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Central-Verein-Zeitung · 1933-10-11 · 39 (11.10.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
39 (11.10.1933)
Date
1933-10-11
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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v .^0 s iJ7&UfO)*lk?Üb^j i? *j v y 1/ W MWW^chM jMchbFGch^ V°n Kschksanwalk Dv. Nosörrak, Brems» Von TUelitta §rrsd, z. Zk. Gevfz-GaL?ow Diesen h)pt|'d)on St'i’jj, beu ich tun* fast Dicr -Oiumttcn . in einem lnndlvirtschaftlicheu Um» schnlnngsknrsns ]w gehen begannen habe, min id) aiuj Celbstcalebtem und an anderen Mitrmpsilndenen iim einzelnen zu schildern versuchen. . Denn ich null, nach meinen Kräften, dazu beitragen, ihn den vielen zu zeigen, die ihn 'noch nicht gesunden haben. Die ersten Wochen.waren leicht. Erdrückt dem dem Erlebten, das uns die Bahn gewiesen hatte, ersütlt von dem Gedanken, Mitträger der Umschichtung zu sein, legten wir all unsere Energie in den neuen Berns. Das Eigenartige des Landlebens, dem wir Städter völlig fremd gegenuberstanden, hals uns über die ersten Schwierigkeiten, den Uebergang von der geistigen zur körperliehen Arbeit. Wir ließen mlfere Probleme „zu Hause", als ob wir „verreist" wären und freuten uns der physischen Anstrengungen als eines „sportlichen Trainings". Allmählich begann uns, die wir, obwohl lvir auf dem Laude lebten, noch immer Stadtmenschen waren, die körperliche Arbeit eintönig zu werden. Uns fehlten die täglichen Anregungen, die Zeitung, die Borträge, die Sensationen der Großstadt. Wir suchten Ersaß im Gespräch mit den Arbeitskollegen, im Brieseschreibeu, in krampfhaftem Lesen während der kurzen Ruhepausen. Es war die Beit der größtenKrise.in der wir etwa dachteu:„Wir, die wir so tief in die Wissenschaft eingedrungeu sind, und deren Intellekt für so vieles noch aufnahmefähig isl, nur sollen Tag für Tag baden, graben, Beeren pflücken, alles Arbeiten, bei denen uns die uns geistig unterlegenen Dorfbewohner überlegen sind?" In diesen Tagen haben nur nur deshalb durchgehalten, weil nur nicht wußten, was wir sonst beginnen sollten; denn durch die allgemeine Lage war uns der Rückweg ins alte Leben versperrt. Dann begann etwas Neues: Wir erlebten unseren Körper. Wir wurden ehrgeizig, die Leistungen der Dorfbewohner zu erreichen und spürten, wie unsere Kräfte täglich wuchsen. Zu dieser Genugtuung, daß wir rein Physisch dem von uns Verlangten gewachsen waren,'kam daun die Freude an der Arbeit selbst. Wir entdeckten unseren neuen Beruf. Erst seht waren wir fähig, ihn zu erkennen, denn es ist ein Gebiet, das sich erst nach Wochen verstehen läßt. Wir erlebten, wie der Samen, den wir in den mühsam umgegrabenen Boden gelegt hatten, allsging, lvie die nach Öen: Regeln der Technik gepflegten Pflanzen besser wuchsen als die sich selbst überlassenen: lvir begriffen allmählich Weser: imb Wert der produktiven Arbeit. Erst seht begann die wirtliche Umschichtung. Das ganze weitebbebiet des landwirtschaftlichen Wissens, das vor allem durch praktische Arbeit lind tägliche Beobachtung erworben wird, lvurde allmählich bentlid). Das tägliche Hacken unb Pflanzen., das lvir anfänglich als eintönig empfunden hatten, erhielt seinen Sinn als Teil der großen Ausgabe, die der Beruf an uns stellt: bestmögliche Ausnützung ■ der llorhan-i denen Mittel an Boden, Betriebskapital, Arbeitskräften und Absatzmöglichkeiten. Damit erwachte