Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 12 (1933)
- Issue
- 2 (12.1.1933)
- Date
- 1933-01-12
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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14 MS §Wß O.D. » » So etwas gib; cs: ein jüdischer Mensch, der im Jahre 1932 als deutscher Dichter Liiert wird; der, jüdischen Stoffen innigst verhaftet, „mit der Sehnsucht nach ticfcnx reinen Deutschtum weiter seinen Weg" geht l,,M ü ndjner 51 e ii e ft e Nachrichten". 11. 12.}; der Moses gestaltet, den „Weg des Gewaltigen" und zugleich Luther und Thomas Münzer jeine schaffende Liebe zuwendet: der Psalmen nachfingt, edelste Zeugen künstlerischer Erhöhung des frühen Judentums und zugleich Dachs, Beethovens und Bruckners erhabener Trnwelt den Dienst seiner dichterischen Sprache leiht; der Großstädter ist, ^Berliner, „Asphalt- Irterat" also, und in de en ersten Gedichtbänden „Acker" und „Strom", „Boden und Landschaft besteht und blüht, Schollenschrvere duftet, süßer Brrtduft zart weht in den schongefügten Worren" („Heimat Oesterrei ch", Dez. 1932); ■ der „eine Haltung zu Heimat, Volk, Geist und Gott hat, die typisch niederdeutsch ist, manchmal Hebbel verrrandt und ausgesprochen preußischer Prägung" („Hilfe" 5032), und über dessen Buch „Glück in Oesterreich" ein Berufener das Urteil prägt: „Selten wurde das österreichische Wesen inniger und liebevoller, nie mit größerer deutschgläubiger Frömm'gkeit erfaßt und ausgedrücki" („H eimatOesterrei ch", Dez. 1932); . - der zu den Vorläufern des Expressionismus gerechnet wird, einer Richtung also, in der die kleinen Geister die „antigermaniftische" Kunst in reinster etifart zu scher; sich gewöhnt haben, und von dem doch gesagt werden kann: ,Ltte hat er die Tradition verleugnet, immer fügte er sich bereitwillig in den großen Kreislauf des geistigen Volksgeschchens" („M ünchner Neueste Nachrichten", 11. 12.): der Jude war und „von einer selbstverständlichen Ehrfurcht vor dem deutschen Erbe" erfüllt ist (J£ eutscheAllgemeineZeitung", 9.12. 32). So etwas gibt es! Und so etwas lebt, lebt ein volles lebendiges schöpferisches Leben aller müden und papiernen völkischen S-ckulweisheit zunr Troß? Und heiß:: Ernst Litauer. E. R.-J. Zn Berlin Irct kärglich unter dem Vorsitz von Landgericht-rat Dr. Lilimchol die Arbeits- ^meinfchaft für zu einer Beratung zusammen. Tr, STi-rr Krrutz.berger gab einen Veberblick über den QtQtTJZräriiim Stand des Freiwilligen Arbeitsdienstes (FAT.) und schloß sich errrenl denjenigen an, die rin F?-T. eine produktive Arbeitserziehung Uhm wollen, Ter Frage des Freiwilligen Arbiasdienäes stör Mädchen wird erböw Aufmernamkeir zro-wendet. Ferner wurde die Anwendung des FTA. auf die Studenten in Form des stocnannken WerkjahreZ vargestellt. Dr. ^org Luööwki vom Neichseusfchuß der ' jüdi'chen Iucenaocrbände heb besonders die Aufgaben bervor. die der organisterren und unprg:nisierL-n jürst'chen Zugend auf dem Gefamtgebiet gestellt sind. Tie Vertreter der brsher eingerichteten und in brr Durchführung befindlichen jüdischen Freiwilligen ürbeitsdienste kamen Lusgiebig zum Wort. Dtan rrün'cht allgemeine Ausdehnung des jüdischen FDol. D^öei fällt der Hauptstelle für jüdische Lllandechur'orw und Arbeitsnachweise die Ausarbeitung und Durchführung der sachlichen Projekte, dem Rcichsnus'chuß der jüdischen Zugcndverbände die Heranziehung der arbeitslosen jüdischen Zugend und die Zugendbetreuungzu. Nmchskanzlsr Maerr an öen Cenkralvereln Zum 70. Geburtstage Des Politikers Am lö. Januar vollendet der frühere Reichskanzler Dr. Wilhelm Marx sein 70. Lebensjahr. Er