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Central-Verein-Zeitung · 1933-11-16 · 44 (16.11.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
44 (16.11.1933)
Date
1933-11-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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gff fMipa |/|p| vwwvvjlwwwii] Die wirtschaMchePrMematik der deutschen c'i-deu wechselt immer noch, wenn auch langsaurer die Szene. Es waren zuerst die Akademiker, Beamte, Aerzte, Anwälte, denen die äni'ienzmöglichkeiterr erschwert oder abaeschnittell wurden. Es folgten die kaufmänmschen Angestellten, die in - vielen Betrieben, in denen sie seit langen Jahren tüchtige und wertvolle Mitarbeiter gewesen wareir, heransgeseht wurden und die kein;,c>ics Unterkommen finden konnten. Nach freiersten Siebung, die bei den einen durch aeschliche Regelung, bei den arideren aus der wlitisrhen Gesinnung der alten oder neu einm'Lrctencr Unternehmer erfolgte, ist auf diesen Gebieten seht eine gewisse Ruhe gefolgt. Gejnij} kann heute weder der Akademiker im jHeruf noch der Angestellte sicher sein, daß er stine Eristcnz behaupten kann, aber im ailgeineinen rvird er wieder verschnaufen können und versuchen, sich in der neuen Litnation, in die er gestellt ist, zurechtzufinden. Sagegen rück! mehr und mehr eine Frage in dcu'Bordergrimd, die gewiß in den letzten Monaten nicht neu aufgeworfen wurde, aber sich immer mehr zuspitzt, die des selbst ä n d i g c n k a n f m a n n s. Die Gleichschaltung der Einzclnnternehmungeu hat seit April aus den Aicfsichtsräten und Vorständen öer Aktiengesellschaften die Juden vielerorts ansgeschaltet, sie hatte aber vor den Einzelsirinen und offenen Handelsgesellschaften zunächst gewöhnlich haltgemacht. Jetzt aber lesen wir im Anzeigenteil der Ortspresse, an den Schaufenstern der großen und kleinen (änzetliandelsfirmen, daß das Unternehmen „in'rein christliche Hände" übergegangen sei, nder es zeigt mir versteckt ein Handelsregistereintrag. daß da ein neuer Teilhaber ausgenommen wurde, und daß dort der alte Teilhaber ausgetreten ist. Die Inserate „arischer Teilhaber gesucht" häufen sich immer noch und scheinen in vielen Fällen nicht zu dem erhofften Erfolg zu führen. Und manche Firma erlischt sang- und klanglos, die jahrzetinlelang einen guten Namen getragen und wirtschaftliche Bedeutung gehabt hat. Tie Ursachen dieser Vorgänge sind bekannt und brauchen nicht erörtert zu werden. Sie sind in jedem Einzelsall verschieden und doch im Grunde alle dieselben. Ans dem Lande nnd in den kleineren Städten der Provinz sind Großhandel und Detailgeschäft gleichmäßig betroffen und haben schon in vielen Fällen das Feld räumen müssen. In der Großstadt ist es in erster Linie das offene Ladengeschäft, freilich nur in einzelnen Fällen »nd gewöhnlich in der Weise, daß daS Unternehmen erhalten bleiben kann. Allen gemeinsam aber ist, daß der jüdische Inhaber, der das Geschäft oft von Vater und Großvater übernommen hat und es dann in langwieriger Arbeit selbst aufbaute, seine Arbeits- und oft seine Lebensmöglichkcit verliert. Es ist nicht nur der materielle Verlust, aus den wir noch zu sprechen kommen, als das Bewußtsein, daß hier ein großes Stück Mühe ""l oTv *?crl°rßn geht, das Generationen? m .