auch das Interesse alt landwirtschaftlichen Fachzeitschriften und anderen theoretischen Hilfsmitteln. Wir waren beglückt über die Möglichkeiten, die unsere''Arbeit dem denkenden Menschen bei ihrer te* tiefung bietet. Die Berblindenheit mit der Scholle, die Rückkehr zum Ballerntllin als der Basis eines gesünderen Geschlechts, das sind Ideale, die Nur anerkennen, lind die uilser Ziel finb. Wir gehen freiwillig weiter aus dem Wege, den wir dlirch äußere llmstände gewählt Haber: und fühlen, daß alls der Kompliziertheit, mit Mer wir naeht-räglich die Landwirtschaft als unseren Beruf besahen, die einfache Selbstverständlichkeit wachsen muß, daß vor allem in ihr unsere Zukunft liegt. Das neue Mitglieder-Berzeichins Ausgabe 6 des Vereins selbst. Handwerker jüdischen Glaubens, e. V., zil Berlin, gegr. 1895, und des Reichsverbandes des jüdischen Mittelstandes ist erschienen und in Großallflage bereits versaildt worden. Interessenten, bie' noch nicht im Besitze des Berzeichilisses sind, erhalten es ans schriftliche Anforderung kostenlos durch die Geschäftsstelle Louis Wolfs, Berlin W. 50, Rachodstr. 8. WWMZMU rSÄchr MchNM Wch SsßMüH gchM Auf Grund einer Bersügung der österreichischen Behörde lvurde in letzter Zeit lviederholt indischen Personen aus Deutschland der Grenzübertritt nach Oesterreich verweigert. Das Bundestanzleiamt hat ans eine Anfrage bestätigt, daß eine entsprechende Grenzverfügnng erlassen wurde, erklärt aber, daß sich diese Verfügung ausschließlich gegen Personen richte, deren Tokninente nicht in Ordnung sind oder die mittellos sind. Ter Znstrom existenzloser Elemente könnte für das arnre Oesterreich eine schwere Belastung bedeuten. Gegenüber Emigranten, die eine gesicherte Existenzmöglichkeit Nachweisen können, werde die Grenzsperre nicht gehandhabt. SiedlsirgsMe ist fitsten Tie Informationsblätter, Mitteilung '■ des Zentralansschusses der deutschen Juden für Hilfe nub Ausbau, schreiben über Siedlnugtz- Pläne irn Ausland: In der letzten Zeit sind wiederholt Siedlungsproselte für Siedlungen deutscher Inden irn Ausland außerhalb- Palästinas besürwortet lvorden. Wir inaehen darauf ansinerksam, daß der Zentralansschnß der deutschen Inden für Hilfe lind Ausbau bemüht ist. diese Projekte, soweit es^ möglich ist, ans ihre Ernsthaftigkeit lind aus das wirtschaftliche Risiko, das der einzelne eingeht, prüfen, daß wir aber für keinen Plan, der nicht ausdrücklich von uns befürwortet worden ist, verantwortlich sind. ' In kurzer Zeit wird eigens für diese Pläne voraussichtlich ein kleiner Ausschuß durch den Zentralausschuß gebildet werden. Die Frage der Berechtigung der fristlosen Entlassung jüdischer bezw. nichtarischer Arbeitnehmer aus wirtschaftlichen Betrieben ist bebekanntlich bereits in einer großen Anzahl von Gerichtsurteilen behandelt worden. Einige Gerichte haben die fristlose Kündigmig für gerechtfertigt erklärt. Biele andere Gerichte wiederum haben dem Arbeitgeber die Berechtigung zier fristlosen Entlassung aberkannt. Einige Gerichte endlich haben, unter grundsätzlicher Anerkennung des Aorhandenseins eines die fristlose Entlassung rechtfertigenden wichtigen Grundes, in Anlehnung an Durchführungsbestimmungen zum Berussbeamtengesetz ans Uebergangszahlungen. erkannt, um soziale Härten zu mildern. Die aus die Einhaltung der Kündigungsfristen verklagten Arbeitgeber haben in der Mehrzahl der Fälle cingewandt, die Entlassung ans von