Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 3 (19.1.1933)
- Date
- 1933-01-19
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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wortunqsrolle Forschung Der große Gelehrte dle wnstrqe Gcwiä"'haf::gkcit vermuten, es fehlt ihm die Ltrcuee ge gor. sich selber und der entsegende Gehorsam gegenüber den Quellen. sobald er jüdische Urkunden liest und deutet. Gr hat Zeugnisse ans Lieel, Talmud und Neligronörhilosophen vicl'ach entstellt, unrichtig oder unrc-llständig zitiert. Sie sagen in ihrem offensichtlichen Wortlaut nicht selt-m das gerade Gegenteil von dem aus, was Sombart von ihnen behauptet. In dem groben Strcll. dr^r rinst um/ das Buch entbrannte, haben jüdische Gelehrte diesen schweren Vorwurf erhoben und dtwch Gegenüberstellung der angefochtenen Zitate mit den Quellen erwiesen. Sombart hat geschwiegen. Mehr als zwanzig Jahre sind seitdem vergossen. Das Buch, einst eine Sensation, ist inzwischeu in den Hintergrund getreten. Seine dauernde Bedeutung liegt in dem Widersprich, den es erweckt, in dein Zwang, den es auf uns ausübt, unsere Gerichte unter Gesichtspunkten zu schauen, unter denen sie bisher noch nicht betrachtet worden war, in der Nötigung, die ererbte Auffassung zu revidieren und in der Auseinar-dersetzung mit ihrem Gegner neu zu gestalten. Als ein großer Anreger wird desk>alö Sombart in der Reihe der Kritiker des Judentums weiterkebeu. An tiefer 'Sympathie für Juden und Judenkmn hat es ihm deshalb keineswegs gefehlt. Und auch wir senden unsere herzlichen Glückwünsche dem nunmehr Siebzigjährigen. der, ein Jahr nach dem Grfcheimn von „Die Juden urD das Wirtschaftslebens, 1912, in seiner .Lukunst der Juden' geschrieben hat: ,Hede Art Zu erbalten, ist ein Gewinn! Aber natürlich ein um so größerer Gewinn ist die Erhaltung einer Art, je wertvoller diese ist. Brauche ich zu sagen, daß wir im Jndenvolke, wenn wir es als Ganzes betrachten, eine der wertvollsten Arten vor uns sehen, die das Menschengeschlecht hervorgebracht hat? Welche gewaltige Lücke müßre in der Menschmtvelt entstehen, wenn die jüdische Art verschwände! Bon allen Edelheiten abgesehen: das Judenvolk ist es, das seit den Propheten den großen ethischen Ten in das Menschheitskonzert gebracht hat und durch seine besten Söhne auch heute immer wieder bringt.' EZNlMNtWÄlADM7ZMWM . Am 12. Januar haben mit der Familie des Seheirnraks Tr. Adolf Hellderg (Lee-lau) weiteste Kreise seinen 75. Geburtstag gefeiert. Heilberg, den wir auch mit Stolz zu unseren Freunden rechnen dürfen, darf aus ein Leben von selrencr Großzügigfcit und seltener Eradlinigkeit znrückbljcken. Er darf dieses in dem schönen Bewußtsein tun, daß ferne Arbeit noch nicht abgefchlosien ist, und daß er sich in feiner Arbeitsleistung auch heute noch mit drin Jüngsten vergleichen darf. Er ist heute noch einer der stellvertretenden Präsidenten de- Teu'.schen Anwaltvereins, ist der Vorsitzende der Breslauer Anwaltskarnnrer. Er ist einer der angesehensten deutschen Rechtsanwälte. Dian hört überall auf ihn. wo es sich um ernste juristische Arbeit und selbstloses Wirken am Staate und im Staate