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Central-Verein-Zeitung · 1933-10-26 · 41 (26.10.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
41 (26.10.1933)
Date
1933-10-26
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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) / ■ Orl '/"IT jOüL*U l Nr. 41 jV.': I ii- Boilcjge'. cj Wer durch das werte Portal in das große Haus in der Auguststraße int nördlichen Berlin ciiitritt hört zunächst fröhliches Kindergeschrei, sicht Meine Mädchen und Jungen in einem schattigen Gärtchen hernmkrabbeln und ig mitten drin in einein Hilfswerk, das der jndijchen Jugend, der jüdischen Zukunft gewidmet ist. Zwei Frauen, Herta Grunw a l d und Herta N e u s e I d, betreuen diese Eine Mutter denkt voraus Von Hilde Marx Wem soll ich dam von dir, mein Kind, erzählen? Ich lieh dich so, wie nichts in edler Welt, ll'e. wird's verstehen, wo mir Worte fehlen? Ich wciss cs nicht, drum sag ich's aller Well. Da sitzsi. vor mir in deinem weissen Jäckchen; du Hst an Junge, ein ganz kleiner Mann, idie.h lachen deine roten, runden Bäckchen und aeine /lugen wie die Sonne an. Du kannst schon lallen, auch energisch brüllen, dann Icnhsi du wieder, und mein Herz wird weit. Du hast schon deinen festen kleinen Willen und bist doch so voll süsser Zärdichkeit. Ich wiinsehte. dass die Zeilen stehen blieben; denn wenn du gross bist, bist du nicht mehr mein, Dann wird es viele geben, die dich lieben, dann wirst du gehen und ich bleib' allein. Du wirst ein Mann sein, so wie alle andern, viel herrlicher als alle nur für mich. Du wirst mit frohem Schritt ins Leben wandern, und meine Sehnsucht nur begleitet dich. Dann will ich aller Welt mein Kind befehlen, mein Segen öffne alle Tore dir. jetzt warnst du!? Will dich nicht mit Reden noch hist du klein und noch gehörst du mir. r" ■stu-, der/ ,tr \ r M. . ,*!*S j r. * E D 'S" M \ i > - > #/ : N / f ■X, - ■ i / // jüdischen Kinderhilfe k < : > K -- J , \JV' ■■di,..; - X ' V'^ \ ■ if/ | , f \ V. '/j f L b. ' r, /' / t Va \ // j y >*»; . :/■ Äf 4 : ", Y fls- '%' V'' y , jßwm / \:.vf J minder, die zunächst nur aus den Elendsmiarlieren des Berliner Nordens hierherd.edraclit wurden; aber schon sind es andere weise, die der; Weg hierher finden, die ihn ARen -missen, weil die Not sie zwingt. In ti. ßitlcs. friedliches Reich kommen die u igmisirasse Phot. Sonncnfdd, Berlin / / tmm m UWÖ öflS 2?ow E-cnft Liffcsuer Rist der Wartburg, Umhin Luther von Kurs'arst Friedrich dem Weisen vor der kaiscrlulieu Acht gerettet iuard, übersetzte er in wenigen Monaten des Winters 1521 aus 1522 Rene Testament ins Deutsche. 6s war bumen kurzem vergriffen, schon im Dezember selche eine bereits verbesserte Neuansgabe. Bis lsst? erschienen in Wittenberg etwa sechzehn Auflagen, außerdem mehr als fünfzig Nachdrucke. Rät ungeheuerer Wucht ergoß sich das Wt>)Cl s>!;e Btort in das Bott. Roch während der Arbeit am Neuen Testament begann Gui)er das Alte zu verdeutschen. Gelehrte nreiinde unterstützten ihre: nach langwieriger Riihsal ersckjien Anfang 1531 die erste Lutherichc Vvllbibel. Luther hat aber nicht ablselgssen, an beiden Testainenten immer neu feilen, luld zivar mit geordneter Hilfe einer Krt chommissivn. die zur Verbesserung des deutschen Textes Sitzungen in Luthers Hause 'uckiielt und hierüber Protokolle führte. Die wrthersche Bibel ist das geleseuste Buch des "Mschen Volles. Unmittelbar durch Lesen, Rorleseu Predigt sind ihre gelvaltig mächtigen und gewaltig sanften Kündungen ins Volk gedrungen^ und mittelbar, indem es die ^uchcrschreibcr und Sprachbildner, das feajrifttiim selbst, beeinflußte. Und zwar setzte viele Wirkung sofort ein, und wuchs immer mächtiger. Uns geht ans diesen Blättern insbesondere die des Alten Testamentes an; ne kann, selbstverständlich, nur Umrissen und Mit einer geringen Auslese von Proben belegt werden Das Zeitalter der Reforination ist, wie alle ^" gewühlten Epochen, von Schlachtrufen und belogeschreien dnrchlärmt: Schlaawvrte kommen aus, die alsbald verhallm. In der wilden theologischen Polemik waren Anwürseuüe Ntörder und mörderisch gang und.gäbe. Ein Sehlagivort jener Zeit ist: „Kainiseh" und bedeutet ctiva „seelenmörderisch". Nimrod ist nach Luthers Auslegung ein „Abtrünniger und ein Vater aller, die in der Welt mit Gewalt regieren", und in-diesem Sinn wird der Aus° drnck „nimrvdisch" hie und da gebraucht, z. B. spricht Sebastian Franck 1520 in „Klagbrief der armen Dürftigen in Engenland" von der „gewaltig nimrotischen Einsahung (Einziehung) der Güter". Wichtiger ist, daß eiiw Fülle von Wendungen sprichwörtliche Kraft gewann und formelhaft in die Sprache einging. Eine der letzten Ausgaben