Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 42 (2.11.1933)
- Date
- 1933-11-02
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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/ b Dis Einivohnerzahl dieser kleinen jüdischen Siedlung beziffert sich zurzeit aus iirspesaint -0-1 Köpfe, d. l). 25 Schüler, 05 Lehrlinge, 00 Umschichtler. 5 Wirtschastselevirmen und \) Lehrlräske. Die einzelnen Lehrgänge sind überaus interessant und vielseitig. Die jungen 'Menschen iverden nicht nur mit den Kenntnissen einer guten Volksschule ausgerüstet; durch körperliche Arbeit im Schulgarten, durch die Beschäfiiginlg mit Bienenzucht, durch „Naturkunde am lebenden Objekt" wird der Sinn für Bodenbearbeitung und Handwerk erweckt und gepflegt. Das sehr herzliche und lmneradschastttche " Verhältnis zwischen den Lehrern und Kindern schafft jene glückliche 'Atmosphäre, in der Lernen und Schassen zur Lust noird. Bach Absolvierung der Schule können die Knaben je nach Neigung und Veranlagung einein der von der Anstalt gepflegten Berufe zngerül)rt werden. Die Lehrlingsausbllduug. lvelche von -Neistcru vorgeiwinrueu wird, dauert für Gärtner drei Jahre, für Schneider und Schuhn arher vier Jahre. Die Betriebe unterstehen chuniiiä) den Landwirtiäsafts- bzw. Handwerlska inuern und den zuständigen Innungen, sv dag die Gehilwnprüstmgen vor den betreffenden Stellen abgelegt werden, d. h. von Staats wegen i'iioli/u'H. An die 'Prüflinge tverden sehr hohe Anforderungen gegellt, und in Ahlem erzählt man mit Stolz, das; das Prädikat „Sehr Hut" oder ..Gack" keine Seltenheit darstellt. Bis Ende 1952 haben -110 Gärtnertehrlinge die Prüfung bestanden, und man ist neugierig, zu erfahren, nunaus diesen jungen Leuten geworden ist. Sie haben:. soweit bekannt, Beichästtgung in allen Erdteilen gefunden tmd os zu gtlteu Stellungen gebracht. In Deutschmud loaren 112 Ah lewer erfolgreich tätig, in Amerika 6-1, in Palästina 36, Polen 9, in Argentinien und Rußland se 3, in Holland und Pilinänien je 2, in Oesterreich, England, 'Belgien, der Türkei, Südafrika, Non-Guinea, Vchxito, Lnrentburg. Brasilien, Jugoslawien, .Ungarn imd Norwegen je eitler. 30 Ahlemer sind im Weltkrieg gefallen, — im übrigen diente die Anstalt in den Kricgsjahren 1914 bis 1919 als Lazarett. Ein besondere? Kapitel in Ahlem bildet der sogenannte Arbeitshilssdienst. welcher den ans ihren Berufen herausgerisfenen jungen indischen Menschen neuen Mut und neue Losinung geben soll. Es gilt, die Ueberleitung in andere Bern so durch den Erwerb mannoller Fertigkeiten und durch körperliche Arbeit und Ertüchtigung im Freien allmählich vorznbereiten; daneben sorgt ein gründltchcr theoretischer Unterricht für die vielseitige Beschäftigung mit dem Stofs. In diesen Tagen sind die Kursteilnehmer vei den Planierntigsarbeiien für einen eigenen Sportplast. Mit Feuereifer wird gearbeitet, überall wird mitangesastt, Bäume werden rnngetegt. Steine abgekarrt; man arbeitet untereinander in Rekordzeiten, aber bei all der schweren und ungewohnten Arbeit verlieren die „Neuen" nicht ihren jungenhaften Humor: So führen sie unter großem Hallo den „geschafften 200. Starren" bekränzt in einer feierlichen Prozession spazieren. In der Freizeit wird viel und gut musiziert, sogar ein kleines Orchester hat sich gebildet, die Unmusikalischen spielen Schach und Ping-Pong. Allzu lange wird aber nicht gespielt, d'enn ant anderen. Morgen muß man' schon um 6 Uhr früh frisch und ausgeschlasen sei;;. Nur am Sabbath kann man länger schlafen. Freitag abend findet in der