Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 19 (11.5.1933)
- Date
- 1933-05-11
- Page
- Seite 172 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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172 lichen au? bem Suben tum l) er bor* ‘ocgauqcn sei. "Wie die Juden regsten Anteil nehmen 'cm der Enstvicklung Berlin?, wie sie zu den Schöpfern der Berliner Wirtschaft, zu den Förderern aller wirtschaftlichen und kulturellen Organisationen gehören,^ soll jeyr Nicht untersucht werden. Politisch endlich als Staatsbürger anerkannt, wetteifern sie mit der übrigen Bevölkerung, um sich als Stadtbürger auszuzeichnen. Die lange Reihe der jüdischen Männer, die bi? zu den Lagen dieser Revolution ehrenamtlich.die Geschicke dieser Stadt mitgeleitet haben, werft zahlreiche Namen von Rang aus. Don Sradtrat A b r a h a m 3?i e 11 d c l s -> soh n, dem Sohn des großen Philosophen, über Ludwig Loewe bis zu Oskar Cassel und ~öermann Lainberg, den beiden Ehrenbürgern der Reichshauptstadt, zieht sich eine ununterbrochene Kette von jüdischen Berlinern, die sich in selbstloser Arbeit für die Interessen ihwr Heimatsstadt eürsetzten, und deren Name jeder Berliner mit Stolz nennen durfte. Dieser Geist echtesten Bürgersinns veranlaßt ' die jüdischen Bewohner, in edlem Wettstreit mit ihren nichtjüdischen Rlltbürgern der Stadt, die ihnen den Ausstieg ermöglichte, ihre Dankesschuld abzutragen. Don den mehr als 60 Millionen, die vor dein Kriege im alten Berlin das Sriftungsvermögen der Reichshauptstadt zählte, sind hohe Beträge von den Juden Berlins aufgebracht worden. Es ist umnöglich, die vielen Stiftungen im einzelnen auszuzählen, die jüdische Bürger und Bürge- .rinnen zu Ehren ihrer Stadt und zum Segen ihrer Mitbewohner ohne jede konfessionelle Beschränkung gemacht haben. .Don der städtischen Stistungsverwaltung werden heute noch zahlreiche Stiftungen betreut, die von Mischen Berlinern erachtet worden sind. Wir sprechen natürlich nicht von den Krankenhäusern und Spitälern unter der Aufsicht der Jüdischen Gemeinde, in denen, wie es selbstverständliche Menschenpslicht ist, Angehörige aller Konfessionen behandelt werden. Wir denken aber an all die Heime, die zugunsten kranker Zrnd hilfsbedürftiger Kinder oder für Witwen und Waisen Berlins von Berliner Juden und Jüdinnen ins Leben gerufen wurden. Das Mariannen-Stift in Charlottenburg erinnert an Marianne Mendelssohn, die Schwiegertochter Joseph Mendelssohns, des Mitbegründers des großen Bankhauses. Die Louis - und - Philippine - Lieberrnann- Stiftung soll würdigen und bedürftigen Familien ohne Unterschied des Glaubens, die nicht von der Armenvenvaltrrng unterstützt werden, Beihilfen gewähren. Die Heinrich - und - Bertha - Sachs - Stiftung in Schöneberg dient zur Bekämpfung der Lungentuberkulose und zur Unterstützung der Bestrebungen auf dem Gebiete der Kinder- und Arbeiterfürsorge. Wenn alljährlich Hunderte von erholungsbedürftigen Berliner Kindern wochenlana am Ostseestrand die stickige Lust der Mietskasernen vergessen und im Berliner Kaiser- und - Kaiserin - Friedrich - Svmrnerheim in Kolberg die Sommerferien verleben können, verdanken sie dies den: Edelmut James Simons, der diese Fahrten ermöglicht und als langjähriger Vorsitzender des Berliner Vereins für Ferienkolonien sie zn einer dauernden Einrichtung gemacht hat. Es entbehrt vielleicht gerade "heute nicht