Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 38 (16.9.1932)
- Date
- 1932-09-16
- Page
- Seite 385 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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laaiEJi ' / LerUn, 16» September 1-3L XZ. IahrgLNg * Kr. 33 Errr§e!rrrrmmrr 20 Pfennig _IJ£A7 J WUW - - 9 t&J’J' *w Ws,/* J -S^V Vr V» -vv j ANS MMVMM. < / 7 7, - **•% <A***4» i^iss *y*>?K»~<> ,«-s^ £*'; \<* * .*■ --'. ■**» ***>& y '-> 7. / Llvik*;3 ^JK5r \/^;\. / *•<?* Wt f^-3 I*'r>nVö **$*>«v^ £ ->*1 trt v z_ Allgemeine Zeitung des Judentums BierLeljabrsabonnernrNt 2.25 RM. (zuzügl. Seitfiüflciö). Verlag uub SchriftleiLung: Serlin W15, Emfer Str. L2. Fernsprecher: J 2 Olira 5074. .:. Pomchrckton.ro: Lerlin M4 72. .:. Lanrronto: Tr^sdnrr Brn?, DepasttLnkasse 8 2, Berlin-Wilmersdorf 1, HohsnzollernLarnnr 196. Alleinige Anzeigenannahme: Bnnsncen.TxpeLition Rudolf Masse, Berlin SV,r 1*0, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 &*.& für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Moffes Normalzeilenmesser Nr. 4, Farnilienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Lentraloereins v,45 3ULr dir £2 min breite Nerlamezeile 3,50 J2JZ. A-^\ 1 {! -! - ' i ■ f i X! ■. <; V? 1:1 V V? 5>° X \s A-'V *XX- -AvI ’V'V S/l \ l I r>\ /Vy X n VnJ* Wieder einmal ist der Deutsche Reichstag aufgelöst. Ob die Neuwahlen eine Lragfähigere Regierungsbasis bringen werden, muß bezweifelt werden. Gewiß haben die 'Terrorakte, die in den ersten Augusttagen einen praktischen Anschauungsunterricht von nationalsozialistischer Legalitätsauffassung gaben, manchem bürgerlichen Wähler der NSDAP.. die Augen geöffnet. Gewiß gärt es in den militärischen Kaders der Sturmabteilungen, die, von Wahl zu Wahl vertröstet, an der politischen Geschicklichkeit chrer Führung zu Zweifeln begonnen haben; gewiß wird aus diesen Gruppen der eine oder andere Wähler zur Kommunistischen Partei zurücksinden, von der er gekommen ist. Wer aber von dieser Wahl den völligen Zusammenbruch der NSDAP, erwartet, wird sich täuschen. So rasch vollziehen sich politische Entwicklungen nicht. Immerhin bestehen Chancen, den „unaufhaltsamen Siegeszug" der Partei diesmal zu hemmen. Auch ein Verlust einer Mandatszisser, der keine vernichtende Wirkung hat, wird als psychologischer Faktor die Entwicklung ■ gerade dieser nur agitatorischen Bewegung auf längere Sicht hinaus hemmend beeinflussen. Deshalb sollte jetzt, wo die Zersetzung in der Partei im* merbohrend er vorwärtsdringt, derKampf von allen politischen Gegnern der Nationalsozialisten ausgenommen werden. Die Führung der NSDAP, sieht Wolken über dem Glücksstern Hitlers ausziehen. Sie wird, obwohl wahrscheinlich die „unbekannterGGeldauellen nicht mehr so stark strömen werden wie bisher,mit derRücksichtslosigkeit und dem Energieaufwand austreten, die ihr die Furcht vor dem Versinken in die politische Bedeutungslosigkei: abnötigen. Sie wird vor allen: ihren angeblich sozialistischen Charakter durch eine scharfe Opposition gegenüber den sozialpolitischen Teilen der Papenschen Notverordnung zu betonen und frühere Bindungen an die Regierung von Papen abzuleugnen Züchen. Daß >öerr Hitler schon in diesem Bestreben die gewiß judenreineRegierung von Papen als gefügige Werkzeuge der bösen Juden zu verdächtigen sucht, liegt in der Agitatiouspraris seiner Bewegung begründet; er spart sich für seine lächerliche Behauptung den Beweis, und er findet — wenigstens vor den Hörern im Münchener Zirkus Krone — ferne Ablehnung, wenn er frisch in die