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Central-Verein-Zeitung · 1933-03-30 · 13 (30.3.1933) · p. Seite 113

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
13 (30.3.1933)
Date
1933-03-30
Page
Seite 113 (sequence 9)
Language
German
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Material zur Verfügung. Der Verfasser dieses Buches, L a n d g e r t d] t § r a 1 m a i * m und Eberhard (übrigens kein Jude), handelt in einem sehr stattlichen Band über „Goethe und das Alte Testament". Man hat den Eindruck, daß' er sämtliche 1-13 Bände der großen Goethe-Ausgabe und Biedermanns Werk „Goethes Gespräche" dazu Zeile für Zeile durchgearbeitet hat, um jede Eoethesche tteußerung zu notieren, die irgendeine Beziehung zum Alten Testament verrät. So hat sein Buch die zehn Jahre altere Arbeit von Leo Deutschländer über das gleiche Thema an Gründlichkeit wohl noch überirojfen. uebtigens besteht hier der ungewöhnliche und rühmliche Fast, daß, weil der Verfasser wahrend der Drucklegung erkrankte, der Vorgänger, Herr Deutschländer, das Buch fertiggemacht hat! (Vertag Bath, Wien.) Man kann wohl finden, daß Eberhard in der Auffindung von Parallelen zuweilen zu weit gegangen ist, oder daß er zum mindesten nicht unterscheidet, was alles an biblischem Gut seit vielen Generationen im deutschen Volk lebt und von Goeche unbewußt und notwendig übernommen wird, von dein, was bewußt und selbständig aus Goethes besonders starkem- Erleben des Alten Testaments in seine Aeußernngen überführt wird. Wenn Werther ein Mädchen am Brunnen trifft, so braucht die Wiederholung der urmenschlichen Situation nicht aus Elieser und Rebekka zurückzugehen, lind die religiöser! Formeln der Femerichter im „Götz" stammen ursprünglich wahrscheinlich aus dem Alten Testament, sind doch aber längst vor Goethe in die deutsche Sprache so oder ganz ähnlich eingegangen. Und daß die^ Neuvermählte „Vater und Mutter Verlagen" und dem Manne Nachfolgen soll, ist nach taufend Jahren christlicher Kultur doch auch für Goethe eine Wendung, die sich ganz ohne Beziehung zum alttestamentarischen Vorbild einstellen wird. — Bedeutsamer ist es schon, wenn der Ansruf des wahnsinnigen Gretchens ün Kerker: ,^Tas war des Freundes Stimmet wörtlich dem „Hohen Lied" entnommen scheint, oder wenn das berühmte Wort des Promeiheus: „Hier sitze ich, forme Menschen nach meinem Bilde" auf das erste Buch Moses, 1, 26, zurückgeführt wird. Auch Scherers Hinweis, daß die tragische Szene, in der Klärchen die Bürger Brägels zur Befreiung Egnionts ausrufen will, wohl ihr Vorbild ' in der Jdplle des Hohenliedes hat lwo Snlanuth überall nach ihrem. Freunde fragt), scheint mir sehr beachtlich. Tatsächlich zeigt sich die eigentliche Bedeutung von Goethes Beschäftigung mit dem Alten Testament nicht in feinen spärlichen Versuchen, den Stoff unmittelbar zu fassen (etiva von dem sehr frühen „Josephs-Epos bis zu dem späten Entwurf einer -Kantate für das Reformationsfest mit einem altbiblischen ersten Teil). Auch seine gelegentliche wipenschaftliche Beschäftigung mit dem alttestamentarischen Judentum (von frühen Entwürfen bis zu - dem sehr gründlichen Versuch „Israel in der Wüste" in den Roten des „Diwan") ist nicht entscheidend. Entcheidend ist die tausendfache Durchsetzcheit einer Sprache und seiner Bilder mit alrtestamentarischem Gnt, die vollkommene Sicherheit, mit der er in