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Central-Verein-Zeitung · 1933-10-19 · 40 (19.10.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
40 (19.10.1933)
Date
1933-10-19
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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bic es zum alleinigen Gott macht. Aufklärung. Liberalismus, Sozialismus Marxscher Prä- - gnng sind die großen geistigen Bewegungen innerhalb dieser Epoche und bezeichnen die einzelnen Stadien des Verfalls: eine Denaturierung sowohl des Denkens wie des Lebens tritt ein. Das Bezeichnendste aber dieser Epoche ist die Verwirtschastlichung des Denkens: der Kapitalismus ist das wirtschaftliche Gesicht des Liberalismus. Der Marxismus unterliegt der Ueberschäßung des technischen Prinzips, er lehnt die organische natürliche Horm des Staates ganz ebenso ab wie der Liberalismus, von dem er hcrkommt. Die dritte Epoche, die jetzt heranbricht, ist das Stadium der „Haltung der Erkenntnis". Das fälschlich mit Freiheit gleichge'etzte Streben nach Ungebundenheit wird als Willkür demaskiert, und an Stelle der Willkür erscheint nun wieder der Wille zum Verzicht, zum Opfer, 31,m Dienst. Die Epoche der Erkenntnis gesteht dem Staate einen totalen Machtanspruch zu, ohne darum einer Staatövergotnnig zu verfallen. Innerhalb der Wirtschafts. imtHjir dieser Epoche gibt es keine „freie Wirtschaft" mehr, aber wirtschaftliche Freilicit innerhalb der Gebundenheit. An die Stelle der kapitalistischen Eriocrbswirtschait tritt die Versorgungswirtschaft: der Gedanke der Gemeinschaft tritt in den Vordergrund. Der individualistische, absolute, „römische" Eigentumsbegrisf verliert seine Kraft. Dos fötale %rma.f In einer gleichnamigen Schrift arbeitet E r n ft F 0 r st hoff (Hanseatische Verlagsanstatt) die Wesenszüge des neuen Staates heraus, indem er ihn dem Staate des vorigen Jahrhunderts gegenüberstellt. Ter Staat des!!!. Jahrhunderts lvar der reine Rechtsstaat, Prototyp einer Gemeinschaft ohne Ehre und Würde. Er löste sich schließlich in bloße Gesellschaft auf, der die Fähigkeit zur Autorität abging. Ausläufer jener Entwicklung war der Weimarer Staat. Im Gegensatz hierzu ist der neue totale Staat an Tradition, Gesetz und Ordnung gebunden. Er besteht aus einer Herrsehaitsordnung und einer Volksordnung. Die Herrschaftsordnung ist eine Rangordnung, eine Führungshierarchie. Die Vvlksordnuug setzt die Artgleichheit voraus. Das eigentliche, tragende Fundament des neuen Staates ist eine neue Staatsgesinnung: die Unterstellung unter das innerlich bejahte neue totale Lebensgesetz des Staate?. Die ständische Ordnung hat ihre Totalität in der Arbeitsgesinnung. Die berussständische Volksordnung und die oerrsehastsordnung in ihrer Verknüpfung bilden den totalen Staat. Ein Ständestaat, der nur von den Interessen der einzelnen aus errichtet wird, widerspricht dem Gedanken des totalen Staate?. Ein nur persönliches Verhältnis zivischcn Führer und Gefolgschaft unmetaphysischer Art genügt für einen Iugendbund, nicht für einen Staat. Die Führung im Staate erfordert einen geschichtlichen Auftrag. Dse «Nivesssks §task Zuletzt machen lvir auf den durch bcgnffstlare und scharfsinnige Formulierung ausgezeichneten Aufsatz „Nationaler Staat und Freiheit" ansmerlsam, den Professor Dr. Rudolf Streller in der Zeitschrift des Reichs¬ Fahnen und Fackclzag der Kinder am Simchas-Thora Auf genommen im Waisenhaus, Pankow Vholodicnst Arno Kikolcr, Berlin bundes der höheren Beamten (15. Jahrg., Nr. 8) veröffentlicht hat. Der Verfasser geht von der Legriffsbestimmnng dos liberalen Staates aus. Jener Staat — ein Kind der Aufklärung und des Naturrechts — war auf der Voraussetzung