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Central-Verein-Zeitung · 1933-09-20 · 36 (20.9.1933) · p. [Seite]

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
36 (20.9.1933)
Date
1933-09-20
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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? Platz tttt Produktionsprozeß noch behaupten konnte, nicht als „Inhaber", sondern als! „Halter" dieseZ Platzes zu werten ist. Der verengerte LeLensraum verlangt Sondcrmaßnahmen, die, in einem Arbeitsplan zusammengefaßt, das Leben jedes einzelnen deutschen Juden völlig umgestalten. Je nach dem Grade der Gefährdung wird der jüdische Großstädter für den Kleinstädter und oer Aeltere für den Jüngeren, immer unter materiellem Gesichtspunkt betrachtet, einsatzbereit na» damit auch abgabepflichtig sein müssen. Der Grimdsatz „Gemeinnutz vor Eigennutz", der im „Volk ohne Raum" entstanden ist," wird auch für die deutschjüdische „Gemeinschaft ohne Raum" richtungsweisend werden, wenn sie überhaupt erhalten bleiben null. Die klare Erkenntnis, daß bei aller Einfifirnnfimii der vorhandene Lcbensraum in Deutschland für alle nicht ansreichcn wird, bat viele junge Inden zu einer frühzeitigen Auswanderung veranlaßt. Die jetzt schon sichtbar werdenden Erfahrungen dieser Auswandcrung zeigen, daß auch hier eine Systematisierung unter deutschjüdischen Gesichtspunkten notwendig wird. Ter innere Zusammcnhang mit deutschem Sein wird vielfach gerade bei dem Auswanderer offenbar. Das Fehlen jeglichen Zusammenhanges erschwert ihm jedes selbst inatcvicüc Wnrzelsassen in einer anderen Hingebung. Die Arbeit für den zur Auswanderung bereiten jungen deutschen Inden kann deshalb nur von der im Lande verbleibenden deutsehnidischeu Gemeinschaft innerlich verknüpft geleistet werden. Sie wird die Schaffung eines im Auslande arbeitenden deutschen Jndent!->us zum Ziel haben, dessen Arbeit solange mit der durch die staatlichen Gesetze des Deutschen Gleiches bedingten Einschränkung als ai!->landsdeutsch angesehen werden muß, solange die Verbundenheit mit einer irr D entschland vorhandenen dentschjüdischen lüemeinschast möglich ist. Die nüchterne Fcstsielluug. daß diese Verbundenheit verloren ge>ien kann, wie sie auch bei nichtjüdischcn Auswanderern ans Deutschland verloren geg,äugen ist, nub daß die Gefahr dieses Verlustes bei dem setzt answandernden dentschn'idischen Menschen deshalb viel größer ist, weil die für das Bekenntnis zum Deutschtum notwendige Quelle für ihn versiegen kann, nmß allerdings dabei getroffen werden. Diese Entwicklung bleibt der Zeit Vorbehalten. Für die junge jetzt arbeitende dcutschjüdische Generation gilt allein die dringende Forderung nach Schaffung des Raumes, in dem sie ihr ^entschjüdischcs Leben weitersühren kann. 1' r m a t Ä o d| lt n t c t c i if) l, auch für die vege- -iriichr und l'iilic ilitclie, findet bei Elsa Oeslcrreicher, W. 15, Mcinekeslraße 23, statt. Telephonische An- Von Heinz Warschauer Die verschiedenen, im deutschjüdischen La-. OCt entstandenen Jugendbewegungen feintzeichnet eine Gemeinsamkeit: alle Versuche, ,dcntschjüdisches Leben neu zu gestalten und der Jugend eine jüdische Wirklichkeit zu geben, führten ans den alten Gruppierungen hinaus. Jede deutschjüdische Ingendgruppe mußte nach ceuigen Jahren ernster Bemühung um jüdische Dinge erkennen, daß ihre geistige, seelische und soziologische Bindung ans Judentum noch anderen Quellen entsprang, als nur der ausklärerisch-assirnilatorisch-libcralen Emanzipationsbewegung, die vor 150 Jahren der jüdischen Ghettvgemeinschaft Sinn und Aufgaben [teilte. Der Weg dieser dentschjüdischen Grnp- Pen führte entweder zum Positiven Judentum oder zu der „Erkenntnis", daß das Judentum keine reale Größe im Leben des deutschen Juden mehr sei. Besonders bedeutsam waren vor einigen Jahren in dieser Hinsicht die „Kameraden"-Aewegimg und die „DeutschJüdische