HaÜ8synagoge die Andacht statt, an der alle, vom Küchenmädchen bis zum Direktor, teilnehmen. Ein schöner und beit Gemeinschaftsgeist besonders charakterisierender Brauch ist cs, das; am Schlus; der Andacht Schüler, Kursier und das gesamte Personal in langer Reihe an dem Direktor und den Lehrern vorüber,ziehen und ihnen zum Sabbatheingang die Hand drükken. An festlich gedeckter und mit Lichtern geschmückter Tafel wird alsdann gespeist. Ans Mittelpunkt und Peripherie, diese einfachen geometrischen Begriffe, finden — selbstverständlich in übertragenem Sinn — ihren Ausdruck, ihre Anwendung irr dein vielfältigen Getriebe der Wirtschaft, des öffentlichen Lebens, der Unternehmung, der Organisation. Erst wenn man die Zentrale, iu der alle Fäden znsainmcnlaufen, zugleich mit dem Kreis der hernmliegenden Dinge und Vorgänge überschaut, gewinnt man einen einigermaßen abschließenden und zuverlässigen Uebcrblick über das Ganze. Unwillkürlich vergißt man neben den zentralen Fragen und Ausgaben häufig die bunte Fülle all der Erscheinungen, die nicht unmittelbar in das eigentliche Tätigkeitsgebiet der Organisation hineinsallen, und doch sind sie vielleicht in mancher Hinsicht charakteristisch: für die Menschen, ihre Gedanken, ihre Sorgen, kurz: für die Zeit, ihren plötzlichen Wandel, ihre rasche Entwicklung und ihre Auswirkungen. Wie oft und wie deutlich treten solche Erscheinungen gerade jetzt in der Arbeit de3 E. V. zutage! Um jene im Mittelpunkt stehenden Aufgaben, über deren Inhalt und Umfang noch in allerletzter Zeit an dieser Stelle wiederholt berichtet wurde, hat sich nicht etwa eine dünne, seine Peripherie, vielmehr eine dicke Schale gelegt. Diese Schale soll hier ein wenig von sich reden machen, aber nicht als ob sie mit ihrer stärke prahlen wollte, sondern sie will nur ganz bescheiden einige wenige ihrer Bestandteile von sich lösen, Bestandteile. die zeitnahes Menschenschicksal in reichern Maße in sich bergen. Es ist riicht vermessen, zrr sagen: kaum ein Gebiet des menschlichen Daseins, kaum eine Sphäre, eine Frage des Alltagslebens bleibt innerhalb jener am Rande der Arbeit liegenden Anfragen, Wünsche, Bitten, die täglich an den E.V. hcrantreten, unberücksichtigt. Schon eine Zrrschrist wie „Ich lese immer irr Ihrer Zeitung, das; man sich vertrauensvoll an Sie wenden kann, und bitte Sie um eine Auskunft" ist kennzeichnend für ben Beweggrund, aus dem heraus sich jüdische Menschen aller Art, jeden Alters. Angehörige der verschiedensten Berusskategorien an uns wenden. Aber das ist es nicht allein! Das Empfinden, da steht eine große, starke, alte und in Stadt und Land bestens bekannte Vertretung deutscher Inden, führt die meisten Menschen dazu, sich dem (5.33. — oder, wie es kürzlich d'cn jungen gesunden Gesichtern' liegt ein Ausdruck von Zufriedenheit und Frohsinn, und man wünscht bei diesem Anblick, daß dieses Institut mit seiner segensreichen Arbeit noch für viele Generationen erhalten bleiben möge. Das kann und wird aber nur dann sein, wenn die deutsche Judenheit die im Testament des Gründers Konsul Simon enthaltenen Worte beherzigt und in die Tat umsetzt: „Ich halte den baucritbcn Bestand der Anstalt nur dann für gesichert, wenn sie von allen Glaubensgenossen als Gemeingut betrachtet und unterstützt wird." hieß — dem „C. V. für Deutschtum und Judentum" anzuvertrauen, auch wenn eS sich um Dinge handelt, die mehr oder weniger entfernt von seinem eigentlichen Arbcits- und Aufgabengebiet liegen. Schriftlich, mündlich, telephonisch, Tag für Tag, Stunde um Stunde, in