Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 30 (27.7.1933)
- Date
- 1933-07-27
- Page
- Seite 301 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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301 im Sdjitfjal der Völker so verschnwDen, daß man oft nicht weiß, wo das eine aufhört und düs andere beginnt. Lasist eine erschütternde Erkenntnis, aber sie ist nicht fruchtlos. Unsere Schuld? Sie ist nicht geringer und nicht gröber als die irgendeiner anderen Gemeinschaft. Aber bei uns hat sich die Selbstkritik lebendiger erhalten durch den Seist der Propheten, die das verkörperte Vokksgewisseu, die wahre Verbindung des Göttlichen mit dem Aenschen bilden. In dein Vttü der Erkenntnis und des Bekenntnisses ruht der Keim neuen sittlichen Lebens. Das Wort der Bibel „Wen Gott liebt, den züchtigt er" hat einen tiefen Sinn. Es bedeutet die Läuterung durch Leid. Wer einer Idee dient, must das harte Schicksal auf sich nehmen, verkannt zu werden. Tas Judentum ist früher in die ethische Kuliur eingetreten, es hat mehr für Wahrheit gekämpft und gelitten — das ist sein Adel. Wir trauern anu neunten Ab nicht nur um alte Zerstörungen, sondern auch um die neue Verengung des Leoensraumes, um die Brachlegung unserer schäfte. Aber das Trauern har nur einen Linn, wenn damit die Verbundenhttt mit dem Verlorenen und dem Erstrebten bekundet wird. Und in dieser Verbundenheit liegt zugleich der Trost, daß das Leben weiiergeht, dast Vergangenheit in Zukunst stießt. Auf den Trümmern neues Leben auspstanzen — das war in der jüdischen Geschichte keine Phrase. Don der Zerstörung Jerusalems bis in die Gegenwart glaubten die Träger jüdischer Ideen nicht an Untergang, sondern an Aufbau — in immer neuen Formen. Auch wir wollen trotz allem und allem nicht verzweifeln, sondern den Glauben an Fortschritt und Wahrheit in uns erhalten. Wir lapen uns nicht vom Schicksal niederbeugen, weil unsere Lebensidee stärker ist als das Schicksal. Wie der Talmud lehrt, „man soll die Verirrung nnd nicht die Verirrten bekämpfen", so bedauern wir jedes Unrecht, ohne zu hassen, ohne uns nach Rache zu sehnen. Tie spanischen Juden trugen nach ihren grausamen Verfolgungen spanische Sprache und Kultur bis in den Orient hinein. Tie von Deutschland vertriebenen Juden verpflanzten die deutsche Sprache in die slawischen Länder und erhielren sie bis auf den heutigen Tag. Tas ist „jüdische Rack)e"! Ten besten Geschichtsunterricht bildet das Leben, das alle geschichtlichen Vorgänge in neuer Form wiederholt. An diesem Tage, wo die Geschichte jüdischen Leidens vor unserem Auge vorüberzicht, scharren wir in der Vergangenheit manchen Vorgang, der an die Gegenwart anklingt, und wir sehen, dast jede Epoche im Meere der Ervigleit nichts bedeutet. Wenn die jüdische Geschichte eine Lehre gibt, dann ist es die, dast wir nicht verzweifeln dürfen, dast jedes Wirken im Dienste der Gesamtheit ihre Früchte trägt — früher oder später. Unsere Religion läßt auf den Trauertag den „Sabbat des Trostes" folgen. Diese Symbolik — im Judentum ist oft Symbol Leben und Leben Symbol — bedeutet, dast der Weg durch stacht zum Licht führt, dast der'Pmd zur Hohe steil und voller Hindernisse ist, dast er aber der Weg der Menschlichkeit und der wahren Religiosität ist. s d o < ' ' ' V ■ ■ i 1 /]C> r' 'HnJ (10 Q> ti u J Ter bei der sttichwertreümg der jittuchen Landesverbände DentschkandZ xebildctö Er- Ziehn.ngsansschrust ist am Donnerstag, den -0. Juli, zu [einet ersten Sitzung rnch-menxetrekcn. Er überttbl der SesfenstiLkei; die nachfolgende Erklärung über die Richtlinien seiner Arbeit. Ter Erzichungsausschuß der Rcichsvertrejung der jüdischen Landesverbände TeutschstmdZ will, seiner Verantwortung bcwmßt, die Eigenwansausgab-en jüdischer Erziehung ihrer Verwirklichung zuführen. Innerhalb des Rahmens der bestehenden Schulvcrsassung und der reuen Schulgesetze sicht er sich vor eine doppelte Aufgabe gestellt: Es gilt, die in Deutschland bestehenden jüdischen Bildungscnsialten zu erhalten und im Sinne der Forderungen der Einrede in jüdischem Geiste Zu vertiefen und materiell zu stärken. Es gilt ferner, neue jüdische Schulen zu