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Central-Verein-Zeitung · 1933-11-09 · 43 (9.11.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
43 (9.11.1933)
Date
1933-11-09
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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-^Miä Deesltscli-jäi&däer Jugead Tieferschüttert stehen wir am Grabe des Rcknschcn, von dem wir wußten, das; er uns bcvstandcu hat. Wir, die büudische dcutschsüdische Iugeud, sahen in ihm einen Führer; denn er sprach nie Volk seinem Führertum, er lebte mto als Führer voran. Das; er nicht der Parteiführer, nicht der Vizepräsident, nicht der Vorsihende »var, machte ihn uns rmvcrpeßlich. Und wenn wir später, wenn sich der Schmerz des ersten Augenblickes gelegt hat, und in den schönsten Augenblicken einer Fahrt nutz von den großen Erlebnissen unseres Lebens erzählen werden, dann wird plötzlich alles vernuimnen, wenn sein Bild leuchtend vor Miseren Augen anftancht. Fast droht der Schmerz des Verlustes unsere Kraft zu lähmen, und nur das Bewußtsein, daß mir in die Lücke, die er läßt, einmal einrücken müsse»!, treibt uns voran. Und eins macht uns stark: wir wissen: -„Ludwig Tiotz, du bleibst bei uns!" Günter Friedländer. 'Dcutsdä-jiisüsdie Jugead, Hamberg SchmcrzerMt sprechen wir Ihnen zu dem Verlust dieses unersetzliche»» Führers und Freundes unser tiefempfundenes Beileid aus. Möge sein Beispiel in der» Reihen unserer Gemeinschaft zur Nacheiferung anspornen und fortwirken. Bei uns wird Dr. Ludwig Dich stets unvergessen sein. Alfons Jacob»). Manfred Norden. Nartür RosenMäth, London Empfangen Sic den Ansdruck meines innigsten Mitgefühls anläßlich des unersetzlichen Verlustes, den Die nnb die ganze deutsche Iudenheit durch den Keimgang vor» Ludwig Dietz erlitten haben. NorriL C. Troper, der stellvertretende europäische Direktor des American Joint Distribution Committee: Der plötzliche Tod von Tr. Ludwig Tietz ist besonders tragisch in einem Augenblick, in dem die deutsche Judeuheit so sehr aus das ausbaucude Hilf^wcrk angewiesen ist, dem er sich so hingebungsvoll imb unermüdlich gewidmet hatte. Durch seine Bemühungen im Dienste des llmiralanssehusses hat sich Dr. Tietz die Benumderuug der amerikanischen Jude., gesichert, die mit ihm in Berührung kamen; sein rod wird von ihnen allen tief bedauert rverden. ^eiu plötzlicher Hingang wenige Stunden nach meiner letzten Besprechung mit ihm hat mich tiefer erschüttert, als Morte es auszudrücken vermögen. M?ch§ sAL§Ä G ck z V c> Bon 3nllns Megnsr Vor einiger Zeit ist in der E.-B.-Zeitung über die Enttvicklung^tendenzen und Postulate. berichtet worden, die gegenwärtig für die Neugestaltung dcS Hochschulwesens Geltung haben und die andeutungsweise mit Begrisseu wie, „politisches Stndentcritnm" und „politische Universität" bezeichnet werden können. Wenn ich den Wertvorstellnngen, die 1 das Zeitbewußtsein »uit ihnen verbindet, die Idee des „unpolitischen Studenten" kontradiktorisch 'gcgenüberstettc, so' suche ich weniger die Auseinandersetzung mit dem Gegensätzlichen dort als die Klarheit über das Behauptete hier. Der Inbegriff dessen, ums uns jungen.jüdischen Menschen an Stndenteutmn — im besten