Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 17 (27.4.1933)
- Date
- 1933-04-27
- Page
- Seite 150 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Gelassenheit, daß ich mem Recht unverteidigt preisaeben und von allen in das Kreuz oder oie Quere laufenden TageZ- Meinungen verdrehen lassen möchte: mein gutes Recht, das, wie unbedeutend es der Welt scheinen mag, für mich den Inbegriff alles dessen enthält, was ich errungen ' habe, und ohne Makel ungelästert hüten will. Nur die Wahrheit traljrt und selbst ^edelgesinnte oder Schwache, die sie nicht laut bekennen, fühlen'sich insgeheim von ihr durchzuckt. Die Welt ist voll von Männern, die das Rechne denken und lehren, sobald sie aber handeln sollen, von Zweifel und Kleinmut angefochten werden und zurückweichen." Jakob Grimm stand nicht allein. Der deutsche Jude Professor I a m e § F r a n ck, an der gleichen Universität im Jahre 1933 tätig, steht dagegen allein. Amtsgenosten an seiner eigenen Hochschule, deren Ruhm er — der Nobelpreisträger — mehrte, haben sich gegen ihn gewendet. — Auch für ihn gilt das Schlußwort Jakob Grimms: „Nun liegen meine Gedanken, Entschlüste, Handlungen offen und rückhaltlos vor der Welt. Ob es mir fruchte oder schade, daß ich sie aufgedeckt habe, berechne ich nicht; gelangen diese Blatter auf ein kommendes Geschlecht, so lese es in meinem längst schon stillgestandenen Herzen. Solange ich aber den Atem ziehe, will ich froh sein, getan zu haben, was ich Lat, und das fühle ich getrost, was von meinen Arbeiten mich selbst überdauern kann, daß es dadurch nicht verlieren, sondern gewinnen werde/ Kleine Chronik Am 1. Mai 1533 begeht der Ehrenvorsitzende der Ortsgruppe „Unterrorftw des L. V., Prediger 6. Bachenheirner in Weser münde, die Feier seines 50jährigen Anrwjudilänins. Wir gratulieren dem Jubilar, der sich seit Gründung der Ortsgruppe um den Eentraloerein die größten Verdienste erworben hat, auf das herzlichste. Verschiedene Anfragen. Freiherr von Hünefeld, der zusammen mit Hauptmann Köhl als erster den Ost-West-Flug Amerika—Europa gemacht hat, war von mütterlicher Leite her ein Enkel des Kaufmanns Markus Lach mann (Eisenach) und der Urenkel von Abraham Lach mann (Eraudenz). Anläßlich des 5. Jahrestages dieses Ozeanflugcs hak die Reichsregiernng kürzlich einen Kran; an seinem Grabe niederlegen lassen. Nach den heutigen Bestimmungen ist Hünefeld als Nichkarier anzuschen. Nein! Nur nicht als jüdischer Deutscher wehleidig sein in diesen Wochen! Nur garrz selten einmal heraus sagen, wie es in unserem Innern aussiebt. Wir haben mich von dem Kriege jahrelang geschwiegen. Wir konnten nicht sprechen. Tie Menge daheim, die den Krieg draußen nickst kannte, konnte uns nicht verstehen — das fühlten wir untrüglich. Nur der draußen war, verstand und versteht. Kameradschaft! Ein letztes Wort, ein ganz großes Wort. Schwer anszuschöpscn, nicht zu beschreiben! Trifft man den von einst, den von der Artillerie, den von der Armierung — dann überkommt es einem sofort heiß. Zwischen dir und ihm bestehen unendlich viele Geheimnisse, traurige und fröhliche, lorbeerumslochtene, blutgesarlue. Er weiß es — du weißt es. Mehr nicht. Sie werden nie bis y.un letzten ausgekramt werden. Manchmal in. froher Stunde oder — besser! — in der Zweisamkeit löst sich die Zunge ein wenig. Tie Kostbarkeit solcher Stunde trägst du dann monatelang umher. Für dich allein. Merkwürdig! Auch die Landschaft von damals war dein Kamerad. Jeder hat Sehnsucht nach ihr. Jeder sagt: „Ach, ich möchte so gern einmal hinfahren!" Den großen, hochstämmigen Wald will ich sehen, wo wir einen französischen Negenminter lang im dumpson, feuchten Blockhaus lagen. Die Mühle habe ich nickt vergessen, an der wir im Morgend'.mkel stochernd zum Schanzen und zum Graben vorbeizogen. Ach ja, und dann unser