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Central-Verein-Zeitung · 1932-10-07 · 41 (7.10.1932) · p. Seite 413

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
41 (7.10.1932)
Date
1932-10-07
Page
Seite 413 (sequence 1)
Language
German
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10.10.1S32 Seriin, 7. SZtsdrr 1H32 X!. Jahrgang ♦ Nr. ^41 Linzelnumllier 2» Pfennig dCMp?Jj? KsNSUrLM» um Jmsfflzmt. > GZALZLrLHMWKMrSN ML-S2S ' / ZA fSUrtzüaZTicSoanzzstnt 2.25 NW. (i^L S^teHGelb). Allgemeine Zeifung des3udentum3 Verla; unü LchrifLlritung: Berlin ZV1Z, Lmfer Str. 42. Fernsprecher: ^2 Oliva 5674. Postscheckkonto.' Berlin 39472. .:. Bankkonto: DresLnrc Van?, De^ositenkafsL 22, - Berlin-Wilnersdorf 1, HohLnZoHrrndanirn 196. . . Allelnrge ^r.zeir^NLnnLhme: Annonrrn-ExpedrLion Rudolf Mosse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,D &JI für die 7gesp2ltene Zeile nach Rudolf Mosses xormalzeilenurrsser Nr. 4, FalnilienanZeigLn und Stellengesuche (nicht StellenangLbstr) für rllttglieder des Centralvereins 0,40 JlJt, dis 62 mm breite Ncklamezrile 3,50 ZftJt. ,,%S «r vV^«*«***- E. B. / Ä tißinnt r»L7«WÄ . Am Donnerstag, 29. September, fand in Berlin-Weiftensee eine große Versammlung der Nationalsozialisten statt, in der der Redner Dr. Huber über „Freimaurertum und Herrenklub" sprach. Am Schluffe feiner Ausführungen sagte er etwa folgendes: „Der C. B. ficht den kommenden Wahlen am 6. November mit schlotternden Gebeinen entgegen. In einem Ceheimtelegramm an ' alle Ortsgruppen wird zur Wahlbeteiligung arngefordert. Der letzte Mann muffe an die Wahlurne. Hatte der C. B. bei der letzten . Wahl die Parole ausgegeben. das Zentrum zu wählen, so fordert er heute in diesem Ge- , heimtelegramm auf, für die Teutschnatio» nalen zu stimmen." Obwohl jeder, ob Jude oder Christ, der sich mit dem C. B. und feiner Grnndeinstellurig auch nur oberflächlich beschäftigt, sofort erkennen müßte, welcher Schwindck weniger gegen den C. B. als gegen die Deutschnationalen gerichtet — hier wieder einmal getrieben wird, ist es, um vorzubeugen, daß diese Lüge weiter verbreitet wird, nötig, ausdrücklich das Folgende zu erklären: L Der Centralverein hat keinerlei Tele* gramm, noch dazu gar ein Geheimtelegramm, an irgendwelche Ortsgruppen geschickt, damit fie „den letzten Ntann an die Urne" bringen.. 2. Ter Centralverein hat bei der letzten Wahl keinesfalls die Parole ausgegeben, jeder rnüge für das Zentrum eintreten. Es steht jedem Mitgliede des C. V. frei, irgendeine Partei zu wählen, die nicht anti'emiti'ch ist. In diesem Sinne kam auch die Wahl des Zentrums für alle deutschen Inden, also auch für Mitglieder des C. V., selbstverständlich in Betracht. Z. Ter Centralverein hat keinerlei Geheimtelegramm noch irgendeine anders gearwte Anweisung, bei dieser Wahl für die Deutschnationalen einzutreten, verschickt. Für eine Partei einzutreten, die, wie die deutschnationale, Juden grundsätzlich nicht aufnimmt, ist für den C. V. unmöglich. 4. Ter Centralverein sieht der kommenden Wahl, wie bisher allen Wahlen, mit aller Ruhe entgegen. „Schlotternde Gebeine" scheinen uns eher die Nationalsozialisten zu haben. von Dr. Mauritius Aahn VMWs Das Gefühl der politischen Heimatlosigkeit, das den jüdischen Wähler seit Jahren in immer zunehmender Weise belastet, hat eine Zuspitzung erfahren, die es nicht erlaubt, den Zwiespalt mit beruhigenden Worten abzutun oder gar leugnen zu wollen. Noch bei der letzten Wahl bestand eine klare Gegenüberstellung der politischen Kräfte; die Gretchenfrage der Stellung zum Antisemitismus war aus beiden Fronten mit genügender Deutlichkeit beantwortet, der jüdische Wähler wußte, wohin er gehörte, zumal die Front der Parteien, die aus jüdischen