aufgebaut, daß der Staat nicht etwa göttlichen oder natürlichen Ursprungs, sondern von den Menschen geschaffen worden sei, um ein harmonisches Zusammenleben -auf Grundlage der Gegenseitigkeit zu gewährleisten. Da die Bürger diesen Anspruch an den liberalen Staat stellten, wurde er infolge unmäßiger Inanspruchnahme mißbraucht, er wurde zmn „Fürsorgestaat". Die Freiheit des liberalen Staates lvar eine Schein-Freiheit, eine verhängnisvolle Selbsttäuschung. Tenn kein Einzelwesen ist frei; es ist — namentlich wirtschaftlich — auf Gedeih und Verderb von seiner Umwelt abhängig. Da die Freiheit des liberalen Staates nur für den Bürger Geltung besaß, wuchs die Blasse der anßcrbürgerlich Unzufriedenen: des Proletariats. Aus dem „Individuum-Staat" des Liberalismus wurde der „Massen-Staat". Aber dieser neue „kollektive" Staat der Massen hat die schrankenlose Freiheit des liberaten Staates lediglich in schrankenlose Unfreiheit des einzelnen verkehrt. Der nationale Staat, lvie ihn die nationalsozialistische Revolution geschaffen hat. ist der universale Staat. Während der kollektive Staat ein von den Menschen gemachter Mechanismus ist, stellt der universale Staat einen gewachsenen Organismus dar, dessen Glieder die einzelnen Menschen sind. Bürger und Staat sind ein untrennbares Ganzes. Es ist nun sehr überraschend, daß Professor Streller seinen Begriff des universalen Staates sehr deutlich von der romantischen Staatslehre abhebt. Jene Staatslehre verdankt einerseits Adam Müllers „Elementen der Staatskunst" (1809) und anderseits den Schriften des zeitgenössischen Soziologen Othmar Spann ihre Entstehung. Sie faßt den Staat als Ganzes ans in der Weise, daß die einzelnen Glieder nur „Erscheinungsweisen" des Ganzen sind. Bei einer derartigen Ganzheit des Staates ist aber für das Eigenleben der Glieder kein Platz mehr vorhanden. Die einzelnen Glieder des Ganzen besitzen keine Freiheit. ■ Professor Streller erhebt nun gegen den romantischen Staatsbegriss den schwerwiegenden Einwand, daß er den Zusammenhang der Nation nicht erkennen läßt. Worin besteht nun die nationale Ganzheit des Staates — des Staates als Inbegriff der Nation — im Gegensatz zur romantischen? Der Bürger hat dafür zu sorgen, daß er brauchbarer Baustein zmn Aufbau des Staates werde. Die Entfaltung der Persönlichkeit ist Voraussetzung des nationalen Staates. Die Freiheit besteht also in der Entsaltnng zur Persönlichkeit. Es gibt weder Freiheit noch Persönlichkeit außer auf dem Boden der Nation. Gibt es so, fragt Streller zum Schluß, im universalen Staat ein Recht der freien Meinungsäußerung? Er bejaht diese Frage, indem er zwischen positiver und negativer Kritik unterscheidet. Eine positive Kritik sei nicht möglich, wenn der Staat selbst, d. h. die Lebensberechtigung von Staat und Nation in Zweifel gezogen werden. Der Staatsbürger müsse sich darüber klar sein, daß das Recht zur Kritik zu positiven Vorschlägen und positiver Mitarbeit verpflichte. & ii?LO ^vv/ wy* y w/w 4) *»v« (14) L v t «vli Norbert W 0 l l h e i m , einer der Führer der TIIG. versuchte auf seiner Lborschlesieufahrt un3 allen einen Einblick in die Arbeit seines BundeZ gewähren. Er ist der Ansicht, daß die EmmFi. potion gescheitert sei, weil wir nicht genügend jüdisch gefestigt gewesen wären. Wvllhcim sieht Rückkehr zu einer tiefen jüdi. scheu Religiosität, die sich nicht nur au äiihere Formen hält, sondern im Inneren des jüdischen Menschen verwurzelt ist, als unbedingt notwendig an. Wird dic.z der Fall, so sagt Wvtlheim weiter, so wird die jüdische Jugend die Krise. die über sie hercingebrochen ist. leichter übersteheu können. Zn praktischen Fragen übergehend, hält er