Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 32 (10.8.1933)
- Date
- 1933-08-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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BeHm, 10. Xü^äsf 1333.. XIS. Jahrgang / Nrv32 PF©is ZQ Puerto Bg ierem- ■//. n -\ \ / X... J r~i : ' I \ -i! a.r BE öl SCHUH «os JöitßTBK /v-x j .'V; o i ,s^J S y L> \ V <T i -1 iTss!! ' ’wH „ P I S.. 7? / s ^: ■ "N A A' M j i!! i im n i ]| iK| •Ü>UA> /'vAC'lilAsy. LiUSKtiMfl M§ ffeto f SN VrsWsr LeisÄ Rrokossor!)r. Rrnst Oassiror, dar dekannls Philosoph und f rührte Rektor der Hamburger Universität, hat ui diesen Tagen seinen Lehrstuhl verlass-n< *<><><><><><><><><>Q<><><X><><><><X>^^ 0"-> Sicherlich ist die Frage der V e r u f § u m | chicht i! n g die ernsteste und vordringlichste Aufgabe, die der deutschen Judenheit trt oinMicf aus das Heranwachsende Gesthlecht gestellt ist. Demi gerade wir deutschen Inden müssen durchaus der Meinung beipslichten, die der Berliner Ctadtlämmerer Dr. Steiniger so iresfend formuliert hat: primum vivers, doindo philosophari (d. h. erst gelte es Brot zu schassen, I>evor man an die Befriedigung der geistigen Bedürfnisse denken könne). Und es bedarf keines Beweises, daß eine solche Auffassnng — von der LebenSnot diktiert--sowohl hier wie dort nicht das geringste mit Materialismus zu tun hat. . , Jedoch tue zeitbewegende Frage' der Berufsumschichtung läßt sich gar nicht von -euer Frage trennen, die gleich einem dunkel drohenden Wetter über unseren Häuptern lagert — der Frage: Steht uns. deutschen Juden eine neue s e e l i s eh e U m s ch i eh t u n g oevor? Ist ein weltanschaulicher Umbau der deutschen Judenheit im Gange? Ans die Gefahr hin. zum c.V-'-x ~ifcn d-w ..ewig Gestrigen" gcwor^u 3;, weroen. gestehen wir nachdrücklich. daß eine innere, d. h. von außen lu r unbcemslußte seelische Entscheidung mmmermehr uns Veranlassung gibt, unseren bisherigen deutsch-jüdischen Standort — das rubare Erbe, das wir van unseren Vätern überkommen haben — freiwillig auszugeben. Nochmals sei eS gesagt nicht ein innerliches Irrewerden an der Wahrheit und Echtheit unserer deutsch-jüdischen Einstellung, sondern lediglich das von außen hcrandrängcnde S. siclsal, das über uns hereingebrochen ist, -nötigt uns, die Frage der seelischen Nmschich» n.g mit dem Ernste, den sie erfordert, zu . örtern. Gerade in diesem gefährlichen Augenblick des Versuchs der Umwertung sestverwurzeltcr lüdischer LUerte müssen wir immer wieder daraus Hinweisen, daß das deutsch-jüdische Lebensgc'ühl weder an einen best.mmten Zeitraum — wie das 19. Jahrmdcrt — gebunden ist, noch gar durch die Begriffe Emanzipation, Liberalismus und Assimilation erschöpfend .ausgedrückt wird, sondern aus dem Blut und Boden unseres g-'Sichtlichen EröcS seine nie versiegenden ran? zwht. Die Blutvahnen und Blutreihen der rüdischcn Gescl.Gchter, die, aus deutschem B... . n gezeugt, in deutscher Erde verwurzelt, v: deuliehen Baume und in deutscher Umwelt . Schicksal erfüllten: sie sind der Lebensquell einer dcntsch-jüdischcn Ueüerueferung, die uns ebenso verpflichtet wie adelige Tugend. Wenn wir dieses, mit den Tranen und dem Schweiß unserer Vorfahren durchtränkte Erbe