Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1933-09-14 · 35 (14.9.1933) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
35 (14.9.1933)
Date
1933-09-14
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2277379-2277993-2278028--08110-2289077
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

ßO/rM Nr. 35 1. Beilage H mm De. Hugo HshN: Wenn der Theologe zum politischen Gescheheil der Zeit Stellung nimmt, sv kann seine Ausgabe nur darin bestehen, die Ereignisse der Stunde unter dem Blickpunkt der göttlichen Forderung zu schauen. Nur tvcnn der Religionsknnder nie aufhört, der Ewigkeit gi dienen, kann er dem Tage nützen. Ec muß es. wenn nötig, um seines Auftrages willen aus sich nehmen, sich eines scheinbar weltfremden Gebarens und unzeitgemäßen Redens schuldig zu machen. In einer anderen Situation befindet sich der Professor der Theologie in Tübingen, Gerhard Kittel, der in seiner (bei Kohl- Hammer. Stuttgart, 1933) erschienenen Broschüre: „D i e I u d e n s r a g e" den Nachweis zu erbringen unternimmt, daß die Maßnahmen gegen die Juden, die im Augenblick im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion stehen, mit den Forderungen, die ein evangelischer Theologe in dieser Hinsicht zu stellen l)ut, durchaus nbereinstimmen. Mittel sieht die Lösung der Indenfrnge im entschiedenen nnd rnelsiehwwse,, Mmnpf gegen dos r'lssiniilations-Fudeutuin. Rät der Emanzipation der Juden sei ihre Assimilation Hond in Land gegangen, Tie Bindungen znm Erde der Roter seien immer lockerer nnd nichtssagender geworden, die geivnnschte Eindeutschung der Juden hatte aber nicht stattsiuden können, meil mit der Emanzipation der Gedanke des Weltbürgertums mizertrennlitch verdnndeu sei. Ter Jude sei darum nullt nur dlntsmäsiig, sondern auch lnlmrell vom Teuisel>ei, geselneden. Gr müsse in A°,ulimft ans jeden masigedenden Einfluß in allen Tinaen verziichten, die deutschem Bollsnnd Ltootsleben, deutsche Mi,Hur und deutsche Geistesbildung betreffen. Er könne weder politischer Schriftsteller imd) Hvcl>schnllehrer werden. Leine Ltellnng als Arzt, als Reeytsonwolt. ja ols Monzmonn, sei mehr als zweifelhaft geworden. Bleibt die Frage. waS ans den Juden cigent« lich werden soll. Bon einer Uebcrsnhrnng nach 'Palästina Ijätt Mittel nicl)t viel, meil er die Manische Beioegimg genau so. wie die Emanzipmionc'beslrebnngen. für einen Abfall vom echten laideumin, für sätnlarisiertes Judentum hält. Für üm gibt es mir eine Lösung der Indensroge: die religiöse. Ter fromme Jude habe die Zerstrennng unter die Böller der Welt stets als eine von Gott aber gjrael ivegen seines Ungehorsams verhängtes löerimt bejaht. Ausgabe einer völkischen Limits« lührnng imiye es darum sein, diesen von den rechtgläubigen Joden selbst gewollten nnd einzig sachgemäßen Zustand der F r e m d l i n g s cl) a s t Israels unter den Böllern wiederyerzustellen. ’vrmt’vn die Juden unter diejen Umständen toieder Zinn wahren Glauben der Bätor zurücklehrten, könnten sie als Gäste, deren Religion nnd Kultur durch Gesetz zu schätzen nnd deren Wvhwerhalten unter Kontrolle zu stellen wäre, irr den bisherigen Wohnländern tveiler geduldet iverden. Damit biegt das Jndenprvblem für Kittel in die spezifisch christliche Fragestellung ein. Der Christ könne besser als irgend jemand sonst in der Welt den Sinn der Heimatlosigkeit des jüdischen Bolles verstehen: als eine Strafe für seine Blindheit in den Tagen, als der neue Bund ans Erden gestiftet tvnrde. Und damit rundet sich