Kehrblick von den Mvselbergm hinunter ins liebliche Tal, den im Frühsonnenschcm glitzernden Fluß inmitten. Stand da nicht das feingesormte Schloß im alten verwilderten Park, an dem der Schienendämm vorbeizog? Krachte nicht Donnerschlag auf Tonnerschlag in einer schwülen Spätsommernacht und risftn grelle Blitze sekundenlang die meterdicken, haushohen Kasranicnbüumce des Parks aus der Finsternis? In diesem Gewitterlärm Hunderte und aber Hunderte Abschüsse schwerer Geschütze. Niemand unterschied mehr den Donnerschlag und den Granatenabschuß. Der Priesterwald, Dieville, Feh, die Linie um Metz, Thiaucourt, Pont-L-Moufson, Novöant, Auch, Arles ... Welch ein unverhofftes Wiedersehen! Don Paris her im Zuge auf Metz zu, die Mosel entlang. Plötzlich Thiaucourt, Noveant, Auch, Arles . . . Nur jetzt die Augen nlcht öffnen. Nur jetzt nicht Nachdenken! Wir schrecken Aprll 1933. Kurze Tage sind seit dem ^Jodenboykcll' verstrichen. Mutter Deutschland, wie behandelst du deine treuen jüdischen Söhne und Ächter! Nur jetzt nicht Nachdenken! 1. August 1914, 1. April 1933 . .. Mutter Deutschland, deine Kameradschaft ,.. Dr. Alfred Wiener, Eine katholische Stimme gegen öle Nassenwertung Pfarrer Alois Eckert stellst in einem Aufsatz in der ..SächsUcken Zeioang' Nr. 81 vom 7. April ,2. Mrs. 21, 24 und Matth. 5, 38 ff/ eine, wie er betont, unpollusckc Betraü;tung. zu den Grundlagen des neuro. pvlstisLun Lcbcn? an. Vom Seandpunkr der -orifttidue.n Ethik ans und „um des Wohles unseres Volles willen^ äußert er sich folgendermaßen zur Iudrnftage: .Tie Lösung der Judenfrage, wie sie heute versucht wird, kalten wir vor unserem christlichen Gewitzen nicht für richtig und nicht für gerecht, in ihrer Methode sowohl wie in ihrer sittlichen Haltung. In ihrer Methode. Die Lösung der deutschen Jndensrage fnirn nicht von der Roste brr gesucht und gesunden werden. Kein Mensch darf einfach wegen seiner Raste minderen Rechtes sein und wegen seiner Zugehörigkeit p. einer Raste diffamiert werden. Nachder Lehre des Christentums ist diese Zugehörigkeit zu einer Raste eine göttliche Gegebenheit, die der betreffende Mensch gehorsam und d-anlbor anzimehmen und die der Mensch der anderen Raste gehorsam und ehrfurchtsvoll zu respektieren Hot. Auch für den menschlichen, nicht nur christlichen Wert eines Menschen gilt dos Wort des Paulus: ,Tu beißt es nicht mehr Heide oder Jude, Deschnit- Lener und llnbeschoit teuer, Barbar und Szythe/ Das ist christliche Ethik. Eine nur von der Raste her begründete menschliche Wertdifferenz kennt sie nicht. Darum lehnt sie es ab, in unchristlicher und ungerechter Vereinfachung des deutschen Judenproölems zu sagen: Sie sind Juden, also sind sie Schädlinge am deutschen Lolkskörper. also müssen sie eliminiert oder ins Judenghetto zurückgedrängt werden. Jude ist nicht gleich Jude, so wenig wie Deutscher gleich Deutscher und Slawe gleich Slawe ist. Es gibt in jeder Raste Gute und Schlechte. Denn die Verantwortlichen für die Kulturschäden unseres Dolles gesucht werden sollen, dann muß dos mit anderen Methoden geschehen. Im Namen der christlichen Gerechtigkeit . . : trstklässlssMssssrSeiU * Zelisea.Prclse k€j^ü Macfoifäasra Berlin C, Alte Sciväizenstr. 1 freist ara fileMntfsrplatz. Keine Kor.rt-ktlon.wrare. Grcriera «gen Reparaturen an liiuea taii ScSusuck Entwörfe för Umarbeitungen kostenlos Ausführung: d-Ü-g und gut Rücksendung: prompt CaliLKMeäe* v. UiiTon-E"'äTäinmEil3iai! FriSi L©oeiÄal Scfeverlo LH., L^ÄcLsdssrs 13. ösgfondst iea& 1öpfer RC nerT1 Töpfer* i DüLZA freister Kitglied dc3 Jüd. IlandwcrkerYereins ßsrlla 17 57,Wisteit8löistr.24 Telefon: E 7 Pallas 8297. FRIEDHOF5&ES UCKER b erwerjet Sie das EINZIGE JÜD55CHS 7n&xq®sth2ft am Friedhof Weiten j&e tofhringenstrc&o <6, E6 VVc'Oonsoo 1767. 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