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Central-Verein-Zeitung · 1933-09-20 · 36 (20.9.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
36 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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/Anf/nnnn 30 wSX^s^yüiyjyy^j 2. so»«^ Bon Or. §rih fismim ■ „Winterhilfe — Inbegriff aller Maßnahmen van seiten der karitativen Verbünde und der Behörde»;. um das Las der natleidenden Bevölkerung wahrend der kalten Jahreszeit zu erleichtern." Sa bestimmt Meyers Leritan im eben erschienenen 15. Band den Begriff, der zu einein festen Bestandteil aller Fürsorge geworden ist. Rüt welch' starken Mitteln die Reichsregierung den Kampf gegen junger und Külte ausnehinen will und in welchen Umfang hierzu bereits Spenden eingegangen sind, ist durch die Tageszeitungen bekanntgeworden. Den Wcrberuse»; muß jeder folgen. Das che fühl der Opferbereitschaft wird in uns Juden verstärkt durch das Herannahen der hohen Feiertage. an deren einem uns das Propheteuwart des Jesaja wieder mahnt, dem Hungrigen das Brat zu brechen, den Nackten zu bekleiden, den llmherirrenden in das Haus zu führen. Blag in Jahrtausenden Farm und Methode der Hilfe gewechselt haben, der Inhalt ist der gleiche geblieben. Brat, Kleidung und Obdach stellen das Mindestmaß dessen dar. »aas der Mensch zum körperlichen Leben braucht. Sa ist es Aufgabe jüdischer Wohlfahrt. der chemeiuden wie der Vereine, zunächst einmal dafür zu sargen, daß den Bedürftigen diese drei Lebeiwbediugungen erfüllt werden. Mit welchen Mitteln kann die Lösung dieser Ausgabe versucht werden? Daß Arbeitsbeschaffung oder wirtschaftliche Aushilfe an erster Stelle stehen, bedarf kaum der Erwähnuug. Aber es ist ja gerade das Zeichen der Winterhilfe, daß sie vor allem eine Hilfe für Erwerbslose sein soll. So bleibt dafür nur die Aufbringung von materiellen Bütteln. Geldsammlungen, die Über einen geschlossenen Mitgliederkreis hinansgchen, bedürfen Polizeilicher Genehmigung. Ihre Durchführbarkeit ist örtlich bedingt. Winterhilfe wird sich aber aus praktischen Gründen zunächst nicht in der Bewilligung von Geldspenden darstellen, so sehr auch sonst die nach sa kleine Barnnterstützuug die Anerkennung der Persönlichkeit des Bedürftigen bedeutet, der über den Betrag frei verfügen kann. Die Hilfe durch Sachwerte — Lebensmittel, Kleidung, Kohle — ermöglicht einmal die Beschaffung im ganzen mit der durch sie errcicl)leu Herabsetzung der Anschaffungskasten, sodann aber die Gewähr der sachgemäßen Verwendung. Aber auch hierbei darf nicht allzu schematisch verfahren werden. Sa werden Speisungen immer nur für solche Personen in Frage kannnen, die keinen Haushalt führen, insbesondere Ledige. Sonst ist darauf zu achten, daß die eigene warme Wohnung für die Familie vielleicht den letzten Zusammenhalt darstellt. , Deshalb gewinnt die Lebensmittelversorgung erhöhte Bedeutung. Sie wird erleichtert durch die sogenannte Pfundfammlnng, d. h. die Abgabe van Pfunden van Lebensmitteln, die manchem Spender, und namentlich der Hausfrau leichter füllt, als die Geldspende. Der Freitisch in der eigenen Familie, zwar alter jüdischer Brauch, ist heute ein zu problematisches Hilfsmittel, als daß es allgemein empfahlen werden kann, nur bei voller Rücksichtnahme ans die Person des. zu Speisenden scheint er möglich. An seiner Stelle wird die Abgabe van Essen van Familie zu Familie wirksamere Hilfe bedeuten. Mehr und mehr müßte aber auch zur allgeuwinen Nachbarschaftshilfe