverden. Wir hatten uns auf den bereits sprichwörtlichelr „rauhen Ton" Liebermanns schon vorher eingestellt, so ließen wir uns durch seine anfängliche Rauhheit nicht erschrecken. Und schon während der Ausnahme spürten wir die AnSstrahllmg dieser starken Persönlichkeit, von der Meier-Eraese sagt: „Liebermann ist einer der kultiviertesten nnd geistreichsten Alenschcn Berlins, ein jüdischer Aristokrat, aber durchaus nicht patriarchalisch, frei von der gemütlichen Tiefe der Bibelgestalten." Es ist hier nicht der Platz, die Bedeutung Licbermarms im einzelnen zu würdigen; sein, bahnbrechendes und überragendes Wirten für die deutsche Ltnnst ist der ganzen Kilnstwclt rühmlich bekannt. -Rnr sein Werdegang soll heute kurz aufgezcigt werden: Max Liebermann war von seinem Vater zum Ctndimn^ bestimmt nnd besuchte anfänglich die Berliner Universität; aber von dem Drange znr^ Malerei getrieben, setzte er cs bald durch, die Weimarer Kunstschule besuchen zu dürfen. Tort unterrichteten ihn Thumanu nnd Pauwels; sie konnten jedoch keinen Einfluß auf ihn ausüben. Exff die Werke Eonrbcts und Muncacsys hinterließen bei ihnen die ersten starken Eindrücke. 1873 in Paris nahup er dann persönlich Fühlung mit Muncacsy, hier erlebte er auch ben französischen Impressionismus und begeisterte sich an Nlillets Bauerngestalten. Das erste größere Werk Liebermanns „Die Gänserupsorinnen" (Slationalgalerie Berlin) erregte seinerzeit großes Aussehen nnd allgemeine Eutrüstu>ig loegen des nngeschininkten Realismus. Eine Stlodienreife nach Holland vermittelte ihm starke Eindrücke der Kunst von Rembrandt, Kranz Hals nutz Israels; dem Einfluß dieses Blalerssind wohl auch die ans den Ingendjahren Liebermanns stamnienden Arbeiten über jüdische Stoffe znziischreibcu.. Rach inehrjährigem Studium (1879 bis I88H in Atünchen übcrsiedelte Liebermann zu standiaeue Aufenthalt nach Berlin, aber häufig führten ihn Reisen nach dem ihm liebgewordenen Holla:id. Aus dcr überreichen Schassenstätiakeit Lieberwam:? sind am bekanilteslen: Tie „Schuslerlverksnül" Wtaiionalgalerie Berlin'!. „Jur Hose des Waisenhauses ZN Amsterdam" lEranlsurt a. A!. im Siädclschen Institut), „Münchener Bierloinert" nied „Bieraarten in Brandenburg" cheide W-erte in der Galerie du Lurcmbonra in Paris), die „holländische Waisemnädännr" (Galerie in Slraßburg i. G.). „sslachsscheucr in Larerr" (Rationalgalerie Berlin), „Iran mit Ziegen" (Rene Pinakothek Alünchen), „Schreitender Bauer" (Museum in Königsberg), „In den Tünen" (Museum in Leipzig). „Bürgermeister Petersen" bstiiusthalle in Hamburg), „Spilalgarteu" (Riodcrne Galerie zu Wien) usw. Weiter sei an dieser Stelle an Professor Liebermann?. bekaimle Pvrlräts großer deutscher Männer, wie Bircholv, Friedrich 9!aumaun, Gerhart Hauptinann, Neichspräsidcin Hindenburg unu. erinnert. Auch als Schriflsteller ist Professor Liebermann hervorgetreten; am bekanntesten sind wohl seine Bücher: „Degas"^ „Israels" und „Phanisie in dcr Malerei". L'iebcrinann war noch viele Jahre Präsident der Alademie der Künste in Berlin. Er hat, wie erinnerlich, diesen Posten ans eigenem Entschluß verlassen, eine Tatsache, auf die uns vor wenigen Dlonateil Professor Liebcrinann beim Abschied mit Nachdruck hinweift. llsrbert 8onnonfeId. CHarrukah-Spiel. Irma Dresdner, die bekannte KinderschriststeUerin, hat ein Ehanukah- Lprel gedichtet, das es verdient, in unseren Hünsenr seinen Einzug zu hakten. Dhne daß es vieler llinstände bedarf, erleben wir einen Feiertagabend in einem jüdischen Hause, und aus den Gesprächen einer Mutter mit ihren Kindern lebt Elianukahgeist und Chanukahkärnpserwut auf. Wir wünschen dem Spiel, das durch die Verfasserin Irina Dresdner, Frankfurt am Main, Gausstraße 10, zu beziehen .ist, werteste Verbreitung. m, jp. ^0090770585069