langen, ausführlichen Darlegungen oder in kluger Erkenntnis der starken Inanspruchnahme der Mitarbeiter des Vereins — mit einem kurzen, klaren Wort. Was wird ans unserm Sohn, der Schüler ist und studieren sollte, was wird ans dem Studenten, der die die Tätigkeit jüdischer Akademiker einschränkende Gesetzgebung plötzlich vor sich sieht? Was sott der entlassene kansmünnische Angestellte, der Bcainte, der vorzeitig auS der Lehre entlassene Schlvsserlehrting beginnen? Welche Wege sollen wir, die Eltern, zur beruflichen Umstellung unserer Stinder einschtagen? Welche Stetten, Organisationen, Persönlichkeiten kennt der E.V., schlägt er vor? Welche besonderen .Kosten entstehen durch die Ausbildung, die . die Voraussetzung jeder praktischen Berufs- > Umschichtung ist? Wo gibt es Siedlungsland, wo Ausbildungsstätten für zukünftige Landwirte, Gärtner, Obstbaumzüchter, Farmer? Nennen Sie uns Handwerksmeister, die junge jüdische Menschen — die Jugend reicht weit in die 30er Jahre hinein! — ansbilden können, gebt uns Adressen von Handtverkerschnlen und »knrsen! Stereotyp ist fast die "Anfrage geworden, „ob Sie für mich im In- oder Ausland irgendeine Arbeitsstätte Nachweisen können." Der Menge solcher Anfragen, die stets prompt mit dem Hinweis auf die fach, und fachkundigen Instanzen beantwortet oder unmittelbar weitergegebcn werden, oft versehen mit ergänzenden Vorschlägen, steht leider nur eine geringe Anzahl entsprechender Angebote gegenüber, aber immerhin, es melden sich auch -Firmen, einzelne Unternehmer, -Handwerker, die zur Ausbildung in dem einen oder anderen Spezialfach bereit sind. Und auch berartijjc Mitteilungen wandern stets den vorgeschriebenen Weg an die Wirtschaft?-, hilss- und -beratungsstellen oder an die Fachorganisationen. mit denen der E.V. als größte jüdische Organisation in Deutschland immer in Gedanken- und Materialaustausch steht. Neben den Jungen, die sich mit aller Kraft durchschlagen und durchsetzen wollen, steht die 'ältere Generation, stehen Arbeitgeber und' Arbeitnehmer. Der Geschäftsinhaber frag:, soll ich mein Geschäft ausrechterhalten, verkaufen, verpachten, soll ich es irgendwie umstellen, meinAnwesen veräußern oder behalten?, Vor nicht allzu langer Zeit fragt ein kleiner jüdischer Händler um Auskunft, ob es zweckmäßig sei, sein Grundstück zu verkaufen, „oder was die Zukunft eventuell bringt?". Bisweilen steht man solchem Ansturm begreiflicher Wißbcgicrde machtlos gegenüber, und mau müßte ein Prophet sein, um allem und jedem gerecht zu werden. Dazu kommen dann die nach Inhalt und Umfang grundverschiedenen Bitten um Unterstützungen irgendwelcher Art; meist sind es Wünsche, die nur durch die jüdisch-sozialem Einrichtungen, insbesondere durch die Provinzialverbände für jüdische Wohlfahrtspflege und die Wohlfahrtsämter der jüdischen Gemeinden erfüllt werden können. Aber neben unmittelbarer charitativer Unterstützung stehen iu beträchtlicher Anzahl die Tarlchnsuud Kreditgesuche. Hier tritt die seit vielen Jahren zu beobachtende Pauperisieruna und Proletarisierung weiter Streife des deutschen Judentums kraß zutage, und hier zeigt sich leider, daß diese Begriffe keineswegs 'mehr als Schlagworte zu betrachten und zu bewerten sind, sondern harte Wirklichkeit verkörpern. Hier heißt es, Einzelpersonen Hilfe 311 verschaffen, soziale oder produktive. Kleinigkeiten, Nebensächlichkeiten für eine mir bestimmten Ausgaben bedachte Organisation wie den E. B. sind für den einzelnen Menschen, der sich an ihn wendet, keine Unwcsentlichkciten mib