übergegangen werden, durch die im einzelnen Hause den hilfsbedürftigen Familie»; durch die übrigen in allen Notständen geholfen wird. Diese letztgenannten Hilfsfarmeu bieten insbesondere den Frauen in den jüdischen Orgauisatiancu ein dankbares Betätigungsfeld neben der sonst üblichen Arbeit in Mittelstands- und Wahlfahrtsküchen. In Berlin ist die Versorgung mit Braten, Kahlen und Kleidungsstücken dank der Initiative von Heinrich Stahl innerhalb der jüdischen Gemeinde zu einem wesentlichen Faktor der Hilfe geworden. Mengen und die Zahl versorgter Personen wollen wir nicht betrachten, damit nicht der Gedanke aufkvmmt, die Gemeinde werde schon für alles sargen. Weder darf der Bedürftige so denken, der fremde Hilfe erst in Anspruch nehmen soll, wenn alle anderen Möglichkeiten unzulänglich sind, nach viel weniger der, der zu Helsen imstande ist, denn er muß sich darüber klar sein, daß gegenüber der herrschenden Not nicht genug geholfen werden kann, daß er in sich die sittliche Pflicht fühlen muß, die Fürsorge der Gemeinde durch eigene Spenden 311 stärken und zu vervollständigen. Nun sind dem einzelnen gerade in diesen Tagen wüeder viele Ausrufe van Vereinen zugegangen, die sich anläßlich der Feiertage an das gute jüdische Herz wenden. Wie soll er sich ihnen gegenüber verhalten? Wer langjähriges Vereinsmitglied ist, wird natürlich seinen Verein bedenken. Aber jedes Mitglied eines Wohlsahrtsvereins müßte mehr als je prüfen, ob die Arbeit seines Vereins auch zeitgemäß und sinnvoll ist, d.h. nicht nur ein planloses Almosengeben darstellt, sondern mit der örtlichen indischen Wohlfahrtszentrale zusammen arbeitet. Allgemein werden Einrichtungen der Anstaltssürsorge eine größere Gewähr für geordnete Arbeit bieten als bloße Unterstützungsvereine. Tie Anstalten, deren Häuser schon die Aufmerksamkeit auf sich lenken, stehen nun einmal unter erhöhter öffentlicher Kontrolle, und ihre Wirtschaftsführung ist heute kaum ohne irgendeine Beteiligung der Gemeinden durch Subventionen vder Pflegegeldzahlung denkbar. Es kommt hinzu, das; sie alle mehr oder weniger Not leiden und ans Beihilfe!; angewiesen sind. Dem Einzelgesuch eines Bittstellers gegenüber soll der in Anspruch Genommene namentlich unter den für ihn nicht ülvrsehbaren Verhältnissen der Großstadt vorsichtig sein. Dringend abzuraten ist vvn einer Spende auf Sammellisten unbekannter Personen. Auch Empfehlungen entheben nichr der Nützlichkeit weiterer Prüfung. Es kann hierbei nur immer wieder der Nat wiederholt werden, sich der Zentralausknnstsstellen der jüdischen Gemeinden zu bedienen. Das gilt nicht nur für Einzelpersonen, die Helsen wollen, sondern ebenso für Vereine und Organisationen, nicht nur, um — wie man es in vergangenen Jahren betonte — Doppeluuterstützunaen zu vermeiden, sondern um aufgebrachte Büttel möglichst sparsam und an möglichst viele Bedürftige zu verteilen. Aber der Mensch lebt nicht Vom Brat allein. Bei aller Sarge für die äußeren Lebensbedürfnisse darf an die geistige und seelische Not nicht vergessen werden. Ihr abzuhelsen, werden in erster Reihe Rabbiner und Lehrer berufen sein. Daß an allen Hilfsmaßnahinen die jüdische Jugend teilnehmen soll und muß, ist selbstverstäudlicli. Hier kann sie zeigen, daß es ihr um die Mitarbeit in der Gemeinde ernst ist. Jeder von uns mag sich aber bewußt sein, daß gegenüber der Rvt nicht Klagen und bängliches Schwanken gilt, sondern daß sie nur bekämpft werden kann mit ganzen; Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft. die