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Central-Verein-Zeitung · 1933-06-29 · 26 (29.6.1933) · p. Seite 252

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
26 (29.6.1933)
Date
1933-06-29
Page
Seite 252 (sequence 8)
Language
German
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SSL MS bU NMßMÄtbLüll Die Presseabteilung der Reichsvertretung der jüdischen Landesverbände Deutsch l a n d Z teilt mit: Die Reichsvertretung der jüdischen Landesverbände Deutschlands trat am Sonntag, 25. Juni, in Berlin zu einer Sitzung zusammen. Ter Vorsitzende, Kammergerichtsrat Wolfs, gedachte nach Begrüßung der Erschienenen des schweren Verlustes, den das gesamte Judentum durch den Tod des Dr. Ehaim Arlosoroff in Tel-Awiw und des JustizratZ Tr. Elias Straus in München erlitten hat. — Tie Reichsvertretung beschäftigte sich vor allem mit Schul- und Erziehungsfragen. Es wurde die Begründung eines Erziehungsausschusses beschlopen, der als eine zentrale Stelle alle Erzichungsfragen des deutschen Judentums behandeln und den Landesverbänden und Gemeinden anregend und beratend zur Seite stehen soll. Zinn Vorsitzenden wurde Herr Prof. Tr. E l - bogen (Berlin) bestellt. Alsdann erstattete das Gen oral Sekretariat des Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau ausführlich Bericht über die Arbeit des Ausschusses. Im Anschluß daran fand eine eingehende Aussprache über alle Fragen der wirtschaftlichen und sozialen Hilssarbeit statt. Der eine der beiden Präsidenten der Reichsvertretuug, Herr Rabbiner Tr. Da eck, hat den Wunsch ausgesprochen, von der weiteren Führung des Mitvorsitzes in der Reichsvertretung und der Mitgliedschaft im Präsidium mit Rücksicht auf seine starke Ueberlastung mit anderweitiger im Interesse des deutschen Judentums zu leistender Arbeit entbunden zu werden. Tie Reichsvertretung hat von diesem Wunsch mit größtem Bedauern Kenntnis genommen und ihm Rechnung getragen. Sie hat Herrn Dr. Baeck zum Ehrenvorsitzenden gewählt, in welcher Eigenschaft er an den Arbeiten des Präsidiums auch weiter teiluehmen wird. Das MWe ElksmMwerk Am Donnerstag, den 22. Juni d. I., rief bas Jüdische Ellernhilfswerl zu seiner erfreu Kundgebung in das Logenhaus. Die Beranstaltung wurde von Tr. H e l s f t eröffnet, der in seiner Begrüßungsansprache auf die schwierige Situation der jüdischen Jugend hinwies und alle Eltern und Erzieher zum Zusammenschluß im Interesse des jüdischen Kindes aufforderte. Cr betonte, daß gerade heute die gegenseitige Hilfe notwendig sei, um zu verhindern, daß zu der materiellen Not der jüdischen Jugend nun auch die geistige und seelische hinzukäme. Nach diesen einleitenden Worten ergriff Rabbiner Dr. Baeck das Wort: Lange genug, führte Dr. Daeck aus, wäre Judentum nichtweiter als äußere Form gewesen, äußerlich wir alles andere in jener Zeit. Jetzt sei aber die Zeit gekommen, wo wieder der ganze Mensch vom Judentum erfaßt werden müßte, wo die Erziehung wieder zur Verinnerlichung des jüdischen Menschen fuhren muß. Juden münen wieder die Aristokraten der Seele werden, wenn sie ihrer geistigen und historischen Ausgabe gerecht werden sollen. Wahr werden soll wieder das alte Wort der Schrift: Ihr sollt mir sein ein Volk von Priestern und ein heilig* Volk. An dieser Erziehunasoufgave mitzuarbeilen, ist