unter dem Drucke der gegenwärtigen Stunde preisgeben, so werden nack'.wachsende Geschlechter dereinst von uns Neehenschast fordern. Deshalb hütet euch, Da: Erbe der Väter zum „ewig Gestrigen" zu werfen! Wir deutschen Juden pnd nur Objekte des heutigen Geschehens. Diese an sich banale Feststellung sagt doch ciq letztes aus: sie deutet darauf hin, daß unser deutsch-jüdisches Lebensgefühl., das — wie wir zeigten — als Besitz- .um w.sercr Seele unveräußerlich ist. in seiner äußeren' Sä ücksalsgestaltung von dem Willen -- vcgiercnl/ia Macht, von der deutschen Staatsführung, abhängig ist. Deshalb harren wir mit begreiflicher Unruhe und Erwartung au; die Willenskundgebung der deutschen BcichSregterung. Da jedoch zur Stunde eine r . roindlicste Erklärung über die Art und Weise, wie die deutschen Juden in den nauonalsozralisiischen totalen Staat eingegliedert werden sollen, leiten» der RmchSrogierung noch nicht vorweg?, ist es von erheblicher Bedeutung, daß inzwischen einer der maßgeblichen ■ Geistesführer deS neuen nationalsozialistischen Deutschland in der uns bewegenden Frage das Wort ergriffen hat. Professor Dr. h. e. E r n st Kr i e ck, Nektar der Universität Frankfurt a. M., schreibt in seiner Zeitschrift „Volk im Werden" (Heft II, 1933): „Wir werden und wir wollen mit den Juden zu einer Verständigung kommen, aber nicht auf dem im 19. Jahrhundert versuchten Weg der Judenemanzipation, sondern mit Konstitution der Juden als Voll im Sinne des Zionismus, bei uns selbst also als einer nationalen Minderheit. Wir sprechen hier'als Volk zu Volk und werden aus dieser neuen Grundlage das jüdische Problem zu lösen 'haben." Wir gehen in der Annahme wohl muji fehl, daß hiermit der Einstellung der nationalen Negierung zur Jüdensrage. nahegekommen ist..An sich ist jene Einstellung keines- ' Wegs neuartig, aber es liegt nach der erfolgten Entwicklung :um 'totalen Staate' bin' ein großer unterjugeb darin, ob -jene Meinung von dem damals noch deutschnationalen Freiherrn von F r e y t a g - L o r i n g h o v e n oder, wie jetzt, von Ernst Krieck vertreten wird. Denn die Macht ist allein imstande, neue Tatfachen zu schassen. Deshalb haben wir gegründete Ursache, uns mit der Meinung Kriecks sehr ernsthaft zu befassen. Wir möchten von vornherein unserer Genugtuung Ausdruck geben, daß Krieck das Fortspinnen der unfruchtbaren Polemik verwirft, indem er die Notwendigkeit einer Verständigung hervorhebt. Wir nehmen also seine Verständigungsbereitschaft in Anspruch, wenn wir ihn im folgenden um Verständnis für unsere Gegengründe bitten. Wir geben ohne weiteres zu, daß die Lösung, die er vorschlägt, in jüdischen Kreisen einen nicht geringen Anhang gewonnen hat, übe? GrzndsCü&sgccdz&io Der bayerische Justizmmister und Reichsjustizkommissar Dr. Frank hat an die bayerischen Notariate eine Bekanntmachung erlassen, derzusolge die Notare von allen GrundstücksveräußerungSgcschäften, bei denen Anhaltspunkte dafür vorliegen, daß der Verkäufer nichtarifcher Abstammung ist, nach Abschluß der Beurkundung dem . zuständigen Landesfinanzamt Mitteilung zu machen haben. Dieselbe MitteilungSpflicht besteht u. a. bei der Beurkundung von Hypothek- und Grundschuldbestellungen, wenn