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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1932-09-16 · 16.9.1932 · p. Seite I

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
8 (1932)
Issue
16.9.1932
Date
1932-09-16
Page
Seite I (sequence 1)
Language
German
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Er führt ungefähr aus: Es bestehe in allen Richtungen der deutschen Judeabeit die Tendenz,, die deutsche und die jüdische Sphäre zu vermischen, deutschpolitisehe Stellung mit Jüdischen Motiven und jüdische Stellung mit Motiven aas der deutschen Politik zu vermengen. Hieraus entstehe eine unheilvolle Verwirrung. Für den grössten. Teil der deutschen Juden bedeute dies die letzte Assimilationsphase. Für die Menschen, die sich damit nicht ab~ finden wollten, ergehe sieb die Notwendigkeit der Distanzierung von der deutschen Politik. Darüber hinaus wäre diese Distanzierung notwendig, weil wir weder die jetzigen Vorgänge in ihrer voiklichen Wurzel begreifen, noch von einem ausschliesslich deutschen Standpunkt her urteilen könnten. Wir versuchten aber auch nicht wie die anderen Religionen die deutsche Politik von der jüdischen Religion her zu formen, sondern fragten: Was bedeutet der Vorgang für mich als Juden? Die Folge wäre^ ein Opportunismus, der jede politische Haltung zerbreche. Wir könnten in der nächsten Zeit weniger denn je erwarten, dass sich das soziologisch ganz anders geschichtete deutsche Volk nach unseren Intellektuellen Kaufmanns- und Grossstadtmassstaben richte. Die einzige Möglichkeit, Orientierung zu gewinnen, läge im Judentum, der einzig gültige Massstab die Wirkung auf das Gesamt Judentum. Das bedeute Abkehr von der leidenschaftlichen Stellungnahme zu den deutschen Vorgängen, Notwendigkeit der Erziehung des Gesnm Judentums zur jüdischen Fol: Lik. „Non-Cooperation“ bedeute keine Aufgabe oder Vernachlässigung staatsbürgerlicher Rechte und Pflichten, "sondern Distanzierung von Vorgängen, zu denen wir keinen Zugang haben. — Der zweite Aufsatz zeigt die Konsequenzen dieser Stellung. Die Arbeit der Eingliederung der Juden in das deutsche Volk könne nur unter teilweisem Verzicht fortgeführt werden. Ein Verzicht darauf, unsere Denk- und Handlungsweise als verbindlich für das deutsche Volk über unseren Kreis hinaus zu betrachten. Das wäre eine Bejahung des Programms des „aufgeklärten Antisemitismus“, etwa Sombar!3. Notwendig wäre „Cooperation“, Sammlung nach innen und Anlehnung an , das Ges&ai Judentum. Das hätte auch kulturelle Konsequenzen und — nicht näher ausgeführte ~ Verzichtnotwendigkeiten zu bedeuten. Der Zionismus hätte diese Aufgabe nicht erfüllt, von ihm sei die starke Betonung der „Golusarbelt“, Initiative in bezug auf die unmittelbare Erhaltung der deutschen Juden und Pflege der Beziehungen zur Gesamiiudenheit zu fordern. Die schwerste innere Krise der Judenbeit stänce uns noch bevor, wenn der zusäinmenhaltende Druck von aussen nachzulassen beginne. Deshalb müsse mit der jüdischen Cooperation bald begonnen werden. Der Verfasser ist weiten Kreisen durch sein Buch über „Die wirtschaftliche Krise des deutschen. Juden“ uni seine wiederholten Bemühungen um Rerufsumschichtung bekannt Besonders die jüdische Jugend dankt ihm wichtige Hinweise auf ihre Lage. Gerade deshalb muss gefragt werden, wie Dr. Marcus sich die konkreten Auswirkungen einer solchen Parole vorstelu. Es ist sicher, dass gerade in letzter Zeit die deutschpolitischen Parolen der jüdischen Institutionen oft als verfehlt und unzureichend empfunden wurden. Ebenso hat man feststellen müssen, dass die zionistische Presse trotz aller Polemiken gegen C. V. und C. V.-Arbeit letzten Endes kaum etwas Neues gesagt, und dass die „Jüdische Rundschau“ in dem Masse, in dem sie sieb stärker mit dem praktischen Verhalten zu einzelnen politischen. Ereignissen befasste, zu ganz ähnlichen Formulierungen und Empfehlungen kam, wie sie die „C. V.