handelt. Er ist ein Mann bester Tradition, die an Männer wie Ludwig Dambergcr und Eduard Laster antnüpst und har überall auch den Weg zu den Jüngeren zu finden gewußt. Mit jugendlichem Feuer tritt er mich heute noch überall ungewollt in die vorderste Reihe, wenn es sich darum handelt, eine Versündigung an dem Gedanken des Rechts zu bekämpfen oder Zu verhindern, ein Mann, der ein in unserer heutigen Zeit seltenes Verständnis für die großen Gedanken und Grundlagen unseres Rechtslebms besitzt und diese verteidigt. Gr ist stets <ru? dem Diane, wenn man unter Tagessorgen von Liesen großen Gedanken ab-uwcick en versucht ist. Ein Bild eines modernen Oumanisten! Es ist selbstverständlich, daß solche Männer mit Notwendigkeit sich in unsere Reihen stellen, und daß die Frauen und Männer, die den Kamps für das 'deutsch- Judentum in vorderster Reihe führen, in Adolf Heilberg ein Programm feilen, das auch beule noch gilt. Auch wenn feine große Arbeitslast es ihm nicht immer LcstaLtete. auch in unstren Reiben in dem Umfange, wie er es sicherlich selbst gewünscht hätte. Arbeit zu entwickeln, so wirkte doch schon seine Persönlichkeit anscuernd und richtunggebend. Mögen seine weiteren Lebensjahre eesegnet sein! J. Br. 5;;5tte3fs!ä R. m® ßö stimm Ter Gentralverein beklagt den allzu frühen Tod seines Hauptvorstaudsmitglieds Dr. Georg Baum als einen schweren Verlust. Ein Sozialpolitiker von allgemein anerkannter Geltung, ein Jurist von hohen Graden, gehörte er zu den Persönlichkeiten, die das moderne Arbeitsrecht schon in seinen Attsängen schöpferisch mitgestaltet und seine Anwendung durch vorzügliche Kommentare und sonstige literarische Leistungen entscheidend beeinflußt haben. Als Dozent an der Handelshochschule Berlin hatte er Gelegenheit, auf dem Gebiete des so bedeutungsvoll gewordenen Wirtschastsrechtes die Ausbildung der akademischen Jugend zu fördern. 5lein Wunder, daß seine Tätigkeit für den Gentralverein. dessen Hauptvorstande er über zwanzig Jahre angehörte, durch die Vereinigung von sozialpolitischem Interesse mit juristischer Begabung ihre eigentümliche Note erhielt. Die Hauptstelle für Berufsberatung der deutschen Juden, die viele Jahre im Gentralverein zentralisiert war, verdankt ihre Entstehung hauptsächlich feiner Anregung. Er hat mit liebevoller Hingebung und Opferfrcudigkeit seine ungewöhnliche Sachkenntnis in den Dienst dieses wichtigen Zweiges der Jugendfürsorge gestellt. In allen arbeit-rechtlichen und arbeitspolitischen Fragen war fein Gutachten für die verantwortlichen Entschließungen des Haupt- Vorstandes ausschlaggebend. Als Autorität des Wirtschaftsrechtes war er Spezialreferent für die Boykott-Fragen. Auch hier hat sein schöpferischer Geist" in" zahlreichen Aussätzen erst die juristischen Grundlagen für ein neues Rechtsgebiet geschaffen; er hat die Herausgabe eines wissenschaftlichen Standardwerkes über das Boykott-Recht gefördert und damit einer fruchtbaren Rechtsprechung der Gerichte die Wege geebnet. So hat er uns in dem Abwehrkampf gegen die roheste, niedrigste und darum beonders gefährliche Form des Judenhapes wirkame Waffen schmieden helfen. Wir werden dem