nach den Umständen, insbesondere nach der Höhe der Belastung angenommen werden kann, daß diese Rechtssorm nur gewählt worden ist, um dem nichtarischen Grundstückseigentümer dis Verbringung des Gegenwertes für das Grundstück in -das Ausland zu erleichtern. ' Eädcrcperre. im Fmst&csi Die Interessengemeinschaft, die das.Streitberger Bad verwaltet, bestehend aus Herren des Verkehrsvereins und der Gemeinde, hat kürzlich auf Grund eines Beschlusses in Streitberg mitgeteilt, daß der Besuch des. Bades durch. Zud.es an .SamstaM Md ZonntgM . und - wir halten dies für eine jüdischerseits recht gefährliche Entwicklung. Es ist ja nn- . verkennbar, daß viele deutsche Juden unter der Wucht der schweren Schicksalsschläge, die uns trafen, zusanuneugebrochen und in der Festigkeit ihres Bekenntnisses zum Deutschtum . schwankend geworden sind. Jedoch diejenigen deutschen Juden, die das deutsch-jüdische ' LebenSgcsühl als ihren Wesensmittelpunkt empfinden, wissen, daß'es zu nichts verpflichtet, in satten Zeiten sich zur deutsch-jüdischen Leüenseinheit zu bekennen, aber daß nur derjenige dem Urteil der Nachwelt standhält, der . in schwerer Notzeit seinem Ideal die Treue bewahrt. Wie in der menschlichen Natur, so ’ können in der menschlichen Geschichte unvorher- ' gesehene Stürme die aufgeworfenen Schichten vernichten;. die Grundfesten bleiben hiervon unberührt. Wie der Naturgeschichte, so liegen der Menschengeschichte Axiome, d. h. Grundwahrheiten, Urtatsachen zugrunde, die erst j dann vergehen, wenn alles Leben erlischt. Die deutsch-jüdische Lebenscinheit ist unser Ariom. Sind wir rin Bock? Ernst Kricck' nennt seine Zeitschrift — „Volk im Werden", womit er die Deutschen meint; während ein namhafter Nationalsozialist wie Johann von Leers sich dafür einsetzt, daß man den Juden die V o l k w e r d u n g ermögliche. Einer Volkwerdnng der Deutschen vermag aber eine Volkwerdnng der Juden nicht zu entsprechen, weil wir Juden -- wie von Leers im Gegensatz zu Krieck unfreiwillig zugibt — kein einheitliches Volk mit eigenem Boden und eigener lebendiger Sprache, sondern nur eine Glaubens-, Abstammungs- und Schicksals», gemeinschaft sind. Die deutsch-jüdisch? Lebenseinheit, die in den Stürmen und Leide« des Mittelalters, in den Kämpfen, Rückschlägen und Fortschritten der neueren Zeiten geborene Gestaltwerdung des deutsch-jüdischen Menschen: diese Grundwahrheit sollen sie lassen stahn. Die deutschunerwünscht ist. Die „Nürnberger Zeitung" erfährt dazu, daß beabsichtigt sei, diese Sperre 'aus sämtliche Wochentage auszudehnen. Als erste größere Stadt hat — wie das V. D. Z.-Vüro meldet — Nürnberg angeordnet, daß Juden der Zutritt zu den Schwimmbädern der sämtlichen städtischen Badeanstalten verboten ist. Auf die Wannen- und Brausebäder erstreckt sich das Verbot nicht. Als Folge dieses Verbots hat der Stadtrat von Erlangen folgende Bekanntmachung erlassen: „Das städtische Nöthelheimbad ist bisher im wesentlichen von dem Besuch durch Juden verschont geblieben, so daß sich ein ausdrückliches Verbot des Betretens des Badegeländes durch Juden erübrigte. Da aber nunmehr in Nürnberg und anderwärts den Juden der Zutritt zu Bädern verboten wurde, ist