der Kreis: Mit der Stabilisierung der Fremdlingschast des jüdischen Volkes ist dein ans dem Rasseprinzip anfgebanten Staat am besten gedient; das christliche Getvissen hat seine Antwort gefunden nnd der Jndenhei-t selbst ist zur Wiederc'ntdeclnng der eigenen Religio« sität der beste Weg gewiesen. Die Frage zwar, wie die Inden unter solchen Bedingungen ihre Lebensexistenz aufbaucn sollen, wird von Kittel wohl gestellt, aber nur nebenbei beantwortet. Der materiellen Rotlage, so meint er, werden die Organisationen der Selbsthilfe innerhalb der Weltjndenheit zu steuern suchen. Ter seelischen Rot dürfe sich der Christ nicht entziehen. Man dürfe aber anderseits nicht vergessen, daß es sich bei der ganzen Auseinandersetzung nicht nur das Schicksal von Individuen handle, sondern das eS letzten Endes nur die Frage des jüdischen Volles gehe. Es soll nun nicht mit dom Verfasser über Einzelheiten seiner Ausfassnngsweise, auch tveiill sie uns nicht haltbar erscheinen, gerechtet iverden. Es muß aber gesagt werden. daß er in seiner Gesamtkonzeption von Bvraussetznngen ansgeht, die vorn jüdischen Standpunkt ans untragbar finb. Tie These, daß nur das liberale Judentum die Emanzipation bejaht habe, läßt sieh vor dem Forum der Geschichtswissenschaft nicht halten. Ln'in Geringerer als Samson Raphael Hirsch, der gewiß als ein int* verdächtiger Zeuge des orthodoxen Judentums angesprochen iverden darf, hat im UZ. Kapitel seiner „Neunzehn Briefe über das Judentum" geschrieben: „Ich segne die Emanzipation, wenn ich sehe, wie ihr heutigen Tages kein geistiges Prinzip, wenn auch nur ein wahngeborenes, enlgegensteht. Allerdings fährt er dann fort: „Für Israel segne ich sie nur, wenn vor allein in Israel gleichzeitig der wahre Geist erwacht ist, der, unabhängig von Emanzipation oder Ncichtemanzipation, auf Erreichung des Jsracl» bernfes hinarbeitet, ans unsere Celbstvcredlung." Die Gefahr der Assimilation im Sinn der Kittelschcn Terminologie ist hier klar Umrissen. Es mag zugegeben iverden, daß es dein gcsetzesirenen Judentum bei aller selbstver* ständlicyen Anteilnahme am deutschen Bolls- und Kulturleben eber gelungen ist,das Erbe der Bäter zu wahren, als es dem jüdisch-religiösen Liberalismus, trotz allen ehrlichen Strebend, einen Ausgleich zwischen der jüdischen und nichtjüdischen Sphäre unseres Seins herbeiznfnhren, möglich ivar. Vollkommen ungerecht litt Bäü m In seiner Broschüre bezieht sich Gerhard Kniet an verschiedenen Stellen auf Martin Bnbers Urteil in der Indenfrage und insbesondere auf seine glanbensmäßige Grundbalinng. mit der er sich in seinen Forderungen glaubt identifizieren zu können. Indem hatte Professor Kittel seine Schrift Martin Bubcr uiit einem Begleitbrief übersandt, in dem er derselben Meinung Ausdruck gab. In dem Augustheft der von Professor Karl Ludwig Schilp dt (Bonn) herausgegebenen ..Theologischen Blätter" erteilt mm Professor Buber seinem Kollegen Gerhard Kittel eine öffentliche Absage. Ander geht in seiner Antivort besonders auf den Begriff „Fremdlingschast Israels" ein nnd High wie ganz anders das Alte Testament das Problem der Fremdlingschaft oder genauer gesagt, dcs Glptsassentnins gelöst hat. Dort heißt es mim» bch ausdrücklich (4. Buch Mose 15, 16): „Bersamm- Imifl! Einerlei Satzung sei für Euch nnd für den Enstsassen der gastet. Weltzeitsatzung für Eure Geschlechter: Gleich ihr, gleich sei der Gastsasse vor dem Ewigen, einerlei Weisung und einerlei Recht sei für Euch und für ben Gastsassen, der bei