Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 49 (2.12.1932)
- Date
- 1932-12-02
- Page
- Seite 489 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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-512 «3 2 Zjfrf Serlin, 2.DrZsrr.örrl432 X2. Jahrgang ♦ Nr. 49 ELnzeZttuarmer LH Pfennig ' ■■> UNS» ASÄM5W2. BierteljaLrAabONnernrnr S.2L VLM. (zuzügl. Bestellgeld). / 4"^-fei?;:/ V'3',^::3./3r,ijxr;'• / / &S> frTV.\l rr^Wf P’^^^'Cfra h) K. Allgemeine Zeifung des Judentums Verlag und SchrisUeLrnng: Brrrin w », Lrrrfrr ött. 4L. §Mssrrcher: J 2 OUse 5074, *?_ stich«^-?nio? Berlin 804 72. .:. DankkonLo: Dresdner Dank, Deposirrnkssse 8 2- Berlin-Wilmersdorf 1, LshLnz^ärrndanim 126. _ . ner Annoneen-Txyödition Rudolf Mossr, Berlin SW ICO, und czzz~ Filialen. Anzrigsnprrise: 0^0 für dir 7g5fpülteixe Zerle nach Rudolf T?s';es i Nr. 4, FaLrillenanreigen und SLellengrsuchr (nicht Srellenangedotr) für ^.ugliedLr Lrs Centralsereinr 0^5 &Jt, die 62 mm breite RsLlanrsMlr 3,53 JZ-M,* Alleinige Arizsigena ' Rormalzeiieumesser '\«/ 'Ni/' .-1 -f Ii* U. Zur Stund?, da 'diese Betrachtung geschrieben wird, ist eine neue Negierung noch nicht gebildet. Es wird viel geflüstert und dementiert, was sich aber hinter der Kulisse der offiziellen und offiziösen Nachrichten in Wirklichkeit verbirgt, ist nicht zu sehen. Immerhin zeigt das wenige Wahre, was man hört, dass die Parteien und ihre Vertreter sich bei den Verhandlungen der letzten Woche so auseinandergeredet urtb zerzaust haben, daß ein innerer Friede kaum zu erhoffen ist. In den Burgfrieden, der bis zum Januar proklamiert worden ist, knallen hin und wieder Schüsse, aber ebenso schlimm wie diese Schüsse sind die geistigen Giftpfeile, die. die deutsche Lust durchsausen. Wir zeigen solche in der Gestalt von schwarzen Listen, Boykottdrohungen und dergleichen. Sie beweisen uns, daß wir von dem Ideal des inneren Friedens, wie wir ihn erstreben, weiter entfernt sind, denn je. Wahrer Burgfriede kann nicht herrschen, wo Unklarheit in wichtigsten Fragen des staatlichen Lebens besteht. Wer von uns weiß, was die Nationalsozialisten wirklich Vorhaben? Noch ist ihnen die Frage zur eindeutigen Beantwortung nicht vorgelegt worden, ob sie an allen Punkten ihres Programms festhalten wollen, ob sie den Aufstieg Deutschlands, den sie so großzügig verheißen, in friedlichem Austau erstreben oder ob sie ihn über den Weg' eines Bürgerkrieges erreichen zu müssen meinen. Noch weiß man nicht, ob sie ihre Verheißungen, die sie den Arbeitslosen machen, im Rahmen der bestehenden Wahrung meinen erfüllen zu können oder ob sie an das Experiment einer neuen Inflation glauben. Die bisherigen Regierungen haben zwar solches mit aller Wacht verhindert, und wir hoffen, daß auch eine neue Regierung sie mit der gleichen Schärfe ablehnen wird, wie es die Leitung der Reichsoarck tut. Aber es wäre notwendig, daß auch alle diejenigen, die für eine neue Regierung in Betracht kommen, diese und manche andere ebenso wichtige Frage eindeutig beantworten. Nur wenn alle Unklarheiten beseitigt werden. ist es möglich, daß aus einem zeitlich begrenzten Burgfrieden ein dauernder innerer Friede werde. Wir hoffen aus eine- Regierung, der dies gelingt. Bstz?rü, schNMZs LDsR «. a. m Tie Fernhaltung der NSDAP, von der Leitung der politischen Geschicke Deutschlands hat, wie vorauszusehen war, dazu geführt, daß