lieben Kollegen, dem vornehmen Menschen, dem treuen Deutschen und bewußten Inden in dankbarer Anerkennung seiner dauernden Verdienste ein ehrendes Andenken bewahren. Lertbolä Baase. MÄ M MA LlirWraÄrMrrd im „DMÄea CÄriMum" Die „Gesellschaft für Deutsches Schrifttum* seht es sich in dankenswerter Weise zur Aufgabe, kontradiktorische Vortragsabende zu veranstalten, bei denen sie die Vertreter gegensätzlicher Weltanschauungen, die sonst nur m geschriebenen Leitartikeln, meist scharf aggressiver Art, miteinander zu verkehren Pflegen, zusammenführt. Das gesprochene Wort, der genu-infame Vortrag-saat deckt die Abgründe zwischen den Meinungen wenigstens äußerlich zu, läßt das Trennende weniger sichtbar werden. Um so bemerkenswerter war es, daß in dem AussPracheal>enL „Reich und Kreuz", der am IO. Januar im Herrenhaus in Berlin statt fand, nicht einmal eir^ auch nur oberflächlicher Vermittlungsversuch gelang. Zu tief klafften die Gegensätze Hvischen den drei Rednern, von denen Friedrich H i e l s ch e r, Herausgeber der Zeltschrist „Das Reich", den revolutionären Rationalismus, Prowjsvr Tr. Günther D e h n (Halle) Staates willen, der Staat um der Macht willen und die deutsche Macht tun der deutschen Innerlichkeit willen da sind nnd daß dieUeberzengung, „Wo Ordnung und Macht ist, ist Gott', auch Luther heute zu einem Kämpfer für das ..Reich' machen würde, wie sie ihn einst an die Seite der Fürsten gegen die Bauern stellte, betonten die Vertreter der Konfessionen von ihren beiderseitigen Standpunkten aus den unbedingten Primat des Kreuzes, unter dem' überall und immer-der Staat zu stehen habe. Im Schlußwort vermerkte Hielsck^er mit dankenswerter Offenheit, daß es "erne Verständigung zwischen diesen beiden Auffassungen nicht geben könne, ein Ergebnis, das auch den nur mittelbar an dieser Auseinandersetzung Beteiligten außerordentlich nachdenklich stimmen muß. Bemerkenswert war u. ß. die von Hielscher vertretene Begriffsbestimmung für Volk, die sich im wesentlichen mit der sogenannten subjektiven Volkstheorie deckt. Nicht Abstammung. Sprache, Kultur allein genügten, um „Volk" zu ergeben, denn aus den soundso bestimmten Gemeinschaften könne man sich lösen, z. B. durch Answanderung. Volkszugehörigkeit setze eine Entscheidung voraus, eine Willensentscheidung und eine auf ihr beruhende Lebensführung. Sie sowohl wie der gleichfalls stark mißbrauchte Rassebegriff seien nicht Ausgangspunkte, sondern Ergebnis. Das bewiesen u. a. die ausgeprägten ..Nasse'- Eigentümlichkeiten bestimmter Berufsgrnppen, etwa der preußischen Ofsizierskaste und der Geistlichkeit. E. B—J. Die ZahrcsVrrsewmlrnrg des Hilfsvere'ms der Deutschen Juden findet unter Vorsitz von Generalkonsul Eugen L a n d a u am 23. Januar, SV* XlTjx abrnds, im Vrüdervereinshans, Sturfütftenftrafcs 115/116, statt. Bericht über das Jahr 1932 durch Dr. Sigmund Wassermann nnd Do. Mark W i s ch n i tz e r. In der anschließenden Feier wird Mar M. Set» bürg der P:ffönlickkeit xmu des Werkens des verewigten Präsidenten des Hilfsvercins, Dr. James Simon, gedenken. Kompositionen von Chopin, vorgetragen von Professor Leonid Kreutzer. DczirksLagttNg Meiningen. Sonntag. 