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Central-Verein-Zeitung · 1933-10-19 · 40 (19.10.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
40 (19.10.1933)
Date
1933-10-19
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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o 00 ':oiiM'!i'nnf^ v>' L' <..•' ,?t Sicfe üJodje gilt der Ehrung des Hündwerfs. Die Handwerker und die oft jahrhundertealten Innungen werden allerorts ihrer Bedeutung für das gesamte wirtschafttiche und kulturelle Leben entsprechend Meiert. Einige Innungen haben die jüdischen Handwerker vnn diesen Veranstaltungen ausgeschlossen. Das Handwerk hat aber gerade jetzt ^für die deutschen Inden, die in einer Vernssumschichtung begriffen. sind» besonders grotze Bedeutung gewonnen. Unser ^.-Mitarbeiter hat sich deshalb in einer Unterhaltung mik dem Vorsitzenden des Zeniralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands, Louis Wolff, über die wichtigsten Berufssragen des jüdischen Handwerks informiert. hoch schätzen Sie bic Zahl bei' jübi» icf)cn ■V'KViibUH'rfi'i in Deutschland?" „(V'j gibt cinnt 30 000 jüdische Handwerker", siigt LouiS Wolfs. „Tie meisten Handwerker leben natürlich in den Großstädten. Die Handwerker, die in kleinen Städten und aus dem Hände ihren Wohnsitz haben, stammen meist ans sehr alten Hcmdwerkersamilien." „Wie verteilen sich die jüdischen Handwerker ans die einzelnen Teile Deutschlands?" „Zn Berlin hat unser Verband allein die -Halste seiner Mitglieder. Wenn man die Konzentrierung in den Großstädten außer acht läßt, ist die Verteilung in den einzelnen Provinzen und Ländern ungefähr gleich. Früher gab es besonders viele jüdische Handwerker im Süd» westen Teutsehlands, in Hessen, im Rheinland und in der Provinz Posen." „Welche Gewerbezweige werden am häufigsten gewählt?" „Vorläufig stehen immer noch die Schneider an erster Stelle. Auch viele jüdische Kürschner gibt es. Cs folgen dann die Berufe, die mit dem Baufach Zusammenhängen, wie Banschlosser und -lischler, Glaser und Maler. Installateure und Klempner." „Gibt es Berufe, in denen Juden gar nieht vertreten sind?" „Eigentlich nein; ich habe bisher in jedem Gewerbezweig Juden angetrofsen, allerdings mit einer Ausnahme: einen jüdischen Schornsteinfeger kenne ich nicht. Auch in den physisch schweren Berufen sind die Inden häufig anzntressen. Diese Feststellungen können Sie in' dern neu erschienenen Mitgüederverzeichnis des jüdischen Handwerkerwesens nachprüfen." „Gibt es viele weibliche jüdische Handwerker?" „Ja. Sie verteilen sich in der Hauptsache ans die Putz- und Schneiderbranche. Aber auch in den feinmechanischen Bernsen trifft man llänsig Frauen, so z. B. als Gold- und Silberschmiede. Tie Zahl der weiblichen jüdischen Handwerker ist schwer anzngcben. Wir selbst. haben erst seit kurzer Zeit weibliche Mitglieder ausgenommen." „Konnte man bisher ein Abwandern aus den Handwerkerbernsen festslelten?" „Der bisherige Nachwuchs — die infolge der Berussuugchichtnng stärkere Hinwendung Jugend zum Handwerk soll hierbei nicht berücksichtigt werden — war zahlreich genug, um die zahlenmäßige Stabilität des jüdischen Handwerks zu gewährleisten. Es kamen auch in den letzten Jahren häufig Söhne von Nicht- . Handwerkern zum Handwerk, keineswegs etwa aus persönlicher llnfühigkcit für andere Berufe." „Wie sind heute die A'nsbildnngsmöglichleiten für den Handwerkernachwuchs?" „Gegenwärtig sehr ungünstig. Nichtjüdische Meister nehmen meistens feine jüdischen Lehrlinge ober Volontäre zur Ausbildung auf. Eine Möglichkeit, jüdische gewerbliche Angestellte, Gehilfen oder Lehrlinge in nichtjüdischen Betrieben