Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 47 (18.11.1932)
- Date
- 1932-11-18
- Page
- Seite 473 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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21.11.1832 / SLrNn,1S.Nsvrrnbrr K-S2 XL. Jahrgang * Nr. 47 Einzrlnumnrr: 2S Pfennig Z)-vv»v** «»S Jmsnmxi}. r " Bierteliahrsadonnemenr S 2.25 NM. (ausügl. Bestellgeld). Verlag und EchAftleiLung: Berlin W 15, Gsnfet 6tt. 42.' / •! t; fc.TAr,; Vy it/nfrJ V“^vvJv v>-V- -'s^vi. -Vyv<^L>s> V;/ -vf-V s^. . . >3 4> vv y V*J> - y ■vj'-J <y v -v /-V✓•'-y V’V «-. .,/ *9 ■•1 Allgemeine Zeitung des 3udenfums Fernsprecher:^! 2 Oliva 5074. : PostschsÄonLo: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: Dresdner Ban?, Depositenkaffs 8 2, ^Berlrn-Wrlmersdorf I, Hoyenzollerndamrn 190. . ' ‘ lillaTen. Anzeigenpreise: 0,r>0 für dir 7gespalLrne Zeil» nach Nado'u Msffes tgllrder des LenLralderl-.ms 0,45 #Ul, die 62 mm breite rleklanreLeilr 3^0 &s.tU e\a 1-* - » + r ^J'.UiLtv^vU v| 1p V * J v. n -5 v 9torSi^•?n5il^naäJia5m- ^uuoncen.CxpLdittorr, Rudolf ^Mossr, Berlin SW ICO, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,94 für dir 7gespalLrne Zeil» nach Rudolf Monez Normaizcr^nmeusr Nr. 4, ^amrlrenanzekgrn und «trllengeiuq); (nicht CrellenangebsLs) für Mitglieder des Centralrerinns 0,45 &JI, f "" - - •- -• -' k fHNS?W KULchSN m ■ ‘ £*T^ 5$%/, f\ßr Breslau, den 17, November. Im Sommer dieses Jahres wurde der Lehrstuhl für bürgerliches Recht an der Universitär B res!a unfrei, den bis daher Profeffor Tr. Rosenstock-Hüstn inne hatte. Tie juristische Fakultät der ÜniverMchschlug dem Kultusminister eine Liste . von Emnenschastlern vor, an deren Spitze der Frankfurter Privatdozent Tr. Ernst Cohn,- selbst ein Breslauer, und ein auswärtiger außerordentlicher Professor stand. Nach Verhandlungen entschloß sich das Kultusministerium für Tr. Cohn, der auf Grund seiner Frankfurter Lehrtätigkeit bereits vorübergehend einen Lehrauftrag an der Universität Kiel gehabt harte. Sofort nach dem Bekanntwerden der Ernennung Tr. Cohns, die Anfang Juli erfolgte, setzte von seiten der nationalsozialistischen Studentenschaft die Hetze gegen den zukünftigen Lehrer dm 13. August d. I. veröffentlichte Am der August d. I. „6 d) I e f i f d) e 5t a 11 o n ß 1 f o 3 i c 11 ft i | d) e Beobachter" einen Artikel: „Ein Iude — deutscher R e ch t s p r o f ef s o rch in dem die Behauptung aufgestellt wurde, die Breslauer Studentenschaft ser durch die Berufung eines jüdischen Professors ausis schwerste provoziert worden. Es sei zu hoffen, daß durch die Neuordnung der Verhältnisse.in Preußen die Berufung „des Juden" sich' von selbst erledige. Sollte, das nicht der Fall sein, dann gebe es nur eins: Kampf bis zum Aeußerften. ,Die Bres- Imtec ’ Studentenschaft wird nicht dulden, daß Herr Cohn in Breslau seine Lalmudnche Weisheit verzapft, und wenn der Skandal, so groß wird, -daß die Universität geschlossen wird. Lieber'ein Semester verloren-als Herrn Cohn auch nur' eine Stunde lang reden zu lassen. Die Zeiten der papiernen Proteste und vorbei. Es gibt andere Wege." ' ' In dem Artikel wurde die Behauptung ausgestellt, daß von tiner^ Berufung nicht die Rede sein tonne/ denn Tr. Cohn sei vom Kultusminister ernannt und „über den Kopf der Fakultät nach Breslau hin versetzt worden". Trotz dieser bewußten' Irreführung und Ver- Hebung der ^rudentenschaft erfolgte bedauerlicherweise von der Pressestelle der Breslauer Universität keine amtliche Richtigswlluug^aber man Härte gerüchtweise, daß Rektor und ^enat der. Universität,-ebenso wie die Fakultät, unbedingt -willens seien, für die akademische Lehrfreiheit des ueuberufenen Professors Tr. Cohn einznllreten. In biner Unterhaltung, die kurz vor Beginn des Semesters zwischen dem Berfnffer dieses Artikels und einem im parteipolitischen Leben an prominentester Stelle stehenden rechtsgerichtetea Professors sgleichfalls^ Atit^ glieh der. .juristischenFakultät) stattgefunden hat, hat der betrejfende Herr seine feste lieberzengung zum Ausdruck gebracht, daß die Studentenschaft nichts gegen Professor T r.