Jugendgemeinschast. — Vor etwa drei Jahren begann in Kreisen junger Menschen, die sich den: Centralverein verbunden fühlten, die Erkenntnis zu reifen, daß die judenfeindliche Strömung im deutschen Volke die deutschen Juden zu einer Prüfung ihrer Stellung im Staatsleben zwänge. Die Indenfrage wurde damals noch wesentlich als rein politisch behandelt, und da überdies die jungen Angestellten und älteren Schüler jüdischen Glaubens zwar dem Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, aber nicht dem Judentum nahestanden, entstand die Idee, Grundlage einer neuen jüdischen Jugendbewegung könne mir von einer Verteidigungsstellung aus geschaffen werden. So schuf mau spontan in vielen Städten Gruppen junger Bien sehen, die sich meist in der losen Form von Arbeitsgemeinschaften zusammensandcn. um sich mit der Judenfrage zu beschäftigen. Bezeichnend für diesen Ausgangspunkt der letzten dentschjüdischen Jugeudgruppen, die sehr bald ihr Gesicht wandelten und zu einer wirklichen Bewegung wurden, ist die Tatsache, daß die Berliner „(5.-V.- Jugendarbeitsgemeinschaft" von Teilnehmern eines Schulungskurses über die Judenfrage gegründet wurde. Dies war im Frühjahr 1931. Heute, nach zwei Jahren, gibt es diese Arbeitsgemeinschaft nicht mehr, und statt dessen bekunden zwei in Berlin gleich bedeutsame deutschjüdische Gruppen — die neue „Dcutschjüdische Jngeudgcineinschaft" und der „Ring, Bund dentschjüdischer Jugend" —deutlich den inneren, zum I n d e n t u m hinführenden Weg, den die Menschen der alten Arbeitsgemeinschaft genommen haben. „Kampsum die Gleichberechtigung" war damals die Parole der alten Jugendarbeitsgemeinschaft gewesen. Die Menschen kamen aus diese Parole hin scharenweise zusammen. Und als sie zusammen waren, während einiger Monate tatsächlich versuchten, durch Aussprachen und persönliches Bemühen sich als Deutsche und Juden zu erweisen, da fanden sie, daß ihr jüdisches Leben keine reale Grundlage hatte. Sie waren Deutsche, so fühlten sie, aber man stritt es ihnen ab, und sie waren Juden, so sagte man ihnen, aber sie wußten nicht weshalb. Sic empfanden ihr Dcutschjudentmn als Selbstverständlichkeit, aber bald erkannten sie, daß die Judensrage auch jenseits der Jndenfeindschaft ihr Problem sei. Jüdisch unbeeinflußt, begannen sie, wenigstens zum Teil, die alleinige Parole der Ansklärung als nicht ausreichend zu erkennen und öffneten das Tor zum Judentum, indem sie sich jüdisches Wissen aneigneten. Kein neues Ghetto — dies sei betont — wurde erstrebt, aber ein jüdisches Leben. Und langsam brach sich die Erkenntnis Bahn, daß wir nur als jüdische Gemeinschaft unseren Platz in Deutschland finden und behalten könnten, und daß es das politische Ziel dieser durch Abstammung und schicksalhafte Verknüpfung jüdischen, durch Kultur, Heimat, Sprache, Erziehung und in- . ncre Formung deutschen Menschen sein müsse, sich unter Beachtung dieser beiden Gegebenheiten und der sich aus ihnen für den Einzelsall des täglichen Lebens ergebenden praktischen Folgerungen ins deutsche Leben einzuordnen. Die innere Wandlung der jungen deutschjüdischen Generation kommt auch dadurch zum Ausdruck, daß die nationale Revolution mit all ihren für die Juden bitteren und schweren Folgen uns in unserer inneren Haltung und Einstellung nicht geschwächt hat. Schon vor dem 30. Januar begann sie, der Berufsinnschichtnng ihrer Menschen, soweit sie bereits im Wirtschaftsleben auf aussichtslosem Posten standen, nähcrzutreten und handwerkliche und landwirtschaftliche Berufe unter den Jungen und Mädchen,,die noch die Schule besuchten, zu propagieren. Auch die Neugestaltung der Berliner dentschjüdischen Jugendarbeit, die den „Ring, B u n d d e n t s ch j ü d i s ch e r I ugen d" zum Träger der Jüngercnarbeit machte, während die neue „D e n t s ch j ü d i s ch e Jugendge m e i n s ch a s t" junge Angestellte und Jungarbeiter zu erfassen