Wortsinn —-geblieben ist, soll an dieser Gegenüberstellung Gestalt gewinnen. Dem Juden ist ha ein gewisses Recht, sich in den gezogenen engen Grenzen eine geistige Lebensmöglichkeit zu..erhalten, zngestandei», da ihr Derstehcnköuncu der streuen Dinge bezweifelt und verneint »vird. Ich meine das Wort vom »mpolitischen Studenten daher eher als Apologie denn als Attacke, weil es dem Bestreben entspringt, inmitten der geschlossenen Totalität, die uns umgibt, den geistigen Anspruch des „Studentseiils" innerlich zu behaupten. Man kann nun die Ansicht vertreten, Studententnm sei eine inhaltlich so. fest .gefügte Wesenheit, das; sie nur aus eine Weise gelebt »verdeu könne. Es ist deshalb, vielleicht einleuchtender und sicherlich anschaulicher, wenn man den theoretischen Gegensatz von „politisch" und „unpolitisch" in seine Wirklichkeiten auflöst. Man kann das besonders gut, wenn mau in diesen Monaten im Ausland gewesen und umr aus den Sälen einer fremdländischen Universität nn die altbekannten Stätten der:cknm »unter zurückkehrt. Es ist ein Heiunveg, imb es ist doch wieder keiner. Ein Wandel, eine Abkehr, eine Veränderung hat sich vollzogen, so ist der erste und bleibende Eindruck, ein Unwägbares und Ungreifbarcs ist.anders geivvrden: der Unterschied liegt genüssermaßen im Atmosphärischen. Was ist anders geworden? Damals, als wir hier noch über den Büchern saßen und sannen, war eSnur uns wie eine heilige Stille. Als ich im Ausland zum ersten Riale den weiten Saal einer akademischen Bibliothek betrat, konnte ich mich aus eine gewisse Weise gleich heimisch fühlen. Vieles trennte, gewiß, aber das geistige Band, das alle Teile dennoch umschlang, war das Wissen um die gemeinsame Schwere des Kampfes. Es »var bie Versunkenheit und Hingabe an das Suchen, die,dort gelebt wurde und die jedem Studenten so über alles geliebt war. An den Wänden standen-die Folianten, staubig oft. aber in ihnen lockte doch auch wieder das Leben, wenn man sie nur zu lesen verstand. . Und wir,wußten auch, daß, weumein Seufzer leise klang, der Einblick getan »var in eine -aus dein Ringen geborene, schöpferisch umkämpfte. Welt. Das Kinn in die Hand gestützt, den Blick in die Weite gesenkt, das war die Haltung des Studenten, und es »var eine gute, kämpferische Haltung. Ja, und mu diese Dinge ist es nun anders geworden Durch jene Stille, die ich heilig nannte, dröhnen die schweren Stiefel junger Menschen in Unisorrn. aus deren Stirnen ein straffer Ernst, doch auch eine fremdere Denkart geschrieben stehen. Aufrecht sitzen sie sich an den langen Tischen gegenüber, der Schulterriemen gibt ihnen allen ein soldatisches Ansehen unb legt gleichsam eine Entfernung Mischen sie und die Bücher, die vor ihnen liegen. Sie lausche»» hoch ans, wenn vor den Fenstern Marschtritte und Fansarenstöße ertönen, imb wenn beides verflogen ist, hängt es in den Seminaren, zwischen den Bücherreihen und über den Köpfen »vie eine Forderung. Jene vertraute Stille gibt es nicht mehr, und es scheint, als schlügen aller Herzen eigentlich dort draußen. Hier drinnen ist irgend»vie aus der Arbeit Tagewerk ge- »vvrden, man »veiß schon um das Ziel, und dann hat der lange, lange Weg doppelte