gehört einer Generation von Männern an. die man so gern als unmodern und überholt belächeln möchte, die aber heute aus Schritt und Tritt entbehrt werden. Tie Eigenschaften dieser Männer: charakterliche Sauberfeit, sachliche Tüchtigkeit, menschliche Zuverlässigkeit, wahre Toleranz, echte Liberalität, tief eingewurzelten Humanismus, hat auch Marx allezeit bewiesen. Ein treuer Sohn seiner katholischen Kirche, ist er zugleich opferbereiter Bürger des deutschen Vaterlandes. Als Führer des Zentrums war er niemals Parteimanu. Er hatte den Mut, eine Kulturschande eine Kulturschande zu nennen. Bereits im Somme* 1922 hatte er dem Centralverein als Erster Vorsitzender der Deutschen Zentrumspartei die grundsätzliche und bewußte Ablehnung des Autiseminsmus durch die Katholiken erklärt.?lls die Entwicklung der politischen Verhältnisse Marx veraulaßte. aus dem Vordergrund der politischen Bühne abzutreten, hat er" als Vorsitzender des „Dolksvereins für das katholische Deutschland" die Aufklärung auch der katholischen Masten über den Nationalsozialismus als wesentliche Aufgabe betrieben. Den Bestrebungen des Eentralvcreins bat Reichskanzler Marx stets lebhaftes Interesse und starke Zustimmung gewidmet. Seine ebenfalls schon 1922 formulierte Ueberzeugung. „daß der Antisemitismus sich fast immer auch als eine Gegnerschaft gegen das Christentum, speziell gegen die katholische Konfession, ent« wickelt", war hierfür Grundlage. In jüngster Zeit erst, als rhm das sogenannte „Weißbuchs des Centralvereius, jene Dokumentenmappe über die Stellung des Mtionaljozialismus zur Iudenfrage übermittelt worden war, hat er dem Centralverein in folgendem Schreiben gedankt: „ Ich habe mich bei meinen Versanm> lungsreden sehr ausgiebig mit den Gedankengangen dieser neu auftauchcnden Bewegung beschäftigt und auch dabei die oft geradezu unsinnigen und sich widersprechenden Ausführungen sogar der offiziellen Programme fest« stellen können. Es ist mir geradezu unfaßbar, wie ein sonst so kluges und beherrschtes Volk wie das deutsche, wenigstens zu einem so großen Teile, auf so viel Unsinn eingehen konnte. Eine Erklärung habe ich nur in dem Umstande finden können, daß wir infolge der wirtschaftlichen Not geistig zerrüttet und verwirrt worden sind.. Eine Besterung scheint ja auf dem Marsche zu sein. Die von blindem Haß begleitete antisemitische Einstellung der Nationalsozialisten habe ich schon kraft meiner Weltanschauung für ebenso verwerflich wie töricht und unsinnig. aber ebenso auch für undeutsch und aukiuational angesehen und bekämpft, wo ich nur immer dazu Gelegenheit gesunden habe. Ihr wertvolles Material wird mir betz meiner weiteren Abwehr .und Bekämpfung' wertvolle Dienste leisten." Wir wünschen dem aufrechten Manne einen Lebensabend, der ihm die Wiederkehr seiner Ideale in die Politik und in das gesamte Gemeinschaftswesen bringt. §8Ä MV WMM MMN Wenige Monate nach seinem 60. Geburtstag, an dem ihm viele Ehrungen aus jüdischen und nichtjüdischen Kreisen bereitet worden find, ist am 5. Januar der Legationsrat im Auswärtigen Amt Proseffor Dr. Moritz Sobernh e i m in Berlin nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Sobernheim galt als besonderer Sachkundiger auf dem Gcbiefie semitischer Inschriften. Im Zusammenhang mir wissenschaftlichen Expeditionen nach Palästina und Syrien, bei denen er tätig war. hat er verschiedene stvichtige Werke veröftentlicht. Auf jüdisch-wiyenschastlichem Gebiete zeichnete er sich als Vorsis^nder der Gesettsck-ast zur Förderung der Wissenschaft des Judentums aus, in der Vorderasiatisch-ägyptischen