Welt hinaus trompetet: „Wir haben Won damit gerechnet, daß — wenn es bzn Üuden ganz schlecht geht — sie im letzten Augenblick noch ein paar Aristokraten finden werden, die ihnen helfen; so wie man vor dem Kriegs schon manchmal den jüdischen Namen durch ern adliges Wappen und das Adelswappen durch jüdisches GAd aufpusfte/ So scheint es, als ob die judenfeindliche Walze m diesem Wahlkampf noch starker ausgenutzt werden wird als bisher, obwohl gewiß andere Probleme dringlicher zur Lösung stehen als die sogenannte Judenfrage. Äber nationalsozialistische Praktiker, auch Regierrlngspraktiker glauben, noch immer das Volk satt zu machen, wenn sie ihm den antisemitischen Köder hinwerfen, statt seinen Hunger nach Brot zu stillen. In diesen Tagen hat die nationalsozialistische Regierung in Anhalt den antisemitischen Instinkten eines Teiles ihrer Wähler durch einen Schulerlaß zur „Pflege des völkischen Gedankens" entsprochen, dessen Grundsätze in schärfstem Gegensatz zur Reichsoerfassung, aber auch zu den Anschauirngen der Religionsgemeinschaften stehen. Landesrabbiner Dr. Walter (Dessau) ha: unseren Standpunkt in erschöpfender und ^würdiger Form in der anhattinischen Presse zum Ausdruck gebracht. Ueber den Erlaß und die Maßnahuien, die gegen diese unsere verfassungsmäßige Gleichberechtigung bedrohende Haltung der an* haltinischen Regierung zu treffen sind, wird noch zu sprechen sein. * In seiner Rundfunkrede vom 12. September hat Reichskanzler von Papen erllärt: . . . „Erst wenn der Kamps eine persönliche Spitze gefunden hat, findet der Durchschnitrsdeutsche, daß dies in Wahrheit ,Politik sei. Wie kürzlich erst ein bekannter Schriftsteller feststeüte, ist in der Tat Politik eine Sache geworden, sin der Lug und Trug, jede Form der Gemeinheit, der Unwahrhaüigkeit, der List, der Perfidie erlaubt, Felonie Gesetz geworden istä T'iese Art, Politik zu führen, bedroht unsere nationale Eristenz. Was als politisches Recht auf sireie Aternungsäußerrmg' betrachtet wird, ist zum Recht auf gegenseitige Verunglimpfung, auf Verhöhnung,"Verächtlichmachung der anderen geworden. Es gibt gesetzlichen Schutz für dir persönliche Ehre, aber es gibt leider keinen gesetzlichen Schutz gegen kollektive Beleidigung, die eine Gruppe, eine Partei oder Bewegung als Landesverräter oder Gesinnungslumpen bezeichnet. Dieser Verwilderung des politischen Kampfes mit persönlichen und kollektiven Verunglimpfungen muß und wird ein Ende gesetzt werden . . / Erhöhten Schutz gegen kollektive Beleidigung hat auch der Eentralverein bereits seit Jahren gefordert. Immer wieder wurde in diesen Blättern das demagogische System entlarvt, mit dem man straflos verleumden konnte: man belchimpfte und verleumdete nicht eine einzelne Person, sondern „die Juden" schlechthin. Wenn auch Herr von Papen bei seiner Rede sicherlich nicht speziell an den Schutz der deutschen Juden, sondern vielmehr andenpolitischerGruPven gedacht haben dürste, so wird ein energisches Vorgehen gegen die kollektiven Verunglimpfungen auch rm Kampf gegen die anrisomitische Verwilderung hoffentlich erfolgreich ausgenutzt werden können. * Noch steht es nicht fest, wann die Nemvahlen stattfinden. Aber das eine muß schon heute mit aller Scharfe ausgesprochen werden: es darf auch diesmal in unseren Reihen keine Wahlrnüdigkei: geben! Die radikalen Gruppen hoffen auf eine Abnutzung des Wahleifers in den verfassungstreuen bürgerlichen Kreisen. Diese Hoffnung muß zuschanden werden. OiS5Ss Nummer liegt die Beilage: „Von deutschjüdischer Jugend" bei