^outschland und für deutsche' geleistet haben. Man hat bisher üi*. oav Warenhaus und den Großbetrieb mrt dem jüdischen Geschäft schlechthin idcnti- ^c*cn kommt cs erst jetzt zum Bewußtzein, daß ein großer Teil dcö kaufmannlkchen Mittelstandes, des kleinen zumal, l.1“) au§ indischen Unternehmungen zusammenfetzte. Der WarcnhanLbetrieb ist schon vor ennger Zeit weitgehend entjndet worden, so daß jetzt vorwiegend die kleineren Geschäfte, Spezialgeschäfte in der Stadt, Gemischtwarengeschäfte auf dem Lande, übrig geblieben sind. Wir sehen nicht ganz ohne Bitternis, daß der neue Aufbau der Wirtschaft von Geschäften dieser Art getragen werden soll. Eine Erhaltung solcher Betriebe müßte also auch heute wünschenswert sein. Für uns aber ist die Frage die wesentlichste: was geschieht mit den M e n s ch e n, die hier aus dem Erwerbsleben zunächst ausscheiden? Nur wenige von ihnen werden Deutschland verlassen wollen und können. Es handelt sich um eine Gesellschaftsschicht, die seit der Nachkriegszeit dauernd schwer getroffen worden ist. Ein großer Teil hat in der Scheinwertzeit der Inflation das ehemals beträchtliche Vermögen schwinden sehen- Zu " diesen gehört vor allem der Großhandel, weniger vielleicht der Einzelhandel und die industriellen Betriebe. In der darauf folgenden Neinigungskrise sind viele gezwungen worden, eine neue Tätigkeit zu suchen; sie sind Angestellte geworden oder haben Vertretungen übernommen. Dasselbe. wiederholte sich in der Depression der letzten drei Jahre. Wiederum ist die Zahl der selbständigen Kaufleute znrückgegangen. Die Uuterkuustsmöglichtesten, die sich also jetzt bieten könnten, sind schon übervoll besetzt. Eine Bcrufsmnstellnng fällt ivegen des Alters der Betroffenen zumeist auch weg. Nun werden ja in vielen Fallen die ans ihren Unternehmungen Ausgesteuerten noch etwas Kapital mituehmen können, wenn schon der Kaufpreis in der gegenwär- ' tigen Lage zumeist sehr niedrig sein ünrd und außerdem säst inimer noch im Geschäft stehen bleibt nnd von dem Uebernehmenden erst allmählich, wenn alles gut geht, beglichen wird. Biele werden leider gezwungen sein, ihr lleincs Kapital langsam anszllzehrcn, denn neue Beteiligungen, die Errichtung neuer Geschäfte, ist heute nahezu ausgeschlossen. Selbst Vertretungen zu finden, wird sehr schwer sein, Augestelltenpasten fast unmöglich. So tritt zu den vielen Fragen der Hilfe noch eine weitere, die vor allem für die ans -dem Land betroffenen Inden zu losen ift. Sie ist schwerer als die anderen, weil sie zum größten Teil ältere Menschen betrifft, die nicht mehr die Umstellungssähigkcit und Anpassungsmöglichkeit der Jüngeren haben. Sie ist hoffnungsloser, weil diese Menschen noch Ansprüche an das Leben haben, die sie nicht zmn kleinsten Teil aufrecht erhalten können. Sie ist wohl deswegen am schwersten, weil sie die Menschen von ihrem Werk trennt, in das sie viel von sich hineingegeben haben. M. L, MMAWW AN KNW Unerwartet ist der