Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 23 (8.6.1933)
- Date
- 1933-06-08
- Page
- Seite 209 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Seelkn, $» Funk l-zz XII. Fahrgang # klr. 23 finjdnmnmer 20 Pfennig -! [•/?!•!.•!•': i.'/i-ij Aji'; - ••.Ü&J vV wVvvv^^Vi; X/WV^<7V Don Or. Alfred Wiener 1. Rassenhygiene Ein Erlaß des Reich^innenministers ltnb eine progranuuatische Rede des Ministerialrats Tr. L. Eonti vom Preußischen Ministerium, des Innern bekunden den festen Willen der Regierung, den Familieogcdanken, den Kindersegen, die erbgesunde Masse irr der Familie energisch zu fordern und zu erhalten. Wir können diesem streben nrrr das beste Gelingen wünschen. Wenn auch „tief in unserem Volke der Zauber der Familie wurzelt" «— das Maschinenzeitatter, die Sberslächenkultur, der Unsegen der Großstadt haben die jüdische Familie arg zu entzaubern begonnen. Tie Furcht vor dem Kinde wurde auch der jüdischen Ehe zum Unstern. Das gilt vor allem für die Ehen der Besitzenden. Bei unseren Großeltern sprangen sechs und acht und zehn Kinder um einen oft armseligen Tisch. Auch ohne Schokolade und ohne Südfrüchte — damals Märchenträume — wuchsen sie zu gesunden Gliedern der Gesamtheit aus. In den letzten zehn Jahren besannen wir uns aus die Vergangenheit stark und stärker. Die Familiengeschichte wurde durchstöbert. In zahlreichen jüdischen Familien wurden Stammbäume angelegt. Ter mutige Berliner Augenarzt Dr. Ezellitzer gründete die „Gesellschaft für jüdische Familiemorschung". Eine stattliche Reihe von Miueitungsblättern ist ihr Werk. Soweit also die Arbeit der Reichs¬ und Staatsbehörden den Familienaufbau, die Familiengesundheit, den Familienstolz vorwärtstreiben will, möge sie Segen bringen. Auch wir deutsthen Juden werden aus ihr ernste Lehren und praktische Folgen zu ziehen haben. Ist aber die Furcht unberechtigt, daß sich das übrige, was als „Rassenhygiene" betrieben werden soll, zur Hauptsache auswachst? Wird es nicht nur als gegen die Jud^n gerichtet offenbar werden? Wird es uns nicht trotz der beschwichtigenden Worte Tr. Eontis neue Demütigungen eintragen? An dieser Stelle Entscheidendes über die außerordentlich schwierige Frage der Mischehe ausznsagen, ginge über den Nahmen dieses Aussatzes hinaus. Nur soviel: Viele, Ehriüen und Inden, lehnen die Mischehe ab. Wir verstehen solche Haltung durchaus. Aber Fragen wie diese, die ein feinües und letztes Hin und Her von Mewch zu Mensch berühren, sollten nicht mit rauhen Händen ungefaßt werden. In seinem letzten Heft der „Grünen Blätter" („Die nationale Revolution". Elmau 19:33) findet der treuliche Johannes Müller wundervolle Worte gerade über Rassensragen jenseits der jüdischen Jnteresien. Möge der edle Gehalt dieser Worte bei den gesetzgebenden Regierungsstellen Beachtung finden und auch von den Männern und Frauen gelesen werden, die der Reichsiunenminister zum „Rate für Rassenpolitik" znsammengeruwn hat! Wir sind überzeugt, daß jeder der Berufenen den besten Willen hat, dem Volk zu dienen. Sb aber zur Ergänzung der Anpassungen nicht doch der oder jener andere Gelehrte von Geltung und nationaler Gesinnung hinzngezogen werden sollte, wird das Reichsinnenministerrum sicher — die Zusammensctzung ist noch nicht abgeschlossen — erwägen. 2. Stiftungen Eine verbreitete Wochenschrift Hai es uns übel vermerkt, daß wir kürzlich in diesen Blättern die Bedeutung der Juden für den Aufbau und Ausbau der Reichs- Hauptstadt unterstrichen. Sie hat auch ihrerseits die Bedeutung einiger jüdischer Namen für die Entwicklung Berlins nicht geleugnet, ist aber darüber unmutig, daß wir „das Heer von Millionenbetrügern semitischer Rasse, Gaunern, Bolksaussüugern" heuchlerisch unter den Tisch fallen lassen. Wir haben niemals — auch nicht in den Hunderten von Borträgen Aus dem Inhalts Dr. Fritz Goldschmidt: Deutschtum und Judentum .. Seite 210 Zwei wichtige Entscheidungen des Arbeitsgerichts.Seite 211 Dr. Arthur Lilienthal: Der Fortfall der Staatsbeihüfen für unsere Gemeinden .Seite 211 Die jüdischen Schüler an den Schulen Deutschlands.Seite 213 Die Lichtrechnung ....;.Seite 215 vor Nichtjuden vor dem 30. Januar — bestritten, daß sich zahlreiche unlautere Elemente auch in den jüdischen Reihen breitmachen und unseren guten Namen schänden. Ihre Ausrotrung mit Stumpf und Stiel haben wir ständig gefordert. . Daß eine strafende Justiz vor keinem von ihnen haltmacht, ist nur zu begrüßen. Es würde den Sinn dieser umwälzenden Zeit herunterziehen, würden wir auch nur die kleinliche Frage ernstlich auüversen, ob denn in den „nichNemitischen" Reihen unseres deutschen Volkes die Schar derer ohne Jehl und Tadel wirklich so viel kompakter ist denn bei uns. Seitdem die Staats- und Reichsbehörden mit eisernem Besen bei amtlichen, halbamtlichen, privaten Dienststellen und auch anderswo auskehren, haben wir erdrückend viele nichtjüdische Namen gelesen, die gewogen, aber zu leicht bekunden wurden, und die mit dem Judentum gar nichts gemein hatten. Tie genannte Wochenschrift reibt sich auch an dem Aufsatz der „E. V.-Zeitung" über die Stiftungen der Berliner Inden für ihre Vatentadt, die einem opferfreudigen Bürgersinn, einer tiefen Liebe zur Heimat, einem edlen Herzenstriebe zu danken sind. Diese Stillungen sind häufiger, als zu erwarten, für alle, gleichgültig welchen Blutes, errichtet worden. Selbst diese Wochenschrill, die den Inden gar nicht wohl will, wird es aber nicht glauben wollen, daß in einer westdeutschen Großstadt bei von Juden geschafsenen Stiftungen Juden räch: mehr angestellt, bei einem von Juden errichteten Krankenhause nur arische Aerzte zugelasjen wer-