außen kommenden Druck — sei es der Bvykvttstellen, sei es der Belegschaft, sei cs des kaufenden Publikums — haben autzsprechen zu müssen. Eine der für die Entscheidung der Angeßelltenprozesse rechtlich bedentsamsten Fragen ist daher die, ob ein solcher von außen kommender Druck die rechtlichen Beziehungen zweier Vertragspartner — hier Arbeitgeber und Arbeitnehmer — berühren kann. Diese Frage ist verschieden beantwortet lvorden, lvie an einigen Beispielen gezeigt werden soll. Das Arbeitsgericht Berlin hat mit Urteil vom 17. Mai i 0-3:3 zur Sache 28—31 A. E. 249/33 ausgesprochen: „Bei der Feststellung des wichtigen Grundes kommt eö nicht auf ein Verschulden an, sondern er ist auch schon dann zu bejahen, meint von anderer Leite, ob berechtigt oder nnberechtigk, gegen den Arbeitgeber ein Druck ansgeübt lvird, jüdische Arbeitnehmer zu enlfernen nnd der Arbeitgeber Gefahr läuft, wenn er sich dem Truck nicht fügt, daß in seinem Betrieb Unruhe entsteht." Zu einer anders lautenden Ansicht ist eine andere Kammer des Arbeitsgerichts Berlin am gleichen Tage, dem 17. Mai 1933 gelangt. Diese hat in der Sache 6 A. C. 354/33 entschieden: „Hierbei ist übersehen, daß sie (die Beklagte) nur zur Vornahme oder Unterlassung von Hand- Inngen gezwungen werden konnte, nicht aber zur Herbeiführung von Rechtsfolgen, lvenn die Handlungen als Rechtshandlungen nicht geeignet waren, die beabsichtigten Rechtsfolgen nach sich zu ziehen. Sie konnte unter Zwang fristgemäß kun- bi(]eu mit der Wirkung der Beendigung des Ber> tragsverhältnisseS nach Ablauf der Kündigungsfriß, weit das Kündignugsreeht ein einseitiges Gestaltungsrecht ist, für dessen Ausübung . . . der Beloeggrund unerheblich ist, sie konnte aber unter Zwang nicht mit Erfolg fristlos entlassen, . weil für die Wirksamkeit der fristlosen Entlassung der Beweggrund zu Prüfen ist. Aus der rechtlichen oder tatsächlichen Beziehung zu einem Dritten kann weder ein Anspruch noch eine Einrede gegen den vorhandenen Bertragsgegner entstehen. Ter Tritte kann Tatsachen erzwingen . und schassen, aber nicht Rechtsfolgen, diese können sich nur aus den rechtlichen Beziehungen der beiden.Vertragsparteien selbst entwickeln. Ans dem gleichen Grunde kann die Beklagte sich auch nicht darauf berufen, daß sie nach den Satzungen ihres Arbeitgeberverbandes, dessen Mitglied siehst, verpflichtet gelvesen sei, die von diesem gegebenen Anweisungen, also im vorliegenden Falle die fristlose Entlassung ausznsprechen und durchzuführen." Das Arbeitsgericht Gladbeck hachchie Frage unter dem 17. August 1933 zur Sache A. E. 284/33 beantwortet, indem es in eine Prüfung eintrat, ob der in dem seiner Rechtsfindung nnterstellten Fall behauptete, von dritter Seite ausgehende Truck rechtlich begründet war oder nicht. Es sagt: „Ter offizielle Bohtott südischer Gesd)äfte am 1. April 1933 war eine Bergeltungs- und AK wehrmaßnahme gegen die ausländische Creuelpropaganda. Er warausdrücklich aus diesen einen Tag beschränkt worden. Daraus konnte also kein Recht hergeleitet werden, die Entlassung jüdischer Angestellter zu fordern. Wenn trotzdem in dieser Richtung auf den Arbeitgeber ein Truck ansgeübt worden ist, so loar dieser Druck widerrechtlich. Ein widerrechtlich ansgeübter Truck kann aber eine fristlose Entlassung nicht rechtfertigen, selbst wenn der Arbeitgeber dadurch in eine Zlvangslage versetzt wird. . . Tenn der Arbeitgeber hat doch lvohl die Gefahr