Pflicht und Aufgabe eines jeden, deshalb begrüße er die Gründung des Eliernhilbswerks aus das wärmste und wünsche ihm einen vollen Erfolg. Margarete Fried zeigte den alten unewig neuen Weg zum Wiederaufbau. unseres Judentums: Zurück zur jüdischen Familie, in der starkes innerliches jüd:sck>:s Leben die einzelnen Glieder bindet, in der jüdische Feste wieder gefeiert und die Lichter an den Erdenk- und Feiertagen entzündet werden. So lvird dir jüdische Jugend das Elternhaus lieben, das ihm Zuflucht wird in der Nr: der Stunde. Studienreferendar Heinz.Go h n geht auf die besonderen Ausgaben des jüdischen Erziehers ein. Wie ein großer Baum aus zrvei starken Wurzeln hätte bisher das deutsche Judenrum seit und sicher geruhr, aber nun bat die eine Wurzel starken Schaden erlitten. Pflicht und Aufgabe von Eltern unll Erziehern sei es daher, die ^andere Wurzel, die jüdische, zu kräftigen und so stark zu machen, daß sie allein die Last des Baumes zu tragen imuanbe ist. Wurzeln unsere Kinder fest und sicher im Judentum, dann werden sie auch in diesen Tagen seelisch und geistig gesiund h:ranwachsen. vria starkes bewußtes Geschlecht wird der Träger eines neuen deutschen Judentums werden. In seinem Schlußwort bat Dr. Helfft nochmals um die tätige Mitarbeit von Eltern und Freunden der jüdischen Jugend und teilte mit, daß diese Kundgebung nur die Einleitung der praktischen. Arbeit sich die jetzt intensiv und energisch in Angriff genommen werden soll. Mit einem Tankmoi: an die Referenten schloß die Versammlung. A. L. A. ®»iF3>! W S.LE.E.05 Am 25. Juni, pünk'llch um 15 Uhr, verkündeten drei Startschüße den Beginn des Eröjfnungs- und WerL'Aportfestes des neuen I. T. S. E. 05. Der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, Rechtsanwalt Stern, ermahnte nach den Vegrüßungsworten Martin S o b o t k e r s, die ungefähr 200 im Innen raum a.nfmarschierten Teilnehmer, sich für eine bessere deutsch-jüdische Zukunft zu bereiten, sich körperlich zu ertüchtigen. um den Aelteren eine Stütze, der kommenden Generation Vorbild und Ansporn zu sein. Dann rollten knapp und schnell die sportlichen Wettkänrpje vor den Äugen der interessierten Zuschauer ab. Zu erwähnen sind b-ei den Männern der 1t»Meter-Lauf, den nach schwerstem Brust-an-Drnst-Kampf der vielseitige Rudi Siegel in der für die schwere Bahn ausgezeichneten Zeit von 11L Sekunden mit Brustbreite vor Sommerfeld gewann, ebenso gcuvann Rudi Siegel das Kugelstoßen mit 10.94 Meter. Im 800-Me!er-Lauf standen 18 Läufer cm Start. Henoch siegte unangefochten, ohne sich auszugeben. in 2.15.2 Minuten. Bei den Damen belegte im 100-Meter-Lauf Frl. Finkenstein spielend leicht den ersten Platz vor Vera Gold* Wasser (Zeit: 13,9 Sekunden) und wurde auch im Weitfprung mit 4,94 Meter Erste. Die 4 r.zaU lOO-Meter-Stasfel holte sich die „Erste" in der Besetzung: Friedländer. Schlesinger, Eoldwaster und Finkenftein gegen drei kombinierte Staffeln (Zeit: 59,2 Sekunden). Auch bei den diesen Tag beschließenden Handballspielen zeigte es sich, welch ausgez-ichnetes Material hier im I. T. S. C. steckr. Fast gleichwertig waren sich jeweils die Mannschaften und lieferten sich fairste Werbeziele in des Mortes bester Bedeutung. Im Tamen'viel siegten die .Menen" gegen die „Alten" mit 3:2 i (1:1) und bei den