jeder Lebenssituallon über Anspielung und Vergleiche aus oft ganz entlegenen Partien des Alten Testaments verfügte. Schon der Knabe.ist mit einer Bibellektüre ausgewachsen, die offenbar aus persönlicher Leidenschaft so intensiv wurde: „Fast ihr allein war ich meine urtliche Bildung schuldig. Und die Begebenheiten, die Lehren, die Symbole, die Gleichnisse, alles hatte sich tief bei mir eingedrückt." Und noch der 63jährige Mann liest im Mai und Juni 1812 zahlreiche Bücher des Wen Testaments von neuem. „Ich bin überzeugt, daß die Bibel immer schöner wird, je mehr man sie versteht", hat Goethe im Atter gesagt. Und ihre Nachwirkung reicht von der berühmten erhabenen Variation des Buches „Hiob" im „Faust" bis zu einer so harmlos reizenden Szene wie der, wo Goethe in Marienöad mit der ngen Litt) Partei) spaziert und einer; teren jüdischen Herrn begrüßt: ist ein großer Mann, sem Urururur- Aetterrattr ist einmal gen Fimmel gttahren und hat wohl aus alle hwabgeschm. Er heißt Henoch." — .War denn der i:m ein Luft* schttser^ fragte ich gewiß recht albern. —- „Er, wenn Sie dreißig oder vierzig Jahre früher geboren wären, was ich übrigens Ihnen nicht wünschen will, so würben/Sie schon winen, daß jener Gute nicht im Lallen, sondern irr dem Buche Mcsts aufgehoben wurde.* — „Tor, das war ja Elias?" — „Ja, stäter iw dom Buche der Könige. Ta haben Sie auch recht: aber unser Hcnoch untemahm dergleichen viel früher im ersten Buch Mösts." Das ganze Leben und das ganze Werk Goethes war so tausendfältig gebildet und geleitet von Wort und Bild. Gedanken und Getühl aus jenem großen Luche, das das Leben der Juden durch die Jahrtausende geleitet hat. Und wenn anders wir glauben, daß Goethe aus deutscher Art das großs Vorbild künftigen Menschentums gebildet habe, dann können wir unmöglich zweifeln, daß viele und feste Brücken chies Innerste Weien des Deutschtums mit dem Jud-ntum verbinden. J. B. Dis Kugdn kannten feinen Numeros clausus In Bad Dürkhei m fand zu Ehren der im Wettkriege gefallenen Schüler des Progymnasimns und der Realschule eine Trauerfeier statt, bei der die Namen der gefallenen Lehrer und Schüler genannt wurden. Von den 93 Gefallenen Der Schule gehörten nicht weniger als 37 Dem jüdischen Glauben an. In seiner Ansprache erwähnte der Bürgermeister der Stadt den beispiellosen Mut, mit dem sich die Angehörigen aller Konfessionen zum Wohle des deutschen Vaterlandes im Weltkriege geopfert haben. KOSCHER FDR PESSACH BISBBl&sfos-ISdfe fo©«s f J/r*\ ü d wb® v®b- ZG Jel'isrenl nv2 by -ie?d TOMOR Mandelmifch-Pflanzenmargarine enthält keine tierischen Fette. Sie ist fleischig wie milchig verwendbar und unter Fleisch ein köstlicherBrotaufstrich. Mit PALMIN koscher werden die Speisen auch für den empfindlichen Magen bekömmlich. Es ist beim Kochen und Braten von großer Ausgiebigkeit! KOSCHER 108 TPK 6-111 Alleinige Inseraten-Annahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse Berlin SW IOQ, Jerusalemer Strasse 42—49 und Bielefeld, B res ha, Chemnitz, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt L. ML, Eambarg, Hannover, KdLa ».Bö, Leipzig, kigdetnrg, Mannheim, München, ISüraberg, Stuttgart; Amsterdam, Basel, Belgrad, Bern, Brian, Brüssel, Budapest, Buenos Aires, Bukarest» Londro, Mailand, KewYork, Paris, Frag, Tokio, Warschau, Wien» Zagreb, Zürich.

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