Euch gastet." Aber im Alten Testament gehe es nicht nur um Recht allein, sondern auch um Liebe. L. Buch Mose Kapitel 19, Vers 93: „Wo ein Gastsasse bei Dir in Euerm Lande gastet, plackt ihn nicht, wie ein Sproß von Euch sei der Gastsasse, der bei Euch gastet, haltet lieb ihn. Dir gleich, denn Gastsassen wart ihr im Lande AegYptenI Und im ist aber das Urteil, das Kittel über die zionistische Aeivegnng füllt. Wie immer man zum politischen Programm des Zionismus Stellung nimmt, das Verdienst, den Inden innerhalb der abgclanfeneu Emanzipationsepoche jüdischer gemacht zu haben, kann man ihm mit Fug nnd Recht nicht absprcchen. Es mag sein, daß dem. evangelischen Theologen die Aktivität, die der Zionismus in der Meisterung des jüdisehen Schicksals entfaltet, unter dem Blickpunkt der christlichen Gnadenlehre nicht sonderlich liegt. Aber jüdischer Glaube weiß, daß der Mensch nicht nur das Geschöpf Gottes ist, sondern auch den Schöpfnngsauftrag erhalten hat, Mitgestalter seiner eigenen Zukunft zu werden. Und so gesehen, ist der Zionismus vielleicht eine religiösere Bewegung, als er selbst weiß und Kittel es wahrhaben ivill. In eine neue Diskussion über die Frage, wie iveit wir Juden ans Grund unserer Geschichte nnd unserer Leistungen in Kriegs- und Friedens,zeiten einen Anspruch ans unsere Zugehörigkeit zum deutschen Bolle zu erheben berechtigt sind, möchten ivir uns nicht einlassen. Dem frommen Christen dürfen ivir aber sagen, daß es uns mit dem allsabbatlichen Gebet, das in unseren Synagogen für das Vaterland gesprochen wird, immer ernst war. Und' nun ein letztes: Tie Entscheidung iifcctJ die Judenfrage in Deutschland ist ohne unser Zutun getroffen worden. Kittel zeigt mancherlei Verständnis für die Härten, die damit für jüdische Menschen verbunden sind. Es ist zwar sehr dankenswert, daß er die ans religiöser Grundlage aufgebaute Solidarität der Welt« jndenheit so hoch einschätzt, daß nach seiner Meinung in Zukunft kein Jude zu verhungern braucht. Ob er aber damit nicht die Macht des Judentums bei weitem überschätzt hat? Und ob cs recht ist. den Inden in seiner Not einfach ans die Hilfe des Inden zu verweisen, ivcnn man, wie er, gleichzeitig zugibt, daß viele, die bisher in ihrem Berns ihre Pflicht voll getan haben, unschuldigecweise mit in das Verhängnis hineingezogen worden? Gerade wenn man die Indenfrage, wie es in diesem Buche geschieht, nicht als ein Problem von Individuen. sondern als eine Kollettivzrage aufsaßt, müßte man erst recht bemüht sein, mit dafür Sorge zu tragen, daß die Heranwachsende jüdische Jugend, die doch nach Kittels Meinung in Deutschland verbleiben svll, nicht lörpenich und geistig verkrüppelt. Kittel zählt wohl die Berufe aus, in denen der Jude nach seiner Meinung nicht mehr tätig sein darf, müßte er nicht seinen ganzen Einfluß dafür cinsetzen. um auch die von uns bejahte nnd als notwendig erachtete Umschichtung der jüdischen Jugend' ans deutschem Boden Wirktichlcn werden zu lassen? Kittels ernstzunehmendes Bestreben geht darauf hinaus, die Gegensätze, die in unserer Zeit liegen, zu harmonisieren nnd auf einer einheitlichen Linie zu beantworten. „Es darr nicht fein," so schreibt er, „daß der deutsche Mensch in mir mit dem christlichen Memmen in Widerstreit liegt, sondern die Gebote, sie dem einen gelten, müssen in Einklang gebrmln iverden mit denen, die dem anderen gelten." Das ist eine Entscheidung von so iveittragender Bedeutung für die Verkündigung der christlichen Lehre, daß wir als Inden