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Central-Verein-Zeitung · 1933-01-19 · 3 (19.1.1933) · p. Seite 17

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
3 (19.1.1933)
Date
1933-01-19
Page
Seite 17 (sequence 1)
Language
German
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Heelkrr» Faauar 1HSZ XII. Jahrgang ♦ Nr. § ELazelvurnmer 20 pferrniJ /-V <> f s^. ' : ^'1 r( ]/, -*< L'gSM L»o&> jQoWMDMJWWm Allgemeine Zeifung des Dudenlums Cwlaa.UTtft e^ciftreftes: SerTm Wlo, Emser Str. 4L Fernsprecher: J2 OKxxt 5074. .:. Pssrschnk?ortto: Berlin §04 72. DünkkonLo: Dresdner Dank, Depositenkn^e Derlin-DilniersLorf I, HvhsnrrHrrndLnrn 125. ' «Lelnkge AnzrrgenLNNLhrir: ^nnsnk«n.CrprL!tion Rudolf Moffe, Berlin. V.' 100/ und deren Filialen.- Anzrigenpreife: OM JiA für die 7erfpaltenr Zeile noch Rudolf MssseS Kon?.2lzLllenrnesser Nr. 4, ^rurilierQu-riLen und Stellengesuche (nichr SteLenangedore) für Milglieder des Lentralvereius 4,45 JUL, die 62 mn breite Reklanrrzrile 3,5D Jh*m 2? V: V';^p; v) W r*? ft* mmmw** *VV v w> 'y U vv -o* 6MS HSNWOs V U 0 <5^ V VsfchsmAlflsr wn& LGnSeZMiKUsEA gsgen Boykoll '^.8. Am 2 9. November richtete der nationalsozialistische Abgeordntte Lenz unter dem harmlosen Rubrum ,L u l ä s s i g k e i t .von besonoerer Gefchaftsreklame* folgende „Große Än frage' an die hessische Regierung: ,chzst die Regierung bereit, durch geeignete Anweisungen an die Polizeiorgane zu verhüten, daß diese — wie es in einzelnen Fällen geschehen ist — eine in zulässigen Formen geführte Propaganda für die Berücksichtigung deutscher Geschäfte und gegen den Kauf in Warenhäusern. jüdischen Geschäften u. dgl. erschweren oder verhindern?" Am 30. Dezember erging folgende Antwort deS hessischen Innenministers, die zugleich als Runderlaß an oiehefsischen Behörden weitcrgeleitet wurde. ,Lu der Großen Anfrage der Abgeordneten Lenz und Fraktion vom 29. November 1932 beehre ich mich zu erwidern, daß die zurzeit in großem Umfange betriebene Agitation gegen jüdische Geschäftsleute-. die mein darin besteht, daß die Bevölkerung durch Flugblätter aufgefordert ' wird, Geschäfte mit jüdischen Inhabern zu meiden und nur bei CH ritten einzukansen, bereits zu ernsten Störungen der öffentlichen Ordnung geführt bat. In Gießen und in Mainz wurden am vergangenen Sonntag in mehreren Warenhäusern der bezcichneten Art Tränengas- und Stinkbomben geworfen, die die Besucher dieser Geschäfte erheölich beunruhigt haben. Ich habe deshalb im Interesse der 2lufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung Llnweisung gegeben, diele die öffentliche Ordnung gefährdende Agitation mit allem ' Nachdruck zu unterbinden." Es liegt die Vermutung nahe, daß dieser Erlaß nicht ohne vorherige Verständigung mit dem R e i d) § i n n e n m i n i n c x ergangen ist: denn wenige Tagspäter hat der Äeichsminitter des Innern, Tr. Bracht, den Landesregierungen eine ä Mitteilung über Maßnahmen gegen die immer mehr austretenden Fälle von Boykott gegen bestimmte Geschäfte oder bestimmte Sattunrrn von Geschäften zugshen lassem Da es sich hierbei um Boykott -aus politischen oderw-eltanschaulichLn ,Grün-' den handle, der teitwere Formen angenommen hat, die über eine geschäftliche Schädigung der Detrejsenden hinaus eine Störung der Ruhe und Ordnung mit sich brächten, hat der Reichsminister die Länder darauf hingewiesen, daß gegen solche Störungen der öffentlichen Ordnung die Polizei auf Grund ihrer allgemeinen Befugnisse zurrr Einschreiten berechtigt und verpflichtet fei. Diese Erlasse der Zentralbehörden sind von außerordentlicher Wichtigkeit. Tie Erfahrungen des Centralvereins aus Hunderten von Loykottprozegen