die Auswanderung der Mehrzahl der indischen Jugend nicht für möglich, sondern glaubt, daß für diese eine Lösung auf deutschem Boden gesunden werden müßte. Tie Verufsumschichiung. die besonders in die Landwirtschaft unbedingt zu empfehlen sei, wäre auch von der TJJG bereits in Angriff genommen worden. Vor dem Neserat Wollheims gab Franz Noten, thal, Bcutheu, der vom Gau O./S. mit der jüdisch religiösen Erziehung beauftragt ist, einen Ucker» blick über seine Arbeitsmethoden und über das, was er bisher erreicht hat. Ter Inhalt der Referate wurde auch von den Aeltercn innerhalb des CV warm begrüßt. In einer um diese Zeit tagenden Gauführersitzung wurde der Beitritt der oberschlesischen CV-Jugend zur TIIG vollzogen. Wir Jugendlichen unterstreichen die Ausführungen Wollheims ohne weiteres, und wir bekennen uns zu seinem Motto: „Wir wollen lernen!" Wir begrüßen die Intensivierung der stets eifrig wirkenden EV-Jugend Oberschlesiens, die ihre Grundanschauung nach dem Bericht aus Oberschlesien in den Referaten von Norbert Wollheim be. stätiot fand. Ter Gau Oberschlesieu wird, wie jede deutsch-jüdische Jugend-Arbeit. auf dieser Basis wie früher auch in Zukunft stärkste Förderung des CA, seiner Landcsvcrbandsstellen und Ortsgruppeusührungen finden. Wie uns rom amtlichen Ncisebiira der UdSSR än. tour ist (Berlin, Unter den Linden mitqctcitt wird, flibt cs unter Denutcnng des Schisssmcges über ccrs Lchwarze Meer eine Nclscrculc noch Palästina, d.e sich billtflcr stellt als jede andere Berbi,iduna. Auf dieser llloutc kostet beispielsweise die Neisc von Berlin bis passa über Warschau—Odessa in der driten «lasse nur I7P—M., rn der -weiten «lasse 200,— M. In diesen Preisen ist die Echiffsvcrpflcgunsi von Odessa bis Jana sowie die 6ebühren des ruhnchen Transitvisums cumesc!,lassen. Die von Odessa aus verkehrenden Dampfer sind bequem ein. gerichtet und bieten beste Verpflegung. Bon Berliii aus in etwa -30 Minuten, mit der Strassen. bal,n 2« bis galkenplaü, ist dos idyllische, im eigenen Park gelegene, jüdische Villcnheim in Kon. radshöhc begurm zu erreichen. Dieses mit allem «o:a. fort eingerichtete Seim für jüdische Ehepaare und Gin.'.eU per>oiicn, bietet einen behaglichen und ruhigen Dauer, aufcuthalt, auch für vorübergehende Gäste. Die innere Mit 22 Zimmer ausgcstaltcte GinrichUmg wird jedermann in jeder Weise gefallen. Die Lerpslegung (anch Diät) ist durchaus lobenswert. Das ganze Parterre bestehet aus vier Gcselischastsrilumcn und geheiztem WiiUergarlca, alles in allein ein trautes Milieu. Ungeziefer macht den AufcnlhaU in einer Wohnung oft zu einer unerträglichen Qual, gefährden als Trä. -ger von «rankheitskeimen auch die Gesundheit der Dewohiier. Neue Taxereu, frischer Anstrich tonnen nicht als wirksames Mittel ziir rcstloscii A.-seitiguiig dieser Plage angesehen werden. Hier Hilst nur sofortige energische Be. iämpsung mit erprobten Mitteln, zu denen in erster Linie die moderne Vergasung gehört. Wenden Cie sich uni kostenlose Natcrtcilung an die. „Stal a" (Stadt- und Land-Hygiene) Gesellschaft mbH. Verlin-Schöneberg, Gniiic. waldstrahe 20, (Fernsprecher: N lj Cornelius JTfjii, au'iitc als „Mitglied des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens e. V." Ihr volles Vertrauen verdient. er die Geschichte mit seinem Bruder erlebt, selbst wieder Isaak und wieder Adel! Damit deckt Thomas Mann eine der inneren Ursachen auf, die die große östliche Tradition so schwer entzifferbar machen, die die Geschichte der (Generationen so aneinander und ineinander rücken. Denn damit kommen wir nun zmn merkwürdigsten in der Erscheinung dieses großen Buches: es gibt sieh keineswegs naiv als eine bloße Ncuerzählung