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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-09 · 50 (9.12.1932) · p. Seite 505

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
50 (9.12.1932)
Date
1932-12-09
Page
Seite 505 (sequence 9)
Language
German
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505 Das Tratschendes Judentums ist kein einmaliges, aogeschtonsnes Ereignis. Es lebt weiter in immer neuer Gestalt. Tie Tragödie der Vergangensten rat hier ihren Lichter gesunden, wo ist der Lichter, der der Welt die jüdische Tragödie der Gegenwart offenbart? k'LKlSZ Sdiaeh, Elias 2Lueröach: „TSüste und Gelobtes Land." Kurr-Wolfs-Bcrlag,Berlin, 1932. Preis 16,— M. In diesem 260 Leiten starken Buch haben wir die erste moderne Lpezialbehandlung der antiken Eeschichtsperiode Israels durch einen Juden vor uns. Las macht sich in der Plastik und Fülle der Gestaltung bemerkbar, welche nicht nur an den weiterwirkenden religiösen Erscheinungen interessiert ist (wie die christlich-theologischen Tarsteller es oft waren), sondern die ganze Breite der Profanaeschichte des Volkes und ihre wirkenden Faktoren — geographischer, soziologischer, militärischer Art — zu Woche kommen läßt. Dabei gelingt es dem Verlader immer wieder, in der angemessenen Weise mit diesen realistischen Gesichtspunkten den Hinweis cur die geistige Getßlt und geistige Besonderheit Israels Zu verbinden. In fünf Teilen führt uns das Werk von den ersten Anfängen der jüdischen Geschichte bis zum Tode Salomos. Einleitend werden meisterhaft die au das Land Palästina gebundenen, geschichtsbestimmenden Voraussetzungen dargelegt: Mr geringe Raum des Landes, fein Charakter als Lurchgangsland, die Verbundenheit mit der Wüste usw. La nach werden die Quellen dieses Geschichtsaö'chnirtes behandelt, außerpalästimnsische und biblische vor allem. Dabei wird in streng wisiemchastlicher Weise, die gleich weit entfernt ist von naiver Bibelgläubigkeit wie von der hvperkritischen Art der Wellhausenschen Bibelkritik, eine zusammenhängende alle Quell? herausgeschält und als historisch glaubwürdig ^erwiesen. In unserer nicht aus das FachwiyenschaGliche gerichteten Anzeige können ^Leider die zahlreichen neuartigen Ergebnisse Auerbachs, die oft verblüffend ausgedeckten Zusammenhänge und die Bemerkungen Zn einzelnen BibalsLellen nicht im einzelnen erwähnt werden. Es folgt das Kapitel über die Vorgeschichte Palästinas — seine Beziehungen zu den großen Mächten, seine Einwohner — und der Israeliten vor der Einwanderung in Kanaan. Ganz einzeln wird danach die Eroberung des Landes, das politische und kulturelle Verhältnis zu den Kanaanäern behandelt. In diesem, der Epoche der Richter gewidmeten Abschnitt vermissen wir eine Auseinandersetzung mit den von Martin Buöer über die Theokratie jener Zeit neuerdings vorgetragenen Anschauungen. Das Kapitel über die ersten drei Könige,, ihre Politik, ihre Person, die Kultur ihrer Zeit beschließt das Buch. — Dieser gewaltige Stofs wird uns in einer leicht eingängigen, lebendigen, nicht durch fachstolze Gelehrsamkeit beschwerten Weise dargeboten, durch' Karten- und Bildmaterial veranschaulicht. Zu wünschen wäre vielleicht noch eine deutlichere Uebersichtskarte Paläüinas und ein Register der behandelten Bibelstellen. Vielleicht kann dies noch in dem an gekündigten zweiten Band nachgeholt werden. Jeder, der die eigene Verbundenheit mit der jüdischen Geschichte stärken will, möge dieses klare und farbige. realistisch-objektive und zugleich bekennerische Buch lesen! Do. Hermann Gerson. Pierre Gnödy und Moise Twcrsky: „Israel in New York." Vhönrr Verlag iSatl Giwinna, Berlin 1932. Preis 5 M. Wenn cuzi die Verfasser ihr Buch Israel in New T)orf* nennen — es ist nur ein Teil des Gesamtbildes der Juden in New Jork, und zwar ein wenig erfreulicher, wenig erhebender stadt, ins Gasä Ho re witsch, zu all jenen Plätzen, wo eine Reibe peinlicher jüdischer Typen die ersten Jahre ihres AmerikalcbenZ zubrmgt. ' Tffenbar soll das Buch eine scharfe Kritik darstelleu. Es beleuchtet den Ausstieg jener