gestatten zwar eine außerordentlich rasche und erfolgreiche Bekämpfung von LoykottausfOrderungeN. Es gibt aber eine ganze Anzahl von "Boykott- Möglichkeiten. die durch die Zrvilgerichte nicht oder nur unter Schwierigkeiten berücksichtigt werden können. Diese Lücke ist nunmehr ausgesüllt. Es handelt sich selbstverständlich nicht um eine Erleichterung der wirtschaftlichen Lage nur der jüdischen Kaufleute. Die Einbeziehung wirtschaftlicher Momente in die politische Auseinandersetzung hatte und hat einen ungeheuren Umfang angenommen. Tie folgerichtige Weiterführung der Gedanken, die diesen Agitationsformen einzelner Parteien zugrundeliegen. muß zu einer Auslösung des deutschen Wirtschastskörpers führen und einer Wirtschaftsanarchie Platz machen, in der schließlich nicht nur Partei gegen Partei. sondern Straße gegen Straße. Etage gegen Etage, Wohnung gegen Wohnung politische Wirtschaft stampfe organisieren. Auch an diesem Beispiel zeigt sich, wie Bestrebungen, die mit einer gegen die Juden gerichteten Tendenz beginnen. letztens zu einer allgemeinen .Gefahr für die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und damit auch nationalen Zusammenhänge führen. Wir sahen es auf politischem Gebiet, wir erlebten es mit Erschütterung im kulturellen Leben. Wenn nun hier auf wirtschaftlichem Gebiete erstmalig mit solcher Klarheit von Staats wegen eingegriffen wird, so liegt das teilweise sicherlich daran, daß Schädigungen nirgends so deutlich zum Vorschein kommen wie hier. Aber es bedeutet doch zugleich auch die grundsätzliche Anerkennung der Verpflichtung seitens der staatlichen Instanzen, 'der zerstörenden Wirkung einer zügellosen .Agitation auch auf. allen, anderen - Gebieten ihre schärfte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Zur VMM H§§ Tages ‘ 10S0Ü0 Bewohner des Ländchens Lippe haben ihren Landtag gewählt, Nationalsozialisten und die Sozialdemokraten können Stimmenzuwachs gegenüber dem 6. November buchen. Hitlers Zerrungen verkünden Triumph: die Krise m der NSDAP, sei durch den Wahlausgang als „jüdische Erfindung" entlarvt. Es besteht kein Grund, den nationalsozialistischen Stimmengewinn zu 'überschätzen und ihn gar für ein Symptom der allgemeinen politischen Stimmung zu halten. Die Krise der Hiller-Partei ist nicht mehr wegzuleugnen. und der Austritt des prominenten nationalsozialistischen Führers Dr. Fuhrmann in Lippe, zwei Tage vor der Wahl, hat gezeigt, daß sie selbst in Lippe-Detmold besteht. Der Stimmengewinn ist lediglich eine Folge des propagandistischen Trommelfeuers, das die AUS DEfä INHALT: Mcurftius Kahn: Muchferne Befrachtung zur Judenfrage ...... Seite 18 Dr. Richard ftlalnzer, Frankfurt es. tfLz Erziehung der Jugend zum C.V.-Gedanken ................. Seife 21 NSDAP, auf Lippe gelegt hat. Man wollte zu Füßen des Hermanns-Denkmals eine neue Barns-Schlacht schlagen, die den verhaßten Marxismus endgültig ansrottet. Das ist wieder einmal mißlungen. Gelungen ist lediglich die Mooili-. sierung des Bürgertums. Ob das lippnche Wahlergebnis irgendeinen Einfluß auf dir Reichsregierung haben wird, ob es zur Neuwahl führen wird, wird sich voraussichtlich in der nächsten Woche entscheiden. Für uns hat dieser Wahlkampf dir Bestätigung unserer alten Behauptung gebracht daß Propaganda und Massenveeinflussung immer wieder die wichtigsten Mittel im politischen Kampf sind. Richten wir danach unsere Arbeit ein. Der „Fall" des Professors Eohn ist zunächst durch eine sornrette Erllärung beigelegt worden, die Herr Profepor Tr. Cohn dem Breslauer Senat abgegeben hat. .^s ist uns nicht bekannt, daß ähnliche Dersic^e-

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