unzulässiger Eingriffe in seinen Betrieb selbst zu tragen. Ihm kann deshalb, da er der Führer des Betriebes iß. nicht das Recht gegeben werden, diese Gefahr ans Angestellte abzuwälzen." Endlich hat das Landesarbeitsgericht Bremen mit Urteil vom 5. September 1933 in Sachen Ber. Reg. 32/33 folgenden Standpunkt vertreten: „Auch ein so aus-geübter unberechtigter Truck kann einen wichtigen Kündigungsgrund bilden, zum mindesten dann, wenn der Truck aus ein schuldhaftes Verhalten des Arbeitnehmers zurückzuführen ist ls. R.A.G. Bensheiiners Lammlnng der Entscheidungen Bd. 13, L. 484, Bd. 17, L. 4 76). Wenn aber diese Grundsätze auch bei einc-M ' unberechtigten, nicht vom Arbeitnehmer verschuldeten äußeren Truck auf den Arbeitgeber angclvendet werden satten, so ist in einem solchen hier vorliegenden Falle — umso schärfer zu prüfen, ob es sich nicht nur um eine Befürchtung, sondern uni eine wirkliche Zlvangslage des Arbeitgebers handelt und, ob dieser nicht nach Treu und Glauben verpflichtet und in der Lage war, diese Zwangslage zu vermeiden. Einer unter'diesen Gesichtspunkten vorgeiwmmene.n Prüfung hält die von der Beklagten gegebene Begründung der fristlosen Entlassung der .. Kläger nicht stand." Das Landesarbeitsgerrcht prüft daun die einzelnen von der Beklagten vorgetragenen Zwangslagen, unter denen sie )'td] nach ihrer Darstellung befunden hat und stellt dabei im einzelnen fest, was von der Beklagten zur Abwendung der ihr in Aussicht gestellten Schwierigkeiten hätte unternommen werden können nnd müssen und erklärt dabei abschließend: „Wären dann an einzelnen Stellen, etwa in der Belegschaft, dennoch Schwierigkeiten entstanden. so mußte von der Beklagten aus dem Gesichtspunkte der Treupslicht gegenüber thron jüdischen Angestellten ein entschiedenes Andreren für diese verlangt lverden." ■ . (?T? fifl ffiTOTB Afft 6g?a»allss'fcggchZ'sp c.-3 Uv r» 33 Später als in verschiedenen anderen Großstädten sind die Vorarbeiten für die kulturellen Bestrebungell der Frankfurter Jtlden zum Abschluß getommen. Erwägungen, die uns die Gründung eines Kulturbundes etwa nacl> Berliner Rknster hinzielten, haben zu dem Ergebnis geführt, daß mau vorläufig von der Schaf jung einer selbständigen Einrichtung absieyk. Man hält es für angebracht, um vor Fehlschlägen möglichst gesichert zu sein, sich zunächst ans das zu beschränken, was sich ohne große finanzielle Garantien unter voller Berücksichtigung der künstlerisd)en Ansprüche des Frankfurter Publikums in die Wege leiten läßt. Znm Träger der für die nächsten Monate ln Aussicht genommenen Aeranstaltungen ist die „G e s e l l s eh a s t für j ü d i s dz e Volksbildung" gewählt worden, die, unter Erweiterung ihres bisherigen begrenzten Arbeitsbereichs, zunächst einmal allen künstlerischen Aufgaben den angemessenen Raymen schasst. In der „Frankfurt- Loge", die über zwei akustisch und stimmungsmäßig außerordentlich geeignete Säle verfügt und deren N'ebenränme auch K n r s e n und ' V o r t r ä g e n die passende Umwelt geben, lvird die Frankfurter Iudenschaft nun-- inel,r den Mittelpunkt für alles finden, lvas an sie anS dem eigenen Kreis an kulturellem Leben herangetragen wird. Mit den'mnsikalischen und theatralischen Anssührnngen soll zugleich nachdrücklich die soziale Pflicht erfüllt werden, den ans der großen Oesfeutlicchleit ausgeschlossenen jüdistchen Künstlern solveit wie nur möglich einen Ersaß zu bieten. DaS