StaatsrechtSlehrer Professor bermann Heller in Madrid gestorben. Ans Grund des Beairueugesetzes war Professor Heller von jaiieii, Ahramt an der Universität Frnnlfurt a. M. »»geschieden und einem Ruse an die Universität Aindtid gefolgt. Dort lehrte er im vergangenen Lviilmersemesier. In der politischen Oeffentlichkcit ist er bekanntgewordon, als er im vorigen Jahre »ls Vertreter des Landes Preußen bei der Verlpudlmeg des Etaatsgeriehtshoses austrat. Von seine» Schriften haben besonders das Buch „Hegel und der nationale Maehtstaatsgedanke in Deutsch«!and".und die tiefdringeude Studie „Europa und der Faschismus" große Wirkung ausgeübt. Heller hat nur ein Alter von 42 Jahren erreicht. Er, der den Krieg an der Front mitmachte, hat sich ßets als Deutscher und Jude zugleich gefühlt. Professor Dr. Mo» Frcimanri, Frankfurt a. M., der seil über 40 Jahren an der dortigen Stadtbiblivchek lvirkte und sich um ihren Ausbau, besonders den Aufbau der Judaira-Tammlung große Verdienste erworben hat, A in den Ruhestand getreten. Er gilt als einer der umdigsten Wissenschaftler auf seinem Fachgebiet. Pro- Ichor Freimann ist u. a. Mitherausgeber der „Zeitschrift lur die Geschichte der Juden in Deutschland". Juden in England. Der englische Außxn- »nnister Sir John Simon ist weder Jude noch Mdischcr Mstammung. 'j Die Berliner Sport - Grmcinschast 1933* (im SliDttbimb des Nisi). Geschästsstclle: Berlin W BO, Prager ttvatie 13 (Harry Lieber, Telephon: U 4 Bavaria 5-Ü50), wut mil: In der Generalversammlung vom 31. Oktober wurden gewählt zum 1. Vorsitzenden Alfred Less er, l»»> «chrislsiihrer Harry Bieber, zum 1. Kassierer PP L h ch e n h e i in. Cpiclausschußobmann ist O»»» Klingcnsrein. —- Trainigstage: S/1' n tag & bis 7 Uhr: Knabenabteilung in der ^putUiaDc des NjF. Bülowstraßc bä: Mittwoch 8 bis r^,r: Fußballabtcrluug in der Turnhalle der Adas;» Sicgmundshos 11. und 7 bis 8 Uhr 30 Min: Hand- Mtzcklung in der Turnhalle Auguststraßc (Jüdische -Mädchenschule): Donnerstag, 5 bis 7 Uhr: Mädchenabicilmig in der Sporthalle des RjF. Bülvtvstraße 30. und 8 bis 10 Uhr: 'Alte-Herren-Abteilung in der Sporthalle des OhF.. Bülvwslraße kit>. Der Turn- und Sportverein „Schild" in Franksnrt/M. veranstaltet am 3. Dezember im großen Saal des Saatbaues unter der Leitung des bekannten Künstlers Aisred A u e r b a ch einen Werbespvrtabend. Sinn und Molto der Veranstaltung ist: Helft der deutschen jüdischen Jugend durch sportliche Betätigung, Körper und Geist ,iu stählen, den Kampf mit der Gegenwart mutig auszunehmen. Ter Turn- und Sportverein „Schild" wird seilt möglichstes tun, allen denen, die durch ihr Kommen ihre Hiissbereitschast bezeigen, einen in sportlicher und künstlerischer Beziehung genußreichen Abend z» bieten Eintriltskarien im VorvertanU .Wäschchaus Fntd. Cchäfergasse 52, Gas.: Freimack. Landweg 17. Gasv Falk. Eschenheimer Anlage 38, Gafu Rothschild, Biebcrgasse 13, Gas.', Oes Westens, Leipziger ' Straße 20, Zig.-HanS Albert Älayer, Tricriscbe Gasse 7, Zig.