Gesellschaft hatte er ^den Schriftführerposten inne. Neben seiner wiyenschastlichen Tätigkeit fand er stets Zeit, allgemeinen jüdischen Jnteresten zu dienen. So stand er dem Deutsch-Israelitischen Gcmeindebund vor und war Vorsitzender der Religiösen Mittclpartei für Friede und Einheit in der Gemeinde. Auch der Pälästina-Lwwmsatlon, sei es der des Keren Hajestod wie der weit bescheideneren des Esra, lieh er bereitwillig seine Dienste. Ter Arbeit des Eentralvereins brachte er aufrichtige Schätzung entgegen. Er förderte sie, wo er es vermochte. Everging kaum eine Woche, ohne daß wir mit ihm verschiedene laufende und grundsätzliche Fragen besprachen. Sich daraus ergebende Verpslrchtungen erfüllte er mit vorbildlicher Schnelligkeit und Gründlichkeit. - Moritz Sobernheim war ein vornehmer, gütiger Charakter; er hatte für jeden ein offenes Ohr und scheute keiue Zeit und Mühe, um einer ^ache, die er für unterstützenöwert hielt, ehrenamtlich zu dienen, oder einem Menschen zu Helsen, der sich au seine Güte wandte. Seine ruhige Art vermied csscnen Kamvs. In seiner jüdisckzen Haltung liebte er daber den Ausgleich und bemühte sich, allen Parteien gerecht zu werden. Wenn er sich auch mr den Palästina-Aufbau warm einsetzte, so lehnte er anderseits alle Eedaulensührunaen ab. die darauf hinausliefen, unsere Gleichberechtigung im deutschen Vaterlande irgendwie zu beeinträchtigen. Sein liebenswürdiges, freundliches Wesen schaffte ihm viel Frennde. Sein Tod reißt im deutsch-jüdischen Leben eine Lücke, die kaum auszufüllen ist, denn wie viele kenntnisreiche und angesehene jüdische Persönlichkeiten sind da, die neben ihrem Beruf ehrenamtlich für das deutsche Judentum zu wirken gewillt sind? Moritz Sobernheim gehörte eben zu den Persönlichkeiten der Vorkriegszeit, die. wie die Goldberger, die Nathan, die Magnus, die Schiffer, die Simon, dem deutschen Judentum ihre Kräfte liehen, gleichgültig, aus welchen Beweggründen. Unser herzliches Mitgefühl gilt der Familie des Verstorbenen, seiner'Witwe, seinen Kindern und dem greisen Stiefvater, dein bekannten Generalkonsul Eugen Landau. Ter Name Moritz Sobernheim wird in die Geschichte des deutschen Judentums erngehen. vr. Alfred Wiener. Als Vertreter des Centrawereins nahmen an den Beisetzungsfeiertichkeiten in W-eißcusee, zu der Abordnungen des Auswärtigen Amts, der Stadt Berlin (Oberbürgermeister Dr. Sahm), der wissenschaftlichen und jüdischen Körperschaften, denen der Verstorbene führend oder mitarbeitend angehört hatte, erschienen waren, der Vorsitzende des Centralvereins Dr. Brodnitz und stellvevtretender Syndikus Dr. Alfred Hirschberg teil. Die gedankenreiche Trauerrede hielt Rabbiner Dr. Leo Baeck. Justizrat Dr. h. c. Albert Pirmer gestorben Am 5. Zanuar ist in Berlin Zustizrat Dr. b. e. Albert Pinn er im 76. Lebensjahre ßeftorben. Er erfreu:? ficti als Mensch und Wissenschaftler höchsten Ansehens. Aut dem Cenlralverein. dem er als treues Mitglied angehörte, war er durch starkes Interesse an seinen Bestrebungen eng verbunden. Kleine Chronik Ida Rummelsdurg (Verlor) feiert am 13. Januar ihren 75. Geburtstag. — Der frühere langjährige Darsitzrnde der CunagogengeinLinde Sluhm jWestpr.), je^iger Ehrenvorsikiender der Gemeinde Marienwcrder und langjähriges Mitglied des Den-' tralversins Julius 5< r o nt oa d) wird oni 25. Icnuar 70 Jahre alt. — Die Mitglieder Joseph und Anna Lachrnann sDrcslau) feiern ain 21. Januar ihr sechzigjähriges Ehejubiläum. Lachmann war während der Eholcraepidamie im Jahre 1874 freiwilliger Sani« täte?. Für sein aufopferndes Verhalten erhielt er