Pflicht zur Tienswereitschaft — bleiven ober Ich bin beurlaubter Beamter. Welche Nebenbeschäftigungen der Beamten sind zurzeit genehmigungspflichtig? Aach den T u rchfü h r u ug sbe st i m m u n ge n vom 29. August >911 (Reichsgesotzbkatt I, S. 912) zum Gesetz zur Aeuderung von Vorschriften auf dein Gebiete des allgemeinen Beamten-. des Besvldnngs- und des Bersorgiiilgsreehts vvin 20. Juni ]!»:| jReichsgesetzbliitt 1, 8. -IM) gilt als genehmiguugspstiech tige Nebenbeschäftigung der Beamten jede Tätigkeit, bei welcher durch Arbeitsleistung irgendwelcher Art eine Vergütung erzielt wird. Vvn der Genehmignngs' Pflicht sind ausgenommen freundschaftliche Hilfe, bei der eine Vergütung in Geld uicht gewährt wird, soweit diese Tätigkeit nicht aus dienstlichen Gründen untersagt ist. sowie einzelne Nebenbeschäftigungen geringen Umfangs, für die Vergütungen im Werte bis zn :U> Mark gewährt werden, wenn sie nicht öfter als fünfmal im Jahr ansgeübt werden. Ten gesetzlichen Bestimmungen über Nebenbeschäftigung der Beamten unterliegen mich ärztliche, tierärztliche und zahnärztliche Beamte, denen jedoch bis zn einer besonderen reichsgesetzlichen Regelung die Aus- Übung der Privalpraris gestattet werden kann. Bereits erteilte Genehmigungen sind »achzu- Prüfen. Wird eine früher erteilte Genehmigung auf Grund der Nachprüfung widerrufen, so kann' dem Beamten eine angemessene Frist zur Lösung eingegangener vertraglicher Verpflichtungen beivilligt werden. Ich bin Beamter im einstweiligen Ruhestand. Finden auf mich die neuen Vorschriften über genehmigungspflichtige Nebenbeschäftigung Anwendung? Nach § 19 des Gesetzes vom >10. Juni 1911 finden diese Vorschriften auf Sie keine Anwendung. Tie allgemeinen Beamteupflichten — insbesondere auch uuberührt. Ich bin Ruhestandsbeamter und beziehe Ruhegeld. Kann ich das Ruhegeld weiter erhalten, wenn ich meinen Wohnsitz aus zwingenden wirtschaftlichen Gründen ins Ausland verlege? Bisher konnten die TewiseubewirtschaitiiM!-'- stellen die Genehmigung zur Verfügung über lausende Versorgungsbezüge aus öffentlichen üaü-'u. Vensionsbezüge.' die aus Privatrechllicheii Verträaeu In'nilu'ii, Uulerhaiisrenlen. Ver sichern iig-wimmi: und ähnlielie regelmäsüg iviederkehrende. dem Lebe, unterhalt dienende Zahlungen nur .dann erteilen. RH'iin der Antragsteller bereits vor Inlrafitre'.ea der Tcviseiwerordnuug seinen Wohnsitz dauernd;;i Ausland gehabt hat. Tureh Ruuderlah oour 2*. August 1911 hat der Reichswirtschaitsmimüer nunmehr bestiuunt, das; solche Geuehnügungeu auch Nenausioandereru erteilt werden tönnen. wenn :>.<• Uebersiedlung nach den; Ausland durch beiaudeee persönliche Umsiäude gerechtfertigt ist and nu oe"> sehen Interesse liegt. Tiefe Voraussetzung ist bei der Abwanderung von Nichtariern gri,»dfät.:lich a> b. jähe». Tie Anhörung der Ansioaiidercröeriu.nigs stelle ist nicht erforderlich, ioenn neben dem Realen bezug Mitnahme von Kapital nicht beantragt ward Bei der Prüfung. ob die Beträge eine,, angemessene,! llinsang nicht übersteigen, soll berücssielitigt lvi-rde». ob dein Antragsteller ausländisches Eiutvmuieu aus anderen Sueben zur Verfügung steht. Bei Beamten sind noch besonders di. Vorsehristen der Tritten Verordnuiig des Reiel>svr.