Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 24 (15.6.1933)
- Date
- 1933-06-15
- Page
- Seite 228 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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22S für y Die jüdischen Juaendbünde sind ans dem Rerchsausfchutz der^denkschen IugendverbZnde ausgeschlossen worden. Das bedeute! u. a., daß jüdische Jugendgruppen in Jugendherbergen keine Aufnahme mehr finden und daß sie die Vergünstigung der Fahrpreisermäßigung bei Eifenbahnfahrlen verlieren. Das ist ein schwerer Schlag für die deutsch-jüdische Jugend. Für die Erziehung der jungen Juden waren die Wanderungen von sehr großem Werk. Der verbilligte Fahrpreis und die geringen Aeberncchtungskosten geftalkeken sie auch den Mittellosen häufig. Stärker als vieles andere konnten gerade die Wanderungen in alle Gegenden Deutschlands und der Aufenlhalk unter den verschiedenen Stämmen des deutschen Volkes zur Verwurzelung der Juden in Deutschland beitragen. And gerade in einer Zeit, die mehr denn je die Bedeutung der Schollenverbundenheit für die Entwicklung des Menschen in den Vordergrund rückt, wird nun der junge deutsche Jude von heimatlicher Landschaft serngehalken. Sollen diese jungen jüdischen Menschen nun in den Städten erngeschlossen sein und wirklich „Asphaltmenschen" werden? Es mutz eine Möglichkeit gefunden werden, der wandernden jüdischen Jugend wenigstens eine der Jugendherberge entsprechende Ankerkunfk zu gewähren. Nachstehende Zuschriften machen dafür geeignete Vorschläge: (in jüdischer Hotelier schreibt: Im vergangenen Jahr hat mein Sohn mit einem Intimus christlichen Glaubens eine vierzehntägige Radtour unternommen, und wenn ich daran zurückdenke und mir vergegenwärtige, wie nicht nur mein.Junge, {andern auch sein Freund — Berlin streiend — vier Tage lang von unseren dort ansässigen Angehörigen empfangen, untertzebracht und verpflegt worden ist, dann mutz ich allerdings in der Tatsache, datz unseren Jungen in Zukunst die Inanspruchnahme von Jugendherbergen versagt fein soll, eine unerhörte Harte erblicken. Ich habe diese Angelegenheit mit meiner Frau beraten, und wir haben den Entschluß gefaßt, unsere jungen Freunde und Freundinnen, welche gelegentlich einer solchen Radtour Bad H . . . berühren, je nach Bedarf ein bis zwei Tage umso n ft aufznnehmen und zu verpflegen. Da ja nun diesen Touristen mit der Durchführung eines solchen Planes einzig und allein für H. nicht gedient wäre, so Müßten sämtliche jüdischen Hotelbesitzer Deutschlands sich zu diesem "Plan zufammenschließen. Me, die in gleicher Weise wie ich zu verfahren bereit sind, wogen ihre Adresse dem Eentraloerein übermitteln. Tie „E. D.-Zeitung" möge dann die Itdrenen. mitte!len. Wenn sich dann — woran ich keinen Augenblick zweifle — eine ganze Reihe von Häusern dazu versteht, an dem Ausbau meiner Idee nntzuwirken, dann sollte wohl die Möglichkeit gegeben sein, unseren jungen jüdischen Freunden zur Durchführung dieser oder jener größeren Rad- oder Wandertouren auch unter Ausschaltung der Jugendherbergen erneut die Wege zu ebnen. M. 0., Bad H. €m StuZent schreibt: Mag man uns auch den Weg zu dem Und jenem Beruf versperren, wir jungen Juden werden den Kopf nicht hängen lassen, sondern wir werden kämpfen und neue Wege finden! Aber dazu brauchen mi einen festen. moralischen Halt. Diesen fanden wir bisher im Ciauben an unfern Colt einerseits, in dankbarer und treuer Liebe zu unserer Heimat anderseits. Der jüdischen Jugend Liebe zu ihrem Vaterland mit billigen Worten zu beteuern, liegt mir nicht. Aber das soll gesagt sein, datz wir..aus unseren Fahrten durch deutsche Laude nie als in Wandervogeltracht verkleidete Snobs kamen, die über einheimische Sitten spotten und über die Beschwerlichkeit der Wanderung klagen. Vielmehr trieb uns, trenn wir nur einige Tage Freizeit hatte:;, immer und immer wieder eine große Sehnsucht vom Hause unserer Eltern hinaus zu den urwüchsigen Menschen der vielen deutschen Stammes Erquickt kehrten wir dann von unseren Fahrten in die Mauern der Stadt zurück, der Strapazen, die sie uns wegen der Beschränkcheit unserer Geldmittel oft bereiteten, germgackftend, gestärkt für den Kamps des Alltags durch -dis frerüstge Gewißheit, unfern: Volke wieder nähergekommen zu sein. Nun will man uns das Wandern unmögtich machen, weil man weiß, daß man