nnterznbringen, besteht im Augenblick fast gar nicht. Tie jüdischen Lehrlinge sind deshalb nur ans die jüdischen Handwerker als Lehrmeister angewiesen; diese aber können, wie es nach ben bisherigen Bemühungen scheint, nicht die erforderliche Zahl von jungen Menschen ansnehmen. Soweit die jüdischen Lehrlinge bei Jnnnngsmitgliedern lernen, werden sie nach wie vor zur Gcscllen- und Meisterprüfung zngelasscn." „Was halten Sie von der Ausbildung in Lehrwerkstätten?" „Nicht viel. Die Lehrwerkstätten ähneln zu . sehr einem Schulbetrieb, der im Theoretischen stecken bleibt. Eine praktische Ausbildung innerhalb eines Jahres, wird immer nur lückenhaft sein. Einer Lehrwerkstatt fehlen, auch im allgemeinen die Aufträge, so daß ' nicht genügend Material zum Verarbeiten vorhanden ist." „Wie ist die gegenwärtige wirtschaftliche - Lage im jüdischen Handwerk?" „Die Handwerker sind im allgemeinen gut beschäftigt. Besonders die im Baugewerbe betätigten Handwerker haben gut zu hm. Die Aufträge von nichtjüdischer Seite lassen natürlich nach, dagegen tommen von jüdischer Seite um so mehr. ' Biele Inden haben ja jetzt erst erfahren, daß es überhaupt jüdische Hand« fW'ofe /C'W??» Bon Dr. TruDc Rosenthal (.Köln). In diesen Tagen hat der Kulturbund Rhein-Ruhr mit seinen Veranstaltungen begonnen. Seine Anfänge gehen bis in beit April zurück. Mit Freude vernahm man im Juni von den ähnlichen Bestrebungen, die in Berlin im Gange waren und die man als Besiätignng der eigenen Pläne nahm. Die Frage der Programmgestaltung lvurde damals ausführlich diskutiert. Sie ist in ihrer Problenmtik zu sehr unserem jüdischen Schicksal vernastet, zu sehr dessen Abbild, als daß sie ohne loeiteres gelost werden könnte. Diese Tatsache, die natürlich für den Westdeutschere Bund genau so gilt rvie für Berlin, braucht uns nicht mit Befürchtungen für seine Zukunft und Enhvicklrrng zrr erfüllen; wahrscheinlich wirkt sie sich sogar günstig ans: zuerst einmal ist bic Ausgabe des Jüdischen Knltrrrbundes so absolut neu. daß jede allzrr bestimmte Festlegung voreilig sein müßte. Selbstverständlich bestehen trotz dieser Labiiiiät der Programmgestaltung gewisse Grundlinien, die richlnngwesend sind. Die Verbindung mit deutscher Geschichte und Gegenwart soll ansrecht erhalten bleiben, rrnd vor allem unserer Jugend, joiucit sie in Deutschland bleibt, eme Gedanken- und Geistesbrücke zrr bauen, damit diese nicht Kraft und Be- 'sähiguug zu einem trotz allem produktiven Leben verliert. Natürlich >vird die jüdische Ideenwelt im Mrttlpuutt stehen, aber nicht ohne daß ihre Bindungen mib llebergänge zu deutschen — und Wettproblemen aufgezeigt werden. Deshalb roerben die Vorträge zr, krisch geordnet; rricht der Zrr fall, noch die Bereitschaft des Dvzerrlen für das eine oder aridere Thema sollen entscheiden, sondern, die Bedeutung für die Klärung unserer geistigen Lage. Um diesern Zeitgeist und seinen Problemen gerecht zu rverden, wrrrde der Versuch, cirre Arbeitsgemeinschaft jüdischer Richter, Schriftsteller, Dramaturgen rrrrd Regisseure unternommen; man erwartet von ihnen Stücke, die trotz oder wegen ihrer Anlehnung an unsere Historie aktuell sind. Allerdings die Theatererösfnrirrg ist von der steigenden Mitgliederzahl abhängig. Der Gedanke des Kulturbundes RHein- Ruhr errvrrchs ans dem Arbeitöbeschafsungsprograrnm der Kölner Zentralstelle für Jüdische Wirtschastshilse. Tie besondere Intensität, mit der gerade die Künstlerhilse angefaßt rvird, geht wohl arrs diesen llrsprrrrtg des Verbandes zrrrück. Auch herrte. bleibt die Wirtschastshilse mit der Künstlerhilse -durch Persorralrrnivit des Leiters verbunden,, rvas zrr