Mühen. Es ist, als hinge an den Büchern weniger Staub, aber vielleicht nur deshalb, »veil sie öfter und heftiger zugeschlagen »verdeu. Et»vas ist anders geworden uiu die Wissenschaft, und die Verbundenheit, die »vir als Inden zu unseren Kommilitonen spüren, liegt »nehr im Stofflichen als in der Haltung. Gewissermaßen ist in uns a.ufbe»vahrt, »vas an dem Ge»vese»»eu an Tiefe und sucherischem Willen g»»t »var. Wir »nässen, da man es so will, abseits stehen auf unsere Weise und sind gleichwohl und sind es be»vußt und gern: deutsche Studenten. Da »vir Juden sind, denken »vir zugleich jener größeren Glaubensgenossen, die ihre Höherleistungen in anderthalb Jahrhunderten deutsche»» Geistes nicht immer in der gesicherten Autorität erbringen funnten, die Ai^t und Lehrstuhl dem verleihen, der sie iitiM)cit, — fonöent die in der abseitigen und manchmal verachteten Enge ' ihrer Studierstuben ohne ä»»ßeren Antrieb Forschende »varcn, angespornt durch nichts als die amor veri, jenen dunklen Drang zur Erkenntnis, ben fein Schicksal ihnen verkümmern konnte. Und wir wissen, unser unpolitisches Stu- Ocntentum liegt in der Besinnung auf uns selbst, in der Bescheidung und Intensivierung unseres Strebcns und Lebens. AMI n Am 22. Cftobcr fand in Berlin zur Förderung der B erussu in s ch i ch tung eine Zusammen, fünft der jüdischen Berustberater ifatr, die von hz ' ..Zentralstelle für jüdische Wirtschaßchilfe" VerusSumschichtiing» und dem „Zentralausschuß drr deutschen Inden für Hilfe und Ansbou" emberuicn ivnrde. Seit dein 1. April 10bn sind allein nt Teulschlcmd und dem angrenzenden Ausland etwa MO Menschen iin Handwerk. Gartenbau und ur der Landwirtschaft untergebracht worden, und zwar mit Hilfe der jüdischen Qrganisalionen. Uubiiriicfsichtigt sind alle die. die ohne Hilfe Von Organisationen oder gleich nach der Schulausbildnnh sj^ praktischen Bernsen zugewandt haben. Adler- N übel stellte die grundsätzlichen Voraussetzungen der Berussumschichtung dar und betonte imchdriicklich die Forderung, die ' erste Berufsausbildung gegenüber der Pernstnmschichtmtg nicht zu ver° 'nachlässigen. Dr Georg Lubinski entwickelte die wichtigsten arbeits- und sozialrechtlichen Fragen, die durch die Berufsumschichtung ausgeworfen werden. Er unterstrich insbesondere die Rotwendigleit, die Zahl der bestehenden genehmigten jüdischen'Arbeitsnachweise und Beruss'bernmngbstellen zu vernrehren, und behandelte die Rechtsverhältnisse des Praltilantcn und die Stellung des Verussiimm^ch-, tcnden in der Arbeitslosenversicherung. Tr. Herr, manns zeigte die Wege, auf denen die Stellen, werbuna praktisch geschieht, und gab im wesentlichen Aufschluß über die Stellung, insbesondere iin Handwerk, zu den Fragen der Berufsunrschilliiriüg. Professor Brasch, Hamburg, entwarf ein Bild von der Einrimtnng von Lehrwerlstätten. Mit -""'ster Anschaulichlcit schilderte Herr Nt och das Leben in dem von ihm geleiteten großen Ausbildungs. betrieb in Nouendorf, der jetzt annähernd 100 Praktikanten mnsaßt, und berichtete von der außerordentlich raschen Einordnung, die er häufig bei An. gehörigen vormals intellektueller Berufe beobachtete. Dr. Seren i stellte die Nachteile des Eigenbetriobes. seine