de? biblischen Themas. Thomas Mann ist vielmehr sehr bemüht, mit deui ganzen Rüstzeug sehr gründlicher historiicyer Studien und modernster psychologischer Erkenntnis historische Wirklichkeit aus der biblischen Tradition hcrvortreten zu lassen. Vor dem Beginn des eigentlichen Romans liegen, wie ich schon erwähnte, 64 Druckseiten, die eine Art Vorwort bilden, obwohl sie auch wieder halb zum Roman gehören. Diese zmn Teil sehr schwierig zu lesenden Seilen sind „Höllenfahrt" überschrieben: denn sie sind ein Versuch, einzutauchen in den historischen Grund, aus dem die Tradition der Joseph- und Iaakobs-Welt gewachsen ist. Dabei erlebt Thomas Alaun nun und läßt uns erleben, daß dieses wirklich der Weg „zu den Müttern" ist, von dem es bei Goethe heißt: „Kein Weg! Jus Unbctretene, Nicht- zubetretcnde! ein Weg ans Unerbetene, Nichtznerbittcnde." Denn jede Gestalt und jede Wendung der Urgeschichte (ob wir nun von der Sintflut, oder vom Paradies, oder vom babylonischen Turm reden) weist aus ein noch älteres Vorbild zurück; Kulisse öffnet sich hinter Kulisse, bis sich alles in schattenhaftes Dunkel verliert. Thomas Mann gibt diese Analyse der ältesten Kulturtradition in seinem Prolog zum Teil wohl, um die Szenerie auszubanen, in der das Josephsspiel allein geschehen kann; er will uns aus die geistige Welt dieser Menschen vorbereiten. Zum Teil aber hat er sich ersichtlich selbst in diese Probleme verbissen und geht ihnen gar nicht als Dichter, sondern' mit wissenschaftlicher Hartnäckigkeit zuleibe. Auch späjer, .innerhalb des eigentlichen Romans, kommt es noch mehrfach zu Durchbrüchen dieses wissenschaftlichen Eifers, der erkennende Klarheit über die Vorgänge bringen, nicht ein Erleben dichterischer Art bereiten will. Es gibt Partien, die vielmehr eine geistreiche Bibclkritik als eine dichterische Neugestaltung des biblischen Motivs sind. Man könnte versucht sein, zu sagen: hier wird nur unter gelegentlichem Einsatz dichterischer Mittel historische Analyse getrieben — wenn nicht in der Mitte des Ganzen höchst unkritisch und sehr dichterisch der Glaube an die reale Gestalt der Helden, an Iaakob und Joseph, stände! Dabei ist die historische Forschung viel eher geneigt, dem Abraham als dem Iaakob eine „Realität" im gröbsten Sinne des Wortes znznbilligen. Aber gerade hier hat Thomas Mann seinem sonst so unersättlichen kritischen Realismus. Halt geboten; die Frage nach der Wirklichkeit der Iaakobs-Gestalt wird überhaupt nicht gestellt. Von dieser Seite her gesehen, gewinnt die leidenschaftliche, historisch-psychologische Begründung von vielleicht höchst unhistorischen Geschichten eigentlich etwas Sinnloses und Erheiterndes/Aber dieser Widerspruch hat auch etwas Rührendes und Ergreifendes; denn er zeigt, wie sehr diese unterstrichene wissenschaftliche Kälte bei ThomaS Mann nur eines seiner wohlbekannten Mittel ist, um die dichterische Erschütterung durch ein großes Thema nicht übermächtig werden zu lassen, um jedes sentimentale Verwischen der epischen Kontur unmöglich zu machen. So handelt es sich hier am Ende denn doch nicht um ein nur dichterisch erwärmtes Stück historischer Forschung, sondern um eine mit historischer Kritik nur kunstvoll abgekühlte Dichtung. Daß dichterische Kraft im Grunde dieses großen Buches waltet, erkennen wir aber nicht nur an der Grundkonzeption, an der unbedingt lebendigen Empfindung der Hauptgestalten, um deretwillen das Ganze geschrieben ist. Voll dichterischen Lebens wie. jene erste; Mondschcinszene am Brunnen ist das Kapitel vom „großen Iokus" — das heißt von der mythisch wilden Lustigkeit, mit der das Hofgesinde den Betrug des Esau als die uralte Fabel vom geprellten