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Central-Verein-Zeitung · 1932-10-07 · 41 (7.10.1932) · p. Seite 416

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
41 (7.10.1932)
Date
1932-10-07
Page
Seite 416 (sequence 4)
Language
German
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41H MslÄrMschs 'ws^sn öss DssKrihZM'M %M dsMchsr; SlMsMUüMrrs In immer steigendem Maße beschäftigt sich in den letzten Wochen und Monaten das A u sland mit dem von den deutschen Nationalsozialisten geführten Kampfe gegen Juden und Judentum. Niemand bedauert mehr als wir, daß deutsche Angelegenheiten in fremde Lander getragen werden, noch dazu solche, mit deren Veröffentlichung keineswegs Stellung Deutschlands unter den Völkern irgendwie ^gedient ist. Aber die ausländischen Journalisten können eben an den nationalsozialistischen Aufreizungen zu Gewalt, zu Boykott, zur Ausbürgerung der Juden, die täglich nicht nur Zeitungen und Versammlungen, sondern auch die Parlamente der Lander durchtoben, nicht Vorbeigehen. Wir erhalten andauernd Zuschriften Deutschland wohlgesinnter Ausländer, nicht nur jüdischer, die den" gegen die Juden in Deutschland unterschiedslos gesäten Haß nicht begreifen können, und die uns immer wieder fragen: ^Wie ist es möglich, daß ein Volk, von ter wirtschaftlichen %loi der Zeit so mitgenommen, nichts anderes zu tun weiß, als sich gegenseitig zu zerfleischen? 'Nach Mitteilungen aus G e n f und anderswo scheint ein in den letzten Tagen erschienener um- ^fstnder Aufsatz über die deutsche Judenfrage in der „Revue des Nationalstes et des minorites nationales", in Senf herausgegeben durch P. J. Gabrys et J. Pelissier (Heft 8.9, August/ September 1932), besonders eindrucksvoll gewirkt zu haben.. Es ist selbstverständlich, daß sich das deutsche Judentum, abgesehen von der Betrachtungsweise unbedeutender Außenseiter, niemals als „nationale Minorität" gestählt hat, noch daß es je aus seiner Grundeinstell heraus eine solche Forderung erheben wird kann. In diesem Sinne kann der Aufsatz ge in der als Minoritätsorgan gekennzeichneten Zeitschrift vielleicht etwas irreführend wirken. Ist es aber nicht außerordentlich traurig und beschämend für uns Deutsche, wenn wir uns in einer Schweizer französischen Zeitschrift sagen lassen müssen, daß ein Volk von hoher Zivilisation (gemeint ist das deutsche), ein Mitglied des Völkerbundes, dabei ist, die Gesetze einer Minorität gegenüber außer Kraft zu setzen? Wir wissen selbstverstärDlich, daß weder die Negierung noch andere große und maßgebende Teile des deutsäM Volkes dies je wollen oder zugeöen werden. Aber wir können nicht darüber hinweg, daß fortgesetzt z. B. im preußischen oder im anhaltinischen Landtag Anträge eingebracht und sogar angenommen werden, die dre Juden AU Staatsbürgern zweiter Klasse stempeln und die zum Teil einen glatten Versassungsbruch dm Juden gegenüber darstellen. Man kann also wohl sagen, daß sich die Nationalsozialistische Partei, aber wohl auch andere Helfershelfer in anderen Parteien bereit finden, die Juden außerhalb der Gesetze zu stellen. Innerhalb der ungeschriebenen Gesetze der Moral, des Anstandes, der guten Sitten stehen die Juden str die Partei der Nationalsozialisten ja schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Die ungeheuren Beschimpfungen pnd übelsten Verleumdungen, die gegen das deutsche Judentum geschleudert werden, stehen —- wir sagen das im vollen Bewußtsein unserer Verantwortlichkeit — in der ganzen Welt einzig da. Wir werden niemals den Aussatz eines fübrendcn Nationalsozialisten, des Herrn Tr. Joses Goebbels, nn „Angriff" vom 24. August aus dem Gedächtnis verlieren, der in einem vollkommen gekünstelten Zusammenhänge mit dem Beuthener Urteil den Juden die allerschlimmste Rache anstroht in Worten, die an * Eindeutigkeit 5:1 wünschen nichts mehr übriglassen. Und so etwas darf ungestraft geschehen! Es ist äußerst bezeichnend, daß der Aufsatz in der oben genannten Zeitschrift mit den Worten beginn:" „Auf Betreiben der Führer der nationalftzialisti'chen Bewegung hat der Antisemitismus in Deutschland eine solche Entwicklung genommen, daß dadurch eine ernste soziale Gefahr nicht minder wie eine schwere Bedrohung der christlichen Zivilisation und des internationalen Friedens .hervörgerufen wird. Unsere Zstl'choift, die sich seit über acht Jahren ür den Frieden, für die christliche Zivilisation, ür die mternaeionale Zusammenarbeit und föx ne unbeschrankte Achtunz der Rechte der Nationalitäten und Mirrderhetten von Nasse, Sprache und Religion einsetzt, sieht es als ihre elementarste Psticht an, die öffentliche Meinung der SSklt über gewisse Tatsachen und Dokuments zu unterrichten, über amijüdische Anschläge der Hitler-Leute, von deren geringsten man sagen kann, er stellt eine starke Herausforderung auf jedes menschliche Gefühl dar/ Achtung 