besonderen hohen Kosten, die man- ' gelnde Selbständigleit der Ausgebildeten entgegen und hob seinerseits die Vorteile der landwirtschaftlichen Eiuzelstelle hervor. Lneie Zobel beschäftigte sich nrit den Frauenberufen im eigentlichen Sinne, besonders mit der Ausbildung in der Hauswirtschaft und in der Schneiderei und hob die so oft erörterte Frage hervor, daß noch immer nicht die große Nachfrage nach jüdischen Hausangestellten befriedigt werden könne. O ttrf'V v, MLrttbesucher: Sie UJeifen uns daraus hin. das; viele Händler auf den Märkten Groß-Ber.im; am Stand ein Nnmmernschild angebracht haßen, das. wie aus der Aufschrift hervvrgeht, von dein Berufe, verband der Markthändler, dem Reichsverband der ambulanten Geiverbetreibeudeu Deutschlands, ausgegeben worden ist. Sie teilen uns »veiler mit. daß Sie bisher bei einem jüdischen Händler dieses Nummernschild-nicht gesunden haben. Wir kömien Zhncn zur Klärung mittcilen. daß der Neichsverbaud der 'ambulanten Gewerbetreibenden Deutschlands' seine sämtlichen jüdischen Mitglieder schon vor längerer Zeit ausgeschlossen hat. Selbstverständlich zieht die. scr Ausschluß keine Behinderung der jüdischen Ec- »verbetreibenden in der Ausübung ihres Gewerbes nach sich. Auch der Präsident des Neichsverbandes der ambulanten Geiverbetroibendeu hat, »vie einem Schreiben vom 0. Qltober 1033 zu entnehmen ist. erneut den Standpunkt eingenommen, daß Markthändler wegen der Nichtmitgliedschaft beim Reichsverband bei der Ausübung ihres Gewerbes nicht behindert »verdeu dürfen. D§Oh?OlN fJ ^i1 KG 3u seinem 100. GehurLs^g QM 10. Jtovem&ec Der. beffen Andenken diese Zeilen gewidirret sind, gehört einer entschwundenen 'Periode der Zeitgescchiclste nn. die man hc»rte mit dem Rainen „Alt-Berlin" bezeichnet: die .seit, in der der harmlose, niemand verletzende, ans dem Tvpus des Urberliners gesistöpfte Humor regierte nnb seinen Riedericisiag auch im Schrifttilin fand. Rainen, »vie Stettenheim, Kalisch, Blmnenthal und deS Altmeisters Gtasbrenner, tauchen ans der »Versenkung ans. Sie waren Vollsdichter im iu'stei» Sinne des Wortes, und »vas sie dichtereu und dachten, ging — auch ohne Graminvpi»ouplatten — von Mund zu Mund. In diese Reihe gehört auch Eduard Jacobson, dessen 100. Geburtstag sich jetzt jährt. Er »mirde am 10. lRovember des Jahres 1833 in Grvß-Strehlitz (Oberschlesien) geooren. Ursprünglich für die akademische Lairsöahn bestinnnt, studierte er in Berlin Medizin und promovierte hier 1859 zum Dr. »neck. In seinem dritten Semester bereits schrieb er einen Schivarik „Faust und Gretchen", der mit großem Erfolg über verschiedene Bühnen ging. Das gab den Anlaß zu seinem Berusswecysel und damit z»»r Entstehung von über iOO Lustspielen, Singspielen, Possen mit und ohne Gesang. Das „Deutsche Dichter-Lexikon", Ausgabe 1877, verzeichnete bereits 46 Werke. Als er cininal gefragt »vurde, ob er nicht auch anderes schreiben könnte, gab er zur Antrvort: Ultra Posse nemo obli^atur. Seine „500 000 Teufel" sind 300m«t im Wallner-Theater gespielt worden, und ähnlich hohe Ziffern waren auch den anderen Kindern seiner heiteren Muse im- Friedrich-Wilhelmstädtischen und im Adols-Ernst-Theater beschiedcn. Hier