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Central-Verein-Zeitung · 1932-11-11 · 46 (11.11.1932) · p. Seite 461

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
46 (11.11.1932)
Date
1932-11-11
Page
Seite 461 (sequence 1)
Language
German
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Die von allen jüdischen Stellen ausgegeöene Losung, unter keinen Umständen Wahlenthaltung zu üben, scheint bei dieser Wahl von stärkerer Wirkung gewesen Zu sein als früher. Auch langsam Denkende unter den deutschen Juden haben eingesehen, daß Nichtwahl — grob gesagt — öiticr zugute käme. Wenn der eine und der andere glich denken mag. daß die Wahl der Partei -yugenbergs wenigstens in einer ganzen Reihe ihrer Vertreter auch nur Hitlers judengegnerische Grundrichtung bestätigt. so ist diese Aufsagung im wesentlichen durchaus richtig. Gewiß: Unter'den Zu Abgeordneten gewählten Vertretern der Deutschnationalen Volkspartei befindet sich leider eine nicht unerhebliche Reihe, die sich in ungerechter Beurteilung der jüdischen Bevölkerung Deutschlands Zuit den Nationalsozialisten wegen kann. Das wußte die jüdische Bevölkerung und darum glauben wir mit Fug und Recht aussprechen zu können.^daß die Zahl der Juden, die sich enEchlonen haben, deutschnarional zu wählen. in keinem Verhältnis zu dem Aufwand an Geschrei und Gedröhn sieht, das die Nationalsozialisten aus reiner Agitationslusi darüber gemacht haben. Allerdings wollten sehr viele jüdische Wähler unbedingt für einen Staat, für eine Regierung ein treten, die Ruhe und Ordnung in politischer und in wirtschaftlicher Beziehung erstrebt, deshalb stehen diese Juden der Regierung Paper: aw Prinzip durchaus mit innerer Zuneigung gegenüber. Nur bedeutet es für die Bewertung der Aussichten einen erheblichen Unterschied zwischen dem. was eine Regierung erstrebt und was sie erreichen kann. Die nächste Zukunft schon wird lehren, ob die von der Regierung erstrebte innere Beruhigung kommen kann, oder ob reicht die Verhältnisse so viel stärker als die Menschen sind, daß die Regelung fall jeder jetzt strittigen Frage immer wieder Schwierigkeiten schasst, die aufs neue aufwühleu und regen müssem Eine gewiste Unruhe ist im Staatswesen fast eine Notwendigkeit. Das Wohl des Vaterlandes wird eben von den verschiedene!: Menschen verschieden aufgesaß:. Und: Verschiedene A-üfasfuugeu lassen sich für die Dauer nicht über einen Kamm scheren. Man braucht nur nach Italien zu reisen, um dort zu hören, wie sieh trotz allen Meinung? z w a n g e s im geheimen die Verschiedenheit der Auffassungen zu einer Verbissenheit steigert, die die Regierung schon heute in entscheidenden Punkten zu einer Aenderung ihres Weges veranlaßt hat. Wenn wir Juden für Ruhe eintret'en, so meinen wir die Ruhe, die durch Versachlichung der politischen Ziele entsteht. Verleumdung, Verdächtigung, Herabsetzung, Verächtlichmachung, Hetze müssen aus dem politischen Kampfe verschwinden. Wir dürfen dies um so lauter rufen, als wir die Hauptleidtragenden dieser Auswüchse, die immer noch zunehmen, sind. Tie letzten Tage vor der Wahl haben das bewiesen. Mit starkem Neide hören wir aus Amerika, daß dort die anständige Presse auch die Auffassung der Gegner widergrbll und es als schimpflich gälte, Wahrheiten, die belegt werden könnten, zu verschweigen, ob ne nun die eine oder die andere Beurteilung begünstigen. Tie Unsauberkeit eines großen Tolles der deutschen Prepe, die auch nicht im entferntesten versucht, dem Gegner Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, ist vielleicht da s Unglück nuferer Zeit. Wir haben aus einzelne derartige Falle in den letzten Tagen vor der Wahl in dieser Zeitung'besonders hingewiefen und nur wiederholen heute: Gerade die nationalsozialistischen Zeitungen haben altes Erdenkliche zur Verdunkelung, zur Vernebelung und zur Herabsetzung anderer Menschen. insbesondere der deutschen Juden getan. Sie zeigen keine ^cheu vor der Besudelung ehrlicher Namen. Wir erwidern sofort auf etwaige Einwendungen: Wenn in den Reihen der uw> angeblich nahestehenden Blatter falsche Tatsachen berichtet werden, so werden wir auch dafür niemals ein Wort der Entschuldigung finden. Unser Wunsch an uufere Freunde, die Parteien von der Deutschen Volksparkei bis zur Sozialdemokratischen Partei in den Nahmen ihrer ernsthaften polirischen Prüfung einzubeziehen, ist in Erfüllung gegangen. Vielen rväre eine positive Parole für eine befrinunte Partei viel genehmer gewesen. Sie ließ sich aber nicht geben. Denn wir kennen und achten die Verschiedenheit in der Auffassung unserer Mitglieder in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Beziehung. So war es unsere Aufgabe, nur für das eine Z'n sorgen: für eine Stimmabgabe zugunsten derjenigen Parteien, von denen wir die Achtung unserer Rechte, die Durchführung mrcrer auf Würde und Sittlichkeit begründeten Ansprüche und vor allem die Unantastbarkeit unserer Ehre erwarten konnten. Wir haben un'ere Stellung zum Zentrum und zur^ Baperischen ^Bolkspartei stets klar umrinen. Beide Parteien sauen ihr christliches Programm so aus, wie auch wir glmwon, das Ehristentum sehen zu müssen, nämlich als ein Bekenntnis zu Wahrheit, Gerechtigkeit und innerem Frieden. Es hat darum für jüdische Wähler in der Tatsache von Verhandlungen zwischen Zentrmn und Nationalsozialisten niemals ein Grund zur Ablehnung des Zentrums gelegen. Politisch Erfahrene wi?-en, daß politische Taktik „Kuhhandel" verlangt. Ebensowenig vermöchten wir von unserem Standpunkte aus in der Wahl der Deutschen Volkspartei etwas Falsches zu sehen. Wenn uns auch das teilweise Zusammengehen der Deutschen Volks- Partei mit den Deutschnationalen bedenklich stimmen? mußte, so wissen wir doch, daß die Grundsätze der Deutschen Bolkspartei, die aus wahltaltifchen Gründen gehandelt hat, die alten liberalen Grundsätze geblieben sind, die unseren Varern dereinst die Gleichberechtigung gebracht haben. Noch weniger vermag uns die an- AUS DEM INHALT: Dr. Alfred Hirschberg: Alte und neue Aufgaben . . Seite 4S2 Im Kampf gegen die Lüge: Eine neue Rathenau-Legende, u. a. m. . . . . Leite 484 ff. Zwei Wochen Versammlungstätigkeit des C. V. . Seite 436 Dr. Hermann Berlak: Unterstützt die jüdischen Arbeitsnachweise .... Seite 46S Dr. Fritz Friedlaender: Jüdische Freunde Gerh&rt Kauptrnanns Seite 483

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