Elemente, die von überall her in New Jork zusammenürstmen und die durch ihre Einjügungssähigkeit und ihr rücksichtsloses Strebertum den Weg' von den „Schrvitzstätien" zum Millionenviertel finden. Es sind trübe Bilder, und man wünschte zum mindesten in einigen Gegenbildern jene zu schauen, die durch ihre Intelligenz, ihre Kraft und Äurdauer ans anerkannte Weile den Ausstieg gefunden und es verstanden haken. Zum Besten der Allgemeinheit aufbauend zu wirken und zu schassen. Die Versager setzen vielleicht voraus, daß diese Lebensbilder der Dcistntlichkeit bekannt sind, aber sie hätten sie wenigstens mit einigen Sätzen skizzieren müssen! Tie lose aneinandergereihien Kapitel finden in dem sechsten, ,Der einzige Arme in Berditschefs", eine äußerst notdürftige, ganz schief geschaute kulturpsychologische Deutung. Ist es schon falsch, bei dem großen Elend, das auch in weiten Schichten der Rew Jorker Judenheit herrscht, dort dev wirtschaftlichen UeG'rsegenheit der Juden zu sprechen, so ist es noch unsinniger, von den „günstigen geschichtlichen Bedingungen" zu reden, unter denen sich die Judenheit allüberall eine wirtschaftliche Hegemonie erworben habe. Was als barbarische Ausschließung beklagt wurde, erscheint dem Verfasser als eine „außergewöhnliche, bevorzugte Stellung der Juden in der Geschichte". Um seine Hypothese zu beweisen, werden die Tatsachen verdreht und Widerspruch aus Widerspruch gehäuft: „We sind Handnoerker, ^ausgezeichnete Handwerker", und daneben: „Mit tiefer Verachtung sieht man auf die Handarbeit und auf die Personen, die sie ansüben, herab." „Zum größten Teil haben sie einen angeborenen Widerwillen gegen die Handarbeit." Auch was über die Ablehnung der Fabrikarbeit gesagt wird, widerspricht all jenen Tatsachen. Es' sei an das Siedlungswerr in Rußland, Palästina und Argentinien erinnert sowie an die Einstellung zum jüdischen Handwerk in Osteuropa und in Deutschland. Tie Autoren geben vor, objektiv zu. sein, aber zu solcher Objektivität gehört mehr Lachkenntnis und mehr geschichtliches Verständnis. Margarete Goldstein. Schalorn Asch: „Tie Gefangene Gottes." Pani Szolnay Verlag, Berlin— Wie«—Leipzig 1932. Preis 6,30 M. Edufei Asch' neuestes Werk ist ein psychologischer Roman, der die geheimsten seelischen Regungen einer Frau entschleiert, --eine Emily Brown, eine cm-rikani'che Jüdin, hat fast zwanzig Jahre in unchücklicher Ehe neben einem „^ekk-nuwo man" Qcicb:, der sie nur als selbstverständlichen Besitz und als eine Sprone.aus der Leiter feines ErfolgeZ betrachtete. stach der Verheiratung der ihr wesensfremden Taster, dem Ebenbild des Vaters, will sich Emily, die bisher aus Furcht vor einem Skandal und aus Rücksicht stör andere alles beim alten gelassen hat. von ihrer Vergangenheit lösen und reist nach Eurrva. An der Riviera nimmt ihr Geschick die cnckchei-:ende Wendung, die sie im Nnterbewußtjeiu lüRyä criraitet hat. Sie triift Jrank Melbourne, Linen um zehn Jahre jüngeren Landsmann von feinster Eeistes- und Herzen llrlldrma. Tie schönen Menschen lernen einander"rerstel^n und lieben: der Altersurnerschred steigert now beider Gefühl. Jetzt glaubt Emily, ensuch glücklich zu werden: aber ein geheimnisvolles Etwas, das in ihr lebt, hält sie von der gänzlichen Bereinigung mit dem Geliebten zurück. Furchtbarste seeli'che Qual fülirt die Liebenden gemeinsam bis an den Rand des Todes, schließlich besiegt Emrlhs starkes mütwrüches Empfinden für den Freund ihre Leidenschost. 