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Central-Verein-Zeitung · 1933-01-12 · 2 (12.1.1933) · p. Seite 9

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
2 (12.1.1933)
Date
1933-01-12
Page
Seite 9 (sequence 1)
Language
German
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RonnaUMenrne^er Nr. 4, Familienanzrigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) fitr Mitglieder des Cen:ra!vereins l NationalsoZkalPische NLchL§e§K§uerung Man wird darüber geteilter Meinung sein dürfen, ob die Sonderorganisationen wissenschaftlicher Berufs- und Beamtengruppen, die sich seit einiger Zeit auf Grund weltanschaulicher oder Politischer Überzeugungen gebildet haben, Mie der Zusammenschluß sozialistischer Aerzle, republikanischer Beamter oder Richter, konfessionelle Lehrervereine u. dgl., eine unbedingte Bereicherung des Vereinslebens darstellen; auch wenn mau die Anläpe, die zu solchen Gründungen geführt haben, voll würdigt, bleibt das' Bedenken, daß dadurch die Volksgemeinschaft gespalten, der Berufszusammenhang gelockert, die wissenschaftliche Grundlage einer höheren Berussausübung Zurückgedrängt werde. Allein all diese Verbände können zu ihrer Rechtfertigung anführen, daß ihre Mitglieder, wenn auch durch gleiche Weltanschauung oder Gesinnung verbunden, sich doch als unabhängige Träger der dem ganzen Stand gemeinsamen Berufsauffassung fühlen und betätigen. Sie wählen sich ihre Leitung nur ails dem Kreis der Fachgerwgen, sie folgen ebenso wie ihre andersgesinnten Berufsgenossen ihren Standesidealen und ihrem Berufsethos und würden die Zumutung entschiedet Zurückweisen, in Fragen ihrer wissenschaftlichen. Ueberzeugung und Berufsübung bindende Weisungen von der Parteileitung oder einer außerhalb des Berufes stehenden Stelle entgegenzunehmen. Ganz anders der Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen; auf dev . dritten Reichstagung, die er Ende deZ vorigen Jahres in Leipzig abhielt, bekannte er sich in einer öffentlichen Ent-- schließung als Gliederung dev NSDAP., die Schulter an Schulter miL den anderen Gliederungen der Partei rücksichtslos den politischen Kampf Zu führen gelobt. Seine Führer wählt er sich nicht frei aus den Lerufsgenosien. die durch berufliche Leistungen sich das höchste Vertrauen der Fachgenopen errungen haben, nein sie werden ihm durch den berufsfremden und weder von wissenschaftlichem Geist noch von Fachkenntnifsen berührten Parteiführer vorgesetzt. Demgemäß wird zwar viel von Reckst und Gerechtigkeit geredet, aber sobald die wirklichen Absichten des Bundes ausgedrückt werden, zielen sie nur auf politische Zwecke, auf die Machtgewinnung für die Hitler bemüht sich wieder einmal, in die Regierung zu kommen. Die treibenden Ursachen unb sehr real: die Partei hat große Schulden. Otto Straffer hat sie aus 12 Millionen Mark beziffert: Und wenn es nur 10 Millionen Mark sind, die nicht die Münchener Zentralstelle, sondern die einzell nen Gaue und Ortsgruppen Druckern, Schneidern, Schuhmachern, Hausbesitzern für die Miete ‘ Brauner Häuser, Papierlieferanten usw. schulden — die Last ist drückend genug: so drückend, daß der Parteiapparat nicht mehr lange zu halten fein wird, wenn nicht Entlastung kommt. Entlastung könnte kommen durch die Auslieferung Preußens an die NSDAP. Tann könnte^ man Redakteure, denen man jetzt das Gehalt schuldig bleiben muß, Agitatoren, die ihre Honorare heute vergeblich einfordern, sehr rasch von allen Geldsorgen befreien, konnte sie „unterbringen". Wahrscheinlich würden die Gläubiger auch etwas weniger unangenehm drängen, wenn ihr Vertragsgegner bestimmenden politischen Einfluß hätte. „Mit einem mächtigen Mann muß man sich gut stellen". Tie innere Unsicherheit und die Angst vor dem finanziellen Zusammenbruch der Partei wird gemehrt durch die Furcht vor dem -„Mann im Hintergrund", Gregor Straper. Zwar hat auch er bisher nicht die Mittel, um eine stoßkräftige Parte: aus der Erde zu stumpfem Aber er könnte vielleicht eines Tages einflußreiche finanzielle Förderer in den sehr maßgeblichen Schichten finden, in deren Spiel schon heute die Figur Strapers bei taktischen Kombinationen eingesetzt wird. Dazu kommt noch die Furcht vor Neuwahlen. Tenn einmal kosten sie wiederum Geld, und zum andern wird das Wahlergebnis das Zusammenschmelzen der Partei erneut erkennen lassen. Uebrigens mögen die allzu stürmischen Optimisten gewarnt w:n: die NSDAP, wird zwar in kürerer Zeit zusammenfallen, als sie gewachen ist; zur Bedeutungslosigkeit wird sie aber durch die nächsten Wahlen noch nicht sinken. Neuwahlen können vermieden, die finan- . zielle Parteikrise kann wenigstens für die nächste Zeit überwunden werden, wenn £>if> ' ler tn die Regierung kommt. Um über dlese wahren Gründe hinwegzutäuschen, tritt man nach außen um so energischer auf. Man redet in Volksversammlungen, fährt wieder einmal durch die Lande und zäumt auch das antisemitische Streitroß wieder neu auf. Ter „Völkische Beobachter" reibt sich an der „E. V.-Zeitung", der „Angriff" schreibt von „jüdischen Sudeleien" und veröffentlicht widerliche Abbildungen: Ein Schwein sielt sich im Dreck. Ein Davidsstern ist ihm ausgebrannt, „Tie jüdische Presse" steht geschmackvollerweise darüber geschrieben und darunter die Zeile: „Das Schwein liebt den Treck — der Jude das Lügen." Goebbels spricht im Berliner Sportpalast, dopen Ränge bei weitem nicht mehr gefüllt sind — auch hier wieder den größten Erfolg mit antisemitischen Schlagworten und gemeinen Verdächtigungen der Juden suchend. „Die Mordhetzer sitzen in den jüdischen Redaktionsstuben der Jerusalemer und der Lindenstraße. Werden wir gemordet, schweigen die Juden. Glauben sie uns etwas anhängen zu können, dann reißen sie das Maul auf . . . Die Juden sind schuld an allem Unglück, sind schuld am deutschen Brudermord" usw. Kraruhasikrampshafte. Anstrengungen, eigene Schuld zu verdecken, Sprünge in dem „Granitblock"- der eigenen Partei zu verdecken. Die Beweise für dieses verbrecherische Geschwätz bleibt er. wie immer, schuldig. Billigen die Menschen, die jetzt mit Hitler wiederum verhandeln, diese Taktik? Lasten sie sich durch den Wortschwall betören und sehen sie nicht die Schwäche, die hinter dem Kraftaufwand steckt? Aus dem Inhalt: 12 Monate österreichisch© Politik Brief aus Wien von Oscar Hirschfcfd (Wien) Seite 12 Jüdisch© Jugend m der Gressstadt Von Wilhelm Graste (Berlin) Seite 13

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