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Central-Verein-Zeitung · 1933-01-05 · 1 (5.1.1933) · p. Seite 1

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
12 (1933)
Issue
1 (5.1.1933)
Date
1933-01-05
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
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j, -i c c 11. Seelkn, §. Jczmt 1§33' XII. /c,!;ccar.o » 51?» 1 Einzelnummer 20 pfrrrrüg. 7 sSSIte’fSs’i ''goSfsäfeüS® GüHUN K-KWM-GZxZMA AZVW5Z7 ^LÄSMIWSl?MMWWU WmÄMG"sK Allgemeine Zei/un^ des Oudenlums ViertelicrhrscrLonncurent 2,25 V!M. (zuzügl. ScfEcIigciö). Dcrlag und Cchriftleitung: Berlin TV 15, Cmfer Ctr. 42. Fernsprecher: 3 2 Oliva 5074. .:. Post-checkkonLo: Berlin 304 72. .?. Bankkonto: Dresdner Bank, Depositenkasse K ' Berlin-Wilmersdorf I, Hohenzoverndaniin 193. AIernige Anzeigenannahme: Annoncen-E^psdition Ml-olf Masse, Berlin TV IM, und deren Filialen Normalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangl i. Anzeigenpreise: 0,90 JhV. für die Tgelpaltene Zeile nach Rudolf Mossrs Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,-tö &<M., die 62 nun breite NeNamrzeile 3,5) A.LL» % um m«l fe?0 /KfflfF«» fllmyilSfuiftl yVyV#i l’ii' » Don Do. Karl Mierendorf, M. d. Zt. (Oormstadt) 31. E. 24 Stunden früher als bisher wird die „C. D.-Zeitung" von jetzt an unseren Lesern zugestellt werden. Der Zeitpunkt des Redaktionsschlusses bleibt unverändert. Das heißt 24 Stunden weniger für die Drucklegung, also schnellere Berichterstattung, lebendigere Meldungen, aktuellere Stellungnahme zu den Ereignissen des Tages. Tie Schnelligkeit allein nntzt aber nichts, wenn nicht der Inhalt lebendig ist. Hieran mitzuarbeiten rufen wir alle unsere Freilnde, alle unsere Leser — auch die Gegner — auf! Mehr als bisher wollen wir unseren Lesern selbst das Wort geben. In einem „Sprechsaal" sollen sie selbst zu allen wesentlichen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Fragen das Wort nehmen. Hier werden sie sich über manches aussprechen können, was die Zeitung in ihrem offiziellen Teil noch nicht besprechen kann. Tenn dadurch unterscheidet sich die „E.V.- Zeitung" von jeder Tageszeitung: sie muß sich bei jeder Aeußerung der besonderen Verantwortung bewußt sein, die die exponierte Stellung der deutschen Juden ihr auferlegt. Aber: die „C. D.-Zeitung" ist nicht'der kenkralverein. Es muß ihr um der Lebendigkeit des Inhalts, um der Frische willen, die sie allein werbefähig für den Gedanken des E.V. machen kann, auch gestattet sein, einmal zu Fragen Stellung zu nehmen, ehe die Leitung des Vereins noch endgültig entschieden hat. Unsere Freunde im Lande meinen vielfach, jedes Wort, das in der Zeitung steht, sei Vereins o f f i z i e l l — obschon es meistens nur Vereins offiziös ist. . Das muß einmal zum Jahresbeginn ausgesprochen werden, damit die Zeitung etwas freier gestaltet werden und auch Beiträge veröffentlichen kann, die nicht von allen Lesern gebilligt werden. Tie „C. V.-Zeitung" ist und bleibt, was sie immer war, das Blatt des Gentralvererns. Aber sie ist nicht in jeder Zeile mit der Meinung des CentralvereinZ identisch. Und nun noch ein Wort über den Inseratenteil. Die „C. V.-Zeituug" ist kein Erwerbsunternehmen, aber sie muß Anzeigen bringen, weil die Kosten der Zeitung aus den Mitgliederbeiträgen nicht voll gedeckt werden können, dazu hat der Verein zu große andere Aufgaben neben der Zeitung zu erfüllen. Und der Umfang der „E. V.