'Lw verläßt ihn ohne sein Wissen nach schwerstem Qamvs und gebt über das Weltmeer zurück — einer ungewissen, freudlosen Zukunft cuia:acn. Rur ein Dichter wie Schalem Asch vermag, so vollendet weibliches «chictsal zu formen, so zartsübllnd Verborgenstes zu enthüllen. Er deutet an, wie intensiv das Wesen der Ahnen Angehörige späterer Generationen beeinflußt. Emily stuinmt ab von jenem berühmten Rabbi Mcksir. der einst iür st inen Glauben und seine Glaubensgenossen den Märtyrertod starb. Tie Gestatt und die Lehre dieses Wcista-wirken enrscheidend uns die Anhängerin modernster wistenschastiicher Theorien und religiös frei Erzogene^ deren Lebensrhylhnius dennoch durch aliyüdl'che ^rabiiion bestiiumt u ird. Daher ist sie unfrei in ihrem Tun. und bandelt häusia nicht nach ihren Wünschen, sondern folgt den Weisungen einer ihr selbst unbegreiflichen inneren Stimme. Einslüsie früherer Ge'chlechter und eigene Jugeudertebnisist prägen — nach A'ch' Ansicht — die Persönlichkeit. Das Buch rcfielt von der ersten bis zur letz.stn Zeile. Erschütternd gestaltet A''ch die Begegnung ztueier l^id-nschafrckch-r cksienscken, die imnittcu der Schönheit des südlichen Frühlings und Sommers und in Paris eine kurze Wegstrecke vereint zurücklegcn, um einander — ohne den Scharten einer Schuld — für immer zu verlieren. Gertrud Liehienberg. „Jacob Vernäh s. Gin Lebensbild in Briefen." Hcransgegeben von Michael Fraentel. (Verlag M. u. H. Marcus, Breslau 1932.) Preis 4,80 M. Ter Herausgeber dieses Werkes hat sich mit großem Fleiß der Ausgabe unterzogen, uns aus dem Briefwechsel, den der bedeutende Philologe Jacob Bernays mit den Gelehrten des Jn- und Auslandes unterhielt, dessen - Lebensweg und -kamps auszuzeigen. Bernays wurde 1824 als Sohn des Hamburger Rabbiners Isaak Bernays geboren, studierte Philologie und habilitierte sich im Jahre 1848 als Privatdozent der klassische Philologie in Bonn. Seine umfassende Gelehrsamkeit trug den Ruhm des jungen Dozenten weit über Deutschlands Grenzen hinaus; trotzdem mußte er die bittere Enttäuschung erleiden, daß seine Anstellung als außerordentlicher Prosestor^ nicht vorn preußischen Kultusminister bestätigt wurde. Lieber aber ertrug Bernays Enttäuschungen, als daß er sein Judentum für seine Laufbahn geopfert hätte. Erst 18 Jahre später — inzwischen wirkte B. am Breslauer Rabbinerseminar — wurde ihm die Professur an der Universität Bonn und zugleich die Ernennnnc* zum Oberbiblwlbekar zuteil. am besten aus den Briefen seiner beiden Freunde Theodor Mommsen und Paul Heyse hervor. Vera Saiwitz. nennnnc* zum Oberbiblwthekar zuteil. ^eonayz yar ein Auechvon nur öll Jahren erreicht. Welch ein vornehmer, von edlem Geist erfüllter Charakter sich in ihm offenbarte, geht am besten aus den Briefen seiner beiden Moses Mendelssohns Schriften. Akademie-Verlag, Berlin 1932. Preis 13 M. ^Er Akademie-Verlag hak in einer Jubiläumsausgabe die gesammelten Schriften Moses Mendelssohns in vorbildlicher Art und Weise hernusgegeben. Unsere Zeit hat große Fortschritte in der Herausgabe älterer Werke aufznwersen. Tie alten Texte werden genau wiedergegeben. Der Briefwechsel der Schriftsteller wird veröffentlicht. Man hat das Gefühl der besonderen Genauigkeit und SauberkAt der Herausgabe. Diese. mustergültige Arbeit ist in Gemeinschaft mit F. B a m b er g e r, H. V o r o d i a n ski, S. R a w i b o voi c z, B. Strauß und L. S i r a u ß, I. E l b o g e n, I. Guttmann und E. Mittwoch herausgegeben worden. Sie wurde durch erne großzügige Beihilfe der Familie Mendelssohn ermöglicht. Man kann die Akademie für die W i s s e n s ch a f t des Judentums für diese Arbeit, die dem jüdischen wie dem deutschen Namen aus Jahrhunderte hinaus zur Ehre gereichen wird, nur beglückwünschen. Die Ausgabe, die zu dcm für das Gebotene außerordentlich billigen Betrage von 15 Mark je Band — cs rverdeu im ganze-'. 16 Bände herauskommen — geliefert wird, sollte noeite Verbreitung finden. Insbesondere sollten jüdische Freunde philosophischen Denkens helfen, daß das ^amuwlwert an Bibliotheken uncntgeltlich geliefert werden kann. Moses Mendels sc hasche Schriften finb heute noch eine außerordentliche lesbare Einleitung in die Philosophie. Auch dis heutige Generation wird den „Phaedon" mit großem In!ere sie lesen, und ebenso wird nwn sich an den Gedanken erbauen, die Mendelssohn zur dritten Auslage des „Phaedon" niedergeleat hat, als er die Frage auswarf: „Durch welche Gründe würde ein Sokrates in unseren Tagen sich und seinen Freunden die Unsterblichkeit beweisen können?" (3. Board, 1. Teil der vorliegenden Ausgabe. S. 1514 Schon die bisher

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