^C o h n u n t e r n e h m c it xo e r ö e. Für Tounerstag. ben 10. November d. I., war die erste Vorlesung von Profesior Cohn über „Sachenrecht" angekündigc. Der Hvrsaal war schon lange vor Beginn der Vorlesung Überfülle Als Professor Cohn'den Saal hbetrar, empfing ihn sofort lautes Scharren und Pgeisen. Als er daraufhin beweisen wollte, daß es besonders bedauerlich sei. wenn ein Dozent, der bereits an zwei Universitäten unangeiochten feine wrpeuschaftliche Lehrtätigkeit habe' ausüben können, gerade in seiner Heimatstadt so empfangen, werde, setzte ein ohrbetäubender Lärm ein und es ertönten die Ruse: „Wir wollen kerne Juden, Jlrden raus!" Profeffor Cohn verließ den Hörsaat, um sofort mit dem Rektor, Ge heim rat Vrockelmann, wieder zu erscheinen. Es gelang auch diesem nicht, sich Ruhe zu. verschaffen. Das polizeiliche . .Ueberfallkommando mußte gerufen werden, das den Hörsaal und die Gänge räumte. ~ Noch schlimmer wurden die Szenen, als Professor Cohn um 11 Uhr seine zweite Vorlesung abzuhalten versuchte. Von Augenzeugen wird berichtet, daß mau den Eindruck bitte, nicht mehr in einem akademischen^ Hörsaal, sondern in einer Votlsversanimlung zu sein, bei derder bekannte nationasozialistische Terror ausgeübt: wurde. Tie Auw-efenheit des Rektors verhinderte nicht, daß wieder jndenseindlicheZurufe ertönten, das'Horst'Wessel-Lied und Deutschland, Deutschland über alles wird angestimmt und — ein wohl einzig dastehendes Ereignis in der Geschichte der deutschen Studentenschaft — dem ilteklor wurde mehrfach entgegengebrüllt: „Hände aus den Hosentaschen!" Hies: mußte die Polizei eingesetzt werden,.die nun endgültig Hörsäle und Gange räumte. Als Professor Cohn dann die Univcrsimt verlassen wollte, fand er aus der Straße eine wildorregtc Rteuge vor, die ihn aufs gemeinste beschinipfte und. ihn mit dem Gesänge begrüßte „Haben sie nicht den kleinen Cohn ge-- sehn?" In Begleitung von Z-vei Polizei beamten mußte Professor Cohrr den Weg nach Haus ante et en, dis er du Auto fand, mit dem er nach Hause fahren konnte. So stellen sich sachlich die Erdgniffe des 10. November dar. i Sie wurden an Roheit noch um vieles überboten durch die Vorgänge, die sich am Donnerstag. den 17. November, abspielten, als Profeffor Cohn ercksprechcnd dem' Beschluß des Senats seine Vorlesung wieder 'aufnehmen wollte. Schon vor 9 Uhr waren Gange und Vorräume von einer wilderregten Studentenmenge besetzt. Kaum hatte Professor Cohn seinen Vortrag begonnen, da kvnrden die Diese Nummer enthaft die Beilage ■„Zum L2O. Dollars'- j tage von Barodi - Spinoza" . mit Beitragen von: Dr. Ludwig Holländer Professor Dr. Ludwig Marx (Bruchsaij Wilhelm Michel (Darmsfadt) Gertrud Isolani Rechtsanwalt Dr. Theodor Ronsheim (Hannover) Türen des KoLegsaales eingedrückt rrud die Menge stürmte herein. Der jüdische Student Goldschnridt bekam einen Faust- Hieb ins Gesicht und mußte spater nnt einem Krankenwagen abtransportiert werden. In den Horfaal wurden Träuengasbomben geworfen, so daß die Vorlesung sofort abgebrochen werden mußte. Dann begann in den Gängen das übliche Absingen nationalsozialistischer Kampflieder. Die Studenten standen an den offenen Fenstern der Universität und verständigten sich mit dem unten auf der Straße stehenden Publikum, das zum größten Teil aus Nationalsozialisten bestand, durch dauernde Zurufe und.Händchochhebeu. Gcrüchtwcrse verlautet, daß sich während der Tumulte in den Gängen der Privatsetretar des schlcsischcn SA.-Führero Heines ausgehaltcn habe. Von den ordnungsliebenden Stnbcnbcn wurde allgemein bedauert, daß trotz der schweren tätlichen Angriffe die Polizei nicht in die Universität gerufen wurde, so daß es zur Bedrohung und Verletzung jüdischer Studenten kommen konnte. . Der Dekan der juristischen Fakultät, Professor Dr. Waldcckcr, hat im Zusamrrrcrrtzang mit der AngcLcgenhcrt seine Geschäfte als Dekan vorläufig ' rüedeegcLcgt. Die llttiversiLaL ist bis auf werteres geschloffen worden. Diese Vorgänge haben begreiflicherweise nicht nur in der jüdischen Akademikerschaft und in der jüdischen Bevölkerung Breslaus überhaupt eine ungeheure Erregung hervorgerufen, sondern sie sind auch in all den uichtjüdischeu Kreisen, die. unabhängig von Partcistellung und Konfessionszugehörigleit, . wahrhafte deutsche Kulturgesin-