1 Südischs Jüssndl Frankfurt a. M. 1 „Der politische Sdmlnc^skms beginnt Dienstag-, U. Oktober, abends Uir, im Saale der Israelitischen Eeligionsschnle, Unterlindan 21. Central-ereia deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgruppe Frankfurt am Main. Landesjugencansscimss.4* Im Lause des Aussatzes werden die Kultur* leistungen des deutschen Volkes durchaus anerkannt und der Kulturbeitrag, den Deutschland in Vergangonchrir und Gegenwart für die Welt geleistet" hat und leisten wird, hoch angeschlagen. Demgegenüber werden dann Origirwlbele^ über den deutschen Judenhaß wiedergegeben, die erschütternd, aber leider ebenso richtig und wahrheitsgetreu sind wie die beiden Abbildungen von Friedho's'chandungsn (Trebnitz . und Seorgensgmünd), die in diesem Aussatz wiedergegeben find. Es gibt ein äußerst einfaches Mittel, solche Aufsätze und p-arnit eine Schädigung des deutschen An'ehons im Auslände zu verhindern: Tie Nationa'uozialistLN mögen sich endlich die Kampfts'ormeu dem Judentum gegenüber zu eigen machen, dis unter allen Kulturvölkern üblich und anerkannt stind. Wir fürchten, daß sie aber weder dieses Mittel gebrauchen, noch auf die Achtung Uz Kulturvölker besonderen Wert legen werden. Vielleicht werden sie einmal aber vom Egoismus her merken, wie der Judenhaß, den pflegen, dem Bumerang der Australier unmlich ähnlich ist, der nicht den Feind trifft, , ndern dem. d-er ihn wirst, in den eigenen Arm zurück schnellt. Tos in der Nummer 40 der;ung' vom 30. September d. I. mitaeteilte Urreil gegen die nationalsozialistischen Attentäter, die in Neidenöurg den jüdischen Kaufmann Kurt Bach überfallen und schwer mißhandelt hotten, ist das erste gerichtliche Erkenntnis, das im Zusammenhang mit den zahlreichen Terrorakten gegen Inden und Republikaner in der Nacht nach der Reichstagswah! vom 31. Juli d. I. in Königsberg i. Pr. und Ostpreußen erfolgt ist. Es gewinnt um so mehr sympwmatt'che Bedeutung" als die Neidenbnrgor Borkommnige die bisher einzige Gelegenheit geboten haben, die nationalsozialistischen Täter und Anführer der ostvrenßischen Terrorakte gegen Juden zu überführen. Ten Vorfällen vom 1. August d. I. in Neid-nburg gingen zahllose Hetzereien gegen Juden, die dauernden Beschimpfungen und Belästigungen au-gesetzt waren, voraus. Tie dauernde Hetze fand schließlich ihre Auswirkung in dem am hellen Tage ausgeführten lleöersall auf den Kaufmann Bach, dem mit Gummiknüppel, Torschlügorn, Schulterriemen und Messer zahlreiche Schlag- und Stichwundm beiaeöracht wurden. Bach mußte mehrere Tage im Krankenhaus liegen. Nachdem er einige Zeit spater sich wieder auf dem Wege der Besserung befand, rief man ihm nach: „Schade, daß wir dich nicht totgeschlagen benA Angesichts eines solchen rohen Berlins mußte der Uebersall vom 1. August eine streng- Lühne finden. Der Nationalsozialift Böhm wurde als Führer der Schlägerei angesehen und erhielt für seine Beteiligung drei Monate Gefängnis, Prostka sechs Monate Gefängnis, weil er von hinten auf Bach eingeschlagen hatte. Don den übrigen Angeklagten erhielt außer Vufch, der wegen seiner Behelligung an der Schlägerei mit vier Monaten Gefängnis bestraft wurde, der Nationalsozialist Pfahl wegen antisemitischer Beleidigungen eine Gefängnisstrafe von einem Monat. Sämtliche Angeklagten, mit Ausnahme von Böhm, wurden sofort verhaftet. Denn in einem Gebiet wie in der Gegend um Neidenburg, das zu etwa 85 Prozent von Nationalsozialisten beherrscht wird, den Anführern und dauernden Hetzern gegen die südlichen Mitbürger mit einem solchen abschreckenden Urteil zunächst das Handwerk gelegt wird, dann darf nicht nur vordem einsichtigen Teil der Bevölkerung erwartet werden, daß solche Urteile die notwendige Einkehr erzwingen und auch tzn der besonders gefährdeten Provinz Ostpreußen gerade im gegenwärtigen Wahlkampf die politischen Auseinandersetzungen in Formen geführt werden, die auch den jüdischen Bürgern die verfassungsmäßig verbürgten Rechte auf Sicherheit von Leben und Eigentum gewährleisten. w. 8. M. Seschlagrrahrnr öes „Stürmer" Wie Zu erwarten, hat Uz „Stürmet' den Totschlag in Pad<rborn Zu einer in ihrer Widerlichkeit nicht zu betreibenden NitualmOrdhetze ausgeschlachtet. Es sind bereits zwei ..Frrtühungs'-Artikcl erschienen. DoZ Blatt beadsichllgt offenbar, einige Zeit von tiestm Fall zu leben. Erfreulicherweise ist aus Untres un'erer Ortsgruppe Nürnberg die Nr. 59 des „Stürmer' wegen des Vorwurfs des AitualnwrLeZ beschlagnahmt und ein Strafverfahren gegen den „Stürmer' eingcleitet worden. ~~ ',t ‘>c’ " ch pst! ■ jß~ (- . 'j iO.l; *\\ : *'A Der Haarausfall hört auf — die Schuppen verschwinden—die Haare wachsen wieder! Trilysin ist üb-erci.* zu hoben! Di« halbe Flasche RM. 1.94, 'die garere Flasche RM. 3.24, die yrohifeit« VrUter-f lasch« RM. 7.50. D

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