einer schnelleren Abwicklurrg rrrrd damit hoffentlich zu der bestmöglichsten Form der Hilfeleistung führen tvird. Als Novrrm geplant ist die Engagemerrtsvermittlung nach kleinererr Orten: hier wird mau an die Stelle von Prrrirnnrrd Ehanrrkahbällen gern künstlerische Darbietungen treten lassen; gerade in den kleinen jüdischen Gemeinden hat ja ein wahrer Hunger nach geistiger und künstlerischer Kost eingesetzt, der sich zugrrrrsten der Künstlerhilse anläßlich der verschiedensten Gelegenheiten wird befriedigen lassen. Wanderarrsstellrmgen bildender Kürrstler sind vorgesehen, feie sollen nicht nur mit jüdischem Schassen belarrnt machen,, sondern durch niedrige Preisgrenze dem jüdischen Publikum Kanfmbglichkeit von Arbeiten geben, deren künstlerische'Dualität durch eine strenge Jury gewährleistet ist. Indische Maler, Bild- Hauer und Graphiker Westdeutschlands, die Pich an diesen Ausstellungen beteiligen möchten, werden um ihre Meldungen gebeten. Der Aufbau des Westdeutschen Kulturbundes liegt in den Händen von drei Männern, den geschäftsführenden Vorstandsmitgliedern, die un Gegensatz zur Berliner Spitze ckeine Künstler sind. Alle drei, Menschen der jungen Generation, verschieden in der Art ihrer besonderen Fähigkeiten wie in ihrem bürgerlichen Berus, ergänzen sich ausgezeichnet für Werker gibt! Infolgedessen i t auch der Umfang der Auswanderung foi den jüdischen Handwerkern gering. Die Berliner Ortsgnppe hat im Laufe des letzten halben Jahres nur 30 Mitglieder durch Auswanderung verloren; die meisten von diesen sind nach Palästina gegangen." „Man hört doch noch häufig Klagen über Unterschiede in der Preisgestaltung und in der Arbeitsleistung zwischen jüdischen und niehtjüdischen Handwerkern." „Diese Klagen sind völlig unberechtigt. Im Gegenteil, wir Handwerker müssen uns oft über die jüdischen Auftraggeber beklagen. Man glaubt vielfach, von unö mehr verlangen zu können als von nichtjüdischeil Handwerkern. Auch herrscht die bedauerliche Unsitte in jüdischen Kreisen, sich jüdischen Arbeitern gegenüber ungenierter zu benehmen als anderen. Das ist sehr oft die Ursache von Mißverständnissen." „Wie beurteilen Sie die Znkunftsaussichten in Deutschland? Welche Berufe sollen bei der Berussumschichtung bevorzugt werden?" „Wir müssen erst den ständischen Ausbau abwarten. Ich glaube bestiuunt, daß wir un Rahmen der Stündegliederung unseren berechtigten Platz zugewiesen bekommen werden. Bei der Einführung Per Handwerkerkarte im einigen Städten Süd- und Westdeutschlands hat es sich gezeigt, daß Inden keineswegs generell die Karte verweigert wird, wenn die beruflichen Voraussetzungen vorhanden sind. Die besten Znkunstsaussichten haben die Banbernfe, zu denen auch Fliesenleger und Dachdecker gehören." „Wie steht es mit der Zugehörigkeit zur Innung und der Mitarbeit an ihr?" „Sofern Zwangsinnungen bestehen, machen diese keine Unterschiede Zwischen Juden und Nichtjuden. Den übrigen Innungen ist es anheimgestellt, ob sie Juden ausnehmen wollen. Nichtmitglieder dürfen keine Lehrlinge ansbilden. Die Mitarbeit von Juden in der: Innungen war bis vor kurzem noch sehr stark. Die meisten Innungen wurden unter besonders tätiger Mithilfe von Inden ansgebant und oft bekleideten sie auch höhere Posten in den Innungen. ■ Ein Onkel von Arnold Zweig war z. B. Obermeister der Klempnerinnnng in Schlesien; ein anderer Jude bis vor nicht allzu langer Zeit Obermeister der Klempnerinnung im Hamborn." „Können Sie mir - noch etwas über das allgemeine geistige Niveau der jüdischen Handwerker sagen?" /„Ebenso wie in allen jüdischen Kreisen ist auch bei den Handwerkern angesichts der gegenwärtigen