Herren die „Erste" knapp, aber sicher mit 6:4 (3n2) gegen die namentlich in der Hintermannschaft recht starke „Zweite". Besonders erwähnenswert ist noch die Teilnähme der vielen Kleinen und Kleinsten, die mit großer Begeisterung sich an den gemeinsamen Freiübungen beteiligten und auf der Aschenbahn „wie die Großen" zu kämpfen verstanden. Abschließend kann man sagen, daß dieses Sportfest in jeder Hinsicht unbedingt aus der Gewinnseite der Klubgeschichte zu buchen ist; wohl bleibt noch eine immense Arbeit zu be-; wattigen, bis auch der Letzte erfaßt und allein j feinen geordneten Bahnen lausen wird, jedoch > ist der I. T. 3. E. aus dein richtigen Wege, das wurde Sonntag schlagend bewiesen und, mich es schaffen, wird weiterhin ganze Arbeit gelastet. Ehre allen Gefallenen! Erinuerrrngsscier der Frankfurt er ' Kmltrrögcinernde. Die jüdische Gemeinde Frankfurt am Main hielt in der dichtbesetzten Synagoge in der Freiherr-vom-Stein-Snaße eine Erinnerungsfeier anläßlich der Tenkmalsweihe des Regi-! ments 81 ab. Am Gottesdienst nahmen die ' jüdischen Soldaten dieses Regiments mit chren Orden und Ehrenzeichen sowie Vertreter der ehemaligen 81er teil. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand eine Gedenkrede des Feldrabbiners Dr. Salzberger. Er schillerte, > wie 1914 die Einigkeit alle Deutschen beherrscht 1 und der Geist der Kameradschaft alle Gegensätze! überbrückt habe. Man habe nicht danach gefragt, ob jemand Christ oder Jude, reich oder^arm, j Arbeiter oder Bürger war. Alle seien sie Löhne * des deutschen Volkes gewesen, die ihre Pflicht erfüllt hatten. Unter den Gefallenen des Regiments 81 befinden sich auch 20 jüdisch r^ollaten > Frankfurts, die ihr Leben für Volk und Vater-! land geopfert hätten. Tie deutschen Juden wür-! den mcht verpveifeln und sich weiter als Deutsche fühlen und für ihr Deutschtum kämpfen. Rabbiner Dr. Salzberger sprach dann das Totengebet für die gefallenen deutschen Soldaten. Mit dem Gesang des niederländischen Tankgebetes schloß die eindrucksvolle Feier. Aus Briefen an den Cenfralverein Miiarheiishereitsch&ft „Ich danke Ihnen verbindlich^ für Sendung und schreiben. Mit meiner Mitgliedscharr zum C. V. erk.äre ich mich selbstverständlich einverstanden. Sicherlich wird meine Auffassung nicht vereinzelt bauchen, daß ich mich jetzt erst nach sinem 1. April bewußt, dafür aber mit um so mehr : ^tokz zum deutschen Judentum bekenne. Meine Versäumnis alle di? Jahre hindurch war nicht schlechten Sinnes, denn ich war ' Deutscher in allererster Linie und mit ganzer . Hingebung. Als Kriegsfreiwilliger, als Front- Ikämpfer und als Kutturförderer in der deutschen Werbung hätte ich wohl nie anders danken können. Run aber soll cs mir eine heilige Genuaümng ein, das deutsche Judentum nach bester Mrgiicheit würdig und eindrucksvoll zu vertreten. In Gemeinschaft mit Ihnen will ich mich von Herzen gern für das große und schwere Werk der Verteidigung unserer Ehre und unserer Eristenz einsctzen. Ich gehe jetzt für einige Wochen zur Kur in ein Krankenhaus, um ein noch aus den Krieg-sichren stammendes Leiden auszuhcilen. Alsbald nach meiner Genesung aber werde ich mich melden und Ihnen — wenn Sie mich verwenden können — gern und freudig zur Seite stehen."

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