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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1932-09-16 · 16.9.1932 · p. Seite IV

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
8 (1932)
Issue
16.9.1932
Date
1932-09-16
Page
Seite IV (sequence 4)
Language
German
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IV scher Abkunft die Rede sein, die, bisher überhaupt nicht oder nur für kurze Zeit jüdisch erfasst, sich jetzt in der Gross- Berliner Jugendarbeitsgemein« Schaft des C. V. zusammenfindet. ■-* Junge Angestellte niachen den grössten Teil der C. V.-Jugend aus. Ihre •nichtjüdi sehen Kollegen sind zum grossen Trozentsatz in der NSDAP, organisiert oder stehen ihr nahe. Sie tragen alle Kennzeichen ihrer bürgerlichen Herkunft und sind politisch und gewerkschaftlich gar nicht erfasst und allen mittelständferischen politischen und wirtschaftlichen Ideen zugänglich. Sie sind — theoretisch — teils Pazifisten oder Sozialisten, zum noch grösseren Teile aber Individualisten. Der Judenhass führt sie jetzt ntn/. i 1 i rli or>Vi /-> OamrtlnoiiKof}’ A in (4on ui eme juuuxuv viumvincvtiuiu <iuvu jüdischen Firmen, und sie sind meist in jüdischen Firmen.beschäftigt, macht sich der Antisemitismus bemerkbar. Er zwingt förmlich zum Abwebrkampf. Diesen Abwehrkampf will die C. V.-Jugend führen. Jüdische Dinge berühren diese jungen ■'Menschen wenig. Klar ist ihnen nur, dass ■feeute eine gemeinsame Front der Juden zur politischen Arbeit-nötig ist. Sie wären bestimmt in. ihrem Sport- oder Tanzklub ge- 4>liel>eny wenn der Judenhass ihnen ihr 'Judesein nicht andauernd zum Bewusstsein gebracht halte. Selbstverständlich ist für dass sie Detif':ch?v sind und ihr Judentum bewahren müssen. Sie sind — vom Standpunkt der Jugendbewegung aus — nicht mehr die Jüngsten. Tagsüber sitzen sie im Geschäft oder stehen hinter dem Ladentisch, wenn sie überhaupt Arbeit haben. Irgendeinen weltanschaulichen Schwulst vertragen sie nicht. Die Frage ist offen, ob diese achtzehn- und neunzehn jährigen Menschen „jüdisch“ beeinflusst werden können. Ein jüdisches Genie in- "sebaftsgefübl, das sich praktisch von 'keinem Gemeinschaftsgefühl irgendeiner anderen Jugendgemeinschaft un t e rsc he idet* 'kann sieb und wird sieh herausbilden. IL Was hat zu geschehen? Achtzehn- und neunzehnjährige Menschen belegt heute ein Problem: ihre soziale Lage tmd ihre soziale Zukunft. Jüdische Jugend -_bewegt es doppelt und dreifach, weil ihre ^Zukunft doppelt und dreifach umkämpft ist. Arbeit für diese Jugend hat mit sonstiger Jugendarbeit wenig zu tun. Es werden ‘hier keine Erziehungsaufgaben gestellt, sondern mehr äussere Ziele: Bekämpfung des Judenhassesals Voraussetzung "eines befriedeten Lebens. Dieses Ziel kann ^die Jugend nicht allein erreichen, sondern mir mit der deutschen Judenheit zusammen. IDarum hat sie. sich im C. V. zusammen- -gefunden. Arbeitsbeschaffung und Klärung der "Apolitischen Aufgabendes einzelnen dagegen gind Ziele, die nur erreicht werden können,, wenn man sie in die allgemeine deutsche "Zielsetzung einordnet. In der C. V.-Jugend wird zur Politik •erzogen., wird der Individualismus bekämpft ‘tmd jeder zum ganz klaren Verstehen der ' Gegenwart zu bringen versucht. * Je mehr Menschen in die C.- V.-Jugend Strömen, um so mehr zeigt sich, wieviel erfassbare deutsch jüdische Jugend vorhanden ikt. Nur eine grosszügige, auf die Bildung einer wirklichen Front abgezielte Arbeit kann an dieser Jugend ihre Aufgabe erfüllen. IIL Keine Frage ist, dass eine grosse deutschjüdische Jugendbewegung, in der jningere, noch erzieh- und formbare Menschen erfasst werden, geschaffen werden muss. . Man wird ein wenden, eine Jugendbewegung könne nicht „aufgezogen“ werden, es seien keine Führer da, usw. Das trifft nicht zu: die Zeit der „freien“, unpolitischen Jugendbewegung ist vorüber. Jüdische Jugendbewegung muss, das ergibt sich aus der Lage des jüdischen Menschen, sogar sehr bewusst politisch sein. Und da