Entwicklung ein erhöhtes Bedürfnis nach jüdischer Bildung und jüdischem Wissen festzustellen. So weit wir können, unterstützen wir dieses Streben nach vertieftem jüdischem Wissen unter unseren Mitgliedern." Im übrigen entspricht das geistige und seelische Gepräge der alten jüdischen Handbic Ausgabe, die sie sich gestellt haben. Zu diesem Kreis treten Fachleute, die mit der Betreuung der einzelnen künstlerischen und geistigen Sparten beauftragt sind. Tie angeschlvssenen Spielorte haben ihre Vertreter in den Gesamtvorstand, in die Programmkommission und den Verwaltungs- und künstlerischen Beirat entsandt. Von diesem tätigen Mitwirken erhofft man sich eine breite und lebendige Gestaltung des Kulturbundes, der die mannigfachen Strömungen jüdischen Lebens ausnehmen soll. * Der „Jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr" veranstaltete mu 15. Oktober einen Kammermusikabend in Köln mit Emanuel Feuer m a n n (Violoneello) unb Hans Wilhelm Steinberg (Klavier). In der Kops au Kopf besetzten Synagoge Rooin straße spielten die beiden technisch wie künstlerisch gleich vollkommenen Gäste ein Prvgranuu aus Beethoven, Bach und Mendelssohn. Wenn auch die Weite des Raumes manche Feinheiten des Spieles nicht zur Geltung kommen ließ, so war es doch ern voller Erfolg und ein verheißnngsvoller Anstalt einer kultnrbewußten Arbeit, die hier geboten wird. Ein dankbares Publikum ging in innerer Anteilnahme mit den Künstlern mit. die ihr Progranun auf einer Tournee tu Krefeld. Aachen. Essen und Bochum im Rahmen des Kulturbundes wiederholen werden. Ter Kulturbund der deutschen Inden erösfnete sein musikalisches Progranun mit einem Orchesterkonzert unter der Leitung von Michael Taube. Es war zu erwarten, daß bei dem hohen Niveau der einzelnen Spieler bald erfolgreich musiziert würde. Weit schvieriger war das Problem der Znsannncnstellnng selber; woher sollten für alle Jnstrnn^ntalgattungen jüdische Vertreter genominen werden? Ans einigen Gebieten (namentlich Klavier, Violine, Cello, Gesang) sind die Juden zwar besonders stark Vertretern andere Fächer aber, wie Blasinstrumente, fallen.fast völlig aus. ' werkerfamilien denen vieler tausender nicht, jüdischer Familien in Tenlsehland." Bei diesen Schlußworten von Louw Wo'.if fiel mir die.Unterhaltung ein. die ich erst hn> lich mit einem Mitglied einer solchen richtigen jüdischen Haiwwerlerfamilie gel,abt hatte.'^ Es war der Sohn eines Kürschners, der schon vor 1870 aktiv gedient, dann am Feldzug selbst lcilgenvunnen halte und verhalnii^- mäßig früh gestorben war. Die sechs Söhne hatten von Jugend an handwerkliche Arbeit vor sich gesehen unb wurden selbst Handwerker. Der Beruf des Vaters, das ganze Ntilieu, in dem die Jungeus aufwuchsen, und schließlich gewiß auch die Neigung zum Handwerk wiesen ihnen bei ihrer Berufswahl die Richtung. Ter älteste dieser sechs Brüder wurde Schuhmacher, diente aktiv im Elsaß, machte den Weltkrieg mit, und sattelte später in die mittlere Veamtenlausbahn um. Ter zweite erlernte alle Sparten des Buchdrucks, zog freiwillig in den Krieg mrd geriet in Gefangenschaft. Jetzt ist er wieder in seinem Gewerbe tätig. Auch der Vierte war Buchdrucker; leider starb er an den Folgen einer Kriegs Verwundung. Zwei andere haben als Dekorateure und Tapezierer gute Erfolge erreicht. Ter ältere von beiden kann noch tüchtig schassen, obschon er kriegsbeschadigt ist. Ter Jüngere kehrte erst, nachdem er am Kriege und an Grenzschutzkämpsen un Osten teilgenommcn und lange Jahre Reichswehrsoldat gewesen war, zil seinem ursprünglich erlernten Berus als Dekorateur zurück. Er erkannte bald die Notwendigkeit, seine Kenntnisse PU erweitern. Heute verdient er auch als Polsterer, Tischler und Schlosser sein Brot. Ter sechste aber, der Jüngste, ging zunäch't von den anderen weg. Jetzt ist er aber auch Bäcker- und Konditorgeselle. Keiner von ihnen leidet heute unter der Beruf-uvt. an der so viele andere jüdische junge Menschen kranken. Ihr Lebens;veg wird vielen jungen Juden heute Borbild mib Ansporn sein. jjfyf i!