gründen, besonders im Hinblick auf die notwendig gewordene Berussnmschichtung der deutschen Juden. Ter Erzichungsansfchuß bestellt zunächst drei Unterausschüsse: 1. Den Unterausschuß für die Erhaltung und Förderung des bereits bestehenden jüdischen Dildungslvesens, 2. den Unterausschuß für die Entwicklung der notwendig gewordenen neuen Drldlmgsmöglichkeiten, 9. den Unterausschuß für die Neugestaltung des jüdischen Erzichungswesens (Lehrerjortbildung, Lehrpläne, Lehrbücher). Ohne sich in Fragen der Organisation unO der Zuständigkeit Zu verlieren, wird der Er- Zichnngsausjchuß sofort an die Arbeit gehen. Er will seine Ausgaben im Zusammenwirken mit cllen interessierten Kreisen in Angriff nehmen und fordert deshalb alle an )f&ifrf}er Bildung Anteilnehmenden auf, ihn durch Rat und Tat in seiner schweren Pflicht zu unterstützen. deutschen Juden". Berlin - Eharlotter.burg % Kantftraste 15S, Zum Preise von 1,5ö vierteljährlich bezogen werden RlZÜurormö In den Vorstand des Kulturbrmdes Deutscher Juden traten neu ein: Lisbeth Cassierer (Jüdischer Frauenbund) und Direktor Alfred I a u l u s (Liberale Vereinigung). Zum Bundes« jekretär wurde Tr. Werner Levie gewählt. §ür Sarstetterrör Rimftler Die Sprechstunden für darstellende Künstler, Artisten und Autoren werden von jetzt ab Montag. Dienstag nnd Donnerstag von" 10 bis i Uhr in der Oranienburger Straste 31, Hof III. Stock, Zimmer 45 (Anrncldun.g Zimmer 43) obgehalten. Die Sprechstunden für bildende Künstler am Dienstag und Donnerstag von 10 bis 1 Uhr bleiben im jüdischen Museum, Oranienburger Straße 81. MrrjUrrhUfr Hamburg Die nächste Veranstaltung zugunsten der notleidenden jüdischen Künstler findet am Mittwoch, den -2. August, abends 9.30 Uhr, im Eaöriel- Nießer-^aal des Tempels in der Oberst raste statt. Das packende Schauspiel von Tumanoir und Keranivn ,..Tie Eine weint, die Andre lacht" wird unter der Regie von Willi Kruszvnsti zur Ausführung gelangen. In den Hmiptrollerr werden die Damen Andrce, Hosfmann, Müller, Sachse und Wartenberger sowie die Herren Appel, Berges, Krufzym'ki und Vogel Mitwirken. RnegstagslmchL? gssucht Der SpndikuS des Reich 5b undeL jüdischer Frontsoldaten teilt mit: Im Aufträge des Reichsöundes jüdischer Frontsttdaten beabsichtige ich, Kriegsbriefe, Kriegstagebücher und Kriegsgedichte gefallener deutscher Juden cuszugsweift zu verösfenttichen. Diese Sammlung soll für alle Zukunft ein Dokument chr die Vaterlandsliebe deutscher Jiiden und ein Barchs ihrer Zugehörigkeit Zur Heimat sein. Es ergeht darum an alle die herzliche Bitte, das Zur Verfügung stehende Material (unter Zusammenschluß jüdischer GpmnaftiAehrerinnen Die jüdischen Cymnastillchrerinnen haben sich infolge der erfolgten Gleichschaltung ihres bisherigen Verbandes "Zu einer Interessengemeinschaft zwammengefchlosfen. Zweck dieses Zusamnrenschlustes ist die Klärung wirt'chaftlicher Fragen der Lehrerinnen sowie Steilung der gymnastischen Tätigkeit in den Dienst jüdischer Erziehungsarbeit. Alle ausgebudeten Gymnastiklehrermnen werden gebeten, ihre Adressen an „Interessengemeinschaft fachlich allsgebildeter Gymnastiklehrerinnen jüdischer Abkunft", Berlin C. 2, Rosenstraße 2—4 t Fugen dpflegedezernat), mitzuteilen. Onformatkonsblattsr Die neueste Ausgabe (Nr. 7) dom 20. Juli enthält neben den wie stets veröffentlichten neuen Vorgängen ans dem Gebiete des Aroeitsurarttes lind der Wanderung wichtige organisatorische Mitteilungen der „Zenttastrwhlfährtsstelle der deutschen Juden" und der ,LeutralftcUe für jüdistk^ Wirtschastchilfe'. Die ^Informationsblätter" können von Interessenten durch die „Zentmlwohlsahrtsstelle der EINLADUNG zu 3 GROSSEN WERBEABENDEN DES KULTURBUNDES DEUTSCHER JUDEN am Mittwoch, 2. August, 8.30 Uhr, Syrtcgogo Fosanenslrass© cm Donnerstag, 3.August,S.30 Uhr, SynagogeLeveSzovtfStrass© cm Montag, 7, August, 8.30 Uhr, 5ynagoge Rykesfrosso Es sprechen: Rabbiner Dr. Bergrrann, Ratc:ner Dr. Swarsensky, Prediger Kari Rosenthc!, Julius Bab, Dr. Friedrich Brodnitz, Alfred Jaulus, Landgericrtsrat Dr. Arthur Lilienthal, Landgerichrsrat Arthur Reu. Crce-,Streichquorfett, Spott'seh^er Synagoge-rdTor. KlnirlW frei!