Gesichtspunkten für ihn allein in Betracht kamen, genügende Breite besaß, um für Menschen verschiedenster Gesinnung und sozialer Schichtung Nauru zu bieten. - Das Ergebnis der LÄrhl und ihre Folgen haben die Lage vollkommen verändert. Nicht allein der Zersetzungsprozeß der Mittelparteicn, »denen die jüdische Bevölkerung aus ihrer sozialen Struktur und aus tiefer ideologischer Verbundenheit heraus ihre Stimme' Zum großen Teil gab, schritt weiter fort und erreichte eine Grenze, an der das Eintreten für diese Parteien fast zur SinnlosigkeiL wurde. Sondern es ist vielmehr ein Durchbruch durch die Parteien geschehen (— fast könnte man sagen: geglückt —), der für den mit politischen Dingen nur oberflächlich vertrauten Wühler als Zusammenbruch des Parteiwesens überhaupt erscheinen muß. Die Tatbestände, die zu einem solchen Durchbruch geführt haben, sind bekannt. Ausschaltung des Reichstags, entschiedene Erstarkung und Vorherrschaft der Präsidialgewalt; die paradoxe und fast lächerliche Tatsache, daß Parteien, deren Programm antiparlamentarisch und versassungsgeguerisch ist, als Wahrer dos Parlamentarismus und Schützer der Verfassung auftreten, bezeichnet die Lage. Tie konkreten Aufgaben der deutschen Politik, die ihren entscheidenden Kulminationspunkt in der unabiveislichen Notwendigkeit haben, die Arbeitslosigkeit zu mindern und einen Weg aus der abklingenden Krise der Wirtschaft Zu finden sind derart, daß kein Parteiprogramm einen Weg zu ihrer Lösung zeigt; wohl aber ist ohne Zweifel, daß bisher parteipolitische Taktik viele Wege verbaut hat. Tie Erkenntnis, daß allein die gesamte Nation in entscheidender Zusammenballung aller schöpferischen Kräfte und in einer nahezu unvorstellbaren Willensanstrengung der Aufgabe gewachsen sein kann, ist die einzige Wahrheit, die gilt, und es ist beschämend, daß auch fie bereits zu einem Gemeinplatz geworden, in parteipolitischen Kämpfen entleert und in ihrer Wirksamkeit ernstlich bedroht erscheint. Das gilt insbesondere für den jüdischen Wähler. Wohin soll er sich wenden, wenn diese Wahrheit von Parteien mit Beschlag belegt wird, die nicht nur ihn, sondern auch andere Teile des deutschen Volkes ausschließen aus der notwendigen Gesamtheit — Teile, die nicht nur, gleich ihm, „aufbauwillig" sind, sondern deren Fehlen mit Notwendigkeit das Mißlingen des Werkes zur Folge, haben muß. Tie politische Lage Deutschlands vor der fünften großen Wahl des Jahres 1932 ist derart, daß alles gegeneinander getan wird, und es fehlt die Stelle, der Vertrauen genug entgegengebracht wird, um zu glauben, daß sie alles für das Volk tut. Oder deutlicher: das deutsche Volk scheint in den Wirrnisien seiner innerpolitischen Kämpfe zu sich selbst das Vertrauen verloren zu haben, alles für sich erobern zu können: Einheit, Recht und Freiheit. Wir wollen und wir müssen in aller Offenheit zugeben, daß es in dieser trostlosen Lage einen Trost, zumal für uns Juden, nicht gibt. Zumal für uns Juden: neben der Belastung, mir der alle Parteien (und sogar der Staat) vor den Wähler treten, besteht für den jüdischen Wähler eine zusätzliche Betastung. Wo es allein gelten sollte zu fragen, ob diese Partei oder diese Männer, die zu wählen sind, das Vertrauen genießen dürfen, das sie, wenn immer nicht die ganze Aufgeld lösen, so doch sich dem Versuch ihrer Lösung einzuordnen imstande sind, muß der Mische Wähler zusätzlich fragen, ob sie bei dieser Einordnung ihn und andere ausschließen wollen: eine Frage von unumgänglicher AUS DEM INHALT: Rabbiner Dr. L. Baerwatd (Mönchen): Arensch und Welf . . . Seife 415 Dr. h. c. Friedrich von Oppeln-Bronikowski: Zum 50. Todestage des Grafen Gobineau . . . Seife 417

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