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Central-Verein-Zeitung · 1932-12-02 · 49 (2.12.1932) · p. Seite 494

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
49 (2.12.1932)
Date
1932-12-02
Page
Seite 494 (sequence 6)
Language
German
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4tz4 li W^UU-i V'tj Ä Vi urf v'iiiüi Lt^wi L, V.: .; & i i Delegierien-Versammlimg des Landesverbandes Sonntag, Jen 4. Dezember, vcrmittcss 9L Uhr, in Gleiwitz, im „Haus Gberschlesien“ (Speisesaal) Tagesordnung: Justizrat Dr. Skalier: Geschäftsbericht J23 Vorstandes. Dt. Alfred Hirschberg, stellvsrtr. SynlÜkxis des C. V.: „Vertraulicher Bericht über die politische Lage und die Arbeit des C. V." Erich Wolfsohn, Beuthen: Kassenbericht. Dr. Jako« bowitz: Tätigkeitsbericht des Landesverbandes. Polizei-Medizinalrat Dr. Immerwahr, Gleiwitz: Die Arbeit der C. V.-Jugend. weit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen als die Landesverbände im Reich. Der Persönliche Kontakt der Eemeindemitgliedcr ist aus natürlichen Gründen gering. Dis Konkurrenz der Genüssestst in Berlin weit stärker als anderwärts. Deshalb müssen die verschiedenartigsten Wege gegangen" worden, um dre neu zu erfassenden Schichten für den C. V. zu gewinnen: Politische Veranstaltungen müssen hier eine besondere Ausgestaltung bieten, um zugkräftig zu sein. Erfreulicherweise ist der Bestand langjähriger treuer Mitglieder trotz der Wirtschaftskrise ungebrochen, und es ist immer noch gelungen, den Zuzug neuer Freunde so zu stärken, daß der Ausfall wettgemacht wurde. Zur Stärkung des Bereinsintereffes begann der Landesverband schon in den ersten Wochen der Winterzeit mit künstlerischen Veranstaltungen, in denen M e i n h a r t M a u r der Tendenz des C. V.' künstlerischen Ausdruck gab/ Aus Anlaß der Wahlen führten außerordentlich stark besuchte Kun dgebttn gen des Landesverbandes im Osten und Westen Berlins die Mstglied.- schaft zusammen. Hier sprachen Dr. »Friedrich Br0dnrtz, Dr. Karl Rosenthal, Arnold Stein, Dr. Bruno Weil, Dr. Alfred Wiener. - Woche um Woche finden sich in den Hausern treuer Freunde kleinere Gruppen von Mitgliedern zusammen; hier wird in vertraulichen Aussprachen in gesellschaftlichem Rahmen über die Arbeit des Eentralvereins im einzelnen Rechenschaft abgelegt. -Die einundzwanzig Berliner Ortsgruppen veranstalteten daneben selbständig Versammlungen; die rührigen Ortsgruppen Tempelh 0 f und W e i ß e n s e e konnten zu Beginn der Winrersaison einen Versammlungsbesuch ausweisen, der bisher in dieser Stärke nicht zu verzeichnen war. Die Ortsgruppe N 0 r d - O st e n hat acincinfam mit anderen Organisationen -Rabbiner Dr. Mar Wiener für. einen Kursus über die spanische Epoche gewonnen. Dr. Alfred H i r s ch b e r g sprach an diesem Wend über die politische Lage nach den Wahlen. Die Frauen werden durch die von Margarete Fried geleitete „S ch u l e d e r F r a u e n" interessiert. Zu unserer besonderen Freude konnte sich die I u g e n d a r b e i t s g e m e i n s ch a f t des Laudesverbandes in der verhältnismäßig kurzen Zeit ihres Bestehens eine führende Stellung im jüdischen Jugendleben Berlins erobern. Fast in allen St-adtgcgenden haben sich Gruppen unserer " ugendarbeit § gemeinschasr gebildet isher acht), denen sich die Jüngerenruppen (bisher vier) angeschlossen bauen. Auch die JüngerewGruppen nehmen von Woche zu Woche an Mitgliedern zu. Ten Landesverband führt der aus zehn Mitgliedern bestehende Ausschuß des Landesverbandes unter dom Vorsitz von Dr. Bruno Glaserseld. Daneben tagt monatlich einmal der aus den Delegierten der Ortsgruppen bestehende Vorstand des Landesverbandes. Seine Sitzungen sind durchschnittlich von etwa 80 Mitarbeitern besucht. Der Landesverband Groß-Berlin wird seine besamte finanzielle und organisatorische Kraft m diesem Winter an die Verbreiterung der Aufklärungsarbeit setzen. Gr bat in jedem Arheits'.chr raalr'ills Aus'.'