22. Januar. 4V0 Nhr, Syndikus Artur Scb w e r i n e t sprich! über: „Dürfen wir hassen? Die politische Lage und wir deutschen Juden/ Gäste herzlich w i l l! o m m c n. 2Bctbeucrattf!aItiißgca der Jüngeren^) rrrppen der Eeutealrereins am Sonntag, dem 22. Januar 1933, 11.15 Lhr vormittags, im Weißen Eaa» der Iohann-Georg-Säle, Halensre, Johann-. Georg-Straße 19. Im P r o g r a m m: das von den Iürigeren-Erupven selbswerfaßte Werbestück „Unser Weg", Sprechchöre u'w. Eintritt: für Erwachsene 45 Pf., für Jugendliche 26 Pf. Karten im Büro der L.-V.-Iugendgemeinfchast, Berlin W 15, Emser 6it. 42 (Oliva 5(M). Der Reinertrag wird Waifenhänserrr zur Verfügung gesieüt. Werdetnndgebnng der Grurve VHI der C. V.- Iugend - vemcinschaft Groß-Berlin am 25. Januar 193-3 im Lvgenkasino Berlin-Lichte nderg. unorrpromenade 2. Beginn 23 Ahr. Eintritt freu fifeme Chrom? Am 21. Januar feiern Guido N e u st a d t nnd seine Gattin in Breslau das Fest der Silbernen Loch. Zeit. Was Guido Neustadt für die Ortsgruppe Bresiau und den Landesverband Niederschlesien bedrur-r, ist schon vor Jahren durch seine Ernennung zum Ehrenmitglied der Ortsgrrlpvr Breslau zum ^lusdruL gedracht worden. Im jüdisch-en öffentlichen Leben Breslaus und, Schlesiens bedcutet sein Name «in Programm. Die Leitung des Centralvereins gedenkt an diesem Tage in dautbarer und herzlicher A rerkenv.ung Guido B.rustadts großer Verdienste um die Destrebnngen des Vereins und ruft ihm und feiner Gattin herzliche Glürl^ünfche zu. — Der langjährier Vorsitzende der Ortsgruppe Duisburg des Central- Vereins, Dr. Rosenthal, ist vor kurzem von seinem Amt zurürtgeLreten. Er yat sich in schwerster 8eit durch treue Pilrchtersüllung um die Sache des deutschen Judentums und insdesöndere um die Ärbert des Eentralvercins hoch verdient gemacht. Dr. Rosen thal wird auch weiterhin mit dem Centralvcrein aufs engste rerbundcn bleiben. — Iosepch Werthcimer, Kcöl. feiert am 2t. Januar seinen 75. Geburtstag. — Der treue verdienstvolle Mitarbeiter, der Vorsitzende der Ortsgruppe Werthe'.m a. M>, Leopold Cahn, wird am 22. Januar 60 Jahre alt. — Frau ttaroliue N u ß b a u m , ged. Barth, in Beverungen (früher Düstensachsen) voUendct am 23. Januar in körperlicher nnd aristiarr Nüstigkeit ihr 80. Lebensjahr. — Am 5. 'Januar wurde Samuel Weil, S'.cirisfurt (Baden), -u Grabe getragen. Der C. V. verliert in dem Dersiorbencn einen treuen und zuverlässigen Mit» arbeilcr, dem er ein dankbares Andenken bewahren wird. — Unser Mitarbeiter Adolf Philippsb o r n betrauert den Tod seiner Mutter, Frau Johanna P h i l i p v $ b o r r, geb. Flatow, die am 16. Januar in Pot-abnm gestorben ist. Wir sprechen unser herzlichstes Beileid aus. Verlag: Ccntraloerein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Berlin \V 15, Emser Straße 42, Tel.- Adr.: „Gcntialglaubcn Berlin". Postscheck: Berlin 30172. Verantwortlich: Dr. Margarete E d e l h e i m , Vcrlin 1h. — Unverlangte Manuskripte werden nur -nrirckgesanür, wenn Frciumsthlag deitiegt. — V:rantwortlich für fcc n A.rz.eigenteil: Friedrich Vathan, Berlin - Halenlce. — Druck: Vu d ol s M o s s c , Der'.in SV/ 100.