deutsch- * jüdische Jugend sich zur „Galuth-Arbeit“ be- kennt, kann sie gar nicht an den politischen Geschehnissen vorübergehen, muss vielmehr alle Konsequenzen aus ihnen ziehen und diese Konsequenzen in ihrer Arbeit fühlbar werden lassen. Eine neue deutschjüdische Jugendbewegung muss von vornherein anders an- und aufgefasst werden als die, welche vor sechs Jahren gearbeitet hat. Heute besteht ein Gegensatz zwischen Hündischen und Unbündi sehen. Er ist nicht zu leugnen und bat seine Berechtigung. Es ist aber zu fragen, ob eine ehrliche, wissende deutschjüdische Jugend diesen Gegensatz nicht überwinden könnte. Die bestehenden Bünde und Organisationen für sich werden ihn nicht überwinden. Ihre Ideologie ist in * jedem Falle zu einseitig. Aber man muss begreifen lernen, dass es ein Widersinn ist von „Gemeinschaft“ zu schwärmen und diese Gemeinschaft im eigenen. Kreise - erschöpft sein zu lassen, ohne sie in eine grosse jüdische Gemeinschaft mit hineinzusteilen. Eine deutschjüdische Jugendbewegung, wie sie ule Stunde fordert, wird daher zur deutsch jüdischen Gemeinschaft erziehen, sie wird später einmal diese deutschjüdische Gemeinschaft bilden, die ja — als Glaubens-, Anschauung.?- oder selbst nur politische Gemeinschaft im echten Sinne — heute einfach nicht vorhanden ist. Man denke nur, wie häufig sich im praktischen Alltagsleben das Fehlen jeglicher Solidarität zwischen jüdischen Menschen offenbart. Vielfache Beobachtungen zeigen, dass die heute in Bünden zusaimnengefassL; deutsch jüdische Jugend dieses Ziel nicht erreichen kann. Sie kann es einmal deshalb nicht, weil sie zahlenmassig zu klein, ist. Und sie kann es zum zweiten nicht, weil die Ueberbetonung der hündischen Besonderheit mit oder ohne Willen zu einer sektenmässigen Abgeschlossenheit geführt hat, die von vornherein weiten Schichten der jüdischen Jugend, die einen andern Typus darstellen, ohne deshalb schlechter zu sein, den Zugang versperrt. Nicht der hündischen Form der Jugendbewegung als solcher soll hier das Wort geredet werden. Aber ein neuer Anfang muss gemacht werden, durch den auch den jungen Menschen, die nicht in die bestehenden Bünde gehen können oder wollen, ein. Lebensraum geschaffen ward. Für Aeltere ist dies in Berlin z. B. durch die Schaffung der C. Y.-Jugendarbeitsgemeinsckaft bereits geschehen. Aber auch die Jüngeren müssen erfasst . werden. Sie sollen jedoch nicht, kraft der mehr oder weniger hündischen Form ihres Gruppenlebens, von den Aelteren abgeschlossen sein, sondern mit diesen bei aller Vielgestaltigkeit im einzelnen eine . straff. gegliederte Einheit bilden. Wie soll diese hier uiurissene deutschjüdische Jugendbewegung aussehen? IV. •.* Erste Voraussetzung: die neue deutschjüdische Jugendbewegung muss sich aufden C. V. stützen. Der C. V. ist die stärkste Organisation, über die die deutsche Judenheit verfügt. Der C. V. ist weiterhin auch eine Organisation, au! welche — als Leistung des deutschen Judentums — die deutschjüdische Jugend stolz sein kann. Die Arbeit des C. V. macht es ferner möglich, dass deutschjüdische Jugend sich politisch schulen und betätigen kann. Man unterschätzt diese Faktoren. Zweite Voraussetzung: die deutschjüdische Einheitsfront der Jugend muss sich zusam mensetzen aus u n - hündischer älterer Jugend, wie sie in den Jugendarbeitsgememschaffea des C. V. “augenblicklich mit grossem Erfolg zusammengefasst ward, und aus Jöageren die jeweils, nach den örtlichen Gegebenheiten, hündisch oder unbündisch e rzogen werden. Man sollte auch versuchen,"die studentische Jugend mit in die Front einzu-; beziehen^ _ Jede Art de): Jugendbe w eguhg; ‘ die heute vorhanden ist und sich bewährt hat, soll also in einer neuen, bewusst einheitlichen deutschjüdischen Jugendbewegung ihren Platz haben. Dritte Voraussetzung: die einzelnen „Kreise“ arbeiten insofern getrennt, als nicht jeder beliebige Unterführer eines Teils der Jugend sich in die Arbeit eines anderen einmischen darf. Nur die oberste Leitung dieser „C. V.