.rar. mit llr etlichen VersönlichkWn im a rt gesellschaftlicher Veranstaltungen dur.stgef7.hr:. Die ein- Zelnen Ortsgruppen haben wrner nnmstädisam Persö'WchstWn' stmes Vegires ge. :_ Aussprache ü~ ■ * dis ,V'ude'"'ri-~** und tit Landesverband stli'll he: einzelne größere Kundgebungen für bestimmte Berufsjchichien (Lehrer, Geistliche, Frauen usw.) veranstaltet. Tag für Tag läßt der Landesverband auch außerhalb der Wahlzeit die Broschüre ..W i r deutschen Juden* in bestimmten Stadtvierteln verteilen; darüber hinaus bat er sämtlichen Berliner schulen wsrwrlleZ Auftlärungs. material und ein besonders geeignetes Werk sogar sämtlichen Berliner Geistlichen und Lehrern übermittelt. Der Landesverband hofft, daß seine Mitglieder ihn noch stärker als bisher in dieser eindringlichen und erfolgreichen Arbeit untersiätzen werden. Alle Freunde, die bereit sind, in den Ortsgruppen aktiv mitzuwirken, werden gebeten, ihre Bereitschaft dem Landesverband, W 15, Emser Straße 42, mitzuteilen. H. R. ' Spinoza rmö Nsnöslssohn Zu David BarrrrrcrardtS alcichnarmger Schrift. Bhilo - VrrKrg, Berlin 1932. Preis 0,50 Mark. Vier gelegentlich entstandene Aufsätze des Verfassers sind in der vorliegenden Echrist vereinigt. Ihr Titel läßt vermuten, daß Spinoza und Mendelssohn in ihrem Verhältnis zueinander bestimmt werden sollen. In Wirklichkeit werden sie unabhängig voneinander betrachtet. Tie Absicht Baumgardts ist keine rein geschichtliche. Es soll vielmehr die Bedeutung der beiden Philosophen für die Gegenwart sichtbar werden. Deshalb' wird die Lehre Spinozas ... von ihrer historisch bedingten mathematischen Tarstellungsart befreit, ihre Grundgedanken werden klar entwickelt. Dabei wird nicht nur der gedankliche, sondern auch der seelische Gehalt der spinozistischen Metaphysik heransgearbeitet. Spinozas Blick ist auf das Ganze der Welt, aus die Unendlichkeit des Seins gerichtet. In dieser Unendlichkeit aber derchwindet das einzelne Wesen nicht, es behält 'eine relative Sondereristenz und weist doch iber sich hinaus, ist eingebettet in die grenzenlose Einheit des Weltalls. Damit ist die religiöse Grundstimmung des Systems, das demutsvolle und selbstlose Sichoinordnen in die Wett ebenso knapp wie eindrucksvoll gezeichnet. Als Schöpfer einer neuen Weltreligion erscheint Spinoza in der Darstellung Baumgardts. * Seine pantheistische Religiosität entspricht der Sehnsucht der deutschem Seele nach der Unendlichkeit des Seins. Sie hat daher die Widerstände überwunden, die ihr sowohl von den positiven Religionen, als auch von der Erkenntniskritik Kants ent gegen gestellt wurden. Sie hat die Entwicklung der Philosophie in Deutschland von Lessing bis zu Nietzsche wesentlich beeinflußt. In seiner „Ethik"'hat Spinoza eine amoralische Betrachtung der Welt gelehrt, das Triebhafte, den dunklen .Untergrund der menschlichen Seele in mutiger Wahrheitsliebe deutlich gesehen und im Ganzen der Welt entsündigt, ihm seine Unschuld . wiedergegeben. Damit hat er Nietzsches Moralphilosophie vorbereitet. Tie Persönlichkeit Mendelssohns wird nicht nur in ihrer starken und edlen Geistigkeit, sondern auch in ihrem seelischen Reichtum geschildert. Mendelssohn ist süw uns nickst allein ein klassischer Vertreter der Aufklärungs- Philosophie. Seine Bedeutung liegt für alle Zeir darin, daß er das Judentum weltsähig gemacht hat. Seine Reliaionsphilosophie weist trotz ihres Nationalismus ans das Recht des geschichtlich Gewordenen, dos unbeweisbaren jüdischen Gesetzes hin. Er verlangt Achtung vor religiöser Eigenart, ein harnwnilches Znfammenarbeiten von Judentum und christlicher Kultur. Baumgardts interessante Sagrist verdient volle Anerkennung und weite Verbreilung. Dr. Lewkowitz (Berlin). vTssNghastsadcndes hufsvsrsms Der Hilfsvsrein bei deutschen Juden vercr/raUsU ani 22. November einen Eefel-schaftsce:aD i:n Hotel „Kaisordof" in Berlin. Nach mcisstrhastem Vortrags von Tschaikowskus Trio on. 50 A-rcoll durch btc Brüder I a s di a und T 0 ssy ^-piwakowsky und E d r.i u n d Kurtz führte der frühere preußiscl-e Kultusminister und bekannte Orientalist Professor Dr.