zu befürchten, daß Juden aus der Umgebung in das Nöthelheimbad kommen. Ich ordne deshalb an: Zur Ausrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ist Juden der Zutritt zum Röthelheimbad mit sofortiger Wirkung verboten." Ncewegofamg §ür SdkzcäcgQvzcfoie im Dmsbmrg Die außerordentliche Mitglicderversamm-!un§ de.? Getreidebpr^ Zu KuisbM W e.injüdische Schicksalsstunde, die wir durchm . ist zu ernst, zu tragisch und zu veranb 'orNn- - voll, lim mit innerjüdischer Polemit ' '' zu lucviXit. Aber meuu von natioim.i.io.s Seite behauptet lumoe, daß „das je’ v Judentum in der platten Atmosphäre ei bourgeoisen Wohlbehagens lebte", und üv - die Vergangenheit in einer Weise dara. wird, alS ob die dcutsch-jndische Jngc-.ü. . ihrer Berufswahl nur in ein gemach - Bzu schlüpfen brauchte, dann tut mau d r zähen Arbeit und dem harten Lebens:am"w der meisten aus unserer deutsci,--- . i-n Gemeinschaft bitier unrecht, man schüttet? Not Wasser auf die Mühlen derjenigen ,fh -\ die sich in der abwertenden Kritik nnseu Wesens nicht genug tun können. Man lr - uns den Vorwurf gemacht, daß wir die E ' gesetzlichkeit der völkischen Bewegung ... verkannt hätten. Dürfen wir deshalb darr: erinnern, daß ,r; vor zwei Jahren ■ , bemerkten: „Tie id wlogische Ctoßkra : Nanwwito-.iaüsinn - beruht daraus,?c -sich an der großenAwreinanderscb.img m: deutschen Formprobtern verantwortlich teitiat."!? l„E. V.-Ztg., X. Jahrg.. Nr.; . Gewiß haben wir Fehler begangen abe. an unseren Fehlern, sondern an unser.. ... stung wollen wir gemessen werden. Sofern eS sich deshalb um eine a * Entscheidung und nicht um eine tu? , - Staatsmacht getroffene Anordnung r,r müssen wir die Lösung, die Ernst Kriecerschlägt. ablehnen. Daran kann miu: iui " Bewußtsein, daß wir deutschen Juden ein. r ungewissen Zukunst und einem schweren Ech A sal entgegengehen, nichts ändern. Daß wir gewillt sind, aus der von Grund aus w. ien Lage die Schlußfolgerungen zu ..egen. L bereits durch den neuartigen Grundbc^.. Ti der Gruppenemanzipation, den namentlich Alfred Hlrschberg in dicft-- stimmig bc-schlofsen. daß für sämtliche S. leiten ans dem Geschäftsverkehr dar •*? : Getreidebörse Duisburg errichtete Schiedsgericht und Oberschiedsgericht des Leut'cken Landhandelsüundes zuständig ist, sofern . h um Geschäfte handelt, die nach dem.31. . a dieses Jahres zustande kommen. Tie ,>■- sammensetzung diefe-S Schiedsgerichts fi-.i. folgendermaßen fein: Sind bei einer Siceingkeit beide Teile Nichtarier, so besteht er ' Schiedsgericht aus einem Obmann und r nichtarischen Beisitzern. Ist einer Streitteile Nichlaricr, so muß aus sei.', verlangen einer d." Beisitzer Nichtarier feil. Das gleiche gilt auch für das OberschiedSger cht. Professor Midzael G&Mmatm siadz Budapest berufen Ter Dozent am Breslauer theoloaiT. Seminar, Seminarrabviner Professor Michael Guttmann, ist als Rektor an Landesrabbinerseminar in Budapest . worden. Er hat diesen Ruf angenommen n . BreSlau bereits verlassen. Die ur.g.. .. . Regierung hat ihm den Titel Hosrat der Sein Weggang bedeutet einen schweren < n für die Wissenschaft des Judentums in T eurscb» lWd.. .. . Monr tl 'viCbj'^b uU miy li Lü SL Ms §. Miitcifc der Notare ÖS“ A