die antisemitischen Register in verschärfter Weise gezogen werden. Dazu gehört auch der Boykott gegen die jüdische Geschästswelt; er wird in der letzten Zeit mit besonderer Zähigkeit und mit ausgeklügeltem Raffinement erweitert. So ist Laut unwidersprochenen Zeitungsnachrichten hat jetzt sogar eine nationalsozialistische Regierung zu offener Boykottaufstrderung geschritten, der thüringische Minister M a r s ch l e r aus einer Tagung des Einzelhandels in Weimar einen Regrerungserlaß angekündigt, in dem er von allen Beamten verlangen will, daß sie ihre Einkäufe nicht bei Juden und in „jüdischen" Warenhäusern, sondern bei christlichen Einzelhändlern tätigen. Ist sich Herr Minister Marschler nicht der Tatsache bewußt, daß ein solcher Erlaß einen schstveren Bruch der Reichs- Verfassung und einen Verstoß gegen die in ihr verbriefte Gleichberechtigung der deutschen Juden darsttllt? Sder weiß Herr Marschler, daß er einen solchen Erlaß rechtsgültig gar nicht herau soeben kann, und versucht er, stakt dessen durch Reden und Zeitungsnotizen sein Ziel zu erreichen? Schon eine derartige Ankündigung von hoher Regierungsstelle aus bedeutet einen unzulässigen Eingriff in die Rechte der deutschen Juden. Kennt der Minister die Rechtsprechung der deutschen Gerichte in Boykottsachen so wenig, daß er nicht die Folgen sieht, denen er die Regierung seines Landes durch solche Reden oder Erlasse aussetzt? Tenn es kann keinem Zwciwl unterliegen, daß die Gerichte den Anspruch der so Boykottierten auf Unterlassung und aus Schadenersatz anerkennen würden. Ten finanziellen Schaden davon hatte zwar nicht Herr Marschler persönlich, wohl aber der Thüringer Steuerzahler zu tragen.; Auch die NSDAP, selbst erweitert ständig den Kreis ihrer Boykottbestrebungen. Nationalsozialistische Berufsaruppen versuchen durch Rundschreiben, die jüdischen Geschäftsleute zu schädigen. So versendet die „NSBV. (Nationalsozialistische Berufsverbindung) Konfektion" Rundschreiben an Textilfirmen in verschiedenen Fassungen, zum Beispiel nachstehend ab gedruckt es: ‘ RSBD. Konfektion. Berlin-Wilmersdorf, den 3. Nov. 1932. Badensche Str. 20 III, Psalzburg 7759. Es dürfte Ihnen nicht unbekannt sein, daß die Kundschaft der Ihnen angsschlossenen Firmen sich zu 99 Prozent aus christlichen Volksgenossen zusammensctzt und daß infolgedessen die Lrganisation der NSDAP, darauf hinarbeitet, daß unsere Volksgenossen in christlichen Geschäften kaufen. Wir leisten also für Sie chren- . amtlich eine Arbeit und werden dieselbe in verstärktem Maße betreiben, wenn die NSDAP, maßgebend in der Regierung vertreten sein wird. Ter Verbraucher selbst ist im guten Glauben, daß er in diesen Geschäften nur Waren reindeutschen Ursprungs erhält. Taß dies in dem Wirtschaftszweig „KanSektion', den ich für die NSBV.-Konfektion bearbeite, nicht der Fall ist, wissen Sie selbst. Es liegt aber im Interesse unserer Volksgenossen, daß dieser Wirtschaftszweig auch in der Fabrikation, die zu 99 Prozent in jüdischen Länden liegt, wieder in deutsche Hände gelangt. Wirisch Q s t s p o r i r i s ch ist es letzten Endes nicht wesentlich, ob man im christlichen oder jüdischen Laden kauft: uns kommt es darauf an, daß die Fabrikation deutsch ist, damit der Nutzen im Lande bleibt. Wenn wir auf der ejncn Seite Ihnen helfen, müßten Sie schon in Ihrem eigenen Interesse mithelfen, daß wir ans Ziel kommen.