Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 22 (1.6.1933)
- Date
- 1933-06-01
- Page
- Seite 197 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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-3 5.1S33 Seel!», 1» Jönf 1$33 Xll. §ah§§LNg ♦ Kr. 22. Efvzelvammer 20 pfrnmlg O 'J\ V.S-oOTiO. s.r ii i r-^ V v;>vVvys?v'w>'w,Wvv'i? ' -■*. rf*\ V’s/'U H ööWÄZN§S.Ä MEMMIW-WL Ws/vv VicrLclzahröadonncment 2,25 Lwow (zuzügl. Bestellgeld). Allgemeine 2eituntz des Judentums Derlag und SchriuMtung: Berlin W 15, CmfctGit. 42. Fernsprecher: J 2 ONv2 6654—57 .:. 3>of:’f g^for.ta: Berlin 30472 .:. Sa~üonto: Dresdner Bsnk, Dexositenkaffe 8 3, ' ' Berlin-Dilmersöorf I, HohenzoLern.-^m 156. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Errsdition N'udolfMozpe,- Berlin 3W 1V, und deren Filialen. An.-:-.genpreise: 0,90 -iR.K fiz die Igrspaltene Zeile nach Nnd-al? Mrffes 'Normal^eilenmencr Nr. 4, FamilienanzLigen und Ltellengesuche (nicht Ete2en-ang:Lote) für Mitglirrer des Lentralvereins 0,45 JLi, die 62 mm breite Reücrnezei'.e 3,50 rt ' V v/v" Iw/ vv vVVvVvV^?^ A/%?VvS? von Dr. Kffreö Menee In der antiken Komödie wird Sokrales, der griechische Weise, in.einem Korbe zwischen Himmel und Erde schwebend .dargestellt. . Diese hilflose Lage ähnelt der Lage des deutschen Judentums in der Gegenwart. Die erdrückende Mehrheit 'der deutschen Juden bleibt trotz allem und allem fest in deutscher Heimaterde verwurzelt. Mögen manche in ihren Gefühlen für das deutsche Vaterland durch die Wucht der jüngsten Ereignisse erschüttert worden sein. Sie werden die Erschütterungen überwinden, oder, wenn sie sie nicht überwinden werden, so war die Wurzel, die sie mit der deutschen Muttererde verband, niemals stark genug. Nach dem Willen aber der gegen uns gerichteten Gesetze und Verordnungen gehören bisher nur die „Arier" dem deutschen Volke an. Was sind wir nun? Vor dem Gesetze nicht gleichberechtigte Nichtdeutsche, vor uns selbst vollberechtigte Deutsche. Eine völkische oder nationale Minderheit zu sein, etwa wie die Deutschen in Polen oder die Polen in Deutschland, lehnen wir ab, weil wir unser Inneres nicht belügen können. Wir wünschen, als gleichberechtigte Deutsche der neuen Regierung zu unterstehen, nicht irgendeinem anderen Gebilde, mag es Völkerbund oder sonstwie heißen. Damit erledigt sich für uns auch die Frage Genf, die im Augenblick die jüdischen Menschen überall beschäftigt. So schweben wir zwischen Himmel und Erde. Wir muffen mit Mut und -Kraft dafür kämpfen, daß wir wieder, auch von Staats und Gesetzes wegen, aus die Erde zurückkommen. Zwischen Himmel und Erde schwebt gegenwärtig auch die Regelung der wirt- Ichastlichen Verhältnisse - des deutschen Judentums. Uns wird der Vorwurf gemacht, wir seien Zu einseitig geschichtet gewesen. Zuviel Akademiker und Zuviel Händler, Zn wenig Handwerker, Bauern und Arbeiter, Zu stark Zusammengeballt in den Großstädten, Zu wenig verstreut auf dem flachen Lande. Manches Richtige liegt in dieser Kritik. Tann darf man uns jetzt aber die Möglichkeiten, uns umzuschichten, nicht verbauen. Wir sind bereit dazu. Wir wollen gern, soweit dies noch nicht eingetreten ist, kärglich und arm leben, um die Mittel für diese Umschichtung bereit- Zustellen und um unserer Jugend eine Existenz im deutschen Baterlande unter neuen Bedingungen zu schaffen. Es kann nicht in dem Willen der Regierung liegen, daß jüdische Lehrlinge von ihren nichtjüdischen Meistern weggeschickt werden. Wir wollen nicht daran glauben, daß von den Arbeitsdienstlagern, von der Siedlungsarbeit, von allem, was Landarbeit schlechthin bedeutet, jüdische junge Menschen ausgeschloffen sein sollen. Wir hoffen bestimmt ans eine Aendernng dieser Praxis. Wir werden dafür kämpfen, daß wir hier festen Boden unter den Füßen gewinnen. Unerfreulich sind auch noch die Zustände in vielen Zweigen von Handel und Industrie. Die Reichsregierung hat den allgemeinen jüdischen Boykott nur am 1. April bestehen lassen. .Die geplante Fortsetzung wurde ausgehoben. Tie Parole „Kaust nur beim Deutschen" wird nach wie vor in'nationalsozialistischen Kreisen erhoben. Ihre rücksickuslose Durchführung wünscht die Negierung sicher nicht. Eindeutige Erlasse aus jüngster Zeit bestätigen dies. Eine Partei, die, wie die nationalsozialistische, sich der Notlage der-Arbeiter und Angestellten mit Wort Aus dem Inhalt: Der Kampf an der Anschlagsaule . . . . .Seife 199 Das Schicksal der Gerichtsreferendare in Preussen ....... Seife 200 Zeifspiegel.Seite 203 Dr.L. Eklerwald,München: Zum Wochenfest . . Seife 205 und Tat entgegenzutreten bemüht, kann nicht wünschen und wünscht auch^ nichts daß jüdische Angestellte, nur weil |ie Inden sind, von jüdischen Arbeitnehmern entlasten werden. Sie kann nicht wünschen, daß gar jüdische Unternehmungen ihre jüdischen Arbeitnehmer aus irgendeinen Druck hin entfernen. Der Reichskommissar für die Wirtschaft hat sich energisch verbeten, daß bei Lieferungen an Behörden peinliche Untersuchungen über die Abstammung der Lieferamen vorgenommen werden. Ihm wird zumidergehandeli, wenn bic;e Untersuchungen hier und da nicht alsbald abgestellt werden. Diesen Schwebezustand zwischeu Himmel und Erde wird eine Zahl jüdischer Unternehmungen, großer und kleiner, nicht lange mehr ertragen können. Ta jüdische Unternehmungen nicht rote ein Stück aus einer ganzen Torte aus der Wirtsch-ast herausgeschnitten werden können, so sollten gewisse nationalsozialistische Kampsbünde und Betriebszellen im deutschen Interesse bedenken, welcher Schaden durch Schließung oder auch durch nicht immer glücklichen Besitzwechsel der deutschen Wirtschaft und nicht zuletzt dem deutschen Arbeilnehmertum Zugefügt wird. Mit Nachdruck hat der Preußische Justizminister den Beamten, die ihr