des Büchmann verzeichnet über dreihundert solcher „Geflügelter Worte" ans dem Alten Testament. Wenn man sie gebraeieht, ist die Vorstellung, daß man das Alte Testament zitiert, entweder verblasst oder vergessen. Bei Allsdrllcken lvie „Sodom und Gomorrah", „Ein keuscher Joses". „Frau Potiphar" wird durch den Namen ein leichter Umriß der.Erinnerung gelvahrt, aber wenn wir sagen: „Ntit fremdem Kalbe pflügen", gedenken nur nicht, daß Siuston, dessen'Braut die Auslösung seines Rätsels verraten hatte, Richter l-t, 18, sprach: „Wenn ihr nicht hättet mit meinem Kalbe gepflüget, ihr hättet wein Rätsel nicht getroffen." „Sein Herz ausschütten" stammt aics 1. Samuelis 15; „leidiger Trost" ist gebildet nach Hiob 16, 2, „Ans der Bank der Spötter sitzen" nach Psalm 1,1;, „Angst und Bange machen" folgt Jesus Pirach st, 19. Das tut politischen Leben oft gebrauchte Gleichnis vom „Koloß nüt tönernen Füßen" beruht aus utiel 2, 31—3st. llnb diese und andere Wendungen drinn in die Dichtung ein. „Der Wein erfreut s Dtenschen Herz", nach Psalrn 104, V. 15 bildet, ist der Anfang eines Gleimschen cinkliedes. und Bruder Martin sagt es im Sötz von Berlichingen". „Zwischen Himmel rd Erde" schwebt Absalom; Otto Ludwig innte seinen Roman, dessen. Hailptgestalt n Dachdecker ist. „Zwischen Himmel uiid -de". Oder: Schillers „Glocke": •. „Von der Stirne heiß Rinnen muß der Schweiß, «soll das Werl den Rtcister loben"; Jesus Sirach, 0,24: „Das Werk lobt den .Äteister." Ein tieferer Zusammenhang aber besteht, wenn der Ausdruck nicht nur übernommen wird, sondern sich dem Gefüge, ja dem Tonfall . einordnet. Karl Friedrich Kretschmann, ein Dichter des 18. Jahrhundertsschrieb einen starken geistlichen Gesang, „Gott, .dem Schöpfer", darin diese Strophe: Finsternis rmd Oede schlossen ihn grcnzlos ein: Er war allein das Leben, . . Und sich das Licht.allein. . Einsam brütend, schliefen Alle seine Tiefen. Uub die Höhen priesen nicht Seine Gegenwart, : Ehre sei Gott.in der Höhe! Tenn er sprach: Es werde Licht: Und cs ward." ' Und in demselben Gedicht' diese Zeilen' aus den Brenschen: „Der Inbegriff von seiner Milde: So nannten selbst die Engel ihn: . Denn ihn nur schuf er sich zum Bilde, Zum Bilde Gottes schuf er ihn." Das erste Mal formt er den Ders ans Mose 1,1 in scin.bäedicht, das andere Mal den'.27.: mit Selbstverständlichkeit gehen, sie ein. in das — eben' alttestamcntarifche — Pathos des Gedichtes. Und rvenn Eichendorfs, der grundkatholische Dichter, einmal seinen sanften Ton zu einem leisdrohenden Pathos steigert, in dem Gedicht „Rllhe in Gott", färbt sich seine Sprache in verwandter Weise: „Ich sah in Nacht das Land vergehen. In Blitzen du die Wetter brachst. Da könnt' ich schaudernd erst verstehen Was du zu mir Erschrocknem spracht ,Meine Lieder sind nicht deine Lieder", yier klinht der 8.'.Vers aus dem. 55. Kapitel .des- Jesara in ihm - nach: „Dennmeine Ge-, dünken sind nichk eure Gedanken, mtö eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr/ Und auch hier ist, über den geistigen Anklang hinaus, der sprachliche wesentlich: das mächtige Einsetzen der göttlichen Rede im prophetischen Ton. Vollends Marlin Rinkarts berühmtes Kirchenlied: „Nun danket alle Gott" gestaltet den 24. bis 26. Bers im 50. Kapitel sang; bei Sirach: „Nun danket alle Gott, der große Dingo tut an allen Enden"; bei Rinkart: „Nun danket alle Gott mit Herzen, Milnd und Händen, Ter große Tinge tut an uns und allen Enden." Stoffe des Alten Testaments sind ick imabsehbarer Fülle gestaltet worden, in allen Gatlnngen. vor allein in der Ballade lind im Drama. Luther selbst hat „Jesaias, Gesicht", das der Prophet im 6. Kapitel schildert, in einem mächtigen Gedicht gestaltet; es beginnt; „Jesaia dem Propheten das geschach, Daß er im Geist den Herren sitzen sach", es schließt: „Von dem Geschrei zittert' Schwell und Balken gar. Das Haus audfj ganz voll Rauchs und Nebel war." Tics Gedicht allein würde genügen, Luthers Namen für immer Zil bewahren'; es beweist, daß Lrckher nicht nur des singhasten, geistlichen Liedes mächtig war, sondern auch des gesichthast bildenden. In lustiger Weise erzählt Claudius die „Historie von David und Goliath"; Kopisch singt das Ttudentenlied „Als Noah aus denk Kasten war" und schildert in seiner heiteren Wortseligkeit, lvie beim Turmbau zu Babel die Sprachen verwirrt werden und man Plötzlich französisch, italienisch. und so weiter durcheinander spricht. Strachwitz sang in mächtiger Ballade den Untergang des Pharao, Münchhausen schuf den Gedichtkreis „Juda", Lulu von Strauß eine Noah-Ballade. Und immer klingt der ungeheure „Erzton" — wie Ritterm

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