/ Ü/ v vtf 'ir$ V> <rvf VVV jl Aus Brcslau wird uns gcschricbcn: Tic neue staatliche Schulgesetzgebung macht « den Eltern der aus den staatlichen und städtischcn Anstalten ausscheidcndcn Kindern zur Pflicht, rechtzeitig für neue Einschulung zn sorgen. In Breslau besuchen etwa 600 'jüdische Kinder noch die allgemeinen Volksschulen, etwa 500 die höheren Schulen.- Ta auch viele der Eltern, die ihre'Kinder an null für sich ans den allgemeinen Schulen belassen könnten, es unter den gegebenen Umständen vor.ziehen werden, die weitere Ausbildung ihres Kindes einer jüdischen Schule zu übertragen, ist die Frage nach dein Stande bzw. nach der Ausgestaltung des jüdischen Schulwesens eine brenneirde geworden. Aus diesen Erwägungen hatten führende Persöulichteüen religiös liberaler Einstellung zu einer jüdisch e u E l t e r n v e r s a m m l u n g cingckadeu, die am 10. Oktober im großen Saal der Lessing-Loge stattfand, und bei welcher der „Neue jübifcljc Schulverei n" gegründet wurde. , Ter alte, sen Im ersten Konzert hatte man sich dadurch geholfen, daß mau nur Werke mit kleiner Orchesterbesetzung spielte. 'Michael Taube, der Tirigei'.t des Abends, ist lein Mann von überflüssigen Gesten, kein Kapellmeister, der eitel und selbstherrlich den Taktstock schwingt. Neberall ist sein Streben nach Einfachheit bemerkbar, der Wunsch, mit allen seinen Kräften nur der intensivsten Verlebendigung des Werkes zu dienen. Er hält sein Orchester in straffer Zucht, und so wurde er in Handels Couverto <.;ro.^o I)-Moll der imposanten Wuchc der Einleitung ebenso gerecht, wie den sugierten Teilen, die mit vehementer Kraft und dabei äußerst durchsichtig unb klar gebracht sein wollen. In deu Solostellcic zeichneten sich die Herren Frey und Schechler (Violine) und Weil (Cello) aus. Leu Ccmbalopart gab Gertrud Marcus am Klarier wieder. Ten Schluß bildete Tschaikowslis Serenade für Streichorchester in C-Dur, eins der selten gespielten und doch wirkungsvollsten Stücke des großen Russen. Reit der Wiedergabe dieses Werlce hatte M Taube dem Orchester eine sehr schwere Aufgabe gestellt. Wie die vielen technisch heiklen Stellen gebracht wurden, die rhvthmrschen Schwierigkeiten und touiplizierten Einsätze - alle Achtung! Das leidenschaftliche Brio des Stückes riß Dirigent und Orchester mit. und der zündende Funke sprang ans das Publikum über. Unverständlich war mir mir, daß im ersten Satz vielfach Takte gestrichen wurden und im dritten und vierten nicht der Fordernng des Komponisten entsprochen wurde, das Orchester gelegentlich mit Dämpfern spielen zu lassen. Iw dem von Taube geleiteten Turnus wirkten als «olisten abwechselnd die Geiger Boris Schwarz utid Stefan Frenket mit. Beide Herren gehören zu den besten jungen Vertretern ihres Faches. Boris Schwarz brachte Mozarts ^-ckur-Koiizert. makellos in der Technik und wahrhaft beseelt und stilvoll un ^Ausdruck. Stefan Freukel spielte desselben Meisters O-Tnr-Konzert mit ganz überlegener freier Geste, bis ins Letzte ausgeseilt. Man kann die Passagen des ersten Satzes, die Innigkeit und den Wohllaut des zweiten und die spielerische Grazie des dritten nicht vollendeter wiedergeben. § Ludwig Altmann.

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