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Central-Verein-Zeitung · 1933-05-18 · 20 (18.5.1933) · p. Seite 177

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
20 (18.5.1933)
Date
1933-05-18
Page
Seite 177 (sequence 1)
Language
German
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?9 r; r SerNn, 10, Mal 1H§§ XII. ^ührgang * fl?» 25 Einzelnummer LS Pfennig - ", > . TffAfl Tj VVVV^ |jlCv\) sjrvvv ■ i«rrrf 4w* v <; sj v y - •* ÄWZKF1 'v *v> 4) <.-' v/’ W'i 0 DieUelzahrsabonncrucnt V V_^ sji Allrt 2,25 SSW. (zuzügl. Bestellgeld). - Derloz und SchrlftleiLung: Berlirr W15, EmserS!r.42. Fernspreck-rr: J2 Oliva G>5i-H T-:r'.in-Dilmer5d2rf I, Bll-nri-Igs Anzeigenannahme: Annoncen-^^edirion Äudslf T^-ste.?.'rlin 10-), und e- Kormalzeirrnmester Nr. 4, FamilienanzeiZen und Stellengrsun^' (ni^: Steusnangrbote) fi fTj^ — . *-J lv^ v\? \ \. j Kj* ‘si Anmerkung zur Inn ‘'wvv irjüdlsHen Lag '' A, H. Die vier Monate umsiürzenden lind umwertenden Geschehens, das sich unabgeschlosten und vieldeutig um uns und gegen uns vollzieht, erscheinen uns allen als Ewigkeit. Was sich sonst in Jahren, Jahrzehnten, Generationen entrollte und damit Beteiligten wie Betroffnen auch Zeit zur inneren Einstellung und Umstellung ließ, wurde in Tage, mitunter in Stunden zusammengedrängt. Ein Rechtsgebaude, in dem fünf Generationen von Juden und Nichtjuden gemeinsam gewerkt und gewohnt haben, ist durch wenige Gesetze in Vorderhaus und Hofwohnungen zerlegt; ein Kultnrzusammenleben von Jahrhunderten wll auf einmal nicht gewesen sein, auf keinen Fall aber Fortsetzung finden. Der soziale und bildungsmäßige Aufbau des deutschen Judentums, sehr unerfreulich in vielem, sehr viele Einwendungen bietend, aber doch organisch und historisch geworden, wird gesprengt, und die Trümmer liegen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft diesseits und jenseits der Grenzen. Erst vier Monate, sagen die einen und gehen daran, das Trümmerseld zu sichten und in das rnaterielle und geistige Durcheinander langsam und behutsam wieder Ordnung oder wenigstens den Plan einer Neuordnung zu bringen. Sie gehen Von den Tatsachen aus — von Möglichkeiten, Mitteln und Menschen; denn für den, der da Hilfe und Ausbau einer Eemeinschast will, sind auch die Menschen Tatsachen,, die führenden wie die geführten. Wer den Dingen ganz nahe steht, die von guten Willens, mühsam, begeistert begonnen werden, weiß, wie wenig der &unu, ccr um uns eine Unzahl Menschen fliteit Geistes fortsegte und solche neuen Denken? an ihre Stelle brachte, in den jüdi'chen Reihen spürbar geworden ist. Tie konservativste Gruppe innerhalb der deutschen Grenzen ist heute wohl da? deutsche Judentum. Man soll nun nicht unlogisch denleil und, was auf der einen Seite als jüdisches Wesens merkmal rund Garant 7 :.I Lv j V V v? VV^ v*r «r / y? / st;; ** J ./ j\\ }j :'A vs?v V v/ <s/ Ws/s?v v/ V V" V *■ A ,fy ' Schon Immer £ab es In der deutschen Geschichte Au§MbU§e, In denen sich auch der Cenlrakverein trotz seiner grundsätzlichen politischen NeukrÄikä! auf die Ebene der Politik begab. So mar es im Augenblick der nationalen Erhebung von 1914, jo in den Schickfalswochsn des November 191s, in den Absümmungskämpsen für Weskprcnßen und Oberschlesien, in der Laarfrage» in der Ruhrbesehvrigszsit und bei der Stellungnahme zum Versailler Vertrage. Auch die Schicksalsstunde des deutschen Reichstages am 17. Ria! bedeutet für uns einen solchen Augenblick von überparteilich historischem Ausmaß, zu dem wir also Stellung nehmen. Der Reichskanzler hak sich am letzten Mittwoch unter Billigung aller Parteien gegen die Lriegslreibereien gewisser Staaken, gegen einen neuen Krieg überhaupt und für die Gleichberechtigung Deutschlands in einer programmatischen Rede ausgesprochen. Auch das deutsche Inder:kum heg! in diesen politisch bedeutsamen Tagen die gleichen Empfindungen, die die Entschließung des Deutschen Reichstages als der Vertretung des deutschen Volkes, klar ausdrückt. Das deutsche Judentum bekennt sich in feiner erdrückenden Mehrheit zum deutschen Volke. Also fordern mir, daß unser deulsches Volk die ihm zuskehen'öe Gleichberechtigung endlich erhält und daß Deutschlands Recht und Geltung nicht immer weiter nach Maßsläben von Verträgen gemessen werden, die uns vor vierzehn Jahren in einer Welk völlig anderen Aussehens aufgezwungen wurden. unserer Ueberzeitlichkeit bezeichnet wird, auf der anderen Seite verdammen, weil mit der Rcvolutionierung unserer Lebens- und Rechtebedingungen die Reoolutionierung unserer Denkinhatie und Willensformen nicht Schritt gehalten habe. Gewiß haben Persönlichkeiten, die schon in sogenannten normalen Zeiten als wenig geeignet für Führerrollen empfunden wurden, mit den größeren Aufgaben'nicht-an eigener Bedeutung gewonnen. Teil? hängen die neuen Aufgaben wie zu weite -Kleider schlotternd um sie herum, teil? lasten um künstlich aufgeblähte Gestalten zu knapp sitzende Kleider allzuviel Blößen erkennen. Wir sollten aber u^eniguens darin von der Ünuoeltentwicklung gelernt haben: ein Diktator nimmt sich Macht. Diktatur wird nicht von andern er redet. Ta? einzige, was wir deutschen Juden gegenwärtig nicht brauchen können, ist eine i n n e r j u dische Revolution. Revolution ist nicht nur Oualitatsfrage, sondern auch C it a u t i t ä t *? r age : Wieviel darf zerstört werden, ohne daß unwiederbringliche Substanz vernichtet wird? Wie viele dürfen beiseite geschoben werden^ ohne daß Mangel an Kräften entsteht? Unser deutsches Judentum erleidet genug Experimente von außen her, und die Rückwirkung auf uns, ob sie wohl- oder wehtnt, wird nicht bedacht. Um so vorsichtiger muß man mit Experimenten im Innern sein. Gewiß, auch wir selbst experimentieren in vielem, und selbst wenn die Führung schwiege, würde die Maste in vielem revolutioniert rwerden. Aber zwischen einer auch noch so starken Aufgelockertheit und Gelöstheit und einer Revolution sind noch unendlich viele Nuancen. Die Masse des deutschen Judentums ist in echtem Sinne des Wortes unpolitisch gewesen. Sowohl ihre jüdischen wie ihre allgemeinen Anschauungen waren etwas Ererbtes und Gewachsenes. Wenige Vorstellungen und Worte genügten, um das anzudeuten, was sie an Meinung über ihr Judentum und über ihr Deutschtum be-

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