Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1933-02-23 · 8 (23.2.1933) · p. Seite 66

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
8 (23.2.1933)
Date
1933-02-23
Page
Seite 66 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2277379-2277993-2278001--07802-2288741
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

n^nTiin. "l* r n TA TT? VW \! :; 3 rn^r »L'i j v 700 m Nn? 30 Minut. mit Aato . \ \ (Ld.IL LwjI «rfei beirvT. Lokalbahn. Kreier Ausblick auf die Alpen kette, Für innere u. F’ervcr.krenb.hescen sowie ErhoiungsbedUrr»I£e. Fc“:;ons?r.- v. 11.1 3,— £3, Fa3Jbb2l'-r-'Tre:3 (/.immer, 5 'latüzeitea. \J normale ärztlieae Lekaadlur.g) von L!. 12,— mr anschaulichen Bericht: von der Macht der lieberkieferung, die durch die fx-nilniiiüi der in Ach r tausenden nicht veränderten religiösen Sitten alle Gegenstände bestimmte, die dem Kult dienten und mit ihm zusamm.enhingen. Es kegt aber ebenso sinnfälliges Zeugnis ab für das völlige Amgehen der jüdischen Künstler und Kunsthandwerker in den Anschauungen des Volkes, in dessen Mitte sie lebren und leben, sobald das eigentlich Künstlerische. Formgebung, 'Gestaltung und Ausdruck, in Frage kommt. Ja es Zeigt sich, daß diese Maler, Bildhauer, Juweliere, Architekten — namentlich die deutschen, und ganz besonders die Berliner, die hier in erster Reihe stehen — sich in noch weit umfassenderem Ausmaß als Lei! der sie umgebenden Kultur offenbaren, als ihnen selbst in früheren Zeiten vielleicht zum Bewußtsein gekommen ist. Man sieht in einem überaus geschickt als Synagogenraum hergerichteten Saal die Holzeinbauien eines kleinen Gotteshauses aus Schönslietz in der Mark Brandenburg: sie sind ganz .und gar charakteristisches Erzeugnis des spezifisch ^Preußischen Frühtlassizismus um 17£*0, zugleich ein h'übscher Beweis sür das Feingefühl, mit -dem ein namenloser, bescheidener Mann in dem -kleinen £rt den 8t tl der Zeit handhabte. Man :? sieht die lange Reihe der (überaus wirkungsvoll .in' Vitrinen mit Jnnenbeleuchtung dargebotenen) .-Klein tun starke, die Bsomiin-Büch-schen, den ..mannigfaltigen Thorajchmuck, die Urruülien und -Möbelstücke für die einzelnen Festlagshand- -lungert. und man stellt wieder fest, wie alle diese:.für jüdische Zwecke gefertigten Tinge den . Lllgemeinen Wandlungen des europäischen und deutschen Kunngefrchls folgten. Am deutlichsten dokumentiert sich diese Einfchnrelzung des jüdischen Künstlertums in die 'deutsck)e Kulturwelt naturgemäß bei den Werken - der freien Kunst. Tie reiche graphische Samm- - lung des Museums, aus deren Beständen be- . stimmte Gruppen von Blättern wechselnd ausgestellt werden sollen, enthält vorzügliche Blat- -ter der jüdischen Stecher und Lithographen, die ' in der zweiten Hälfte des 18. und zu Beginn 'k>es 19. Jahrhunderts in Berlin wirktenbe- - trachten wir die Arbeiten dieser Meister der ' Kupferplaite und des Steindrucks, des Bennett Satomon, des Benedict Heinrich Bendir, der - Brüder Henschel. oder daneben die der bedeutenden Münz- und Medaillenmeisterfamilie Abrmnson, so ist nicht der geringste Unterschied zwischen ihren Werken und denen ihrer chrrst- ' lichen Kollegen festzustellen. Taß die Graphik die erste Kunstübung war, der sich deutsche ' Juden widmeten, ist erklärlichhier zieht sich 'von der uralten Schriftümst eine Linie zur freien Zeichnung (nicht unähnlich dem Entwick- ' lungsgang bei den ostasiatischen Völkern). Aber r Lks nun zu Beginn der Emanzipation jü- »discye