versucht, ist durch die Ereignisse des letzten halben Jahres vielleicht beschleunigt, aber keinesfalls verursacht worden. Die jüngste dentschjndische Generation benötigte zwei Jahre, um sich selbst zu finden. Heute ist die Zeit des deutschen Juden, der keiner sein wollte, endgültig vorbei. Eine bewußt und ernst jüdische Jugend kann nur Zur lüssüttmg! ".M-" z Bezug ln Gross-Berlin frei . ~"rrrT J Hau» durch die Vornan eist oll o der ötaatHqucllnn Fachingcn und Nicdcrsellefs, Berlin SW 11, Sciiöncbcrger Sir. 16 z. Telä B2 Lütz. darangehen, die Trümmer des alten assimilatorischen jüdischen Schattenlebens wegzuräumen und ein neues Leben jüdischer Menschen deutscher Heimat aufzubauen. Die Forderungen, Aufgaben und Ideen dieser neuen ' dentschjüdischen Jugend de - wcgnng, die versuchen will, fern aller Phraseologie und Lebcnssrcmdheit ihren Weg zu gehen, kann man folgendermaßen znsammenfassen: sie will die Werktätigkeit, also: Arbeit in Handwerk, Fabrik und Landwirtschaft, nicht nur eine Notlösung des deutschjüdischen Problems sein lassen, sondern zu einem erstrebenswerten Ziel machen. Sie will ein jüdisches Leben schassen, also den Alltag mit jüdisch-religiösem wie jüdischgeschichtlichem Erlebnisgnt durchdringen, und sie will Gemeinschaft, also die jüdischen Einzelmenschen zu einer Gruppe gleichen Schicksals, gleichen Ziels und gleichen Handelns zusammenführen. 3egenDßtM In HgrnMW Modi einer Sabbathabcndfc'ier am 16. September traten tags daraus die Führer der Ortsgruppe-.', der deutsch-jüdischen Jugend Pommerns zu einer Tagung zusaimueu. Vertreten waren Stralsund, A n k l a m, _ (5 r e i j c n b e r fl , <U a i - barg, 5t vslin, -L t v l p, Bad P o li n . B n b l i tz und S t c t t i n. Tie Tagung wurde e::: ■ geleitet durch eine programmatische Ansprache mm Ulrich Marcuse, Stettin. Es folgte ein Berieht über die Verhältnisse in den genannten Stadien, Tie Wirtschastsbesprechnng wurde durch r,n tKeferat von Otto Bl ichelso h n . Shnditns des Landesvcrl>ands Pommern des E.B. Stettin, e:ngeleitet. Tie unbedingte Notwendigkeit einer Ve> rnfSmnsehiehtnng der jüdischen Jugend wurde danei nachdrücktichst betont und erörtert. Hansjürg Hanfs, Stettin, gab in überzeugen - der Weise die Ideologie des „R i n g" wieder. Durchdrungen von dem Wert dieser im Gnstehen begrissenen deutsch.jüdischen Ingendgruppe wurde einstimmig die Uebersührnng der pommerselien deutsch-jüdischen Jngendverbönde in den „Aing" beschlossen. Zum Gansnhrer des Gans Pommern im „Ring" wurde vom Vnndessührer des „Aimch Ulrich Blarcnse, Stettin, eingesetzt. Um die Arbeit in allen -Ortsgruppen sestzntegen, wurde cm von den Stettiner llameraden ansgearbeueiec Arbeitsplan angenommen und die Onsjuhrer oc. pflichtet, die Verbindung mit den aus dem Va-.de verstreut wohnenden jungen jüdischen Menschen ansrechtzucrhaltcn. Kteit:'!’! Ei jeuM Jurist iriif PrudiKcif;doktor, gutor Rodnor, viel|ahrir;o Vcrv/cutungspraxis, erfahron auf den Gebieten von Propaganda, Werbung, RokJamo, t:i6 Jahre alt, ledig, Frontsoldat, sucht im 5n- oder Ausland ontspr. Position, die seiner durch prakt. u. akadem. Vorbildung geschulten u. vielseitig. Arbeitskraft, sowie seinem repräsent. und gow. Auftreten ausreichend Spielraum gewährt. Angeb. unt. H. 15i an dies C. V.-Zeitung, Berlin W„ 15 erb. : """O guto Erschein^. l, u.w'w» t'osobfi fts- .iii'U, üooin. f. Ansreiseudo Geschäftsführung r Imwinsoh. v. Hotel, Pension o. Bestnurant im eil rindere Brancho. Ia. Bcfereur.cn. i <■ ltit'uisch la nd bovorzugt. Offerten unter •IM» an Itudolf r.2osse. Froiburg 1. Brg lülil H'JfciMsvGiiTJcEiiunsGn tihi’inimiut Hietssipeziaiist mit lanp;j .'ihrigen Biin'iniiuren Bei-htsainvnlt und Notar a. D. II. I.icbnnwaldo, N'W. -<«, FJominpatr. 40. i S^aus'uQS'waitunn 1 Übernimmt mit erstklass. Roferonron. Rtick- | spräche unverbindlich. Aufr. unt. 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