ä'. deuten bom 0. Oktober 19-',1 lReichsgesetzl'l. \. c. -v;7i zu beachten, wonach das Recht aus den Bezugvon Wartegeld. Ruhegeld. Hinterbliebenelibezüge enhl. solange der Bezugsberechtigte ohne Zustimmung der obersten Reichs- oder Landesbehörde seinen Watm- Auß dem »Mchrn Schrifttum Zwei Brüder wohnten aus dem Berge Piorisa. Der eine war Vater van Kindern, der andere, der ältere van beiden, war kinderlos. Beide befaßen auf diesem Berg ein Feld. Sie pflügten und besäten es gemeinsam, und zur Erntezeit teilten sie den Ertrag in gleiche Teile, indem sie die Getreidegarben in ztvei' Haufen ausschichteten. Eines Nachts konnte der Acltere nicht schlafen, und er dachte bei sich: Mein Bruder ist Familienvater, ich habe keine Kinder, wie darf ich eigentlich einen ebenso großen Teil von; Ertrage des Feldes für mich nehmen wie er? Das habe ich nicht recht gemacht. Er erhob sich van seinem Lager, nahm eine Anzahl von seine»; Garben unb legte sie heimlich ans den Hausen seines jüngeren Bruders. Tann legte er sich wieder hin und schlief ein. In eben dieser Nacht wachte auch der Jüngere aus seinem Schlafe auf, er weckte seine Frau und sprach zu ihr: „Ich habe gerade an meinen Bruder gedacht; er ist kinderlos, wer wird für ihr; sargen, wenn er alt geworden ist? Uns hat Gatt Kinder geschenkt, wenn sie herangewachsen sind, werden sie unsere stütze im Alter sein; aber mein Bruder, wer wird sich seiner annehnren, wenn die Jahre des Alters gekommen sind? Heute erst habe ich ebensoviel vom Getreide genommen wie er! Nein, das ist nicht recht." Da stand auch er ans, trug heimlich von seinen Garben aus den Hausen seines älteren Bruders und kehrte dann in sein Haus zurück. Am nächsten Morgen standen beide Brüder auf. sie sahen ihre Garbenhausen, und siehe du, sie waren unverändert. Da wunderten sie sich, sagten jedoch nichts zueinander. In der folgende»; Nacht machten sie es wieder wie in der Nacht zuvor; einer wußte vom ander»; nichts. Als sie an; Morger; ausstanden, fanden sie ihre Haufen so, wie sie gestern und ehegestern waren. Sie wunderten sich und erzählten einander nichts. In der dritten Nacht, um Mitternacht, es war um die dritte Stunde, da nähme»; sie wieder Vvn ihren Garben m;d trugen sie zu den; Hause»; des andern. Unterwegs trafen sie sich, während sie beide gerade die Garben trüge»;. Da fiele»; sich beide um den Hals und weinten still, »veil jeder die große Güte und Liebe des anderen erkannte. Sie ließen ihre Garben an dieser Stelle stehen und kehre»; heim — niemand sah sie. Doch Gatt blickte vom Hirnmel, seiner heiligen Stätte, herab, und als er die beiden guten Brüder sah, sprach er: „Heilig, heilig sei nur dieses Feld." Das »var der Ort, auf dem Israel einst dm Tempel des Ewigen in Jerusalem baute, daS Heiligtum des Herrn der ganzer; Welt. Nach Erreichung der gesetzlichen Altersgrenze ist der ordentliche Professor der neueren deutschen Literaturgeschichte an der Universität Berun, Max Herrmann, in den Ruhestand getreten. Mit ihn; scheidet em akadenuscher Lehrer aus den; Lehrkörper der Universität, der in langen Jahren viele Geschlechter deutscher Germanisten für ihren Beruf herangebrldet hat. Herrmanns ebenso gündliche wie geistreiche Art des Vortrags, die von der sprichwörtliche»; Trockenheit des akademischen Doacuten nichts verspüren ließ, machte ihn zu einem der gesuchtesten Vertreter seines Faches. Namentlich seine Vorlesungen über die Geschichte des deutschen Dramas und über die deutsche Romantik haben immer wieder zahlreiche Studierende angclockt. Die Spannweite seines Vorlesungsprvgramins tvies eine um« fasse»;de Vielseitigkeit auf: einerseits lehrte er die Elemente der gotischen Sprache, anderseits las er wohl als einer der ersten über Gerhart Hauptmann. Tie sprudelnde Lebendigkeit seiner Erkenntnisse und seines Wissens trat aber besonders in seinen literarhistorischen Uebungen in die Erscheinung. Hcr»»la»;n wurde im Jahre 1805 in Berlin geboren. In der Blütezeit des Naturalismus empfing er feine geistige Prägung. 