verlangen deshalb die gleiche Aufmerksamkeit iu der Bearbeitung, wie Angelegenheiten, die an sich im Vordergrund stehen. Ganz gleich, ob cs sich um den Verkauf einer Sabattampe ans Messing handelt, wie und wo ein alter Herr seine Lebenserinnerungen verlegen lasten kann, wo man eine gebrauchte Schreibmaschine „für Umschichtungsarbeiten" bekommen kann, ob ein besorgter Vater nach den Formalitäten des Rücktritts seiner evangelisch getauften .Kinder zum Judentum fragt oder ein ausländischer christlicher Grundbesitzer eine jüdische Ehefrau sucht. Gleichgültig, ob sich Eltern um die Adressen von Heimen für ihre .Kinder bemühen oder eilte in Not geratene Witwe ein möbliertes oder leeres Zimmer anbietet, wie sich der jüdische Schützenkönig beim Ausschluß aus der Schützengilde verhalten soll, ob und wo der südliche Autofahrer seine Triptyks ausgestellt erhält, wie es um das Eingehen von Mischehen bestellt ist, ob man sich als „Deutscher jüdischer Religion oder jüdischer Abstammung" bezeichnen soll. Und nicht 31t vergessen die gewaltige Reihe von Anfragen, die man unter „atz gemeine Auskünste" rubriziert! All das gibt ein wahrhaftiges Spiegelbild der Gegenwart, ein Bild der Realitäten: ein Fülle charakteristischer Erscheinungen ]ü" Leben und Schicksal deutscher Inden. Es steck: in der Tat viel Tragik in diesem hier nur wirr hcraicsgcgriffenen Bündel von Zuschrist ten und Aeußerungen. Aber aus ihnen spricht auch der feste, ja eiserne Wille zum Leben, zur Selbsterhaltung und Eristenzsicherung. sprechen der Mut und der Wille, auch unter veränderten Umständen und Bedingungen 3;: leben als deutsche Juden auf deutschem Boden. Wm MLN hm ÄST MH§W J S-ihT In ()1 li.ui;1 Aviekö J-v' S-iili; ].nrt: Dii'-1 tl-lll;-'! l'iu’h ]Ui: „,'iU (YO Ob, :.'bl Mr Kid 5 V i Die drei ersten künstlerischen Veranstaltungen der Gesellschaft für jüdische /Volksbildung, die es, .nie an dieser Melle schon berichtet wurde, einstweilen übernommen hat. Trägerin künstlerischer Veranstattuugen zu sein, haben schon jetzt Erfolge ge- -.eitigt, die cs ermöglichen, für die kommenden 'Aori.Uo ein Programm in großen Zügen seftzu« waen. Mau null jüdischen Künstlern Gelegenheit: geben, durch musikalische und dramatische Dar- Gelungen. soroie durch Aezitattons- und Autorenabende ihre Kmyt einem möglichst großen iüdischen Höre leeis näherzubringen. Außerdem sind aus, dem Gebiet der bildenden ,Unmt Ausstellungen und üührnugen sowie die Vermittlung von Aufträgen an Schasseitde vorgesehen. Tie Gesellschaft rollt hierdurch LeschästiguugS. losen iüdii'elreü Künstlern Berusssreude und Verdieustmöglichteit tvahren; sie will aber auch dem jüdischen Publikum eine Stürle schassen, au welcher ihm gediegenste Kunst mannigfachster Art von berusen.-u jüdischen Uüusttern dargeboten wird. stgur übrigen setzt die Gesellschaft unentgeltlich ihre vollstümlich-wissenschaftlichen Vorträge. Füh- .umgen usrv. ans dem jüdisch-religiösen Ideenlreis in gewohnter Weise fort. s a-.' Progrannit liegt zunächst bis Ende 195.-; unaejähr fest. Es sind folgende Veranstaltungen vorgesehen: Am N0 ve in b e r : Nestialimisabend Otto V cm« 01 n : Borlrag Dr. S M 0 1: v 3 über Fran, .U.iü'u: Erster S.liaiispiele.bemd .Bübische Autoren": .llone.ert oer Alllstin Vaib .Uisai-Arudt mrd der chianißm -verda -Hermanns. —;-\at Dezember: ,'.hm*,ov; des .llammerstrea-bereüe'iers mit Znslruineutal- :md Vollllsi'llsieu: .Uasverla-rbeater Diesel Simon iElunmttavaner Overnabend: ..r!0eiberverll-liloörnng" üou Schubert and ..Tie Abreise' von D-Alberb, Zweiter Leäawvielabend: äderte von Motidre in der Ueberiragung von Anlaa. - - Alle Veearrsiallnrnien finden voelou'ia iru .u>lgen Tool der A-rant'snrtwoge statt. Tie '.»iitjilii’lH'v der Geseitschasl für jüdische Volksbildung (Mind.