wirtschaftliche Rio in ent lvird überdies dadurch Berncksichtignug finden, daß A r b ei t sv erm i 111u icgsstell e n für alle Sparten geistigen S:chasseits, insbesondere für den Musikunterricht, eirrgerichtet werden, die shstematisd) die Kreise erschließen, auf die jüdische Künstler und Lehrer jetzt allgewiesen finb. Für die bildendem Künste wird der Boden dlirch A n s st e l l u n g e n lind Vortragsz h k l e n ansgelockert werdeil. Ersrelllicherweise haben sick) benachbarte Städte in eine Jnteressellgcmeinsd)aft mit Frankfurt begeben. Dllrd) den AnStausch der Aeranstaltungen kann es mehr unb mehr zu einer vollen Änsmltznng des orgallisatorischen Apparats kommen, und für die Austretenden werden sich dirrch.Zusammenfassungen günstigere Widungsmöglichteiten ergeben. Es bedaxf kauln der Hervorhebung, daß der „Lund für jndisck)e Volksbildilng" seinen jatznngsgemäß nmrissenen Aufgaben uod) durch intensive Pflege jüdisdstn Wissens dienen wird. Den Reigen der für die nächsten Monate vorgesehenen Frankfurter Solistenkonzerte erössnete Baßbartonist Hermann Sch eh. In diesem Sänger bindet sich zu seltener Harmonie ein von Ratur schönes, einwandfrei gebildetes Material mit klngem, kultiviertem Bortrag. Arien von Ällmdetssohll und Häirdel zeigten ihn wieder als einen der besten Vertreter deSITratvriensaches. In Liedern von Schubert und Schumann entfaltete Sehey ben ganzen Reichtum seiner von Herz und SXotf gleichmäßig inspirierten Gestaltungdnnst. Eine begeisterte Hörerschaft entließ den Künstler erst nach Gewährung mehrerer Zugaben. Am Flügel folgte Willh Salomon semsühlig den Absichten des Sängers. _ A. H—o. Gesellschaft für jüdische Boüol'UdrtUg t. Ä.» Frankfurt a. Montag, 16. ortaver d. I., 20 Uhr pünktlich, im großen Saal dce F-rankfm-L-Loge: Miißlalischdeklamatvristber Abend unter lleitung von Hermann Geiger. — RUtwirlendc: Hans Erl. Alfred Auerbach, Svsie Seliaman», Hans Assenbeim, Gerda Grnuebaiim. Aunie Ernst, Ernst Wolf. Erich Ziar Kahn nnd andere Künstler, die im Rahmen unserer. nächsten VeranftrtI<muu*H wiederhol! zu hören sein lverden. Montag, 23. Oktober d. I., 20% tthr pünktlich, im Neinen Saal der Frantst'rt-Lvge: -Vortrag Dr. Henri; Philipp: „Zeichenössische jüdische.Dichtuna in deutscher Sprache." .^Eintritt frei.) MHUt-WNLZ Ä MB°KA Die unter der Leitung von Lnz-Atartin Schein stehende jüdische Künstlervereinigung, die bereits des öfteren mit mehr oder minder großem Erfolg au die Oesfentlichleit getreten war, bot am 3. Oktober im Rtozartsaal einen weiteren Abend unter dem Titel „Bühne und Brettl". Irn Rtittelpnnlt des ersten Teiles des Programlus (Konzert) stand der Geiger Rc e x Fren - fei, der damit den guten Eindruck, den man bei früherer Gelegenheit von ihm erhalten hatte, erneut bestätigte. Tie Wiedergabe des il o I Rid - rci war eine künstlerisch ansgereiste Leistung. H a n 8 Co 1} n (Cello) bewies bemerkenswerte Technik und Gestaltmigskrast. Shmpathisd) Hanni Golz (Sopran), die die Arie der Rosa ans dem Glöckchen des Eremiten sang. Besonderen Beifatl errang Herta Lermer (Sopran) mit dem lladdisch von Strausky. Auch Mer Hart sie in hatte mit dem Aortrag jiddischer Lieder viel Erfolg. Jur zweiten Teil (Brettl) ersrenten die in Breslau nun schon bekanllten Künstler Urse l B e r l y s, Heinz Brotzen und Fritz L a ch - mann. Lachmann, eigentlich als Humorist bekannt, überraschte mit dem anSgezeichneteu Bortrag des „Ghetto". Am