Teufel wiedererlebt. Großartig auch der Traum von der Himmelsleiter, die sich bei Thomas Mann zu einem riesigen babylonischen Trcppenbau, bevölkert vom Aufruhr phantastischer Genien, gestaltet. Schön und neu in ihrem kraftvollen Realismus auch die oft gedichtete Szene von Jaakobs und Ratzels erster Begegnung am Brunnen: „Ratzel, darf ich dich küssen?" — „Warum solltest du das wohl dürfen?" — Und dann das stammelnde Erkennen der beiden Sprachverschiedenen durch Jaakobs Ausrufen der wohlbekannten Verwandtschaftsnamen. — Von großer dichterischen Kraft und Breite auch die Ausmalung des Hochzeitsfestes vom „windverwirrten Gcdünst von Spezereien, Festschiveiß und Bratenwürze" bis zum lächelnden Dust der Nacht, in der Iaakob Rahel zu um» fangen glaubt — um dann furchtbar bei Lea zu erwachen. Und dann, unendlich ergreifend, am Schluß dieses Bandes der Tod der über alles geliebten Rahel, ihre letzten Worte im Fieber: „Ei siehe, ein Fremder! . . . Warum solltest du mich wohl küssen dürfen? Ist es, weil du der Vetter bist aus der Ferne und weil wir Urvaters Kinder sind, beide zumal?" — Aus der Verpuppung des Forschers steigt da die Seele eines starken Dichters auf, ein wunderbarer Falter — glänzend im ewigen Licht. So stehen wir mit diesem ersten Band des Joseph-Romans doch wohl am Anfang einer großen Diäjtung. Ja, wir dürfen uns von den nächsten Bänden noch reineren Genuß versprechen wie von diesem etwas schwierigen ersten Band, in dem der Autor mit den Nöten eines kritischen Gewissens gegenüber dem ernen Stoff zu ringen hatte und zuweilen doch wohl tiefer in den wissenschaftlichen Eifer geriet, als der künstlerische Zweck (der oben anbedeuteten Art) rechtfertigen kann. Es blerbt.merkwürdig, daß, nachdem scho.» Gerhart Hauptmann in seinem wunderbaren Fragment „Das Hirtcnlied" sich auf ganz andere Art nur diese große biblische Tradition bernüht hat, jetzt ein zweiter und sehr hervorragender Autor der gleichen deutschen Generation sich mit so außerordentlichem Ernst diesem jüdischen Urthema hingibt. Tie Gesamtheit der Deutschen wird hier durch Thomas Manu ein wichtiges Werk besonderer Art erhalten. Für uns deutsche Juden kann aber das Erscheinen dieses Buches in eben diesem Moment, über allen äußeren Reiz des Siosscs hinaus, noch eine sehr innerlich tröstliche Bedeutung haben. '1 ÜW Mit „Nathan dem Weisen" erzielte der Kulturbund deutscher Inden in Berlin 14 Tage lang Abend für Abend ein gut besuchtes Hans. Eiu zahlreiches, ansucerksames, ja. man faun'fnfi sagen: andachtsvolles Publikum folgte dieser eiudrucksstarken^ Aufführung, mit der der Kulturbund die Reihe seiner Tsieaterdarbietungeu würdig ein!ci!c:e. Tic Nollenbesehnug blieb im wesentlichen die der Premiere. In der vorletzten Vorstellung waren allerdings drei Rollen neu besetzt: Ruth Reimer gab Nathans Tochter Necha als echt schwärmerisch Liebende. ^Leo H u th^charakterisierte den Tempelherrn kraftvoll und jngendsrisch, wenn auch zuweilen ein wenig überspitzt. Tie Sittah wurde von Elly Reicher gcsprelt, mit Scharm und ohne Uebertrerbung ihrer fraulichen Ueberlegenyeit. Ja den übrigen Rollen die bewährten Kräfte, allen voran eindringlich und erschütternd Kurt Katsch m der Titelpartie. L 6 tt. * Sie bisher neu hinzngckommenen Mitglieder erhalten die Aun'ührung von „Nathan der Weise" am 8. und 9. November als Ersah für die Oltober-Dorftcllung. Neuamneldunaen können seht nur noch ab November beginnend angenommen werden. Der Maler Eugen Spiro hat in seinem Atelier. Charlottenburg 9, Neichsslraße 106, einen Zeichenu .M,? lunterricht eröffnet. Eintritt jederzeit, <urch Anfänger sind, zugelassoru

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