Männer, wie sie in olle bisher verschlossenen Berufe einströmten, allmählich auch als Mater cuslraien, ist der unmittelbare An- .schluß wiederum sofort Tatsache. Ter Frank- : surter Moritz Daniel Oppenheim, d^n wir als Mn ersten jüdischen Maler in Teuischland be- .zeichnen können, hat Zwar seine berühmten Lil- \hcz aus dem jüdischen Familienleben gemalt,?aber sie halten sich nur nn Motiv, ün äußeren Thema in einem Sonderkreis, in ihrer Bortragsart sind sie durchaus Beispiele sür die damals rmgsimr übliche Genremalerei. Als Oppenheim . m feiner Jugend, wie alle deutschen Maler damals, nach Italien, ging, schuf er in Rom biblische Szenen durchaus im Stil der höchst christlichen .stmzarener", er malte sogar ein Bild, das Christus und die Samariteriu darsiellte. Oppenheim hat auch maßgeblichen Anteil an dem großen Porträts aal, der ein Hauptstück des Museums bildet. Er ist in doppeltem -Sinn ein Dokument sür die weitausgreisende, rühmliche Wirksamkeit jüdischer Männer am deutschen . Gesamt-eben. Oppenheims großes Börne-Bildnis, die kostbarste Neuerwerbung des vergangenen Jahres, hat indieser Galerie einen Ehrenplatz. Zu ihrem Stamm gehören jedoch namentlich die Porträts jüdischer Berliner Aerzte, die aus dem Krankenhaus der Gemeinde schon vor einiger Zeit in die Kunstsammlung gelaugt sind. Im 18. Jahrhundert konnten jüdische Maler dazu noch nicht herangezogen werdenso nahm man die besten Künstler zu Hilfe, die in Berlin arbeiteten, und -legte damit zugleich Zeugnis sür ein recht kultiviertes Verständnis ab. Ter Vater und der Gatte der Henriette Herz erscheinen: der eine, Dr. Benjamin de Lemos, von Anton Grass, der andere, Tr. Marcus Herz, von Friedrich Weirsch, dem Hofmaler Friedrich .Wilhelms I!., porträtiert. Ter gelehrte, namentlich. durch seine Forschungen über die Fische weithin bekannte Tr. Marcus Elieser- Bloch wurde von Johann Christoph Frisch gemalt, einem der besten Künstler des friderizianischen Berlin, der auch den König konterfeite. Frisch sind daneben Vildniffe von Moses Mendelssohn und von Jsiac Tamel Jtzig, dem ersten Leiter der Berliner Jüdischen Freischule, zu danken. In der späteren Zeit konnte mort anders Vorgehen und - jüdischen Malern solche Aufträge zuwenden. So haben wir vorzügliche Bildnisse: von Mar Liebermann, der den Chirurgen Jarnes Israel, von Ludwig Meidner, der den Rabbiner Tr. Baeck, von Engen Spiro, der den Rezitator Ludwig Hardt, Von Suzanne Garvallo-Schülem, die den Dichter Jakob Wafiermann, von Joseph Oppenheimer, d^r den Senior der Berliner Journalisten, Tr. Isidor Kastan und den früheren Vorsteher der Gemeinde, Kareski, malte. Tie Verbindung von Objekt und Künstler wird dann am engsten durch die beiden genialen späten Selbstportrüts von Max Liebermann und Leffer Ilry — Liebennanu hat eben erst, im Januar 1933. das ergreifende Selbstbekenntnis des Fnnsundachtzigjährigen geschaffen, das er dem Museum als Geschenk überwies. / Tie bis ins Letzte vollzogene Einheit der jüdischen Maler und Bildhauer mit der nationalen Kunstübung des Landes, dessen geistiges Dasein auch ihre Heimat ist, wird vermutlich sogar dahin führen, daß man im Jüdischen Museum nicht mit allzusehr auf Vollständigkeit bedachtem Programm unter den Künstlern jüdischer Abstammung Umschau halten wird. Wohl mögen kleinere Proben, wie es jetzt geschehen, vom Wirken führender Malerpersvnlichkeiten auch des Auslands Kunde geben, von Jozef Israels in Holland, von Camille Pissarro in Frankreich — wozu man noch den Schweden Ernst Jofephson aufnehmen könnte. Mit Rocht wird hier an die erhebliche Nolle erinnert, die allenthalben auch jüdische Männer in der Kunst ihres Vaterlandes gespielt haben. Aber mau wird gewiß nicht, die jetzige vortreffliche Anordnung der Werke weist den umsichtigen Tr. Schwarz daran' hin, die zurzeit in Teutschlar.) wirkende Künst'lerschast jüdischen Bekenntnisses mit Werken allgemeiner Haltung (SUlteben, Landschaften, Stadtebilder) als eine sondergruppe vorsühren, die sie in Wahrheit niest bildet. Nun, ein Museum ist bei der Erössmmg noch nicht in allen Teilen abgerundet. Es wächst und gestaltet sich erst in der neuen Beleuchillttg, dw ftru.e Bestand? erhalten. Was hier geschaffen wurde m:d die lebhafte Anerkennung der gesamten Berliner Museumswelt gesunden hat, ist jedoch auch jetzt schon ein Kulturwerk von 'höchstem Verdienst, lehrreich und aufllärend nach vielfachen Richtungen hin, nickst Zuletzt wohl geeignet, gerade in diesen dunklen .Zeiten das berechtigte Selbstgefühl des jüdischen deutschen Bürgers zu stützen. f« . i-' — «V/.. .v^ Vsi'V Ww, vw,n £ v.4r iwv^s/1vvirv.y - Arnnerscicr sür Professor Sobcrnheim Am 15. Februar veranstaltete die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft dos Judentums eine Trauerfeier für ihren jüngst verstorbenen Vorsitzenden, Legationsrat Professor Tr. Moritz Sobernheim. Neben zahlreichen Mitgliedern aus SBerlin und dem Reiche und einzelnen ausländischen Mitgliedern der Cesellschast wohnten Vertreter fast aller jüdischen Knlturorganisationen Berlins der Feier bei'. Ter stellvertretende Dorschende, Tr. Baeck, begrüßte die Familie Sobernheim und die Organisations- Vertreter. Tr. Ernst Schaeder, Professor der orientalischen Sprachen an der Universität Berlin, gedachte des vor wenigen Tagen verstorbenen Staatsnckuisters a. D. Professor Tr. Karl Heinrich B e ck e r, der mit seinem Freunde Sobernheim die Verbindung ernster Wissenschaft mit praktischer Arbeit im sozialen und vssenilichen Lebew gemein hatte. Er schilderte Sobernheims Persönlichkeit und würdigte sein mutiges Eintreten für Juden und Judentum, seine Hilfsaröeit für den orientalistischen Nachwuchs und bezeichnete ihn als einen Mittelpunkt der Berliner Orientalisten. Professor Schaeder gab dann einen goistesgeschichtlichen Abriß der Wissenschaft des Judentums, ging der Wechselwirkung von Eigenkultur und Umwelt im Judeisturn nach und mahnte abschließc-nd die Judenheit, sich der hohen Kulturmission der Wissenschaft des Irrdentums bewußt zu bleiben und Moritz Sobernheims Werk, dessen kulturverbmdendeA Wirken auch das Ausland angezogen hat, forLzufuhren. Tr. Friedrich O l l e n d o r f gedachte namens der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, des Teutsch-ifraelitischeu Gemeindebundes und der Hauptstelle für jüdische Wandersürsorge Moritz Sobernheims als jüdischen Sozialpolitrkers. Im Anschluß an die Gedenkfeier fand die Hauptversammlung der Gesellschaft zur Förderlmg der Wijtenschaft des Judentums statt. Nach dem Jahresbericht von Professor Tr. Jsmar E l b o g e n wurde der alte Vorstand bestätigt und Profoffor Eugen Mittwoch, Lirektor des Orientalischen Seminars der Berliner Universität, Zum Vorsitzenden gewählt. Ler Ausschuß des Dertt?ch - Israelitischen Gernrrndcburrdes wählte Lirektor Oeinrich Stahl an Stelle des verstorbenen Brosestor M. Sobernheim zum Lcschästssührenden Vorsitzenden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.