seien nur genannt; Aingvögelchen, Die Lachtaube, Der Mann im Monde, Ein gemachter Atann. Der Postillon von Müncheberg, Die Galoschen des Glücks, Der jüngste Leutnant. Was heute Schlager heißt, hieß damals Couplet. Wenn gesungen »vnrde „500 000 Te»»fel kamen cinst»nals ans die Welt", oder „Da sprach Pipisar, der kleine — Ihrseid dumm »vie Bohnenstroh — Ich alleine, ich alleine — Bin ein Tc»isel coimne il faut" — da blieb „keen Ooge trocken". Das Eo»»plct beherrschte überhaupt die Situation, auch »venu es nicht Teil des Theaterstückes oder Einlage »var, vornehmlich das mit Refrains, von denen der beliebteste lautete: „Ich bitt' um fünf Minuten Alifent-- halt". Von dieser Sorte allein hat Jacobson »mgezählte geschasscn. Ge»viß, der Geschmack hat sich ge»vandelt. Cb auch zmn Besseren, bleibe dahir»gestellt.' Vielleicht wandelt er sich auch einmal wieder zurück und bringt die frühere Richtung und damit den Namen Jacobsons »vieder zu Ehren. UebrigenS ganz vergessen ist er noch nicht, ab und z»» begegnet inan ihm auch heute aus Spiclpläncn, so zürn Beispiel seinem „Singvvgelchen", vielleicht dem reizvollsten von seinen Lustspielerr Er starb an» 29. Januar 1897. Die treffenbfte Charakteristik seines Schaffens und seines Wesens ist rviedcrgegeben in den Versen, die ihm der „Ulk" damals »vidmete: So viel Tränen harmloser Lust Deine Muse rrnL'lachen gemacht: ' Und so oft in umdüsterter Brust 3. Neues Leuchten dein Lied entfacht; . So viel.Falten der Sorge und Qual Uu8 Dein Humor von der Stirn gescheucht;. So viel tausend »md tausendmal Du dem. Griesgram Ermiickung gereicht; So viele Jahre die Nachwelt mag ” Deines NamenZ Gedächtnis »veih'u, Und Du »virst bi§ zum jüngsten Tag, Heiterer Freund,"unvergessen sein! ' Daß das'sich erfülle, ist .nicht »mr der Wunsch des Verfassers, alö eines nahen Ver- »vandten. sondern a»ich vieler Zeitgenossen, die seiner Persönlichkeit - und seines Werkes heute noch in bestens Sinne gedenken. ' Dr, jEügen JaeoibsoiÄ £Fr&nkSprt •. Der „Morgen" in seiner neuen Gestalt erscheint min rnit seinem N o v e m b e r - H e s t zum zweiten Male. Har diese Nummer auch nicht - so glänzende Namen »vre die vorige, .so sche-mt sie mir doch als redaktionelle Gesamtleistung lebendiger und dem neuen Sinn der Zeitschrift näher. Am Eitigatig steht ein oricnticrcnbcr Aussatz über die politische Situation der deutschen Juden, und die Umschau ist diesmal reichlicher ausgestattet und briiigt Referate über die Kulturarbeit der deistschen Juden, über die Neuordnung im jüdischen ^chul» »vosen, über die Juden in Spanien, über Rück» Wanderung und Berussumschichmug in Osteuropa. Dazwischen liegen rum die größeren Arbeiten' Michael Graupe handelt von Stefan George mit dem Zusatz „Ein Beitrag ztrr jüdischen Erneuerung". Ich hätte in diesem Aufsatze gern mehr gesunden. Er gibt genau daS BekeimtutS zu Georges prophetischer Sendung, das u»S stine Jünger schon oft vorgetragen haben — und daS man eben glauben iuuß, »nenn man eS kam». Aber eine irgendivie spezielle Beziehung dieser Prophetie zum jüdischen Erleben »vird nicht recht sichtbar. — Von Ludwig Feuch t w anger erscheint ein Abschiiitt aus eücem Buch „Die Gestalt des