-sloeilrag ist jährlich pro Person 3 haben besondere Vergünstigungen beim Haus von Emtriltstarien. Um alle Arbeiten i:n Znkunft aus möglichst 'breiter Basis ausztibaueu, wird eine ^Studieu- -tonunission berufen werden, die sich ans Vertretern aller Richtungon und Auschnmngeu znswm Menschen wird, und die den verantwortlichen Leitern der Veranstaltungen ihre Wünsche unterbreiten, beratend zur Teile stehen, und finanzielle Hilfsquellen erschließen wird. Tie GesellstEstt für jüdische Volksbildung verfolgt in kleinerem Rahmen ähnliche Ziele, wie der Berliner Slulturbund Deutscher Juden. Ter Bundesvorsihende Tr. Singer hat sie iu diesen Blättern mehrsaeh dargelegt Es ist zu hoffen, daß durch Verhandlungen mit den zuständigen Stellen, gemeinsam mit dem Slultnrbund deutscher Inden iu Berlin für die kulturellen Bestrebungen in Frankfurt eine e r tv eite r t e Grundlage gewonnen werden kann und das; die Berliner Erfolge auch für. die Provinz ausgewertet werden können. Tie Gesellschaft sür jüdische Volksbildung steht bereits in, engster,Verbindtmg mit den größeren Rstje-iu-Mainischeu Nachbarstädten und erstrebt einen regen Austausch geistiger und künstlerischer Skräfto. ' In n>eleher Form sich nun auch alles entwickeln wird, der UnttnrlreiZ bleibt derselbe. Ter, Name, die Organisation dieses engen eigenen Kreises Ist von sekundärer Bedeutung. Primär ist die gleich-- bleibende Idee, dasselbe Streben, derselbe Wille. Pnblilnm und .Künstler mögen in schwerster Zeit, alte -kleinen Sonderivunsche fallen lassen. TaL Neu-' artige, ivas jetzt geschaffen >vird und sich in den nächsten Monaten 311 bewähren hat, m u ß unterstützt werden! ES wird eine vornehme Pflicht der jüdischen Bevölkerung Frankfurts sein, helfend und fordernd au dieser großen kulturellen und sozialen Aufgabe mitzuarbeiteu. Hornuum Geigor. Die Gesellschaft für jüdische VoicStiitdrmg e. Tu, ^-rarcksurt a. M„ weist besonders aus den ain r>. November d. I.. r'g Uhr, in der Frankfurt-Loge stailsindenden Rezitativiieabcnd von -Otto Bernstein hin. Otio Bernstein liest auS Werten von Beer-Hvsmann, Stefan chveiq, Else Ladter-Schütcr und Blar Brod. InugenS und Mädels boS PhilantroPinZ in anlfnrr a. M. greifen an4 der jüdischen Vcrgauiheit Probleme heraus, wie die Frage nach ch'ld und Sühne in „Raboths Weinberg", wsto; Thema der göttlichen Allmacht und Gerechtigi in „Tie Freude aller Freuden" von Perez. cse 12— 18jährige Jugend dichtet und spielt jüdies Erleben in deutscher Sprache, um der Idee : Geschichte willen. Sie zeigt und deutet auV in : ihr gemäßen Sprach- »rrd KenksqrM. ^ckvie es eigentlich gewesen ist", wie es bei den Menschen immer sein tvird. Sie klagt nicht an, sie vertuscht nicht, sie will nur in bescheidener, humaner Form Wahrheiten darstellen. Und noch andere Ziele verfolgt die Spielschar, vor allem ihr Leiter lind Anreger. Dr. E p st e i n : indem sie selbst die Stoffe dramatisiert, schult sie ihre Sprache, deren Natürlichkeit und Knappheit erfrischend wirkt. Sie arbeitet an ihrem Denken, das der schlichten Fabel des Alten Testamentes und der Novelle von Perez angepaßt sein muß. Sie arbeitet an ihrer Tarstellungskunst. dieser Verbindung von scheinbar freier Natürlichkeit und strenger Gesetzmäßigkeit. Es ist anerkennenswert, wie gut die Spieler gerade dieses Gebot befolgten: sie