dazu nichts wehr zu sagen haben. Rabbiner Dr. §. Lamnel: 5. Buch Mose Kapitel 10, Vers 17 wird von Gott gesagt: „Ter der Waise und Witwe Recht schasst, der den Gastsassen liebt, ihin Brot nnd Gewand zu geben, so liebet den Gast, denn Gastsassen wart ihr iin Lande Aegypten." Wie Gott den Gastsassen, den Ungesicherten liebt, sv sollen es auch die Menschen tun. Buber macht Kittel darauf anfmerksam, daß er in seiner Schrift wohl eine Stelle ans den Fünf Büchern Mose zitiert, die besagt, „daß man das Recht auch des Fremdlings nicht beugen dürfe," jedoch es unterlasse, eine von den vielen Stellen anznsühren, ans denen hervorgehe, daß das Recht des Gastsassen nicht anders sein soll als das des Landsprosscn, daß beides „einerlei Recht" ist. Ans das von Kittel gezeichnete Bild des heimatlosen Juden antwortet Martin Buber zum Schluß seines Offenen Briefes folgendermaßen: „Das echte Judentum, sagen Sie, bleibt bei dem Symbol des ruhe« und heimatlos über die Erde wandernden Fremdlings. Das Judentum kennt lein solches Symbol. Der ewige Jude ist eine christliche Sagengestalt, nicht eine jüdische. DaS echte Judentum ist stets gewärtig, daß im nach« st en Augenblick die Verheißung sich erfülle und seine Wanderschaft ende. Es glaubt nicht, daß ihm geboten sei, die Zerstreuung zu bejahen, sou« dern sich in ihr für die Sammlung zu bereiten. Es kennt keine von Gott gewollte Tragik (S. 38), die es anzuerkennen hätte, denn es kennt die Gnade, und zwar als eine, die den Menschen zu ihrem Mer; berujt. Seit dem Umschwung hat vielleicht nichts so schwer ans der Seele des deutschen Inden gelastet, als der Mangel einer Aussprache mit spruchbesugten Gegnern. Professor Kittel tritt mit seiner oben erwähnten Schrift in diese Lücke. Sie ist iveit entfernt von Objektivität oder Neutralität. Hart und unerbittlich gelangt sie zu dem Verdikt, daß die deutschen Inden wieder als Gäste bei ihrem Wirtsvolt sich führen sollen und daher unter Fremdenrecht zu stellen seien. Wie es sich gebührt, suchen wir vorab nach den positiven Zugeständnissen. Es sind ihrer nicht wenige. Grundsätzlich fordert Professor Kittel, daß wir nicht ans die Tauer rechtlos gemacht iverden. Damit trifft er den Kernpunkt unserer Sorge; ivir haben nicht umsonst den Charakter einer Gesetzesreligion ausgebildet, und sind Verehrer des Rechts. Dura lex, sed lex. Das Wort, Justitia fuuda* inontum regnorum ist eilt altbiblisches ans den Sprüchen Salomcmis H, 31. Zn ge staNden sollen uns werden Knllnrantonomie, „hebräische" — lies jüdische — Zeitungen, privates, unter staatlicher Oberaufsicht stehendes (doch wohl voll ausgebautetz) Schulwesen. Das sind ivichtige, wie jeder sieht, ideelle Faktoren von hohem Wert, denen aber noch die materielle Basis fehlt. Wie stark diese durch die letzten Ereignisse erschüttert ist, erkennt Kittel mit voller Klarheit. Er findet sogar für die Tragik vieler jüdischer Menschen echte Worte, die allein aus dem Grunde aus Stellung und Verdienst geschleudert wurden, weil sie Inden sind. Professor Kittel hat auch dafür Ratschläge und Hoffnungen. Er verlangt eine für das Wirtsvolk erträgliche Verteilung auf die verschiedenen Berufe. Hierin ist ihm das deutsche Judentum längst vorangegangen; die ältesten Vereine für Beförderung von Handwerk und Landwirtschaft reichen etwa in das Jahr 1812 zurück. Sein Rät muß aber einem ungläubigen Lächeln begegnen in dem Zeitpunkt, wo ein Berus nach dem anderen dem Juden als Nichtarier den Zugang erschwert. Kittel vertröstet