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Central-Verein-Zeitung · 1933-02-02 · 5 (2.2.1933) · p. Seite 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
5 (2.2.1933)
Date
1933-02-02
Page
Seite 37 (sequence 5)
Language
German
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37 WMD §MMA EM tm SÄW Unsere Pflicht ist es, ein besonderes Wort herzlichen Gedenkens unserem verstorbenen Freunde Justizrat Hermann. Cohn in Dessau zu widmen. Schon der Umstand, daß Justizrat Cohn neben anderen Acmtern mit bedeutendem Erfolge das Amt eines Staatsrates, eines ^Landtagsabgeordneten und eines führenden Stadtverordneten bekleidet hat, beweist, daß in ihm die Eigenschaften gerechten Denkens, hervorragender Sachlichkett, großen Verständnisses für die Erledigung von Verwaltungsausgaben mit unermüdlichem Fleiße und treuester Liebe zur Heimat vereint gewesen sind. Cohns edler, ausgleichender Charakter hat uns in allen Lagen jene Weisheit erkennen lamm, die nur wahren Führernaturen zu eigen ist. Solche Menschen vermögen das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Sie wissen in Kürze das zu sagen, was entscheidend ist. In Zahllosen Versammlungen des Centralvereins hat Cohn für Vaterland und Judentum gesprochen. Aus vollem Herzen können mir lagen: Die vielen Tausende seiner Hörer ebenso wie die Leitung unseres Centralvereins werden Hermann Cohn für alle Zeit ein dankbares Andenken bewahren. Ludwig Holländer. Seifetzungsfeier in Dessau Der Beisetzung in Dessau — die Traucrfeier fand in der Synagoge statt — wohnten!m Aufträge des Hanvtvorsrandes des CcntralvcrcinZ Rabbiner Tr. Felir S o l d m a n n (Leipzig':. Hauptvorstandsmitalicd und Vorsitzender des Mitteldeutschen Landesverbandes des C. D. (Sitz Lcivzig), zu dem der Bezirk Anhalt gehört, und Syndikus Tr. Alfred Wiener (Berlin) bei. Landcsrabbiner Tr. Walter «Tessau) widmete dem Verstorbenen schlichte Abschiedsworte, die die Persönlichkeit und die Verdienste des Entschlafenen klar und gerecht schilderten, und die auf Grund langwhrigcr gemeinsamer Jlrbeit — Cohn war Vorptzeuder der Tessaucr Lynagogengemeinde — mit besonderer Her.;- lichteiL und Wärme gesprochen wurden. Für die Grvßloge für Deutschland U. A-. L. B. sprach Vizegrostpräudent Tr. Walter (Berlin), für die Jüdische Gemeinde Tessau das Vorstandsmitglied Hör Witz. Im Krematorium schilderte der Schwager des Verschiedenen, RMA. Tr. Blendershausen (Cö'.hen), Cvbn als Verwandten und Menschen offen und liebevoll. Für den Haupt- Für C3 Gesn^s!!! Bezng in Gross-Eeriin. frei Stelle der Slaatsquellen Fachingen und Nicderselters Berlin SW 11, Schöneberger Str. 10a. TcL* B2 Lütz.8260/81 Vorstand des Centralvercins und den Mitteldeutschen Landesverband des C. B. sprach Syndikus Dr. Alfred Wiener, aus dessen Gedenkrede wir das Folgende wiedergeben: Etwas Geheimnisvolles, etwas, was über den Alltag hinausgreist, bedeutet es, wenn wertvolle Persönlichkeiten plötzlich von sich selbst zu reden beginnen. Tann spricht zwar die äußere Stimme. Es ist aber so, als ob das Daimonion im Innern, das Daimonion im Sinne des Sokrates, letzte Worte aus» strahlt . . Wir fuhren zur goldenen Herbsteszeit durch das anhaltifche Land, in den Wochen, wo die Gottesnatur noch einmal ihre Kratt in einer unübertreffbaren Farbenglut zusammenrafft, bevor die Kahlheit und die Tede des Winkers regieren. Schönheit, aber auch das Empfinden von Vergänglichkeit und Ende ziehen dann durch die Landschaft. Und Hermann Cohn sprach: Habe ich vergeblich gekämpft un£ gearbeitet? Das Vaterland liegt am Boden. Ein Bruder Deutscher schießt den anderen Bruder Deutschen }ii Boden. Ein Haß und eine Verleumdung sagt gegen unser Judentum, gegen unsere Brüder und Schwestern durch die deutschen Lande, daß man schier verzweifeln möchte. Für das Judentum bin ich nicht so bange. Auf den Meilensteinen seines Weges durch die Geschichte stand oft Verfolgung, Verketzerung und Verkennung in blutig roten Buchstaben. Das Judentum wird nicht untergeben. Ich bin aber bang,, bitter bang um mein deutsches Volk. Wird es diesen unmenschlichen Haß, diese tierische Wut Deutscher gegen Deutsche überdauern? Und zu mir gewendet sagte er dann: Kümpfen Sie! Lassen Sie nicht nach! Machen Sie mobil gegen haß und Verhetzung, wen diese Ungeister auch immer treffen! Bauen Sie durch Aufklärung über das Judentum in Wort und Schriit, indem Sie jidj mutig unserem Gegner stellen, Stück für >L!