Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 37 (28.9.1933)
- Date
- 1933-09-28
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ff" ’i \/ / / ■ »i ( |»sr-1 «s-//pn^ ,’nnnn N 37 \3ö wo LJOÜuU U lAj n. Beilage Das WmLMPNSgraMM öes ZSNLralaWsfchUffSL Bei der Reichsvertretung der Landesverbände der jüdischen Gemeinden ist der Zent r al a ns schuß der deutschen Juden f ü r H i l I e und A n f b a n gebildet worden, über dessen Wirten wir in diesen Blättern schon mehrfach berichten konnten. Im Zcntralausschiiß arbeiten nicht nur die führenden jüdischen Hilfsorgauisatioueu, sondern auch die großen jüdischen Verbände, voran der bentrawerein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mit. Dem geschästssührendcn Ausschuß des Zeutralausschusses, also in der Instanz, die alle Arbeiten des Zentralausschnsses vorbereitet, gehört der Dr. Ludwig 2ich an. Der Zentralausschuß hat jetzt ein Anbei t s P r o g r a m m ausgestellt, nach dem vernicht werden soll, das Aufbauwerk für das deutsche Judentum durchznführen. Die Ereignisse der letzten Monate, die die Veranlassung zur Bildung dieses Zeutralausschusses waren, lasten zwar heute die endgültige Entwicklung noch keineswegs übersehen, aber sie gestaiten es auch nicht, daß man die Hände ein jach in den Schoß legt. Die führenden Männer dieses Gremiums sind sich völlig der Tatsache belmißt, daß viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte nötig sind, um die deutschen Juden wieder in glücklichere 'Verhältnisse auf festfundierter Basis zu führen, trotzdem wissen sie, das; mit bem Rettungswerk nicht gezögert werden darf, .kulturelle, soziale und wirtfchaftliche Ausgaben sind zu lösen. Der Arbeitsplan, den der Jentralausschus; aufgestellt hat. lvill f onstrultive 9Ji a ß n a h m e n treffen. In den letzten Wochen ist auf den verschiedensten Gebieten wertvolle Arbeit geleistet worden, und wenn es auch nur galt, die Menschen, die Plötzlich ihre Eristenz verloren hatten, zu beraten und vor dem Aergjlen zu behüten. In diese Arbeit schaltet sich auch die Bmatungsstellc des E. Vein. Aber noch gibt f* sehr viel mehr zu tun. Das neue Jahr sieht deshalb den Zcntralausschuß und alle ihm angehörcnden Organisationen v o r n c u c n g r o ß e n A u f g a b e n. Im ganzen Reich soll das H i l f s w e r l für die von den Nöten dieser Zeit betroffenen deutschen Juden a u s g e b a n t tverden. Infolgedessen erfordert die Wohlfahrtspflege eine besondere Aufmerksamkeit. Sie wird all denen helfen müssen, die noch keine neue Eristenz gefunden haben, wobei zu berücksichtigen ist, daß viele von ihnen ihr Leben bisher auf einem verhältnismäßig hohen Niveau führen konnten. Die Zentralwohl- Sportplatz Jüdischen Gemeinde der Jüdischen Schule auf dem * m Des MMM lllffttiilite Von 3nfen$ant Dr. ümt Singer Am 1. Cfiuhcr tritt der .Kulturbund deutscher üuden mit der Aufsuhrung vvn ..)!c»than der Weise" tu>r die Berliner Ccffcntlidifeit. Ter Kulturbund deutscher Juden beginnt fcme Arbeit. Da mag cs angebracht fein, die Stationen seines Werdens rückblickend zu schildern lntb seine Ziele vorwärtsschanend noch eimnal ztl nmreißen. Vielleicht rütteln wir dadurch jene drei Gruppen deutscher Juden aus, die noch außerhalb unserer Pläne und unserer Bundesgemeinschast stehen: die ewig Zögernden, die ewig .drittelnden, die ewig Aengstlichcn. Wir dürfen heute offen, streng und laut sprechen, denn das Werk