uns mit den im Ausland für uns gesammelten Spenden jüdischer Hilfsorganisationen und mit der Hoffnung, daß die gegenwärtig so harte Lage der Juden sich auf die Dauer „von selbst" regeln werde. Sollten aber darbende Juden von dieser Hoffnung nicht satt werden, so sollten sie bedenken, daß noch Millionen deutscher Volksgenossen in wirtschaftlicher Not schmachteten. Vor allem ist aber seine Meinung, daß in Ansehung der deutschen Juden kein Einzel-, sondern ein Gruppenschicksal sich erfülle, eine Kollektivschuld, die auch der relativ Unschuldige zu büßen verpflichtet sei. Worin erblickt Profesior Kittel diese Schuld? Es sind in ihr drei Momente zu unter- Myden^ jedes für sich hinreichend^ yry im§ nach der Ansicht des Autors zu verurteilen' unsere fremde Rasse, unsere liberale Star' aufsassnug, unser jüdischer Glaube. Eine o. örternng von unserem Standpunkt iiRm dir je drei Faktoren, die in der Tat tief mit We > anschaunng verknüpft sind, scheint auf G,n7 ersten Blick anssieht-.-los. Aber Prozessor Kittet bemüht sieh darum, uns aus unserer eigenen, nur verschütteten Ideenwelt eine Zustimmnng abzuringen, daß wir ihm wenigstens in aller Bescheidenheit erklären müssen, warum dwm Bemühung vergeblich bleiben muß. Und zwar hinsichtlich aller drei Punkte. Da ist zunächst die R a s s e n f r a g e. Er verweist auf unsere Bibel. „Alttestamen!- liehe Propheten werden nicht müde, zu verkünden, daß Vermischung mit den anderen Völkern die schwerste Sünde für Israel zci." Sollte der gelehrte Verfasser nicht wissen, daß es sich im Gesetze (Propheten reden überhaupt nicht davon» mir um die Warnung vor Verbindung mit Götzendienern handelt, den sogenannten „sieben Völkern"? Haben nny; Joseph. Mose, Boas (von dem David stammle,. Salomo „fremde" Frauen geheiratet, und hat der etwaige Tadel nicht immer wieder dem Abfall zu falschen Göttern, nicht aber dem fremden Blute gegolten? Die jüdische RelE gionsgcschichte berichtet von der Ausnahme ganzer Stämme „fremden" Blutes in das Judentum: der Ehazaren, Jemeniten, abassinischer Falaschas, selbst indischer —, aber wie Kittel selbst bezeugt, genügte die Annahme des Indentnms, um sie zu vollberechtigten Bürgern unserer Gemeinschaft zu machen. Statt dessen muß sich Kittel um eine Lösung der Ariersrage im deutschen Christentum mühen, iveil ihm der Grundbegriff unserer Bibel verlorengegangen ist, der ,adam' den Gott in seinem Ebenbilde schuf, und der nach der jüdischen Ethik der Oberbegriff über alle Rassen und Böller, Farben und Sprachen der Erde geblieben ist. Was ferner die Anschauung über den Staat betrifft, so ist nicht in allen Völkern und in diesen nicht zu alten Zeiten die gleiche herrschend gewesen, weder über seine 'Form noch über seine Grenzen, sein Wesen, seine Ausgaben. Eines aber steht fest, daß'niemand von der Würde und Hoheit seiner Idee tiefer durchdrungen ist, als der Jude. Als darum zuerst Nordamerika, dann Frankreich und England, dann um 1810 in schneller Folge alle deutschen Staaten ohne eine e i n z i g e A u s n a h m e ihren Inden Bürgerrechte gaben (wie sie sie einst nicht nur im eigenen Staat, sondern im vorchristlichen Rom, in Neupersien, in matirischen und osmanischen Staaten lange besessen haben), war nichts rtatürlicher, als daß sie mit dankbar-heiligem Gefühl einen Charakter wieder annahmen, den ein mißtrauischer Feudalismus ihnen vorenthalten hatte und den zu be- .wahren ihre Sorge und ihre Zossn.mig ist. i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.