Beginn des Abends hörte man. daß die Klünstlervereinigung Luz-Ätartill Scheins dazu berufen ist. in Breslau eine „Jüdische Buhne" zu errichten. Deshalb sah man dem dritten Teil des Programms. der das Singspiel „Am Hochzeitstage" von E. Iacobsvhn (Musik von A. Evriradi) brachte, mit besonderem Interesse entgegen, Leider war inan enttällscht, denn die vier Rcitwirkenden Georg F e l b m a u n , H nn ui G o l z , Fritz L a ch ° m a u u und Iaino s E l s n c r konnten die Ansprüche, die au ein „Jüdisches Theater" in Breslau zu stellen wären, nur bedingt befriedigen. Sachkundige lind zielbewußte Führung und eingehende Cehuluug werden nötig sein, um den berechtigten Ansordernngen zu genilgen. Rt a r i a n n e Sck) iff und B e r t Durra begleiteten den Abend ausgezeichnet am Flügel. Ablehnend muß über einen Theaterabend jüdischer Künstler berichtet lverden, der am 1. Oktober im Saal der früheren Odd-Fellvw-Loge stattfand. Artstur Ki.es er' brachte sein Drama „Ter Sonne Basalleil",.ein Ätärchen vom Morgen, vom Alittag und Abend zur Aufführung. Helmut, ein „Sonnenmensch", fällt dem Ansck)lag des schwarzen Tom, des ..Snmpsmenschen", znm Opfer. Weder die „Köliigill Sonne", noch ihre Tochter, noch Ilse, das irdische Mädchen, die ihn alle lieben, oennmvn ihn zu retten. Das ist der Inhalt der Fabel, die fast- und kraftlos geschrieben ist und von einem tieferen Gedanken nichts zu etfennen gibt. Tie Untermalung mit Beethvvenscher Musik (da^ ganze ist eine Art Melodrama) macht das Stück leider nicht besser. Rach der Art der Presse-Rellame mußte etlvas besonderes erlvartet werden. Aul dieser Darbietung kann man sick) ernsthaft nicht auseinandersetzen. Hans Baron veranstaltet am 15. Oktober im Btv,zartsaal in Breslau sein ziveiieS .Nvnzerc jüdisckjer <üünstler mit dem Pianisten P r o s c s s o r Georg 5Ö er traut, dem bekannten Cellisten des Pezniak-Trios I a s ch a B e r n st e i n lBreslau ,. unb der Sängerin S u s anne Stein von der Oper des ^liltlirbundes beuti'djer Juden, die voriges Jahr an der Breslauer Oper wirkte. vMUt AlrsbsrM MWrhss Ter bekannte Romanschriflstellcr Artur Landsberger ist freiwillig aus dem Leben geschieden. vLandsbcrger, der im'Jahre 1876 zu Berlin geboren bvurde, hat mit seinen Unterhaltungsromanen, die . das gesellschaftliche Treiben des Berliner Westens schilderten, eine hohe Anflagezisfer erreicht. Tie Ehrfurcht vor dem Toten kann uns nicht von der Feststellung abhatten, daß die Rvmatlprvdnüiou Landsbergers den jüdisct.en Belangen lehr abträgtia; gewesen ist. Geiuiß emsprach dets keineswegs feiuee Absicht. Ter philosophisch und kunügeschiehtlich ge-' bildete Rtauichwollte im Gegenteil sittlicher Reformator sein, ^ein Erstlingswerk „Wie Hil'd-e Simon mit Gott und dem Teufel kämpfte", das für sein weiteres Schaffen maßgeb lieh blieb, beanspruchte ein Bildungs- und Erziehungsroman zu sein. Inn Rtitlelpnnkt stand die rührend schöne und edle Gestalt der Hilde Simon, einer Nachfahrin der Iettchen Gebert: um sie her die Fäulnis eines Berliner jüdischen Westens, der in einseitiger'Berzerrung nur in seinen abstoßenden Zügen dargestellk wurde. Tas avbeitfame _ nnd ehrenhafte jüdisch Bürgertum Berlins hielt Landsberger anscheinend nicht l/A' schilderungswert. Tie künstlerisch unzulängliche Gcstalumgskrast vermochte die sittliche Nesormteiideß; nicht klar zur Geltung zu bringen.

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