eine? gewissen Reimes, an die Tatsache zu erinnern, daß Kaiser Wstöelm II. den von ihni gestifteten Wilöellnsorden trotz seiner sonstigen Freioeoigkeie in der Verleihung solcher Ehrenzeichen nur in ganz v::nlc::i Ausnahme-allen als ein besonderes Zeichen seiner Hmll und Anerkennung für große Verdienste um den Staat vergeben hat. Zu den Rittern die'es Ordens gehörte Emilie M o s s e. die Frau des bekannten Verlegers, die sich in dem jetzt der Stadt Berlin gebärenden Em i lre - R ud olf - M osie - Ö ei m in Wilmersdorf ein Denkmal gchent ball Diese Sllstnng dient hauptsächlich der Aufnahme von Lehrlingen, besonders von Fürsorgezöglingen -und hilfsbedürftigen Minderjährigen. Sie war in ihrer Art ebenso bahnbrechend wie das von dem Kohlenindustriellen Eduard Arnhold zu Ehren seiner Frau gestiftete Johanna- Heim in Werstpfuhl bei Werneuchen in der Marl, das sich heute ebenfalls im Besitz der Smdt Berlin befindet. Wir haben hier nur einige wenige dieser Schenkungen jüdischer "Wohltäter für Vertreter aller Konfessionen aufgeführt; aber wir könnten von ahnlichen Woblfahrtseinrichtungen aus zahlreichen anderen deutschen Städten berichten. Wir sprechen auch heute nicht von dein Mäzenatentum, das diele deutsche Juden zur Förderung der deutschen Kunst oft völlig im stillen ausgeübt haben. Wir müßten "sonst daraus Hinweisen, daß im Kaiser - Friedrich - Muse n m zu Berlin ein Saal mit erlesenen Kunstschätzen als Gabe James Simons besichtigt werden kann. Alle diest Stiftungen werden als Denkmäler echtesten Bürgersinns deutscher Juden trotz der Nöte der Zeit bestehen bleiben. Om Mr-M In Der „Nheiu-Mainischcn Volkszeitung" vom 5. Mar D. I. schreibt Ernst Michel in einem Anssatz: „Die JuDcusrage in christlicher SichT: „Dem Christen, dem seine Religion und min Volkstum nicht zwei wesentlich g euren me Lebensbereiche sind, sondern der sich gerade anch^an den politischen Röten und Ausgaben seines Volkes zur Beroäürung seines Glaubens Lufgerustm weiß, stellt sich die Indensrnge nicht als Raneproblem und nicht als Konfessionsproblem dar, sondern sie erscheint ihm unter einheitlichem religiös-politischem Aspekt. Gewiß kann er nicht an der Tatsache vorübergehen, daß hier Teile eines fremden Volkstums von starker Besonderheit und außerordentlicher Krollt der <relbs> erhalumg in den deutschen Volkskörp-r eingesprengt sind und den Prozeß dar nationalen Integrierung und Ausprägung des deutschen Volkes einfach schon damit erschweren Aber er wird sich auch jagen, daß diese rölküche Problematik solange nicht zn eristieren brauchte, ^alll der Staat in sich die Kraft und Weite be'aß, auch Teile eines fremden Volkstums von der Konsistenz des Judentums mit zu umfaßen und positiv für sich zu gewinnen, ohne seine geschichtliche Eigenart dain.it zu gefährden. Ander? wird diese Stituation in dem Alngenblick, wo die Volksgrnndlage in Gärung gerat und die Gewinnung einer neuen nationalen Erisienzforin politisch so vordringlich und aus' ch ließlich wird, daß auch der Staat zunächst völlig in diese Aufgabe hinemgezogen wird. Geht man wesentlich von dieser völtisch-poliri'ch-en Situation aus, und sieht von hier die völkische Andcrsarllokeit und öffentliche Einslußkrellt der Judenheit in solcher Schürfe, wie cs heute geschieh:. so ergibt sich tatsächlich ein politim).'