steht in seiner Organisation, feinem Grundriß und feinem Fnndamcnt fest da. Nicht in seiner Weite und Ausdehnung. Wir tverden Schritt für Schritt Gebiet und Grenzgebiet der deutschjüdischen Kultnrinteresscn abschreiten. bis wir nach Plan. Gehalt, Bau und Erfülltheit ein wahrer Gcmeinschastsbund geworden sind. Die größten Schwierigkeiten sind überwunden, die loyalen Erklärttngen der Regierung, sowohl bet der Genehmigung des Bundes, seiner Rechte und Psiichten, als auch in der Oeffentlichkeit haben uns in den Stand gesetzt, drei Monate lang für das Werk zu werben, drei Monate Tag- und Nachtarbeit in das Gelingen unserer Idee zu investieren. Ich muß meinen Mitarbeitern und Helfern, vom Regisseur bis zum Bühnenarbeiter, vom Verwaltungschef bis zmn Boten, öffentlich danken für die unerhörte, beispiellose Mühe, die sie an die Aufgabe gewandt haben. Nur dieser Idealismus aller für alle hat uns vorwärtsgebracht. - - In den Tagen, da wir Inden mit schwerer Einbuße unserer bisherigen Arbeitsfreizügigkeit rechnen mußten, Anfang April, kam der junge Regisseur Kurt Baumann mit einem Organisationsplan zur Gründung eines Thaters und einer Mitgliederorgauisation zu mir. Ich hatte einen ähnlichen Plan ausgearbeitet und überreichte beide zur Prüfung Herrn Rabbiner Dr. Bacek. Mit der Besürwortirng durch ihn zog ich zu ersten Besprechungen führende Männer jüdischer Organisationen heran. HebernII war Wille zur tätigen Hilfe und Mitarbeit vorhanden. Uebcrall brach durch alle Skepsis eine Hoffnung produktiv durch. Ein Arbeitsausschuß formulierte Statuten, ein anderer bereitete Werbeabende organisatorisch, ein anderer künstlerisch vor. Ich überreichte offizielle Anträge zur Genehmigung des „Kulturbundes deutscher Juden" bcu" verschiedenen Regierungsstellen. Die Entscheidung darüber wurde von dem Herrn Ministerpräsidenten dcnt Kultusministerium übertragen, in dessen Ressort der Präsident des preußischen Theaterausschusses, Staatskommissar Hinkel, zum Teil durch Vertreter, zum Teil persönlich die Verhandlungen führte. Gleichzeitig habe ich dem Polizeipräsidium und dem Propagaiidaministerium — hier dem Präsidenten der Theaterkammcr, Ministerialrat Laubinger — über den Stand der Rücksprachen fortlaufend Mitteilung gemacht. Im Jtili tvurde mir die Genehmigung zur Gründung des Kulturbundes und zur Pachtung eines Theaters erteilt unter der Bedingung. daß nur Inden Mitglieder des Bundes seien, und daß nur Mitglieder Zutritt zu den geschlossenen Veranstaltungen haben dürfen. ' Ein Kartenverkauf darf in keiner Form stattsinden. Es ist selbstverständlich, daß wir diese Bedingungen annahmen und ihre strikteste Durchführung garantierten. Es kamen die Werbcabende in den Synagogen, mehr als 10 000 Menschen hörten, was die Herren Rabbiner Baeck, Prinz, Warschauer, Wiener zum Thema des religiösen Juden-' Problems, was Bab. ßilteniljaV ich selbst, zu organisatorischen und künstlerischen Fragen des Bundes zu sagen hatten. Die Stimmung dieser Abende, deren Gelingen den Künstlern und dem Entgegenkommen der Jüdischen Gemeinde zu danken war, ist uns unvergeßlich geblieben. Hunderte von Interessenten gaben Narnon und Adresse bekannt. Ende Juli konnten wir, über Wünsche und Hoffnungen vieler Tausender orientiert, unsere Werbeschrift verschicken. Tie Wirtschaftshilfe. der E.