1891 habilitierte er sich an der Universität seiner Vaterstadt; erst im Jahre 1919 wurde er zu»;; außerordentlichen, 1910 zum ordentlichen Professor ernannt. Zunächst wandte er sich der Erforschung des deutschen Humanismus zu. Durch sein Werk „Albrecht von Eyb und die Frühzeit des deutschen Humanismus" sowie durch . die Ausgabe der deutschen Schriften Eybs trat der erste Abschnitt der deutschen Literatur der Neforinativl;szeit unter einen neuen Gesichtspunkt. Von seinen; Vater, dem Theaterdichter Louis Herrmann, hatte er die Leidenschaft für die Bühne geerbt. Diese Neigung führte ihn zur deutschen Theatergeschichte. 1914 erschienen feine „Forschungen zur deutschen Theatergeschichte des Mittelalters und der Renaissance", sie bilden das allgemein anerkannte wissenschaftliche Hauptwerk seines Lebens. Seine Darstellung der Meistersingerbühne des Hans Sachs verwickelte ihn in eine wissenschaftlich höchst fruchtbare Auseinandersetzung mit Albert Köster, dem verstorbenen Leipziger Literarhistoriker. In dem Theaterwissenschaftlichen Institut der Universität Berlin, das er als Direktor leitete, empfingen viele Dramaturgen und Regisseure eine theoretische und praktische Schulung. Auch als Herausgeber der Jahresberichte für neuere deutsche Literaturgeschichte und als Mitarbeiter der Cottaschen Jubiläumsausgabe von Goethes Werken hat sich Herrmann bewährt. Ihm zur Seite steht seine gleichstrebende Gattin Helene Hcrrnmnn. die sich durch ihre feinsinnigen Studien zu Heines Rvumuzero und andere literarhistorisch-kritische Arbeiten ebenfalls die Schätzung, der Fachwelt erworben hat. Aiax Herrnnmn ist bester Tppus des dein scher; Juden, der. ahne Tank und Anerkennung zu erwarten, seine Krä^t im Dienst der deinscheu Kultur schweigend verzehrt. Wer den ersten Bond der Lebeiiserinnerimgen Schwnryt» Lev ins „Rindtzeit in Gril", die meiüerhaste Schilderung einer Iuzend im jüdischen Müi.m einer kleinen rnssischeu Stadt gelc-se»; hatte. war»e:e mit Spaminng auf die Fortsetzung. Jetzt liegt 8>n Weite Band vor (..Jugend im Ausruhr". Rv'vonU- Verlag. Berlin). Er schildert die EiUwicteluug des heraiuvachsendeu Menschen, der die Zentren lüöifdi russischen Lebens durchwandert und in Berlin die erste Berührung mit westlichem Judentum erleb». Ter Zauber einer überaus lebendigen Tarstehung trägt auch den neuen Baud. Tem heutigen Leier geht die schicksalsschwere Atmosphäre der achlzia.r Jahre, die den Ausdruck) der ersten cküuzroine brachten, besonders nahe. Tas Buch bestätigt die alte Erkenntnis: eg gibt nicht nur ein einiges jüdisches Tchiclsal, es gibt atich — im Positiven wie in; Negatwcn — eine immer gleiche jüdische Reaktion auf die Schläge des Geschickes. Vögelstranß- Politik, Mangel an wirklichen; Führertum und Uneinigkeit, ein uns nicht fremdes Bild. Ans der anderen Seite Schictsalszeit als Gelmrtssiunde jüdischer Selbstbesiunuicg und Neugestaltung, der immer gleiche Segen, den Judentum und jüdisclies Leben aus schweren Tagen geschöpft Haber». Um dieser Erkenntnis »villen wird das Buch Schinarha Levins auch von den», der ihm nicht inuncr in allen feinen Urteilen zu folgen vermag, mit Geivinn gelesen werden, Fr. Br.

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