- Zeitung“ seit Jahren gegeben hat. So augenfällig das Ungenügen der bisherigen Parolen ist so wenig ergibt sich daraus die Folgerung, dass neue, weitergehende erfolgreicher sein werden. Es ist vielmehr zu fragen, ob es heute noch möglich ist, solche allgemeinen Parolen zu geben, soweit sie über ganz praktische Hllismassnahmen w'ie Berulsumschichtung. Heime usw. hinausgehen. Ob die Einheit der Angeredeten nicht weithin eine Fiktion ist und ob noch‘eine zentrale Stelle vorhanden ist, von der ein solcher Appell legitim ausgehen, könnte. Zunächst ist zu klären, welche Schichten der deutschen Judenheit von solchem Ruf sich verpflichtet fühlen können uni welche Wirkung eine solche Seibstdistanzieruog auf ihre jüdische Stellung haben würde. Da ist zunächst die Schicht von jüdischen Intellektuellen, die in den sozialistischen Parteien und Gruppen, in der „linken“ Presse uni Literatur tätig sind. Das ist eigentlich die Gruppe, die den sichtbarsten und angegriffensten Teil „allgemeiner Betätigung“ von Juden darstellen. Es ist oft genug darauf hingewiesen worden, dass gerade diese Menschen nur zum kleinsten Teil sich ver.- pflichtend, an die jüdische Gemeinschaft gebunden fühlen, es ist fast ausgeschlossen; dass eine solche Parole hier Gehör fände. Dann ist da die breite Schicht des deutschjüdischeis Bürgertums, die grossenteils im, C.V. ihre jüdische Heimat hat Diese Schicht hat Ihren politischen Ort mit der Demokratischen Partei — Siaalspartei — im wesentlichen verloren. Dass sie ihn im Zentrum oder in der S. P. D. wiederiinden wird, ist kaum wahrscheinlich. Es ist natürlich, dass viele Menschen vom Ort ihrer jüdischen Bindung, dem C. V.. ihren politischen Weg gewiesen haben 'wollen. Ebenso sicher ist, das3 der C. V. seiner ganzen Voraussetzung und Konstruktion nach einen solchen Weg nicht zeigen kann. Noch u n m ö g 1 i c h e r ist es aber, dass der C. V. eine jüdische Parole wie die „Non-Cooperation4* aufnehmen. könnte. Denn seine hohe jüdische Bedeutung ist für einen sehr grossen Teil seiner Mitglieder unlöslich verknüpft mit seinem Kampf für völlige Gleichberechtigung. Dieser „freiwillige Teil verzieht“ wäre nicht nur ein Preis geben eines wichtigen Kampfmittels gegen die völlige Entrechtung, sondern auch ein Verzicht auf einen grossen. Teil seiner Gefolgschaft, der damit seine wichtigste jüdische Bindung verlieren würde. Wer weiss, wie hohe menschliche Reserven in dieser Menschengruppe vorhanden sind, wird solchen „Sammlungs“-Erfolg ablehnen, auch wenn er die dort vorhandene Haltung bekämpft. Es ist anzunehmen, dass Dr. Marcus vor allem an die jüdische Jugend gedacht hat, in der allerdings das Durcheinander und Ineinander jüdischer und allgemein-politischer Beweggründe und die Gefahr der Loslösung vom Judentum besonders gross sind. Diese jüdische Jugend bietet aber durchaus kein einheitliches Bild. Das öffentliche Gesicht der jüdischen Jugend wird viel zu stark bestimmt von der hündischen Jugend, die nur einen geringen Bruchteil von Menschen erfasst. Gerade von der hündischen Jugend her muss sehr ernst davor gewarnt werden, diese paar tausend Menschen als repräsentativ für die jüdische Jugend anzusehen. — Unseren Menschen wird durch eine solche Parole nicht geholfen werden. Wenn wir sie jüdisch zu erfassen vermögen, dann wird sich das in der praktischen Gestaltung ihrer Stellung zur nichtjüdischen Umwelt erweisen. Wenn wir nicht genug an jüdischer positiver Bindung geben können, dann wird uns den drängenden Forderungen der ökonomischen und {iimmmüHiHnHiüimsiififfHitMinfSiiüitfHiHmiiiHHimfHiiHffffiiHifiiffHiiiti'HimifH In dieser Nummer ausserdem: HEINZ COHN: Zum Thema: „Judentum und Sozialismus/4 HEINZ WARSCHAUER: Planmässiger Aufbau von Idee und Arbeit*

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