spielten leicht und zwanglos: keiner gab zu viel oder zu wenig. Sie wußten, ihre Empfindungen bis zu den Grenzen des im Spielrahmen Mög. licheu zu leben, wofür wir auch der pädagogisch geschickten Leitung zu danken haben. Schnltheater ist vorwiegend Gesamtleistung, in der der einzelne seine oft unbedeutend scheinende Arbeit sauber und schön, d. h. „selig iu sich selbst", wie Atörile, der Klassizist sagt, leisten muß. So war auch der Eindruck au den beiden Abenden im Philauth'ropiu. Freude, dieses „in? Geistig-Seelische gerichtete Vergnügen", wie Studiendireltor Dr. D r i e s e u cs aussprach, diese sittliche Grundhaltung sowohl der Stücke als auch der Spiclgemciuschast, die nunmehr ihre Aufgabe erfüllt sah — Freude auch der Zuhörer an Gehalt und Gestaltung —. das tvar wohl das Motto dieser Abende. MUWW - öM«M§MU Ballodenkunst und Karl G e r d 0 - G r ü n e b a u m sprechtechnisch und geistig scharf prosiliert Prost: von Perez und Grotesken boten. Für den mnnkotischen Teck hatten Hans 'A s s e u h e i in wolu - klingendes Material, Leina Würzburger und Anneliese Bender in Tnccten gepflegte Stimme-.: und wirkungsvollen Vortrag eiuzusetzen. Ter knnstlcrisihe Leiter des Abends, Hermann Geige:, uinriß das vielseitige Aufgabengebiet der Gesell schast zu Beginn n::t eindringlich werbenden Worten. Ein überfüllter Saal fließ erfreulich den wachsenden Erfolg der Bestrebungen erkenne::. ah. Die Veranstaltung des Kasverlc-Thcaicrö iu Frankfurt a. 'AH., über die wir in Nr. -U unser: Festung berichteten, war eine Aufführung der bekannten Künstlerin Liefet c-inun:. Die Bilder und Düsten von Mitgliedern der F-arnilic Rothschild, die in der uävlstchra Freiherrlich Earl von Rothschildschen Bibliothek in Frankfurt a. Ac. gesammelt waren, sind mit Znstimmung des städtischen lltllturantts dem Ji'oim schild-Museum der Frankfurter Israelitischen Gemeinde überlassen worden. Ein jüdischer Schachvercirr in Frankfurt a. M. Tie gelegentlichcher Gleichschaltung aus den frankfurter Schachvereinen ansgeschiedenen nichtarischen Mitglieder haben sich zun: größten Teil zur „Züdischeiz Schachvereiniguitg Frankfurt a. MB sammengeschlossen. deren Leitung der frühere laug- Mrige Borsitzende des Schachvereins Anderen Slcgnmnd S t e i n b e r g übernommen hat. So wenig Raum gegenwärtig auch eme yidtiche Gemeinschaft, die ein Kulturprogramm vertritt, banaler Unterhaltung gewähren darf, so kann sie doch ihren Blitgliederu frohe Stunden zu bereiten suchen, ohne dabei ihren Zielen untren zu werden. Die Gesellschaft für j ü d i s ch e - Volksbildung stellte diesmal eine lange Reihe von Künstlern vor, die durch Gesang, Rezitation und Tanz dem angestrebten Zweck in würdigster Form dienten. Die markantesten Leistungen seien genannt: Alfred Auerbach ließ an dem Bruchstück einer nachgelasienen Erzählung von Berthold Auerback die Seele dos Juden sich mit der Atmosphäre des Schwarzwaldes vermählen, während Sofie .Seljgmanr! ftinjinnig lhrischgetönte *v'os*v,b -P>e Veranstaltimgeu der „Abteilung Küm' hckje" der Tresdencr Gerncinde sind nicht mir vorbereitet, sondern haben auch Niveau. L steht der Gemeinde kein anderer Saal als der Loge zur Bc-mgung, und da er die Menge jenigen nicht faßt.^die an den Knnstabenden haben wollen, muß jede Darbietung am näct Abend wiederholt werden. Die erste Veranstaltung war das Trio Go m a n n — W i i t e n b e r g — B l u m e n s e l d, uut größtem Erfolg konzertierte. Mindestens cburtig war die zweite. Ter iu ganz Temsth! bekannte Interpret der „Neuen Munk", P' Tv -V V t )