- Zeitung" ist auch vom Umfang des Inseratenteils abhängig; und manche unserer Ter Ausgang des Kampfes um die öffentliche Meinung, der die Grundlage des gigantischen Machtkampfes um die Zukunft Deutschlands bildet, hängt entscheidend davon ab, ob es gelingt, die unterirdischen Strömungen abzufangen, von denen die reaktionären Kräfte heute getragen werden. Wahrend es aber noch verhältnismäßig leicht ist, Waffen zur Bekämpfung der sozialreaktionären und der nationalistischen Temagogie zu schmieden, wächst das Problem ins Riesenhafte, wenn es gilt, dem Antisemitismus zu Leibe zu rücken. Zwar ist im öffentlichen Meinungskampf das antisemitische Moment im Laufe der letzten Zeit etwas in den Hintergrund getreten. Aber verschwunden ist es keineswegs. Man wird im Gegenteil gut tun, sich auf eine Renaissance des Antisemitismus vorzubereiten, auf die verschiedene Anzeichen schließen lassen. Tenn auch für die nationalsozialistische Bewegung, einerlei ob sie siegt oder sich gegen den ihr drohenden Verfall wehrt, gilt die Regel, daß alle entscheidenden Phasen „nach dem Gesetz, nach dein man abgetreten", durchgekämpft werden, und das ist nun einmal bei dem Nationalsozialismus die antisemitische Hetze. Wenn wirkungsvolle Gegenpropaganda getrieben werden soll, wird immer wieder die Frage nach dem Charakter des Antisemitismus -untersucht werden müssen. Tie Schmierigkeit seiner Bekämpfung besteht darin, daß er in absoluter Form so schwer faßbar ist. obwohl er tatsächlich eine der größten gcseüschastlichen Realitäten und Machtfaktoren unseres öffentlichen Lebens bildet. Niemals könnte der Antisemitismus solche Verwüstungen im gesellschaftlichen Organismus anrichten, wenn er nicht die hervorragende Fähigkeit (und Tendenz) besäße, sich anderen Resientimentbewcgungen an« zupasien, in sie einzudringen und mit ihnen zu verschmelzen. Er ist auf diesem Gebiete die ausgesprochene Schmarotzererscheinung. Wenn irgendwo Macht- und Interessenregungen ökonomischer,. nationaler oder Freunde, die es bedauern, wenn die „E.V.- ZeiLung" nur in achtseitigcm Umfange erscheinen kann, würden der Sache dienen, wenn sie selbst und ihre Freunde dem Anzeigenteil der „G. V.-Zeitung" größeres Jnterepe schenken würden. Tie „G. D.-Zeiiuncf ist nicht nur in ihrem Tertteil, sondern auch in ihrem Anzeigenteil ein Spiegelbild der Politischen und wirtschaftlichen Lage des deutschen Judentums. Hoffen wir, daß sich mit dem neuen Jahr die wirtschaftliche Lage bessert — und daß sich in dem getreuen Spiegel dieses ersreuliche Bild bald zeigt. . Der „WllisHe VeBaHier" verleumdet Me „C. V.-Zeiiw.g" Ter „Völkische Beobachter", der seit Jahresbeginn in einer in Berlin gedruckten Norddeutschen Ausgabe erscheint, trägt am 4. Januar eine dicke lleberschrist: „Tie E. V. - Juden erwarten Einkerkerung der Sudetendeut'chen durch die Tschechen". Auf der ersten Seite findet sich dann ein kurzer Artikel: „Die E. B. - Juden für die tschechischen Unterdrücker! Unsere sudetendeutschen Vorkämpfer sollen in den Kerker." Was gibt dem „Völkischen Beobachter" Anlaß zu dieser aufreizenden Behauptung? Tie „E. V.- Zeitung" hat in ihrer Nummer 53 vom 30. Dezember 4932 eine lehrhafte Auseinandersetzung über das Parteienwesen in der Tschechoslowakei veröffentlicht; darin wurde der Unterschied zwischen der tschechischen nationalsozialistischen Partei, die frei von jedem Antisemitismus ist, und der antisemitischen deutschen n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e rt Partei in der Tschechoslowakei auseinandergesetzt. Ter Schlußsatz, den der „Völkische Beobachter* zitiert, hieß: „Tie tschechoslowakische Republik bat keine Neigung, sich eine zentrifugale antiparlamentarische antidemokratische und antisemitische Bewegung über den Kopf wachsen Zu lassen." Tiesen Satz nennt der „Völkische Beobachter" eine „unverhüllte Aufforderung an die tschechischen Machthaber, sich nicht nur der national« sozialistischen Vorkämpfer, sondern unserer ganzen Bruderpariei gewaltsam zu entledigen, um ans diele Weise .zugleich dem sudetenländischen Teutschtum den tödlichen schlag Zu versetzen." Das ist ein klassische? Beispiel für die Berichterstattung des „Völkischen Beobachters". Wer dem Sudetendeutschtum und den deutschen Minderheiten im Ausland in WrrUlchkeit schadet, haben wir in unserer Zeitung Nr. 47 vom 18. November in einem Zitat aus der doch gewiß unverdächtigen „Täglichen Rm^dschau" gezeigt, die über einen Vortrag Paul Schiern a n u s bei der Tagung des Verbandes der deutschen Volksgruppen über Nationa!''ozv.!isnms und Auslandsdeutschtmn berichtete. ch

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