? Judeuvreblem. das mit den alten Methoden der Aststmilation lmd staatsbürgerlichen Einordnung nicht ohne weiteres mehr zu lösen ist. Aber auch bei aller Doidomglichlcst des nationalen Gestaltnngsprozesies und" der durch seinen revolutionären Elan bedingten einschneidenden Liquidierung bisheriger"Rechtslagen und Entwicklungs-Vorgänge, findet die Lösung de? Füllen- Problems ihre bindende Grundlage in dem Tatbestand, daß es sich hier uw. eines wenn auch C> sondersartige, Gliedgruppe in dem geschichtlichen Schicksalsriug des deutschen Volles und seines S-aal-stvesens handelt ur.b daß ceiueinfnme Geschichte gemeinsames Schicksal ver- Pftichtet. Wenn wir sagten, daß die heutigen Völler gerade auf dem Weg zu ihrer Ratio: albilduog die beisrielhafte Gegenwärtigkeit jüdischen Volkstum? als Sagen erfahren können, so meiner: wir die Juden nicht als eine religiöse Gruppe im engeren Sinne, nicht als eine ^omestioa. sondern die Juden gerade in ihrer west nt lich politischen Dnstinsform. Es ist wohl mit Recht gesagt worden, daß unter dem echten Einfluß Israels die Volker ihr Eigenes nie verloren, sondern geradezu erst gewonnen haben. Aber dieser Austrag und Anspruch ergeht an den Juden im streugeu Sinne des Wortes und nur um ihn kann es sür den Christen gegen den Antisemitismus einen auch politisch vollgültigen Einsatz geben — unbeschadet der Pflicht zur Gerechtigkeit auch gegen da? andere, das verweltlichte Judentum, dem vielleicht nur die Assimilation^ einen Lösungsweg bietet. Gilt es dock), im echten Judentum durch eine vollgültige Lösung des Juckenproblems uns eine? Volkse lernente? zu versichern, das in Abfall, Leid und Umkehr seit Jahrtausenden in der umfassenden religiösen Verantwortung seines politischen Volksleben? steht und mit dem Königtum Gottes politisch Ernst gemacht hat. Darum aber geht im Abendland sür die Völker und Nationen in jeweils besonderer Weise die Entscheidung. „Die wahre Zuchi von Mensch und Volkstum 'ist der Christenheit nur im inneren Einklang mit dem echten Juden, dem Träger des Gesetzes Gottes möglich" (Hans Ehrenberg). Umere Betrachtungen erheben keinen Anspruch. einen B-eiwag zur praktischen Lösung des Judenproblems zu geben. Sie beschranken sich ausdrücklich auf den religiös-politischen Aspekt, unter dem der Christ die Judenfoage zn sehen verpststhiet istll In Der „Tertit.zcrtung", Berlin, vorn 3. Mai D. I. hertzt cs in einem Aufsatz „Ans Werk, deutsches Volt": ... . . Im ganzen Reich haben die Deutschen das Fest der Verbrüderung gefeiert. Die Soldaten de? Weltkrieges, die Kameradschaft aller Stände nnchK.onstssiouen erlebt haben und nietnals vergeben können, danken denn Kanzler und bewundern eii.e Regierung, die endlich ihren alten Wunsch ellüllt, jene schöne Kameradschaft und Brüllerschas: wieder eufzurichten. Ihre Freude wäre vollständig gewesen, wenn noch ein gutes Wort für ihre pädi stachn Kameraden gefallen wäre, sür jene Männer, welche die Idee de? Judentums, wie Weininger sie mit grausamer Deutlichkeit dargestellt hat. nickst verkörpern, sondern Deutsche stnd und ebenso wie alle^msthelftn möchten, Deutschland wieder in den Zattel zu setzen ..." In Der „Jüdischen Schulzcitnng" (Nr. 4 vorn 13* April) veröffentlicht Dr. M. Spanien (Berlin) einen Aussatz „SützkrnD von Trümberg", Der Den jüdischen Minnesänger in neuer Beleuchtung zeigt. Spanier femnni zu solgeuDclu Schlüsse: „Gewiß m dst Tatsache, daß ein jüdircher Spruchllichwr, ünsgerustet mi! de: künstlerischen