-Haus Atarburg, Allechciligcngasse 76, Med. Drogerie Wolsing, Braubachstraße 7. Dnnllcr Anzug erbeten. Dem Spielattöschutz jüdischer' Handball- und Hockepbereine, der vor ungefähr drer Wochen in Berlin ins Leben Gerufen worden ist, gehören bereits sechs Vereine an. Von diesen Vereinen und den jüdischen Schulen sind 45 Mann« schäften für Handball und Hockey gemeldet worden, so daß sowohl für die ersten als anch für unteren Mannschaften genügend Spielmöglichkeiten vorhanden sind. Die VerbandSspiele werden am 19. Noventder in vollem Umfange einsctzen. Ab 9 Uhr .werden auf den drei Spielfeldern des Sportplatzes ■ der Jüdischen Gemeinde am Bahnhof Grunewald 14 .Hockey' und Handballverbandsspiele abgewickclt , werden. linlerkrainingsplan des 2T2(5 05, Berlin I Männer- und FrarrcrrabLeilunacrr: Mannern-Abtlg. Westen: Montag und Donnerstag, 8 bis Ilbr Halen ee, Herberlstraße 1. Männerturn-Abilg. en: Montag 8 Ilhr 30 Min. bis,10 Uhr, Gr. Ham» -aer Straße 27, Donnerstag 7 bis 8 Uhr 30 Min., cinitstraße 13. Tamen-Abtlg. Westen: Dienstag 8 bis IN r Halcnsee, Herbcrtstraße 1, Damen-Abtlg. Osten: mtaa 7 Uhr 30 Äiin. bis 10 llhr. Auguststraße 10. i nncr-Le i ch t a lhl.-A b t lg.: Montag 7 bis 8 Uhr Alin Gr Hamburger Str. 27. Manner-Handhalltla ' Äliltwoch 7 bis 10 Ilhr, Er. Hamburger Straße ‘>7 Männer-Spori-Abtlg.: Donnerstag 8 bis 10 Uhr. iieriträßc 29. Wintersport-Abtlg.: Montag 6 bis Uhr, Aeichenheimsches Waisenhaus, WeinbergSweg EBUmh bub dm Am Hsemann Cohen In den Monatsheften der ComcnruS-Gesellschaft „Gcisteskultur" (42. Jahrgang. 8J9. Heft) setzt sich Friedrich Grave in einem Aussatz über Jean Paul mit den philosophischen Bewegungen der letzten Zeit auseinander: „In dem vom Marburger Professor Hermann Cohen begründeten Nenkantimsmus frißt die Ätethode ihren Gegenstaitd nuf; von ihm ist jener talmndische Geist ausgegangen. der uns Scharen leerer ErkenntniZatrappen als philosophische Werke beschert hat, die stilistisch glänzen, betont vornehm zngcschnitten sind und Verfasser vermuten lassen, die durchaus im Gesellschaftsrock arbeiten nnd im übrigen sich reicher Kvnjunkturkenntnisse und. vieler Beziehungen erfreuen." Es berührt uns schmerzlich, daß dieses Werturteil in einer Zeitschrift veröffentlicht wird, deren Herausgeber, der belannte Philosoph und Schulmann Artur Buchenau, sich stets als entschiedener und dankbarer Schüler Cohens bekannt hat. Tie unvergängliche Vedeutnng, die Cohen für die Geschichte des philosophischen Denkens besitzt, hat gerade ein anderer, ebenfalls nichljüdischcr Schüler Cohens, Professor Walter Kinkel, in seiner Lebensbeschreibung des Marburger Philosophen herausgestellt. Sowohl als systematischer Philosoph wie ' als Kant-Forscher ist Hermann Cohen bereits eine geschichtliche Größe, so das; die Wertung Graves schlverlich allseitige Zustimmung finden dürste. Dis erfchÄKerks Welt In einem Aufsatz: „Völker im Fieber" (Deutsehe Rundschau". Oktober 1933) zeichnet Enge n Diesel, der in feinen einslußstarlen Büchern um eine Sinndentung der Zeit ringt, ein ergreifendes Panorama der seelischen Krise der modernen Welt: „Wo Menschen Zusammentreffen, Fremde, Jugend, Berussgenossen, Arbeiter, Gelehrte, Politiker, überall, im