Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 24 (15.6.1933)
- Date
- 1933-06-15
- Page
- Seite 221 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XIL Jahrgang ♦ Nr. 24 EinzeLaummee 20 Pfennigs MSMZNG SM /r/ *jf &l} ö^' \X>y r Erklärung ö§§ sächsischen WirLschaftsminifters i-7/a & ❖ . Für die beste ArlriEWrung! SöchHschs Zeitungen, wie die „Chemnitzer Allgemeine Zeitung" vom 31. 21tai und die „Dresdener Nachrichten" vom 30. Mai, veröffentlichen eine Erklärung des sächsischen Wirtschafksminiskers. in der es heißt: „Es hak sich in letzter Zeit gezeigt, daß in einigen Zweigen der Industrie, soweit nichtarische Auftraggeber als Grossisten oder Einzelhändler in Betracht kommen, die Auftragserteilung in bedenklicher Weise nachgelassen hak. zum Teil sogar völlig ins Stocken geraten ist. Diese Eeschäftssrockung hak in verschiedenen Industriezweigen zu Arbeikerenklassungen und zu Stillegungen geführt nichtarischen Firmen begründen ,-^^vw»■ vw fituuu; __ _^ regierung oder der Lönderremerungen befürchten. Demgegenüber ist feskzuslellen, daß diese Befürchlungenunbegründet sind. §u öreser Erklärung wlrA uns aus jüörfchen Kreisen des Chemnitzer CinZelhanöels geschrieben: Es wird in der Erklärung gerügt, daß nichtarische Firmen mit der Erteilung von Aufträgen stark zurückhalten. Zu dieser Maßnahme sehen sich jüdische Firmen veranlaßt, sowohl durch den Umsatzrückgang infolge der Wirtschaftskrise als auch durch den Boykott ihrer Geschäfte. Behörden verbieten, wie jedes ftinb weiß, ihren Beamten das Kaufen in jüdischen Geschäften; Kommunen entziehen laut überall bekannten und verössentlichten Erlaßen den jüdischen Firmen ihre Aufträge. Leit dem 1. April, dem Boykottsonnabend, ist den jüdischen Firmen jede Jnsertionsmöglichkeit in Chemnitz unterbunden. Sämtliche Tageszeitungen der Stadt lehnen die Aufnahme der Inserate dieser Firmen ab. Die jüdischen Geschäfte sind von der Einlösnng der von der Stadt ansgegebenen Aerbittigungsscheine ausgeschchsien. Wo soll unter Dielen Umstanden der jüdische Kaufmann den Optimismus für die Zukunft hernehmen, um auf Grund dessen die für unsere Wirtschaft so überaus notwendigen Aufträge 311 erteilen? Ter jüdische Kaufmann hegt nach den bisher gemachten Erfahrungen die a l l e r g r ö ß - * en B c fü rchLungen fn r seine künftige E x i st e n z m ö g t i ch k e i t. Kauz klar und deutlich muß es einmal ausgesprochen werden, daß das Gros der deutschjüdischen Firmen siets rmd immer dem Verlangen des Herrn Wirtschafts- Ministers, Sauberkeit in der Eeschästsgebarung und Rücksichtnahme auf die deutsche Volksgemeinschaft, entsprochen hat. Aufrichtig und ehrlich will der jüdische Kaufmann, wie bisher, auch unter den neuen Verhältnissen am Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft mitarbeiren. Er betrachtet diese Arbeit als eine seiner wichtigsten Aufgaben, als eine deutsche Ehrenpflicht. Es ist an der Zeit, daß unverzüglich Mittel und Wege gefunden werden, um dem jüdischen Kaufmann, der nie und nimmer an seiner deutschen und vaterländischen Gesinnung Zweifel auskommen ließ und auskommen lassen wird, die Erhaltung seiner Eristenz zu ermöglichen, nicht allein in seinem, sondern auch im Interesse der vielen Angestellten Lind Liestranten, deren Positionen ebenso in Frage geüellt sind wie die Position des Einzelhändlers, wenn weiter nach den ausgesührten Grundsätzen verfahren wird. Gern und freudig sielst der deutschjüdische Kaufmann dem Staat zur Verfügung mit seiner ganzen Kraft. Hoffen wir, daß diese Erklärung genügt, um recht bald eine Wandlung, die dem Volksganzen dienen soll, in diesen Dingen herbeizusühren. G. Ter Begriff der sogenannten Gleichschaltung begegnet noch immer irrtümlichen Auffassungen. So wird angenommen, daß eine gesetzliche oder verwatLnugsrechtliche Anordnung bestände, nach der private Wirtschaftsbetriebe oder Organisationen eine Verpflichtung zur Gleichschaltung hätten. Ter Reichsinnenminister hat auf eine Eingabe des Kartells der Hundezüchler, in der um Stellungnahme zur Frage der Gleichschaltung dieser Vereinigung ersucht wird, folgenden Bescheid erteilt: „Ich erwidere auf das an meinen Sachbearbeiter gerichtete Telegramm . vom 28. 4. ergebenst, das; das Gleichschaltungsgesch vom 7. 4. 34 sich nur auf Reich und Länder, nicht auf private Organisationen bezieht." Eine gesetzliche Verpflichtung zur Gleichschaltung besteht demnach nicht und ebenso wenig die Verpflichtung zur Entlassung jüdischer Angestellter, die im Zuge der Gleichschaltung hier und da. als Forderung Nachgeordneter Stellen erhoben wurde. Ter Reichskommissar für den Mittelstand, Ministerialdirektor Tr. W i e n b e ck, hat vielmehr auf eiuem Mittelstandsausspracheabend der Teutsch- Dr. Alfred Wiener: Zur Führerfrage im deutschen Judentum.Seite 22$ Dr.Kari Rosentha!: Joseph Lehrr.ann zum Gedächtnis.Seite 226 Helft der Jugend wandern! . . . .Seite 223 nationalen Front (..Frankfurter Zeij rumst Nr. 417/19 vom 8. Juni 1983) ausdrücklich darauf hingewiescn, daß es daraus ankomme, die tüchtigen Leute in den Verbänden d u r ch z u h a l t e n, auch wenn sie jetzt nicht in leitenden Posten seien. Aus die in der Aussprache vorgebrachten Klagen erwiderte der Reichskommisfar üir die Wirtschaft, Direktor D! ö! lers. u. a. „Ich bin gewissermaßen Neichskommissar