-V., die Eentralwohlsahrtsstelle der.Jüdischen Gemeinde und andere stifteten -uns Einzelbeiträge, Förderer setzten sich helfend für unsere Arbeit ein. Im Juni hatten mir in meiner Privatwohnung mit primitivsten geldlichen Mitteln ein ..Büro" eröffnet, das zuerst fünf, später zwölf Menschen beschäftigte. Dann begann die Werbung. Persönliche, literarische, aunoucemnäßige, durch Berichte au die jüdischen Blätter, durch Pressebesprcchnngen. durch enge Zusammenarbeit mit der Künstlcrhilse, durch Vorträge, durch Zusammenschluß mit den Jugendorganisationen, den Logen, dem Frauenbund. Mit großer Bereittvilligkcit stellten sich uns die Zeitschriften, „E. B.-Zeitung", „Jüdische Rundschau", „Hamburger Fnmitteublatt", „Jüdisch- Liberale Zeitung", „Schild" und andere zur Verfügung. Auch ihnen, unseren einzigen Vermittlern zwischen Bund und Publikum, gilt heute unser Dank. Inzwischen tvar der Ruf des Kulturbundes auch zu den deutschen Juden außerhalb Berlins gedrungen. Die Interessengemeinschaft der großen Provinzstädte mit unseren Bestrebungen tvnrde durch Rat und Informationen, durch das Streben, vorbereitend mitzuhclsen, gestützt. Der'Gedanke, die gesamten Kulturbünde der deutschen - Juden-einheitlich zu formen, von Berlin aus als Zentrum, mit Zweigstellen in den verschiedenen größeren Städten, wurde - nachdrücklich begrüßt, seine Verwirklichung aus einen späteren Termin verlegt. In -jedenk Fall ' ist die Anregung, die von der bloßen Existenz, des Kulturbundes ausging, eine außerordent- - Uche. gewesen.- Vielleichtkann aus einer lokalen Organisation allmählich eine Reichsorgann satiun werden. Dann sind auch die praktischen Möglichkeiten, für viele vieles zu wirten, größer. Unser Programm — Theater, Konzerte, Vortrüge — hat viel Beifall gefunden. Daß die Politik keinen Eingang in die Methoden und Inhalte unserer Arbeit haben sollte, war erste Voraussetzung. Darimer hinaus aber muß betont werden, daß der Kulturbund sich auch nicht um innerpolitisctze jüdische Angelegenheiten kümmern kann. Wir wollen, müssen und werden unparteiisch, überparteilich sein: wohl gehört die Gestattung jüdischen Denkens in der Umformung unseres Seins, in der veränderten Situation unseres künstlerischen Lebens, wohl gehören Geschichte, Ethos und Psychologie des jüdischen Volkes zu unserem Programm. Das; wir betonter als ja zum Judentum stehen, ist selbstverständlich, daß mir in unserer Arbeit dem spezifisch jüdischen Schassen in Drama, Musik und geistiger Belehrung einen Platz einräumen, halten wir für höchste Pflicht und höchsten Gewinn. Daß mir der Kultur deutscher Geistes- und Kunstherocn verpflichtet und verbunden sind, braucht nach unserem Bekenntnis, deutsche I u d ejt zu sein, nicht erst betont zn werden. Also ein Kompromiß? Ja! Aus fester, unbeugsamer, ehrlich bekannter Gesinnung heraus. Diese Gesinnung, dieser Wille, ein kulturelles Band um die noch so verschiedengearteten Ueberzeugungen aller Juden zu knüpfen, soll uns führen, soll die heute noch lockeren Beziehungen von Bund zm Mitgliedern festigen, soll überhaupt erst die Möglichkeit einer Jdeengemeinschast schassen. , Grundsätzlich werden nur Juden für Indem Mitarbeiten, mitschassen. Die Leistung soll entscheiden, nicht die Beziehung. Bei gleicher Bewertung verschiedener Kräfte wird der - deutsche Jude vor dem ausländischen, der Berliner vor dem auswärtigen, der sozial ruinierte vor dem bessergestellten den Vorzug haben. Daß ein auf so breiter Basis stehender - Bund einer einheitlichen Führung lMars« die