-Jugend“ ist für eile Gruppen gemeinsam. .Sie arbeiten insofern gemeinsam, als für die entsprechenden Aufgaben die entsprechenden Menschen eingesetzt werden, ohne Rücksicht darauf, ob der Student X., der in einer „Jungenschaft des C. V.“ eine Arbeitsgemeinschaft abhalten könnte, nicht zufällig unbündisch ist, wenn er nur für den betreffenden Fall die notu^onHina KirTnTinrt Kc»aif,7f fUnn<» oruro 7it_ -.... i-, Ww.*. —— sammenarbeit zwischen den einzelnen Teilen der C. V.-Jugend ist also nötig. Nur so wird verhindert, dass Kräfte brachliegen und Menschen, die etwas leisten können und wollen, enttäuscht werden. Die drei Voraussetzungen — C. V. - Einheitsfront, getrenntes Marschieren und vereintes Schlagen — bilden eine Einheit V. Pia n massiger Aufbau einer grossen deutschjüdischen Front der Jugend ist die Aufgabe, die uns die Zeit stellt. Einheitlichkeit, nicht durch die Menschen, die nie einheitlich sein werden, sondern durch, die Ziele und den Willen verbürgt, ist die Idee unseres Deurscbjudentums, die einzige Konsequenz, die aus unserer Lage erwächst. Es fehlt nur an Mut, nicht an Menschen, die bereit sind. Führer werden sich elnsieiien wie immer, wenn eine zündende Idee sie verlangt. Und erst, wenn eine dentseh- T 5 —:»i-1— —:- juuiovuc ou^cuu nuivuui Uti lai, vyciucu wn über die seelische Verfassung „des“ deutschjüdischen Menschen zu handeln haben, über die hier gar nichts gesagt wurde. Denn wenn eine deutschjüdische Jugend als einheitlicher Bund nicht da ist, ist jedes Gespräch über die Probleme „des“ deutsch jüdischen Menschen in Wirklichkeit eines über die Probleme eines deutschjüdischen Menschen. Und viele Probleme vieler deutschjüdischei junger Menschen ergeben noch keineswegs das Problem des deutsch jüdischen Menschen. Dies setzt das Vorhandensein einer Gemeinschaft voraus. Heute fehlt sie merklich. Wie lange noch? Heinz Warschauer. Rundbriefe Der Reichsjugendauss*chuss des Central vereint gibt seit dem Sommer d. J. ein neues Informationsinittel für die ihm sngehörenien C. V.- Jugendgruppen und deutschjüdischen Arbeitsgemeinschaften heraus, das die Existenz der Jugendceiiage der „C. V.-Zeitung" in keiner Weise berührt: die „Rundbriefe“. Bisher liegen zwei Nummern vor, die in allen Kreisen der deutschjüdischen Jugend lebhaftes Interesse und besten Ankiong gefunden haben. Die am 13. Juni erschienene erste Ausgabe wird mit einem Ueberblick über „Die politische Lage in Deutschland und der C. V.“ von Wolfgang S. ITatzdorff eingeleitet. Umfangreiche „M ateriaiien zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der deutschen Juden“ stellt Ernst G. Löwenthal zusammen. Es folgen ausführliche Berichte über die Arbeit der Jugendgruppen in Gross- Berlin und im rheinisch-westfälischen Industriegebiet, sodann kurze Hitteilungen über die Tätigkeit in verschiedenen anderen Gebieten des Reiches. Diese Arbeitsberichte werden im zweiten Heft (erschienen am 31. August) fort- ’ gesetzt (Bayern. Berlin, Mecklenburg, ö a a r g e b fe t). Hier finden wir ausserdem eins grundlegende, von Heinz Cohn verfasste Darstellung über „Assimilation und soziale Umschichtung der Jude n“, ferner praktische Vorschläge zur Einrichtung von Schulungskursen (Themen, Literatur, Zeitdauer), zusammengestellt von Adolf ßubinstein, sowie Besprechungen neuer Literatur (Krojxnker, „Zum Problem des neuen deutschen Nationalismus"; „Anti-Nazi“ und „Anti-Anti“; Cabnraann, „Völkische ' Rassenlehre"), deren Kenntnis und Durcharbeitung in. Arbeitsgemeinschaften von Bedeutung sind. Die verantwortliche Schriftleitung hat Werner Rosenstock. Bestellungen von „Rundbriefen“ sind zu richten an den Reichsjugendaussckuss des Central Vereins, Berlin \V 15, Emser Strasse 42. —ih— Verantwortlich für die Beilage gVon deutsch-jüdischer Jugend“: Dr. Allr^dHirschberg (Berlin \\ 15)* JDruck von Rudolf Mosse, Berlin SW 100.

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