ver- »vorfeuen Juden; Ein Versuch über Mythenbilduug". DaS Biich hat die sehr iriteressaute Absicht, die Judasgestalt und ihr Werden zu »oerfolgen in ihrem Zusammenhang mit dem allgemeinen Gefühl des Abendlandes vom jüdischen Aümschen. Das hier chorliegende Kapitel ist größtenteils mit begrifflich schwierigen-Aiiseinandersetzrmgen über das Wesen deS. Mythos gefüllt, und' manchen Lesern »vüre ein Griff in die breite Fülle geschichtlicher Tatsachen sicher lieber gewesen. In der Mitte des Heftes steht »nieder ein dichterischer Beitrag, eine Erzählung von Leo Sternb e r g. Aber verstündigerweise beginnt sie diesmal nur und »vird in. den kommenden Heften fortgesetzt werden und gestattet dadurch eine viel mannig- . fächere, reickzere Gestaltung des -Ganzen. Dasür steht au der Spitze deZ. Hauptteils ein ausgezeichneter Aufsatz von Kurt Wilh „Dom totalen Staat", ein Aufsatz, der mit großer Klarheit die geistigen Ter»de»tzen darlegt, unter deren AuÄvirtüngen wir heutepo1itisch.'stel)eü..IUiid. hinten, vor Beginn der - Umschllu, verössentlichtz.Fritz Friedländer z»vei sehr interesiante „Briese atis der Frühzeit der Emanzrpation". Briese von Johann J.rcoby und Gabriel R i e ß e r. zwei Mäimern,' die in der Geschichte der deutschen Demokratie ebenso bedeutend sind wie in der Geschichte des deutschen Judentums. Ii» dieser Zusammetistellung bietet der „Morgen" »virklich eine vielseitige und für jeden deutschen Juderi wichtige geistige Orientierung. E» scheint mir im Augenblick gar nicht so entscheidend, daß man zu jedem einzeliien Beitrag unbedingt Ja sagen kann, als das; die gaicze Anlage, die Zusammenstellung einer Nummer so viel Beifall fordern darf, »vie es diesinal der Fall ist. Julius Bai). Musikalischs dos C. B. Iraueagruppe LorügLberg Aiiläßlich ihres zehnjährigen Bestehens veranstattete die Liöntgsberger Frauciigriippe des Central« Vereins am 4. November in der Aula des Hufeiigymnasiums einen Musikabend für die Aiitglicdcr der Synagogengemeinde Königsberg, der als Auftakt für die kulturelle Arbeit innerhalb ^>er jüdischen Gemeinde angesprochen werden kann. DaS musikalische Programm »vurde von Hcd»vig W i eck- H u l i s ch (Biolinch. Tr. Haus - Magnus Cohn (Violoncell) imb Cäcilie Hirs ch - N e m e n o s s (Klavier) bestritten. Sie brachten Werke von H ä n^d e l, Bach. Mozart und Beethoven zu Gehör. Frau Wieck-Hulisch spielte mit vollendeter Harmonie und Tongebung, ebenso zeichnete sich Frau Hirsch - Nemenoff durch groszes Können und künstlerisck)e Gestaltungskraft aus. Ihnen fügte sich Dr. Hans-Magnus Cohn glücklich ein. Hans Aron, rezitierte mit . großer Einfühlungskraft Goethes und S ch i U e r s W e r k e. L h a m i s s o und ßiliencron. Lebhafter Beifall wurde den Vortragenden zuteil. Es kann der Frauengruppe des C. B. nicht genug für den auf hohem künstlerischen Niveau stehenden Abend gedankt werden, der den allscitigcn Wurrsch nach Fortsetzung auslöste. E.A. KsrZz§r§ in LerpZi«? Der jüdische Ausschuß für Kunstpslege in Leipzig nat mt( seinem Erössnungskonzert das K.uud<rment für den weiteren. Ausbau jüdischer lünstlerischer Kulturarbeit gelegt. Dieser erste

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