Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 28 (13.7.1933)
- Date
- 1933-07-13
- Page
- Seite 269 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2277379-2277993-2278021--08025-2288985- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Serlrn, 13. Juli 1933 XII. Jahrgang ♦ Nr. 28, Cinjtlnuramep 20 Pfennig f ■ " <> *7^^ f 1 si 'sVSA VVS IMMZAM. DicrteljahröahottncmcuL 2,25 NM. (zuZügl. I iih. <*S M /D . . .. ^.. . .. ,, , , .., . q/'wv^ c^wi/C* Cvs> 1/^0 is/v^/y £y W-M §.Ä Allgemeine Zei/ung des Oudenfums petla3 und schnkileitung: Ssttin WI3, Cmf«Stt.42. ff»:r.*stt%t:_32 v!irr K5J—57 .r. DsstscheSronto: Setltn L»72 .:. Sanftonfo: D«sd-rr Senk. SepofiicntoEIe lfc Alleinig- Bnzeigrnannahw.e: Norrnalzeilenrnczler Nr. or -- «.,. m . „ _ „Setlir.--- :lmcr=i-cif I, £o?.r.iptIe:nbair.ni 195. Rudolf 2fe*:e, Beriin SW l«. und derrn. Filialen. Anz-igrnprrifr: VW für die 7s§fpLrte7-.r Zeile nach Rudolf Moffes 4, Fanr..:e..2!..e:.-u und Ste^cng^nch- (nicht ^iellenang-:b:::) für Mitglieder des CenLralr-rrins 0,45 JUK, die 62 mm hztiU SUIIamtaeile 3W VVVVW9 (\fl^H3nnf rT.if* V> 4> Vs/ V L? V*v>:' ‘ Der totale nationalsozialistische Staat Die letzten Wochen haben da? deutsche Judentum illuftoiivfrei gemacht. Nur in gründlichem - Mißverstehen der inneren Gesetzmäßigkeit de? Nationalsozialismus konnte man aus gelegentlichen nationalsozialistischen Aeußerungen und Beobachtungen der Entwicklung Unterlagen für ihre hoffnungsfrohe £eittung von Zeit und Zukunft gewinnen. Nun hat sich der Nationalsozialismus in einer so sinnjälligen Weise über seinen Gesamtwillen und über seine besonderen Absichten gegenüber den deutschen Inden geäußert, ^aß ein Ueberhören nicht möglich ist. Reichskanzler Hitler hat sich in immer schärferer Umreißung der Probleme auf der Führertagung in Bad Reichenhall, auf der Reichsstatthalterkonsereuz und am letzten Sonntag ans einer Gautagnng in Dortmund über die Fortrührung der deutschen Innenpolitik geäußert. Bon den vier Ha n p t k a m p sp h a s e n seien die Leiden ersten — Vorbereitung de? Kampfes und Erringung der politischen Macht — völlig oder nahezu völlig abgeschlossen. Man befände sich jetzt in der drillen Phase: die T o t a l i L ä L d e s Staates herzustellen, 'wobei die n a t r o n a l s o z i a - kistische Bewegung den Ttaat zum Träger ihres Geistesgute? zu machen habe. — Die vierte Aufgabe sei die Losung des Arbeitslosen Probleme?. — In Dortmund führte der .Kanzler zum drillen Punkte noch aus, daß heute niemand der nationalsozialistischen Bewegung Widerstand entgegensetzen könne. Run aber müsie der deutsche Mensch für diesen Staat erzogen werden. Das deutsche Volk müüe sich hundertprozentig in den Dienst dieser Idee stellen. Der Kanzler verkündet damit die Errickp tnng des totalen Staate? als Nahmen der nationalsozialistischen Bewegung und Idee. Der totale Staat de? Nationalsozialismus wird damit zum totalen nationalsozialistischen Staat. Zwischen den angeführten drei .Kanzler- Teden liegen, nur kurze Zeiträume; aber sie von Dr. ßlsreö hrrschberg genügten zur Beendigung de? deutschen Parte iwestu? und zur Beseitigung störender Uneinheitlichkeii von Staat und Volk durch die Teilung des Staatsvolkes in Parteigruppen. Für uns deutsche Juden bedeutet diese Entwicklung eine völlige Heimarlosigkeir