Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 10 (9.3.1933)
- Date
- 1933-03-09
- Page
- Seite 77 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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14.3.1533 Serlkn, H. Mäez XI!. Jahrgang » ilt. 10 Einzelnummer 20 Pfennig . . I i; [- ■ M<T- ':%!<[ W yl G V-Ü1 teOo Vvvvv\;v i* L,L5°M?^uMi!"L?st-Nd). V ^—V& Allgemeine Zei/un$ des Dudentums Verlag urrü Lchrlflleitung: Berlin V 15, Enlser Str. 42. Fsrnsxrcchc-r: J z Olir-2 5074. .:. Posts^ecklonta: Berlin &4T2. .:. Banlkonw: Dresdner Bank, Depssilen!asse Brrlin.-VilrnersLsrf I, Ho^rnzollernLsmrn ISS. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen.E^prdrkion Rudolf Mosse, Berlin IVlfr), und deren ssilia'en. Anzeigenpreise: V^O rfjc für Mt Tgefccltene Zeile nach Rudolf tP.ov.i3 klonnalzeiienmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Etellengesuche (nichl L:r";nai:Zebole) für Milgneder des Cendralr-rreins 0,45 &J*.t die $2 mzi breite Reklamrzrilr 3,50 «#*£■ ca et K/ <t>,< <s;^fn <?&jb In einer mit dem Kommissarischen Preussischen Minister des Innern Reichsminister Göring, dem Vorsitzenden des Centralvereins deutscher Staats-? biirger jüdischen Glaubens, Justizrat Dr. Julius Brodnitz, und dem Syndikus Dr. Alfred Wiener am 3. März stattgefundenen Aussprache wurde auch seitens des Herrn Ministers festgestellt, dass Beweise dafür, dass der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens mit kommunistischen und staatsfeindlichen Bestrebungen Zusammenhänge, nicht vorlägen. Herr Reichs-, minister Göring erklärte ferner, die Sicherheit des Lebens und des Eigentums der jüdischen Staatsbürger, die sich der Regierung gegenüber loyal verhalten, sei gesetzmässig gewährleistet. Am 5. März hak die Reichsregienrng einen Sieg errungen, der ihr die Möglichkeit gibt, in den nächsten Jahren ungestört ihre Pläne durchzusehen. Die Zeigen dieses Sieges sind bereits in allen deutschen Ländern deutlich spürbar. Skaatsregierungen, hinter denen nicht mehr das Vertrauen der Regierten sieht, sind in ihrem Bestände erschüttert. Sie treten zurück oder sie werden zum Rücktritt gezwungen. Auf vielen ösfenkiichen Gebäuden im ganzen Reiche weht die schwarzweißrote oder die Hakcnkreuzfahne, oder beide vereint. Sie künden symbolisch einen Bruch mit der Vergangenheit. einen völligen Amschwung im staatllchen und kulturelles Leben Deutschlands an. Mit Genugtuung können wir festsiellen, dag in diesen entscheidenden Tagen die staatlichen Gewalten in jedem Augenblick das Heft fest in der Hand gehabk haben. Das Versprechen, das Leben und Eigentum jedes friedliebenden Bürgers, auch des jüdischen, unbedingt zu schuhen, ist gehalten worden. Ansere wiederholten und eindringlichen Mahnungen an die deutschen Juden, Ruhe zu bewahren, die Verven zu behalten, die rvurde nicht zu verlieren, haben sich als berechtigt erwiesen und sind überall aus fruchtbaren Boden gefallen. Gewiß hat sich in diesen Tagen manches ereignet, was in normalen Zeiten unter der neuen Reichsregierung, wie wir fest annehmen, ausgeschlossen wäre. So sind z. B. die Durchsuchungen des Centralvereins in Berlin, in Frankfurt und ln Erfurt sowie bei einer Reihe von Ortsgruppcnvorsihenden im Lande, das Verbot des Centralvereins in Thüringen und die Haussuchungen dort, Vorgänge, über die wir an anderer Siclle berichten. Maßnahmen, die sich, aus der Erregtheit der Menschen in diesen unruhigen Zeiten erklären. Anerklärlich aber bleibt die Maßlosigkeit der Sprache gewisser nationalsozialistischer Zeitungen gerade setz! gegen Juden und Judentum. Es ist daher nicht verwunderlich, daß dann auch Ausschreitungen gegen die Juden nicht ausblieben. So kam es z. B. in Chemnitz am Sonnabend und Sonntag zu Ausschreitungen, die dank der Energie der Polizei im Keime erstickt wurden. Auch sonst sind vereinzelte bedauerliche Vorkommnisse aus Berlin und dem Reichs zu melden. Die nationalsozialistische Presse wird alsbald begreifen müssen, daß es ein Ankecschied ist. in Opposition zu einer Regierung zu stehen, oder die Presse der mächtigsten Regierungspartei darzusiellen. Jede auch noch so scharfe Kritik bleibe der Presse unbenommen. Es darf aber nicht so weit gehen, wie wir es jetzt wieder erlebt haben, daß die Juden auf Grund falscher Tatbestände in gewissen Zeitungen sozusagen für vogelsrei erklärt werden. Wir sind überzeugt, daß ein derartiges gefährliches Vorgehen keinesfalls im Sinne der Reichs- und der Staatsregierungen liegt- Die Wahr'heit über dietautersn Ziele und Aufgaben des Centralvereins kann pon niemandem auf die Dauer übersehen werden. Wer den Cenlralverein mit kommunistischer Propaganda in Beziehung bringt, macht sich lächerlich oder ist böswillig. Auch politisch erfahrene Valionalsozialisten denken darüber nicht anders als wir. Ebenso unrecht tut uns, wer uns beschuldigt, mittelbar oder unmittelbar über das Ausland das deutsche Vaterland zu schädigen oder deutsche polillsche Zührer zu verunglimpfen. Wir fühlen uns über solche Verdächtigungen völlig erhaben. — Groß stehen die Auf«