Büro, auf der Wanderung, in der Bahn, in Gesellschaft, im Werk, im Hörsaal, ringen sie nach Vvrstell-nugen, Begriffen, Btaßstäben, um das Schicksal des Zeitalters zu begreifen. Wie ' ist's mit der Herrschaft der Maschine? Was ist Freiheit, was Kueehtschast? Wann stehen die Asiaten am Ural? Wann zersplittert daS britische Weltreich? Hat das Geld seinen Sinn verloren? Wie verteilen wir, was unsere Fabriken hervorbringcn? Wie schützen wir uns vor Giftgas? Wie bringen wir die Erwerbslosen zur Arbeit? Aber die Erörterungen drehen sich fieberhaft im Kreise; suchen wir eine Antwort, so sehen wir, daß sie in teuflischer Verstrickung an irgendeiner anderen Stelle neue Fragen gebiert. Arbeiten wir ohne Maschinen, um unsere Arbeiter zu beschäftigen, dann verlieren tvir unseren industriellen Rang nnd können unser Land nicht mehr verteidigen. Lösen wir uns vom Goldbegriff, der nichts mehr taugt, so halten wir nichts in der Hand, yim in der tausendfältigen Verstrickung unserer Wirtschaft das Notwendigste verrechnen zu können, und alles dreht sich aus den Achsen." DsMschö §ovm In einem Aufsatz „Das deutsche Fvrmgesühl" (Deutsche Zeitschrist". 47. Jahrg. des „Kunstwort". Olt. 1933) weist Ulrich C h r i st o f f e! dcirauf hin, daß es keinen Stil gebe, der an sich deutsch wäre. Der Deutsche ist seiner Ansicht nach fom-' feindlich: er ist hervorragend darstellerisch, wo es gilt, aus bildnerischem Drang die tote Materie aufzu wecken. 'Italien schwebt dem deutschen Formgefühl als eine Erfüllung vor. Die deutsche Erscheiuungsform ist zwar weniger umfassend und total als die srnnzösisch-westliche. aber ihre Bildiraft ist trächtiger, vollblütiger und gcheiinuisvoller. Der deutsche Künstler zerstört den Bann der Stile, um aus der brodelnden Bewegung des Lebens und der Natur seine Bilder zu schöpfen. - Dem deutsche» Bild fehlt oft die schöne Ausführung, aber cs fesselt durch die unmittelbare Lebensvcrbundenheit und die geistige Kraft der inneren Gestalt. In gleicher Weise stellt Paul Ferdinand Schmidt in dem Aufsatz „Tie Nrgestalt des deutschen Formcrlcbnisses" (Deutsches Volkstum",'2. Oktoberhcft 1933) fest, daß Abgeklärtheit und Formveruüustiglcit niemals deutsch gewesen sei. Tie Unruhe des ewig Suchenden, des geistig und räumlich Unfaßbaren, der Drang nach Diese und Unendlichkeit, kurz: daS zum Naug der romantischen Sehnsucht erhobene Chaos der Seele und der Anschauung ist ewiges Prinzip der deutschen Kunst. In der Geschichte der deutschen Kunst wiederholt sich immer wieder der gleiche Vorgang: Ucbcrwältigung des Eigenen durch eine blutssremde, aber formal überlegene Kunst aus dem Süden oder Westen, nnd deren langsame, Jahrhunderte währende Verdauung bis zur völligen Augleichnug an das eigene Empsmdcu. Tie deutsche Form begnügt sich nicht mit dem Hinweis nuf die Güte und Bottkommenhcit der Welt, sie empfindet vielmehr die Erde als ein dunkel unentwirrbares Nätscl. 