im deutschen politischen Bereich. Nirgends mehr ist Äufnahmebereitschast für uns vorhanden, die Möglichkeit, sich zum deutschen polituchen Geschehen in Anlehnung an parteinolitstche Vorstellungen zu orientieren, geschwunden. Rechts, links und Micke gibt es nicht mehr. Ans der einen Seite steht in monumentaler Ceschlopenhest der nationalsozialistische Neub-.ru de? Deutschen Reiche?: aus der anderen ^eite befindet sich die deutsche Iudenheit, weltanschaulich in sich gespalten, in ihren Zukunsts.rbsichten unterschieden und nur in dem einen negativ einig, nämlich sich außerhalb des Staatsvolk- Verbände? im nationalsozialistischen Reiche gestellt zu sehen. Aber wem es nicht ausreich!, seinen Platz nur dadurch bestimmt zu finden, daß er außerhalb einer Gemeinschaft ist, muß — und da? dürste für die überwältigende Mehrzahl der deutschen Juden zutrefsen —, zur Erkenntnis des Drtes gelangen, aus dem er für sich und aus sich heraus steht. Er muß. wie eine Marschkolonne, die zersplickert und weit auseinandergezogen zu einem ersten Halt kommt, nach einem Blickpunkt suchen, zu dem hin neu Richtung genommen werden kann. ' Der slationalsozialismus, und das beißt: der Staat, hat ohne viel neue Lheoretistche Erörterungen die deutsche Judenfrage aus zahllosen Gebieten prakusth angepackt und damit für sich auch Lheoretistch eine Art von Losung gefunden. Tie Verwirklichung des totalen natronalsozialrstischen Staates verlangt aber eine g r u n d s a tz l i ch e umfassende Regeln n g des Rechtsverhältnisses von Staat und Judentum. Bei Abschluß der revolutionären Epoche der neuen Staatswerdung, oder auch, was nicht immer gleichbedeutend zu sein braucht, mit Beginn der Evolution, d.h. — um ein Wort des ReichsimnenminisLers trüsv,^__ vvs?Cy vVv^7 * Frick au? einem Erlaß vom 1b Juli zu gebrauchen, — der normalen gesetzmäßigen Aufbauarbeit oder, wie der Reichskanzler stagte: beim Hinüberleiten des frei gewordenen Stromes der Revolution in das nchere Beck der Evolution, ist auch eine grundsätzliche von^verantwortlicher Stelle kommende Auslap.nng über die staatsrechtliche Einordnung der deutschen Juden erfolgt, die den mehrfach feierlich ausgesprochenen Verzicht aus eine gewaltsame Lösung involviert. Der Staatssekretär des in diesen Fragen federführenden Reichsinnenministeriums Tr. P f h n b t n e i hat in der Vermalt ungsakade in i e einen sicherlich autoritativen Dortrag über ,,di e n e u e S t e l l u n g d e s R e i ch e?" gehalten, bei dem er nach Pressemeldungen folgendes anssührte: „Die künftige Gesetzgebung de? Reiches wird die völlige Erneuerung des deutschen Menschen, seine Erziehung und Umstellung auf das neue Deutschland zum Ziel haben müsien. Die Rassenlehre wird nicht nur bei der Bildung der deutschen Jugend eine erste Rolle srielen, sondern auch in der kommenden Gesetzgebung. Ein neues Reichsangehörigkeitsgesetz wird nicht nur an Stelle der deutschen Staatsangehörigkeit treten, es wird vielmehr Unterscheidungen innerhalb der Reichsaugehorigkeit zu treffen haben, je nachdem der Aus dem Inhalt: Dr.Martin Salomonski: Jüdischer Internationalismus . Seite 274 Dr. Hans Joachim Schoeps: Wir gehen einen deutschen Weg.Seite 275 Heinz Cohn: Möglichkeiten und Aufgaben eines jüdischen Bildungsrates .Seite 276 Für Hilfe und Aufbau . Seite 277