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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-30 · 53 (30.12.1932) · p. Seite 533

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
53 (30.12.1932)
Date
1932-12-30
Page
Seite 533 (sequence 1)
Language
German
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Berlin, 3-. Dezember 1932 XI» Jatjzgeng ♦ Nr. §3 Einzelnummer 2) Pfennig '**S r y V wV\,-/v/ v/W gMertcSiatjröaöonnemsm S.L2 MM. (zuzügl. Bestellgeld). ^Utzsrnsins 7siiunH clss lZu6snturnZ Lcctag und SchriktleiNrrrg: Berlin 13, Lmfrr Srr.42. Fernsprecher: J 2 Olioa 5074. .: Postscheckko.-rts: Berlin 364 72. :. Bankkonto: Dresdner Dank. DepositenkLsse L 2. BerliN'Wilmersdork l. Hohenzollerndcrnrnr 196. Rueirrtgr Bnzrigenannahme: Ännoncsn.Expsdk!;sn Rndoli Morse. Berlin SW ICO. und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,99 JlJl für tue 7gefpu!tsne Feile nach Äudolf Moffss^ KorMalgsUsnmssier'Nr. 4. FourLUenan-rigrn und CteLengesuche wicht Etellenangsbole) für MiLgircüer des Lenlrawereins 0,45 JML, dis 62 mm breite ÄeÜarnezeUs 3,50 f)ArAA< B§N -Dr. &rfr*-’7 V 3 <? y V vV V v* 4^ vO‘H v? // ' / b •/ 4/^! y LSSl Als der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens vor etwa vierzig Jahren gegründet wurde, da war der Zweckgedanke des Hereins wie er noch.heute im § 1 seiner Satzungen medergelegt ist, zwar eine Aufgabe, aber kein Problem . . . „die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens ohne Unterschied der religiösen und politischen Richtung zu sammeln, um sie in der tatträstigen Wahrung ihrer staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung sowie m der rmberrrken Pflege deutscher Gesinnung zu bestärken". Diese Ausgabe wird heute deshalb vielfach als Problem empfunden, weil man an der Möglichkeit zweifelt, die Aufgabe der Losung naher zu bringen, soweit hierbei der Kampf um unsere staatsbürgerliche und gesellschaftliche Gleichstellung in Betracht kommt. Und das Problem wird vertieft dadurch, daß dieser und jener Jude deshalb an seiner deutschen Gesinnung irre wird, weil ihm diese deutsche Gesinnung immer und immer wieder von Judengegnern abgesprochen wird. Und weil man schließlich die erwarteten Erfolge der C. V.- Arbeit vermißt, bestreitet man den Sinn und die Berechtigung dieser Arbeit. War dieser Zweckgedanke des C. V. falsch, oder ist er falsch geworden, oder hat er noch Sinn und Berechtigung auch heute, wo vieles gegen ihn spricht? Gewiß, es sah damals vor vierzig Jahren anders aus in unserer deutschen Umwelt und anders im Innern der deutschen Judenheit als heute. Im wirtschaftlichen Leben trug ein breiter, ruhigster Strom zu täglich neuen Erfolgen, die Verbefferung des Lebenszuschnittes brachte Ausgeglichenheit der Gemütsverfassung mit sich. Im gesellschaftlichen Leben war zwar Standcs- und Rangdünkel — der sich auch den Juden gegenüber reichlich auswirtte — gang und gäbe, er fand aber bereits seine Karikaturisten, d. h. feilte^ Totengräber, und tatsächlich war man in den weiten Kreisen des Holkes von der kurzfristigen Lebensdauer dieser überheblichen Abschlicßungsgewohnheiten fest überzeugt. Die Geistesverfassung jener Zeit war bestimmt vom Sinn für Forschung, für ernsthaft wiffenschaftliche Erkenntnis und für vernunftgemäße Beweisführung. Willig zugänglich war man für Gründe und Gegengründe, bemüht um Verständnis und bereit zu D e r st ä n b i g u n q auf der Plattform des menschlichen Rechts. Kein Wunder drum, daß man damals in den politischen, gesellschaftlichen und geistigen Unzulänglichkeiten, wie sie Vorlagen, nur ein letztes Ausschwingen einer überwundenen Zeit erblickte; auch die Schwarzseher jener Tage glaubten an unaufhaltsamen Ausstieg zu Gleichberechtigung und Ausgleich. Der Eentralverein brauchte sich damals einer starken Zeitströmung nur einzuordnen, um die austauchenden Störungsversuche in dieser Strömung mithelsend zu verscheuchen. Die kleinen störenden Strudel aalten kaum als Gefährdung der Stromrichtung. Und der Zusammenschluß der ^uden selber, soweit sie für die neue Ausgabe ln Frage kommen konnten, war ja erleichtert durch den fast gegensatzlosen, wirtschaftlich und gesellschaftlich einheitlichen Ausbau der deutschen Judenheit, die man durchweg als bürgerlich gerichtet anschen durste. Meinungsverschiedenheiten zwischen konservativen und fortschrittlichen religiösen Kreisen wurden in den Synagogen, in den Gemeindestuben und teilweise in der innerjüdischen Presse zum Austrag gebracht, nachdem strittige Rechtsfragen gesetzlich geregelt waren. Dessentliche Kämpfe um grundsätzliche Fragen waren selten. Geldliche Mittel für Gemeinschastsaufgaben waren vorhanden und wurden gewährt: Kurzum, die Zeit war eine Zeit weitgehender Verständigung auch innerhalb des Judentums. . Und heute? In jedem einzelnen der ansgezählten, Punkte hat sich die Zeit in Ungunst und Schwierigkeit für unsere Ausgabe gewandelt. Die bedauerlichste Erscheinung in diesem Wandel ist die, daß man, insbesondere in den jugendlichen Kreisen, welche den verwegensten Anhang der judengegnerischen Führer bilden, Mißtrauen und Abneigung gegen sachliche und vernunftmäßige Aufklärung herangezüchtet hat, so daß Verständigung im politischen Leben kaum mehr erfolgen kann. Durch Gemüts- oder Stim* mungsmotivierung werden die Menschen von henke auf Parteileitsätze feftgelegt. vernünftige Gründe und Beweise prallen an den leidenschaftlich erregten Mafien ab. Das Kommandowort des Führers ist an Stelle der Erwägung und der Selbswerantwortnng getreten. Bewußt und mit Willen wird Verständigung als Halbheit abgelehnt. Schon das Verständnis für Art und Auffassung des anderen gilt als Entartung. Die Begründung des eigenen Wertes, wenn solche überhaupt unternommen wird, und der Minderwertigkeit des anderen wird, auf Gebiete verlegt, wo Aussprache über das Für und Wider unmöglich ist. Rücksichtslosigkeit und Machtanwendung werden als Heil gepriesen. Die Auswirkungen dieser Wandlung aus die Lage der Juden sind bekannt; die Einwirkungen dieser Wandlung cnF Gemüts- und Geistesverfasiung der Juden haben die Problematik unserer Arbeit gezeitigt. „Die AUS DEM INHALT: Was tut der C. V? Kurzbericht über das Jahr 1932 .Seite 535 Die neue Wendung im „Fall Cohn".Seite 537 „Die Karriere einer Idee." Von Rechtsanwalt Dr. Eugen Schmidt Seite 539 NSDAP, und tschechische Nationalsozialisten. Von Dr. Rudolf Frucht Seite 540 Aus altdeutscher Dichtung. Von Dr. Hugo Spiegler (Wien) . . . Seite 541

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