'als einen Ort des Leidens und der denkbarsten Zweifel, sie ist mit einem Worte pessimistisch und drückt diesen bedrängten Gemütszustand in einer abstrakten Verworrenheit ihrer Zeichensprache aus. Max Ne'mhardl Anläßlich des 00. Geburtstages von Mar Nein- Hardt würdigt P e t c r S n h r t a m p im Oktober- Heft der ..'Neuen Nundschan" das Lcbenswerk des großen Theaterlüustlers. Es kann — sv hebt er hervor — nichtim Sinne einer neuen Zeit sein, auf das, was lvnnerisch und schöpferisch einmal ge- Wonnen worden ist. auf eine Bereicherung an den Phantasiemitteln der Kunst zu verzichten. Ne» gisseurc nsie Fehling, Hilpert, Falkenverg, Ziegel, um nur einige zu neunen, sind ohne die Bvrgängcrschast Ncinhardts nicht deutbar. Sic übernahmen nicht nur dies und das Vvn ihm, und sie lernten nicht, nur Negickünsle von ihm. sondern er ist ein antreibender Bestandteil in il)rer Vorstellung vom Theater, dieser Idealvorstellung, die sie immer wieder ins Werk, zur Verwirklichung treibt Wenn heute im Theater nach tunu ..Besseren" gestrebt wird, so kann dieses Streben nur Erfolg haben, wenn das einmal Erlvorbene. beispielsweise die Theatersinnlichloit Ncinhardts, mit im Einsatz ist. Weiterhin zieht Suhrtamp einen Vergleich zwischen Neinhardt nnd seinem großen Vorgänger: „Vrahm war als Szcniler von charaktervoller Spröde, Neinhardt siegte durch echte Theatermvmente voll Laune, Verve, Farbigkeit und Ntusik. Er gab dem Theater das sinnliche Kleid zurück, das ihm gebührt. — Atmosphäre!"-• Ebenso gedenkt das Lltoberheft der „Deutschen Nundschan" Neinhardts als des Mannes, der als einziger der nen ernannten Leiterin der Schauspielschule des Staatslheaters. Lucie Höflich, gerecht geworden sei: ..Neinhardt kannte die überragende Kraft dieser Frau aus seiner frühen Zeit und wußte, was inan ihr schuldig war. .Das Nachkriegstheatcr wußte cs nicht." Das junge Geschlecht In einem Aussatz: „Weg einer deutschen Jugend", der in der Zeitschrift „Zeitwende" (9. Jahrgang. 11. Heft) erschienen ist. schildert E. Günther Gründel, der Verfasser des 'Buches---„Die Sendung der jungen Generation" seine eigene Jugendcntwicklnng. Er schildert sie in dem Bewußtsein, daß sie kein vereinzelter Fall, sondern eine typische Erscheinung ist. Aus der -abgesteckten Bahn einer wohlvorbereiteten Laufbahn wurde die Geschlechterfolge, der Gründel augchört, durch Krieg und Nachkriegszeit herausgerisicn. Das „gemachte Bett" der bevorzugten Schichten fiel auseinander- Der Untergang der bürgerlichen Vehaglicbkeit wurde zum Kennzeichen der zurückliegenden Zeit. Tie Aufgabe der Jugend erblickt Gründel darin, sinnvoll ain Gemeinschaftswert der Station mitznarbeiten und den persönlichen Anteil am Blute und an der Tradition des Volles zu Pflegen. Das Nationale und Soziale, das die Jugend als innerlich eins empfindet, müsse ans einen Nenner gebracht werden. Tann lverden alle, heute noch zerstreut durch viele Schichten, Landschasten. Organisationen, in einem Punkt znsammenlausen, getrieben von der gleichen Wcrlbesessenheit. II. Jngendabtcilungeur Abtlg. Osten und M 111 e: Jungen (6 bis 10 Jahre): Mittwoch 6 bis 7 Uhr 30 Min., Neichenheimsches Waisenhaus. Weinbcrgsweg 13, Jungen (11 bitz 14 Jahre): Tvnnerstag l> bis 7 Uhr, Ancrbachschcs Waisenhaus, Schönhauser lllklce 162, Mädel (bis 14 Jahre): 'Montag 6 bis 7 Uhr 30 Min., Reichenheimsches Waisenhaus, Weinbergswcg Nr. 13. Heimabend: Sonnabend 5 bis 7 Uhr, Jugendheim, Oranienburger Straße 31. — A b t I g. ÜÜ e st e n : Jungen (8 bis 10 Jahre): Donnerstag 3 Uhr 30 Min. dis 5 Uhr 30 Min., Schlüierstraße 59, Jungen (11 bis 14 Jahre): Alvntag und Tvmrcrsiag 5 Uhr 30 Min. bis 7 Uhr 30 Min., Halensce, Herbcrtstraße 1. Mädel (bis 14 Jahre): Donnerstag 3 Uhr 30 Atin. bis 5 Uhr 30 Alin., Schlüterstraße 59, Heimabend: Sonnabend 4 bis 6 Uhr. Synagoge Dlünärencr Straße 37. Svnnrag ab 9 Uhr 30 Min.: Training (Waldlauf, Ballspiele für alle Abteilungen) auf dem Sportplatz der Jüdischen Gemeinde am S-Bahnhos Grune- . waw. , _ Der Ring, Zug Stettin, hatte am vergangenen Sonntag einen großen Tag. Der Bundcssnhrer Günter Friedländer war aus Berlin gekommen, um im gemeinsamen Führerrat mit den Stettiner Kameraden und einzelnen Freunden aus Pommern die Winterarbeit des Gau Pommern zu besprochen. Schon sehr früh hatten sich dir fünf Fähnlein der Jüngercnschaft fast vollzählig mit ihren 70 Kameraden in der Gemeindebrbliothek versammelt, um in alter Weise Günter zu begrüßen. Allerdings wurde die Freude des Wiedersehens gedämpft bei der Nachricht vom Weggang Ludwig Tietz'; der Vormittag der Jüngeren begann mit einer Gedenkstunde für Tietz, in der Günter Friedländer das Leben und das Wert Ludwig Tictz' schilderte. Und als wir unS daraus erhoben, um kurze Zeit in stummem Gedenken für ihn zu verbringen, wußte jeder von uns, auch, wer zum ersten Male von ihm horte, wen wir verloren haben. Nun legten die fünf Fähnlein nacheinandec ihre Arbeitsberichte ab, die dann gemeinsam mit Günter durchgesprochen wurden. Ein Bericht von der Berliner Arbeit schloß den Vormittag ab. Am Nachmittag sprach Günter zunächst von der Aelterenschast über den Weg des Ring. Anschließend wurde im Führerkreis der Arbeitsplan für den Winter festgelegt. Der Tag fand seinen Abschluß in einem Gemeinschaftsnachmittag des gesamten Zuges. Als Günter das letztcmal bei uns war — vvr acht Wochen — waren wir 70, heute sind wir mit 100 Kameraden der größte jüdische Bund in Stettin, und wenn Günter in acht Wochen wiedcrlommt, dann sind wir sicher . . . Also, Gruppen im Reich. Macht's uns nach! Kameradschaft! - Der Zug Stettin. V rlay: Ccntralnctc n deutscher CiaMsbüraer silbischen Elaubcng c. 25., fflcrJm W 15, timfee Straße 42. Tcl.-Adr.: Äta.IflIa«bci'. Derlui.- Fcrnspreöier: J 2 Oliva 6834-57. Postscheck: Berlin 30172. Hauptschriftlelter: St. Alfrei» Hirschbcrg. Verantwortlich: D r. M a t n a . 2Kche Berlin W 15. - Unocrlanflte JJicnmftupte ttcrbcn nur zurlickacsandt. wenn Breiumschlag becUeqt. - Verantwortlich für den Anzeigenteil: Friedr l ch N a t h a n , Berlin. - Druck der Luch, und Tiekdruck- Gesellschaft mbH, Berlin SW 100. V'lR/M /MG,!! UL % M W. E'lGEGM'tz 11 500.-. Rfifi Preisausschreiben! -WM Dichter an die Frontl Bar-u.Wertpreise für die besten Zweizeiler, die auf die Vorzüge dieser Marke hinweisen / Bedingungen beim Tabakwarenhandel .«ßsstst liMik

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