ück der Straße, an deren Ende die edle Verheißung für unser deutsches Volk „Innerer Friede" leuchtet! So war sein Vermächtnis in der Stille eines dieser letzten warm-kalten Herbstnachmittage ... Und Dir, Hermann Cohn, geloben wir cs in dieser Abschiedsstunde: Treu und mutig gleich Dir zu kämpwn bis zum letzten Atemzuge! Kein Friede den Frevlern, kündet Prophetcnwort. Wir Mannen des Centralvereins versprechen Dir, nicht zu rasten und zu ruhen im Kampfe gegen alle, die Söhnen einer Mutier, Söhnen deutschen Blutes, welchen Glaubens auch immer, Tod und Verwundung tagtäglich bereiten. Wir werden in Deinem Geiste und in Deiner Herzhaftigkeit kämpfen gegen die Frevler, die auf fast 140 Friedbösen die Grabstätten der Toten entweiht haben, die an 30 irdische Bcthäuser böswilliger Hand gechändet haben. Wir werden aber nicht mit Haß und Verleumdung streiten. Blank, wie Deine Waffen, sollen unsere sein. Wir glauben an die Gerechtigkeit der Tinge, wenn die Gerechtigkeit aus Menscheuherzen entflohen zu sein Das Wort „Frontkämpfer" gehört noch zu den Edclworten des deutschen Sprachschatzes. Wir Soldaten dcZ Weltkrieges dürftn Dir dieses ehrende Wort beilegen. Dein Leben war ein Kampf in vorderster Linie für den inneren Frieden unseres deutschen Volkes. Strapazen, Ausdauer, Arbeit, Festigkeit und glühende Zuversicht au? den Endsieg, eines guten'Soldaten Eigenschaften, waren auch Deine im Kampf für den inneren Frieden. Und wie beim echten Soldaten mischte sich ein gehörig Teil Heiterkeit, Frohsinn und Unbekümmertheit in Deinen Lebenskampf. Laßt uns im Sinne des Verewigten an dieser Bahre geloben, was der Psalmendichter als Mahnung ausipricht: Sur mero waasse iauw bakeseil sehoiaum werod/ehu! Kamps dem Schlechten und der Schlechtigkeit. Mögen wir alle hier Versammelten Gutes tun dem Vaterland, ein jeder weit hinaus über die Grenzen seiner Gemeinschaft. Tann wird unser Deutschland seinen inneren Frieden finden! Die Familie Cohn W.mn wir das (rintreicit Hertu cmN-Coh US für Itttm rrnd Subennini rcrftcfjcn wollen, mitten wir 'wou dcrr Ort und dos Hsws «uffuchen, in welchem die Wurzeln feiner Krair logen. Sein Geburtshaus staut) in der Heimat Mendelssohns, in Dcnau, Lttulstraß- 9, dein ehemaligen B^ih-bammidrasch. Dorthin sog iw den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts der Selehrle Hsrw.onn Cohn als Ledrer der brrürrnteTL Frcruzschule ein; er kam Qus Altona, worlousgerüstet mit religiüstu und weltlichen Dinen'ck-.often. In demselben Haust wohnte der Llistsraboimr z'-ilci FaH, denen Tochter Lara Cohns Fron wurde» Aus der Che emstronru drei Kinder; die Lowre? heiratete den Prediger Wolfs in L-:o:h§n, der Lohn, Rabbiner Tr. Falk- Cohn, wirkte lange Iarre irr V-onn segensreich, und Hermann Lohn, in Tests tr „Heimchen" genannt, wurde LottriiekoH-ttcur. Er wurde wegen seines rechtschaffenen Linncs vom sogenannten kleinen Mann bis zum Herzog ecschtct, und,, als er rin weschäft für seinen Landesherr^ günstig abwickclte, ernannte ihn der Herzog znnr Hof» agenten. Im Ettern Haufe hatte der Lc-m-gegangenr echtes religiöses Leben vor Augen. Die Trrue zur Lmaireligion und zum alten Stamm verließ ihn nie. L. Hs. mm* Ruöolf e>üüo Aus Kassel kommt die erschütternde Kunde, daß R u d o! s Hallo im Alter von 26 Jahren nach einem Vortrag, den er in der Bibliothek Marburg gehalten hat, an einer plötzlichen Lungenentzündung gestorben ist. Rudolf' Hallo gehörte zu den intimen Kennern der jüdischen Volkskunst in Deutschland. In zahlreichen Arbeiten, von denen einige auch in der Zeitschrift „Der Morgen" erschienen sind, hat er der breiteren jüdischen Tefjentlichkeit in feinsinniger und erudringender Weise von den Ergebnissen seiner Forschungen Mitteilung gemacht. Im Aufträge der Jüdischen Gemeinde Kassel hat er in Verbindung mit anderen Sachkennern im /tt r' O <i.

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