Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 51 (16.12.1932)
- Date
- 1932-12-16
- Page
- Seite 509 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Danttonto: Dresdner Zank, Deposttenrasss Btt rlin-Wilrnrrsdork U Lohenzollerndaninr 125. Berlin SW ICO. und deren FUlalrn. ^nzeigenprei:»: 0,N) &J& für die 7gespd!rsnr Zeile nach Rudolf Mc^er ich! Strllenangrbotr) fllr Mitglieder des Lentralvereins 0,45 J2JC, dir 62 mm breitr ReklamezeUs 3^0 BseiGDis / Von Dr. Hans RsichniOnn Unsere Zeit ist schnellebig, und ihre Menschen vergessen rasch. Wer denkt heute noch an die Earantien, die Adolf Hitler und seine Führerschaft vor 15 Monaten ihren Wählern geleistet haben: „Da? Jahr 1932 wird das Jahr der Entscheidung sein." Wer erinnert stch heute noch an die Proklamation Hitlers vom 7. Novenlber d. I.: „Wir werden jede Regierung stürzen, die nicht von mir geführt ist." Bei jedem nur möglichen Anlaß hat man der Wählerschaft die Versicherung gegeben, daß Hitler jetzt unbedingt zur Atacht kommen werde. Jedesmal war es der letzte Wahlgang, zu vcm man den gutgläubigen Anhänger aufrief. Der der ersten, der zweiten Präsidentenwahl, bei den Wahlen in Preußen, bei der Reichstagswahl vom 31. Juli, dann wieder am 6. November und schließlich bei der eben beschlossenen Reichstags-Vertagung: immer ist Hitler wortbrüchig geworden. Das Jahr 1932 wurde nicht zum „Jahr der Entscheidring". Hitler ist nicht zur Macht gekommen, und" seine Fraktion hat den Reichskanzler toleriert, statt ihn. Sldolf Hitlers Protlamation gemäß, zn stürzen. Wir haben Herrn Hitler und seine Be- .wegung in ihrer Bedeutung niemals überschätzt. Wir waren auch, im Gegensatz zu manchen jüdischen -Blättern^nie bereu, fern Parteiprogramm als „die Lurltanschauung des 20’. Jahrhunderts" anzuerkennen. Wir wifle-t um die Zeitbsdingtheit dieser Zusammenballung unzufriedener und wirtschaftlich deklassierter Menschen. Aber wir verkennen nicht, das; die Partei immer noch groß und einflußreich genug ist, um den künftigen Ablauf unseres polirischen Geschehens mit ihrem Gewicht zu belasten. Den Anspruch, die Macht allein 511 verwalten, wird sie kaum mehr mit Aussicht aus Erfolg erheben können. Die Gefahr eines siegreichen Putsche-? scheint für immer gebannt. Aber die gegevavärtige Arisschaltimg auS den: politischen Diachtbersich ist nicht endgültig. Die Zeit zwischen der Vertagung des Reichstags am 9. Dezember und seinen! Zusannnentritt im Januar kann nur als WaffenstillstanLspause gewertet werden. Gegenwärtig hatte man für die NSDAP, preußische Ministerposten reserviert. Vielleicht wird Herr Hitler im Januar mehr als nur preußische Minister- Posten gewinnen, wenn er auf den Anspruch, .eine künftige Reichsregierung zu führen, verzichtet. Ob er starr an diesem Grundsatz fefthalten und damit Neuwahlen erzwingen wird, oder ob sich ein Ausgleich wird finden lasten, weiß im Augenblick niemand in Deutschland. Aber eine ganze Anzahl nationalsozia- Scher Führer weiß, daß bei einer Neul die Partei erheblich geschwächt werden würde. Testen war sich vor allem der Schöpfer der nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation, der als Sozialist „verschriene^ .E r e g 0 r S t r a s s e r, bewußt. Er hat mit Sorge den Ausgang der November- Wahlen betrachtet und in dem Thüringer Gemeindewahlergebnis seine Auffassnng bestätigt gesehen, daß die Partei ihren Höhepunkt überschritten hat. Er weiß auch um AUS DEM IN HÄLT; Gertrud Säumer: „ÄsphaltlEberoIlsmus" * . . .Seife 510 Dr, Bruno Glaserfefd: Offener Brief =n den Privatdozenfen Dr. med Zimmer.Seite 511 Dr. Franz Apt, Breslau: Breslauer Statistik so oder so S.512 „Worum sind und bleiben wir Juden" Ein Vortrag von Dr. Ludwig Holländer Seite 513 Aufklärungsarbeit des Landesverbandes Gross-Berlin vor 400 Lehrern .Seite 513 Dr. Albert Mainzer II, Stuttgart: Zum 60. Geburtstag von Gustav Fefdmann (Stuttgart) Seite 514 Dr. Martin Wassermann, UniversitäfsprofessorinHamburg: Die Bekämpfung des Boykotts S. 518 die Enttäuschung der Ssl.-Dttinner, Lenen von Wahl zu Töahl die Unterbringung int Staatsapparat versprochen wurde und ift Realpolitiker genug, um Konzessionen zu machen. Deshalb "wäre er bereit gewesen, den Anspruch auf ^itijiung und Vorherrschaft in einem Kabinett auü.ugeöen, Härte die NSDAP, als Eegenleistung einen großen Zipfel der staattichen Macht echatten. Zwischen. dem starren Hirler. der die Macht allein für sich beanspruch:, und dem realpolitisch elastischen Gregor Straper wurden die Brücken abgebrochen. .Möglich auch, daß persönliche Verstimmung bei diesem Schritt eine Rolle spielte. Denn Gregor Straffer war als hervorragendster preußischer Ministerkandidat in Aussicht genommen. Vielleicht hat der „Führer" nicht seine ganze Autorität aufgewandt, um sehr gewichtige Widerstände einsttrßreichster Stellen zu brechen. Aber auch der Straffer-Konflikt darf zunächst in seiner Wirkung nicht überschätzt werden. Es ist mehr als fraglich, ob Gregor Straffer, der aus dem zu frühen Absprung seines Bruders gelernt hat, heute neue Parteiexperimente machen wird. Der Absprung Otto Strassers im Frühjar 1930 wurde ein Sprung in die politische Bedeutungslosigkeit. Der Bruder dürfte nüchterner sein und die Widerstände gegen neue Parteigründungeu realer einschatzen. Wie immer wird auch dieser Konflikt die Partei veranlassen, das bequeme und billige Ablenkungsmittel der I u d e n Hetze erneut anzuwenden. Der „Illustrierte Beobachter" bereitet dieses Manöver vor^ er veröffentlicht eine Sonbenmmnter „MMver zeigt sein Gesicht". Hier werden die Photos bedeutender Juden Deutschlands ausgehäust, rrnd man will anscheinend mit diesen Bilderbogen dem deutschen Volk zeigen, wie stark und unheilvoll jüdischer Einfluß auf deutsche Politik, Wirtschaft und Kultur wirkt. Vielleicht sollen diese Porträts auch die „m[ünu* mäßige" Abneigung, den Rassenhaß,^ verstärken. Die Herren mögen aber vorsichtig sein: nran könnte eine garize Galerie von Photos nationalsozialistischer Führer ausjrellenmnh dasGesamtbrld würde sich,.rarwn-