uns nur wirksam wird bekämpfen können, wenn man unserer Seele die Nahrung raubt. Man zerschlägt uns die Brücken zu unfern: Volk. Pioniere heraus! Laßt uns neue Brücker: bauen! In jedem jüdischen Heim, in jeder jüdischen Schule, in jeder jüdischen Siedln n g m u st e i n e H e r b e r ge f ü r die wandernde jüdische I u g e n d erstehen. Wir Jungen sind bescheiden. Wir werden nicht murcen, wenn man uns nur den Dachboden des Hauses oder einen leeren Schuppen zur Verfügung stellen kann. Einige Feldbetten hinein und einige Stühle und Tische, so ift eine notdürftige Unterkunft fertig. Alle jüdü'chen Verbände müffen sich an dem Werk bewiligen, und alle jungen, jüdischen Wanderer, gleichgültig welcher Richtung, werden gern tatkräftig Mitarbeiten. Nur schnell ans Werl! «Joachim Michael Meyer, stad. iur. Wsr schafft Ferienlager? Tie ^Mädchenschule Berlin, Auguüstratze, fragt: Lser stellt uns in einem Hanse in der Nähe vcu Berlin für Juli ein geeignetes Unterkommen für ein Ferienlager un'erer Schülerinnen zur Verfügung? Wir brauchen ein bis zwei Schst stimme, einen Aufenthallsraum und Kochgelegenheit für Gruppen von etwa 15 Kindern in:! .zwei Lehrern für jedesmal sechs bis acht Tage. Für Angebote wäre dankbar: Kapharr, >24, August strafe 11—13» D 2, 4423. Jüdischer Zugendrirg Mein-Mr Tie Jugendbünde und Verbände im rheinischweststlüchcn Bezirk haben sich zur Zusammenarbeir im Jüdischen Jugendring Rhein-Ruhr zusannnengeschlopen. Tie Vereinigung soll dazu dienen, die Kräfte der jüdischen Jugend zur Bewältigung der drängenden Fragen des jüdischen Seine in Deutschland einheulich und stossträstig zu'aimnenzrrfanen. Die Aufgaben des I. I. R. R. umfaßen folgende Punkte: ^Arbeitshilse, jüdische Kulturarbeit und Körperschulung. Durch enge Zusammenarbeit mit den Äemtern und großen Organisationen des deutschen Judentunrs soll depen Arbeit für breite Kreise der jüdischen Jugend fruchtbar gemacht werden. Die -Arbeit des I. I. R. R. fall sich auch aus die bisher nicht organisierte jüdisch; Jugend richten. Der Jüdische Jugendring Bhstn-Nichr ift als Lande-ausschutz des „Reichsausschusies der jüdischen Jugendverbände" gegründet. Die Selbständigkeit der Einzelbünds K"M erhalten. Dem Ring und auch der Rheinische Jugendausschuß des (st B. und der C. V.-Lundesausichusi Rheinland-Westfalen an geschloffen. Anschrift: Jüdischer Jugendring Rhein-Ruhr, Köln. Rubensstrotze 33. Dr. Hans Joachim CchocPS, der Führer des „Deutschen Vortrupps, Gefolgschaft deutscher Juden", Kanzlei Berlin 8 59, Hasenheide 54, teilt zufolge einer Meldung der ITA vom 15. Juni mit. datz er dem „Aktionsausschuß jüdischer Deutscher", den nach Angaben des „Nationaldeutschen Juden" ursprüirglich der „Verband natioualdeutsck)5r Juden", der „RIF" und der .Deutsche Vortrupp" gebildet haben, nicht mehr angehört. Da auch der „RIF" ans diesem' Aktion saus schütz seit langem ausgeschieden ist. besteht dieser also nur noch aus dem „Verband nationaldeuticher Juden" selbst. Dr. ^choeps legt in biefent Zusaunnenhang auch Wort aus die Feststellung, datz die Mitglieder des „Deutschen Vortrupps. Gefolgschaft deutscher Judench von einer einzigen Ausnahme abgesehen, die politische Kampsmethoden des Dr. Naumann gerade ans ihrer demsch-lonstivakiven Anschauung und jüdischen Vcraut- Wertung heraus ablehnen und ihnen sernstehen. Auch die Blinden . . . Ter seit seiner Jugend erblindete Dr. dhrk. et jur. Ludwig Cohn (Breslauist in der Provinz Niederfchlesien seit 1910 aus dem Gebiete bei Blindenfürsorge tätig. Rach fast zwanzigjährigem ehrenamtlichen Arbeiten wurde er N'28 lüit dein Amte des Blinden'ürsorgers betraut. Tr. Cohn hat dieses Amt als anerkannt hervorregender Fachmann so verwaltet, datz Behörden, OÜgannatlonen und Privatpersonen in ihm den bcrustnen Sachwalter der Blinden Schlesiens sehen. Für Kriegsblindenhilfe seinerzeit mit dem Berdienstlreirz ausgezeichnet, hat Tr. Ludwig Gehn es als seine Lobe:rsau stabe angesehen, die ost.aie und wirtschaftliche Lage der Blinden zu wrderu, und seine grehen Erfolge hierbei sind st: der eben erfolgten Aufkündigung unumschränkt anerkannt worden. Aber die von ihm bisher befürsorgten Blinden selbst wollen heute — das wurde als e i n z iger Grund für seine Enthebung vom Amt ausgesprochen — den einem Juden nicht mehr beraten sein. <T> o o cs li Li b*©ss5S,©s ScbtD^lDegsiss