^ E. H. Becker die außerordentlich Zahlreichen Cä'te an Hand wohlgelunaener Lichtbilder durch Persien, den Irak und Palästina und ließ sie so eine Reise m.iterlcben, die sr mit Auto, Flugzeug und Eisenbahn im letzten Jahre gemacht hat; neben den künstlerischen und kulturhistorischen Eindrücken vermittelte Professor Decker den Hörern auch starke politische Einsichten, die er in diesen Ländern ae- Wonnen hat. Willy D r e y f u s dankte namens des Hi'cksvercins den Gästen und den Dorum-Lenden und schloß mit dem Appell, die alte Tradition der Hilfsbereitschaft fortruführen, um so dem Anstiirm der Gegner standhalten Zu können. In angeregter Unterhaltung blieben die Gaste an Teetischen noch lange versammelt; der glänzen.de Besuch des Abends läßt die Hoffnung Zu, daß das segensreiche Werk des Hilssvereins nicht nur materiell, sondern auch ideell starke Förderung durch ihn erhalten möge. M. E. Lrssassr-§e!er im LWn.g-Mujrum Ein kleiner Kreis von Freunden Enrst Lisiauers vermmmelie sich am 25. November im Berliner Lessing-Museum, um den 56. Geburtstag des Dichters Zu feiern.. Nach einer Rede Über den Dichter von Dr. Dr. Ir. c. Heinrich pierv , trug Frau Korkhaus Gedichte Lisfauers vor, die der Bruder d-es Dichters, Fritz Lissauer, der am Flügel begleitete, vertont hatte. Eine Lescaussührung des. Schauspiels „Eckermann', das Goethe, der Zu den Lieblingen des Tichwrs gehört, und seinen treuen Jünger behandelt, stand in der Mitte be§ Abends. Man glaubte bei Lisfauers Worten Goethe selbst sprechen zu hören und vernahm die bekannten Gedanken und Redewendungen aus Eckermanns Gesprächen. Die Zuhörer dankten dem Dichter sowie den anderen Mitwirkenden durch starken Beifall für den gelungenen Abend. F. Ar.‘ Professor Philipp ftronftdn (Seclin) 70?ahre o!t - Der bekannte Anglist Professor Dr. Philipp A r o n st e t n vollendet am 4. Dezember d. I. sein 70. Lebensjahr. Aronstein gilt als einer der bedeutendsten Gelehrten der englischen Sprachwisiewchast und Literatur, der in zahllosen Derossentlichungen größeren und kleineren Umfangs hervorgetreten ist. Seine wipenschaftlichen Lei'rungen liegen auf verschiedenen Gebieten. Reben Abhandlungen über Benjamin Tisraeli -veröffentlichte er vor allem Rlonographien und ^ckrdien über die Zeit Shakespeares (u. a. „Ben Jonson",!906, „John Tonne", 1920). Als zufnmmenfasiendes Ergebnis seiner Forschungen erschien dann 1928 das große Werk über „Das englische lsienaisiancedrama^, das durch die Art der Darstellung für den Laien ebenso reizvoll zu lesen wie für den Wissenschaftler von Wert ist. Aronstein befaßte sich auch' mit der neueren englischen und amerikanischen Literatur Arbeiten über Bernard Shaw und Oskar Wilde). Die Krönung seiner Arbeiten auf dem Gebiete der englischen Sprachforschung ist Aronsteins „Englische Stilistik (2. Auslage 1926) sowie die „Englische WortkundeA Die §veibändige „Methodik des neusprachlichen Unterrichts^ gilt als Standardwert für diese Disziplinen. Daneben erschienen Zahllose Schulausgaben, von denen die „§slealioios from English Poetry“ und die „En^lish Prcae Selections“ in immer neuen Auslagen cn über 500 deutschen Schulen eingeführt sind. Brososior Aronstein, depen Gelehrsamkeit ebenso groß ist wie seine Bescheidenheit, cntsiannnt einer -alten westfälischen Fanülio. Er ist der Typus des deutsehen Gelehrten und Forschers, in dessen harmonischer Persönliehkeit deutsche Wesensart und jüdischer Idealismus zu höchster Einheit verschmolzen sind. Möge ihm, der auch ein langjähriger Förderer unseres G. B. ist, Gesundheit und Schaffensfreude noch lauge erhalten bleiben. Dr. Karl Dosentbal (Berlin).

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